Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 8 (1929-1930)
- Issue
- 9 (5.1930)
- Date
- 1930-05-01
- Page
- Seite 367 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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367 men. Als das Gesetz erlassen wurde, waren in Frankfurt 2200 Juden ansässig. Es bedeutete die Einschränkung einen Satz von 5.45°/oc. Man bestimmte also eine Ehezahl, die sogar schon im Zeitpunkt der Ausgabe des Gesetzes viel niedriger war als die Durchschnittszahl. Für das Halbjahrhundert30) 1630/80 mit einer Bevölkerungszahl von ca. 1600 Seelen bedeutete die Beibehaltung von 12 Ehen eine Quote von 7,5 Ehen auf 1000 Einwohner. Zu Ende des 17. und zu Beginn des 18. Jahrhunderts ist wieder die alte Seelenzahl von 2200 erreicht worden; auch hier konnten also wieder unter 1000 Einwohnern 5,45 Ehen geschlossen werden. Mit der Eheerlaubnis von 18 Paaren im Jahre 1802 kam man wenigstens wieder auf den alten Satz von 5,6°/oo zurück. Viel weiter sank jedoch diese gesetzliche Eheziffer mit der Bestimmung des Jahres 1824, daß nur 15 Ehen geschlossen werden durften; es ist dies bei 4500 Seelen eine Quote von 3,3 Ehen auf 1000 Einwohner. Den Juden war damit nicht einmal mehr die Hälfte der von Süßmilch angegebenen Normalzahl zugebilligt. Kein Wunder also, daß man immer versuchte, auf jede nur mögliche Art das Gesetz zu umgehen! Für die Ehelösungen durch Scheidung können hier keine Angaben gemacht werden, da wir hierüber von keiner Seite unterrichtet werden. Hinsichtlich der Ehelösungen durch Tod kann folgendes festgestellt werden: die Zahl der Witwer könnte, wie schon oben hervorgehoben wurde, aus dem I. Sterberegister ermittelt werden, da dort bei jeder Frau der Name des Ehemanns erwähnt wird. Hiermit wäre aber, ganz abgesehen von der mühevollen Arbeit, die diese Ermitthing beanspruchen würde, nur eine einseitige Statistik erlangt, da die Zahl der in jedem Jahr verwitweten Frauen aus diesem Register keineswegs zu finden ist. Aus der II. Sterbetafel läßt sich eine genaue Zahl der jährlich verwitweten Männer und Frauen feststellen, da in jedem Falle der Familienstand angegeben ist. Bei dem Tod verheirateter Männer müßte dann mit Hilfe des namenÜichen Registers am Schluß des Buches geprüft werden, ob die Frau früher gestorben ist als der Mann. Auch hier wäre also die Mühe keine geringere als vorher. Es wurde zu Ende der Einleitung bereits darauf hingewiesen, daß zum Schluß einer solchen Bevölkerungsstatistik die Zahlen der Bevölkerungsbewegung in einer kurzen Uebersicht zu einem Gesamtbild zusammengefaßt werden müßten. Hinsichtlich der Wanderungen ist es, wie sich schon aus dem Vorhergesagten ergibt, nicht möglich, genaue Zahlen anzugeben. Es sei nur an dieser Stelle darauf hingewiesen, so) Man muß hierbei mit größeren Zeiträumen rechnen, da die Schwankungen in den einzelnen Jahren durch zu viele andere Umstände bedingt sein können. daß die Abwanderungsmöglichkeit für die Frankfurter Juden immer unbeschränkt war, während eine Zuwanderungserlaubnis für höchstens 12 Personen in jedem Jahre erlangt werden konnte. Eine Gegenüberstellung der Geborenen und Gestorbenen nach Jahrzehnten zeigt folgendes Bild:31) Jahr: Geb. Gest. Geburtenüberschuß + Gestorbenenüber schuß — 1750- -59 1145 1266 — 123 1760- -69 1255 1305 — 50 1776- -79 1150 1172 — 22 1811— -20 994 945 + 51 1821- -50 676 804 — 128 1831— -40 844 796 + 48 1841- -50 590 577 + 13 1851- -55 587 303 + 84 Wie schon aus der Tabelle ersichtlich ist, ist selbst bei der Geburtenüberschuß festzustellen, wie dies bei dem natürlichen Zusammenfassung nach Jahrzehnten keineswegs immer ein Wachstum einer jeden Bevölkerung vermutet werden muß. Noch stärker ist dieses Mißverhältnis bei einem Vergleich der einzelnen Jahre. Wir finden dann von 31 Jahren der ersten Periode in 15 Jahren ein Mehr von Gestorbenen und in den 48 Jahren der zweiten Periode in 19 Jahren ein Gleiches. Insgesamt haben wir in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts, in die die Periode A fällt, eine Bevölkerungszunahme von 5%. Die Ursache für das Mehr an Gestorbenen ist in beiden Perioden verschieden. In A ist es die erhöhte Sterblichkeit, auf die bereits früher hingewiesen wurde, die kein Wachsen der Bevölkerung zuließ, in der Periode B spielt hingegen schon der deutliche Geburtenrückgang eine Rolle. — Zu allen Zeiten werden aber auch sicherlich das ständige Heiratsverbot, sowie die anderen Einschränkungen wirtschaftlicher und politischer Natur von störendem Einfluß gewesen sein. Wenn wir den ganzen hier unternommenen Versuch einer Bevölkerungsstatistik der Juden von Frankfurt überblicken, so kommen wir zu dem Ergebnis, auf das schon einleitend hingewiesen wurde, daß für fast alle Fragen, die eine Bevölkerungsstatistik zu behandeln hat, einzelne Daten geliefert werden konnten, daß jedoch für keine von ihnen sichere über die ganze Zeit sich erstreckende Aufstellungen gemacht werden konnten.. Was gegeben werden konnte, gewährt jedoch einen genauen Einblick in die wirtschaftlichen und sozialen Zustände der behandelten Zeitabschnitte. M) Ein Vergleich der Differenz zwischen Geborenen und Gestorbenen mit dem Bevölkerungsstand, woraus sich der Wanderungsverlust bzw. Gewinn ergeben müfite, ist hier nicht möglich, da für einzelne Jahrhunderte keine genauen Zahlen bekannt sind. Festgedichte, Prologe, Theaterstücke verfasst und inszeniert billigst Arthur Astheimer Neuhofstraße 35 Telefon Zeppelin 55312 B== F ü_r den Vormittag FIL DE PERSE-S TR ÜMPFE A. Höchberg Kaisersir. 15 HERMANN HENSLER Zell 62 OPTIK + OPTIK Moderne Kneifer und Brillen in nur bester Ausführung. Sorgfältigste fachmänn. Bedienung. Reparaturen schnell u. billig. PRITEG TELEFON- UND L1GBTRUF- ANLAGEN IN MIETE UND KAUF FRANKFURTER PRIVAT-TELEFQN-GESELLSCBAFT G. m. H.H. Neue Telefonnummer für Frankfurt a. 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