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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1930-05-01 · 9 (5.1930) · p. Seite 366

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
8 (1929-1930)
Issue
9 (5.1930)
Date
1930-05-01
Page
Seite 366 (sequence 10)
Language
German
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366 In der Tabelle 1 sind audi die Zahlen für die außerhalb Frankfurts geschlossenen Ehen gegeben, die schon in der ersten Rubrik enthalten sind. Sie veranschaulichen, wie wenig man sich zu Anfang dieser Periode scheute, das Gessetz auch in stärkerem Maße zu übertreten. Nur in der Zeit von 1765—97 hielt man es wohl wegen verschärfter Kontrolle für geboten, die Hochzeiten außerhalb Frankfurts abzuhalten.17) Wenn in anderen Jahren Ehen außerhalb Frankfurts geschlossen wurden, so ist dies wohl nur auf besondere Zufälle zurückzuführen. Es wurden z. B. häufig die Hochzeiten in den Sommermonaten in Langenschwalbach abgehalten.18) Nach Langenschwalbach wird Bockenheim am häufigsten genannt. Was jmn die Gesamtzahl der Ehen in der 1. Periode betrifft, so ist in den ersten 12 Jahren ein Steigen der Anzahl der Ehen zu bemerken. Nach-dem dreimaligen Sturz in den Jahren 176", 1772 und 1789 folgt je eine Periode des Stillstands. Nach dem Steigen des Jahres 1794 ist wieder ungefähre Konstanz festzustellen. Die besonders auffallenden, höchsten Zahlen der Jahre 1760/66 entsprechen den höchsten Zahlen bei Behrends.19) Er schreibt dies20) der erhöhten Sterblichkeit zu. Bei den Juden hält diese bis zum Jahre 1764 an. Allerdings gibt Behrends audi zu, „daß um diese Zeit, wegen der französisdien Armee mehrere Nahrung, als einige Jahre vorher und nachher gewesen". Ob dadurch auch die Lebensmittel in ihrem Preis gesunken waren, erfahren wir weder bei ihm noch bei Stricker. — Weitere Schlüsse aus diesen Schwankungen zu ziehen, ist umso sdiwerer, als wir gerade von dieser Periode die Seelenzahl nidit genau kennen. Die einzige Zahl ist die von 2800 Seelen für 1750. Im Laufe der betrachteten 51 Jahre kommen insgesamt fast 1200 Ehen vor. Es entfallen somit auf 1 Jahr beinahe 24 Ehen. Bei einer Seelenzahl von 2S00 ergibt ein Heiratsdurdisdmitt von 24 Ehen pro Jahr eine Heiratsziffer von 8, 57°/0o, d. h. auf je 1000 Personen kommen 8,57 Ehen. Nach Süßmildi21) ist ein gesundes Heiratsverhältnis das von 110—115 Personen auf eine Ehe; es ist dies das Verhältnis von 8,69 auf 1000 Einwohner. Sieht man also ab von der ungeheuren Einsdiränkung, die die gesetzliche Zahl von 12 bedeutet — sie wird sogleidi näher besprochen werden—, so stellt die wirkliche Durchschnittsziffer von 8,57 ""ein normales Verhältnis dar. Es ist dies um so merkwürdiger, 17) Es findet sidi allerdings meines Wissens nirgends eine Notiz hierüber. Erst im Jahre 1791 wurde das Heiratsverbot von neuem verschärft. 18) Damals der beliebteste Badeort der Frankfurter Juden. ") S. 4 ff, 20) S. 17. ai) S. 147. als gerade in Frankfurt in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts unter der niditjüdischen Bevölkerung das Verhältnis ein so sdiledites war. Behrends22) klagt darüber, daß Frankfurt die Stadt sei, die fast die geringste Ehehäufigkeit aufweise. Er findet auf Grund seiner Tabellen23) für die Jahre 1724/69 ein Verhältnis von 170:1, oder einschließlich der Katholiken, die z. T. nidit eingetragen sind, ein Verhältnis von 155:1, d. h. auf 1000 Einwohner kommen 5,88 bezw. 6,45 Ehen. Er führt diese geringe Heiratslust vor allem auf die schlediten wirtschaftlichen Lebensbedingungen zurück. Er weist vorzüglich darauf hin, daß die „Menge, Kostbarkeit und Preise" der Lebensmittel in viel stärkerem Maße gewachsen seien, als der Handel.24) Für die zweite Periode sdieint schon aus der Gleichförmigkeit der Zahlen bis einschließlich 1853 hervorzugehen, daß von ihnen dasselbe gilt, was schon von den Zahlen des Judenbronnenrohrs und der Rechenmeisterbücher gesagt wurde: Amtlidi wurde nur die gesetzlich zugelassene Zahl der Ehen eingetragen.25) Daß sich auch in der späteren Zeit die Zahlen nidit wesentlich erhöhen, obwohl die israelitische Gemeinde zugenommen hatte, liegt wohl daran, daß Meidinger die Permissionisten nidit berücksichtigt hat. Wenn auch seit 1824 die Aufnahme in den Bürgerverband nicht mehr auf so viele Schwierigkeiten stieß wie vorher, so wurden doch die meisten Juden erst nach ihrer Verheiratung in den Bürgerverband aufgenommen.26) Außerdem macht sich hier die Tatsache bemerkbar, daß seit der Befreiung die Heiratsunlust zunahm.27) Die besonders hohe Zahl des Jahres 1834 ist eine Folge der Aufhebung der Ehebesdrränkung für die Einheimischen. Das plötzliche Sinken seit 1841 geht einem Sinken der allgemeinen Eheziffern parallel.28) Es wird wohl auf einem wirtschaftlidien Niedergang beruhen; z. T. mag es auch mit den erhöhten Sterbeziffern der Jahre vorher zusammenhängen.29) Um die gesetzlidi zugelassene Zahl von 12, bzw. 15 und 18 Ehen pro Jahr richtig zu beurteilen, muß man sie mit der Seelenzahl in Beziehung setzen und untersuchen, inwieweit diese Verhältniszahlen mit den Normalzahlen übereinstim- 22) S. 6 ff. 23) S. 4 ff. 24) S. 15 ff. 25) Wir können wohl annehmen, daß Meidinger die amtlichen Listen benutzt hat, nachdem er keine andere Quelle angibt. 26) Es gelit dies deutlich aus den Bürgerbiidiern hervor. 27) Vgl. Oppenheim an mehreren Stellen. 28) Vgl. Meidniger, S. 42. 28) Vgl. oben die Sterbetabelle II. Klavierunterricht für Anfänger u. Fortgeschrittenere Gehörsbildung im Spiel Marie Frank Staati. anerk. Klavierlehrerin Rossertstraße 11 Maingau 73622 J. HIRSCHI das Haus für gute CIOÄRREN Crüneburgweg 9 Zeppelin 51217 Pianos allererste Marken Steinway s*8 Blüthner Ibach Schiedmayer» Planolorielabrlk und viele andere. Günstige Teüzablaogsbed. Katalog kostenfrei. 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