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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1930-05-01 · 9 (5.1930) · p. Seite 362

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
8 (1929-1930)
Issue
9 (5.1930)
Date
1930-05-01
Page
Seite 362 (sequence 6)
Language
German
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362 dienerinnen in Oesterreidi ist, dessen Don Carlos sie, wie nadi ererbtem Geschmacke, für ihr liebstes Drama erklären, weil er so sehr erhaben ist" Aus diesen Worten des pietistisdi angehauchten, im übrigen feinsinnigen und kenntnisreichen Theologen klingt die Ironie und der Vorwurf nur zu deutlich heraus. Hätte er aber eine genauere Vorstellung von der ganzen Ausdehnung des Uebels, sein Tadel wäre viel schärfer ausgefallen, und er könnte ihn heute noch mit demselben Nachdruck wiederholen. Seitdem die Kenntnis des Hochdeutschen sich unter den Juden Polens und Litauens, hauptsächlich dank der Mendelssohnschen Bibelübersetzung, ausbreitete, hielt auch Schiller unter ihnen seinen Einzug. Er eroberte sich hier den Boden nur sehr langsam, behauptete aber bis heute das Feld. Seit den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts war er der Liebling des Ghettos. Schiller las man hier nicht; man studierte, man „lernte" ihn, man konnte ihn auswendig, man vertiefte sich in ihn, man „forschte in ihm", wie man in den heiligen Schriften forschte, und man las auch tausenderlei Dinge in ihn hinein und aus ihm heraus, ganz wie es mit den heiligen Schriften geschah. Schiller kannten junge und alte, Männer und cnityn •n^rö pnpo 'TYpvno vons ~vnp & nnw -Prter "n ^3 STS K71 ~7BVt vjpriro .^3 na' Tto^rtt-»? -f* J"l tw) Die Räuber VOD Friedrich Schüler tob Hebräische Ubersetzt von Aloses Schalbanm Ked»ckteur du .Kol ■ Kaeth" Le mberg Dreck toi S L. Eiijtl Leoin X Comp. 1871 (Nachdrc-fc vo^ch&lrefi) Frauen. Schiller war ihre heimliche Liebe, wenn sie hinter den mächtigen Talmud-Folianten im Bethamidrasch sassen, oder wenn sie hinter der Kaufmannslade standen; er war ihr Freund und Tröster, wenn sie nachher draussen im Leben von feindlichen Gewalten bedrängt wurden. Er ward „unser Schiller". Endlich mussten sie anfangen, ihn zu übersetzen. Kein deutscher Dichter, geschweige denn ein ausländischer, wurde so viel und so oft ins Hebräische übersetzt, wie Schiller. Gemeint sind nicht etwa die dilletantischen Uebersetzungen „zum eigenen Gebrauche", die jeder versemachende Jüngling — und welcher Jude im Osten hat in seiner Jugend nicht hebräische Verse gemacht! — anzufertigen pflegte. Es soll hier nur von literarisch wertvollen Leistungen die Rede sein. Allein auch von diesen ist wohl nur ein geringer Bruchteil im Druck erschienen. Gleichwohl Hesse sich bequem aus den vorhandenen, überwiegend in Zeitschriften verstreuten Uebersetzungen eine hebräische Ausgabe nahezu aller bedeutenderen Gedichte Schillers, besonders der zweiten und dritten Periode, wie auch aller seiner Dramen, bis auf drei, endlich mancher seiner prosaischen Schriften veranstalten. Einzelne sind zwei- und dreimal übersetzt worden. Beinah alle sind als wohlgelungen zu bezeichnen, aber es gibt darunter manche echte Perle der Uebersetzungskunst. Die nachfolgende Uebersicht ist vorwiegend aus dem Gedächtnis und gelegentlichen Notizen gemacht und beruht also nicht auf systematischen Untersuchungen; sie kann daher durchaus nicht den Anspruch erheben, erschöpfend zu sein. Das erste Gedicht von Schiller, welches ins Hebräische übersetzt wurde, dürfte wohl „A n dieFreude" sein; der Uebersetzer war Liepmann Moses Büschenthal; die Uebersetzung erschien im Jahre 1817 in der Berliner Zeitschrift „Jedidja". Eine grössere Auswahl Schillerscher Gedichte in sehr schöner Uebersetzung veröffentlichte Dr. Meir Halewi Letteris aus Przemysl in Galizien, Wien 1852. Letteris, der sich als Lyriker einen guten Namen gemacht, lieferte (1862) auch eine Uebersetzung von Faust, I. Teil, die damals zu einer weitläufigen Polemik Anlass gab. Mathias Simcha Rabener aus Lemberg, Schuldirektor in Jassy, .hatte zur Zentennarfeier von Schillers Geburtstag (1859) ebenfalls eine Auswahl von dessen Gedichten ins Hebräische übertragen, die aber erst 1862 in Czernowitz herauskam und sechs Jahre nachher in Jassy in vermehrter Auflage erschien. Das war vielleicht der einzige Fall, dass Schillers hundertster Geburtstag von Nichtdeutschen weit unten in „Halbasien" derart gefeiert wurde. Ausserdem seien von einzelnen Gedichten wenigstens folgende Uebersetzungen angeführt: Elegie auf den Tod eines Jünglings. Uebersetzt von M. E. Stern, 1847. — Die Kindesmörderin. Uebersetzt von Daniel Ehrmann, 1864 und von Nathan Samuely, 1868. Letztere Uebersetzung ist ein wahres Meisterwerk. — An den Frühling. Uebersetzt von ChajimCarfunkel, 1850. — Elysium. Uebersetzt von Selig Allerhand aus Zurawno, Galizien, 1852. — An die Freude. Uebersetzt (zum zweiten Male) von Baruch Schönfeld, 1825. — Resignation. Uebersetzt von J. Brüstiger, Lemberg, 1884, und von Konstantin A. Schapira, 1886. Eine dritte Uebersetzung erschien in Warschau 1885. — Die Zerstörung von Troja. Uebersetzt von Michah Josef Lebensohn, Wilna, 1849. — Sehnsucht. Uebersetzt von Nathan Meiler, 1862. — Der Pilgrim. Uebersetzt von Moses Schulbaum, 1862, und von Hermann Mayer, 1866. — Der Jüngling am Bache. Uebersetzt von Jakob Weidinger, 1856, und von M. Schulbaum, 1864. — Berglied. Uebersetzt von M. Schulbaum, 1862. — Der Ring des Polykrates. Uebersetzt von M. E. Stern, 1851. — Hero und Leander. Uebersetzt von David Rapoport, Lemberg, 1852. — Die Bürgschaft. Uebersetzt von Isaak Kandia, Warschau, 1829, und von J. S., Lemberg, 1852. — Der Taucher. Uebersetzt von Israel Rall (Jaroslaw, Galizien), 1847. — Der Handschuh. Uebersetzt von Louis Lewin, Berlin, 1862. — Die Teilung der Erde. Uebersetzt von Hirsch Bauer, 1824. — Das Mädchen aus der Fremde. Uebersetzt von David Rapoport, Lemberg, 1851. — Das Lied von der Glocke. Uebersetzt (bruchstückweise) von Salomon Jehudah Rapoport, 1820 und 1826, von Simon Bacher, 1847, von J. L. Gordon, von Salomon Pundi, 1856. (Ausserdem von Letteris und Rabener in den oben erwähnten Sammlungen.) — Hoffnung. Uebersetzt von Issacher Ber Schlesinger, 1826, und von Leon Adler, 1848. — Die Worte des Glaubens. Uebersetzt von Hirsch Bauer, 1824. Von den Dramen wurden übersetzt: Die Räuber, von Moses Schulbaum, Lemberg, 1871. — Fiesco, von Samuel A. Apfel, Drohobycz, 1889. — Don Carlos, von David Radner, Wilna, 1879, zweite Stereotypausgabe 1885. — Maria Stuart, von Salomo Kowner, Wilna, 1879. — Die Braut von Messina, von Jakob Lewin, Brody, 1868. — WilhelmTell, von David Radner, die eingestreuten Gedichte von Israel Fränkel, Wilna, 1878, zweite Stereotypausgabe, 1882. — Macbeth, von Isaak Barb, Drohobycz, 1885. — Turandot (erster Aufzug), von Josua Atlas, Przemysl, 1879. Eine Uebersetzung der Jungfrau von Orleans soll vor nicht langer Zeit erschienen sein, doch konnte ich ihrer nicht habhaft werden. Eine prachtvolle Uebersetzung der Kapuzinerpredigt aus Wallensteins Lager veröffentlichte M. A. Klausner, Berlin, 1898, aus dem Nachlass seines Vaters B. W. Klausner; die Uebersetzung stammt aus dem Jahre 1857. Von den Prosaischen Schriften sind meines Wissens nur folgende übersetzt worden: Philosophische Briefe, von Dr. Salomon Rubin, Lemberg, 1851. — Der Spaziergang unter den Linden, von Kaiman Schulmann, Wilna, 1847, zweite Stereotypausgabe, 1864. Die „Sendung Moses" wurde — man staune! — ebenfalls ins Hebräische übersetzt und zwar zweimal, nämlich von Eliahu Lewin, Wilna 1866, und von Meir Stockmann, Lemberg, 1878. Beide Uebersetzungen sind übrigens mit ausführlichen, ebenso gut geschriebenen wie naiven Kommen- Gibst Du Deinen Zehnten für den Armen? Denkst Du an die vielen, die Arbeit suchen und nicht finden? Jüdische Wohlfahrtspflege Frankfurt a. M. Langestr. 30 Postscheckk. 54893 Tel. Hansa 26531

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