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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1930-04-01 · 8 (4.1930) · p. Seite 333

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
8 (1929-1930)
Issue
8 (4.1930)
Date
1930-04-01
Page
Seite 333 (sequence 33)
Language
German
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333 Ueberhaupt hat sich während der Inflation die dankbare Anhänglichkeit früherer Zöglinge in erfreulichster Weise gezeigt. Die Stiftung genoss seit ihrer Gründung die freiwillige und uneigennützige Mitarbeit zahlreicher angesehener Männer der hiesigen Gemeinde. Leider ist es nicht möglich, alle diejenigen zu erwähnen, die sich in ihrer Verwaltung verdient gemacht haben. So seien wenigstens die Namen ihrer ersten Vorsitzenden seit der Gründung genannt: Adolph Maas, August Rothschild, Victor Ullmann, Direktor Dr. Salo Adler, Rabbiner Dr. Arnold Lazarus. Der derzeitige erste Vorsitzende des Vorstandes ist Herr Albert Rothschild. Leiter des Heims ist traditionsgemäss ein Lehrer des Philantropins, seit 1917 der Oberlehrer Elias Gut. Kundgebung. Bei der interkonfessionellen Protestkundgebung gegen die Religionsverfolgungen in Russland, welche der „Centraiverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" gemeinsam mit der „Deutsch-evangelischen Volksvereinigung" und dem „Katholikenkomitee" am 5. III. veranstaltete, sprach auch Rabbiner Dr. Arnold Lazarus. Er betonte, dass nach der jüdischen Auffassung jeder Mensch der Bruder und Hüter seines Nebenmenschen sei und dass gerade deswegen die Konfessionen trotz ihrer Verschiedenheit den Kampf gegen die Gegner der Religion gemeinsam aufnehmen müssten. Voranzeige. Am Sonntag, den 4. Mai, vormittags 11 Uhr hält Herr Theodor Freudenberger im Schumann Theater einen öffentlichen Lichtbildervortrag über seine Kriegs- und Friedenserlebnisse in Afrika. (Näheres s. Tageszeitungen). Wohltätigkeitsfest. Der seit Jahren bestehende ostjüdische Frauenverein „Esras Noschim'" veranstaltete am 23. März ein Wohltätigkeitsfest, das einen schönen Verlauf nahm und auch durch, die wohlgelungene Aufführung der jüdischen Operette „Die rumänische Hochzeit" (Regie Herr Frommers) ein künstlerisches Gepräge erhielt. Der materielle Erfolg des Abends war gegenüber den Vorjahren infolge gewisser Einwirkungen von aussenstehender Seite beeinträchtigt, doch kann erfreulicherweise auch in diesem Jahr aus dem Erlös zahlreichen Familien die Feier des Pessachfestes erleichtert werden. Stiftungsfest. Die Familienvereinigung ehemaliger Angehöriger der Regimenter 49/365 feierte am 23. März 1930 in Anwesenheit zahlreicher früherer Kameraden ihr Stiftungsfest. Die Weiherede am Denkmal hielt Herr, Rabbiner Dr. Salzberger, der als Feldrabbiner auch bei dieser Truppe gewirkt hatte und an die schwere Zeit gemeinsamer Kämpfe und Gebete anknüpfte. Zur Familienfeier hatte Herr Alfred Waller einen stimmungsvollen, die Kameradschaft verherrlichenden Prolog verfasst. Fünfjähriges Stiftungsfest des Iii. Zur Erinnerung an die Neugründung des „Iii" am 2. März 1925 fand eine kleine Feier in den Klubräumen von „Gross- Frahkfurt" statt. Zahlreiche Mitglieder und frühere aktive Mitarbeiter, sowie Freunde des Vereins waren zu dieser Feier erschienen. Die Darbietungen verrieten die Begeisterung und den Eifer, mit denen man die Feier ausstattete. Der Vorsitzende des Vereins, Herr Dr. Hugo Hoffmann gab in launigen Worten einen Ueberblick über die letzten fünf Jahre. Der Jugend verein Höchst war zahlreich vertreten und brachte seine Jazzkapelle mit, die ausgezeichnet spielte, sodass für die nötige Stimmung gesorgt wurde. Das Kabarett, das gut geleitet und abwechslungsreich zusammengestellt war — übrigens bei der Fülle des Gebotenen keine leichte Arbeit! — leitete geschickt und geistreich Herr Stein. Den Prolog sprach Frl. Westheimer. Viel Bezügliches brachte sehr gut pointiert, Herr Lichtenstein. Herr Grünebaum sang mit Wärme und Ausdruck moderne Schlager. Besonders gefiel das „Iii-Potpourri" von Frl. Lion und Herrn Rothschild unter Verwendung moderner zündender Schlager verfasst und vorgetragen. AI Jolson wurde von Herrn Blumenthal imitiert in Gesang, Maske und Mimik glänzend. Eine liebliche Tänzerin, Frl. Strauss, erntete reichsten Beifall. Immer belacht, immer schlagfertig, immer beliebt: Herr Federlein! Ein nettes Bild über die moderne Dienstbotenfrage entwarfen Frl. Liebermann und Frl. Eldodt. Frau Dr. Hoffmann las als Depeschenbote die eingegangenen Telegramme befreundeter Vereine vor und benutzte die Gelegenheit, einige fingierte selbstverfasste Depeschen, die sich auf den „Iii" und seinen Vorsitzenden bezogen, dazuzuschmuggeln, die grosse Heiterkeit auslösten. Tischlieder verhalfen auch noch die Stimmung zu steigern. Ein zeitgemässes Rundfunkinterview mit Herrn Stein, Frl. Kahn und „Mordochai" (Herr Astheime r) glossierte Frankfurt und den Schluss bildete die Wiedergabe einer Komposition des Führers der Höchster Jazzkapelle, Holzmann, „Samas" betitelt, wozu er noch den Text geliefert hat. Eine sehr kluge, geistreiche Glosse unserer Zeit. Man tanzte viel, war vergnügt, vergass die ernste Arbeit des Iii und trennte sich sehr ungern im Morgengrauen. B—o. Werbeabend des Bundes jüdischer Pfadfinder. I. So war es nicht: Klampfenspiel, Volkstanz, Stegreifgestaltung, Quirlen und Quietschen; Schimpfen auf Kino, Gesellschaftstanz, Tobak und Schnapspulle. Schwungvolle Rede und schwungvolles Sein. So war es nicht. Kein Sturm und Drang; kein Ueberschäumen; kein lohendes Feuer. Es war kein Abend der Jugendbewegung. Jener Jugendbewegung, die leutselig geduldet wird, weil man ihre Ungefährlichkeit erkannt hat. Ihr Abseits. Es war ein andrer Abend, zu dem uns der Bund jüdischer Pfadfinder geladen hatte. n. Es spricht der Freund; der Rabbiner. Jungsein ist schön: schöner für den, der weiss, dass er sein Leben gestalten darf, als für jenen, der nur immer möblierter Herr seiner „Weltanschauung" ist. Um aber zu gestalten muss man können und wissen, und um zu können, um zu wissen, muss man lernen. Die Führer sprechen, 16, 17jährige. Wir wollen lernen, ganz einfach zu sein, ganz natürlich, ganz ohne Panzer. Unser Ziel, unser Erwarten, soll mit unserm Erfahren übereinstimmen. Keine Luftschlösser! Und unsre Tat soll immer versuchen, das. was wir wollen, und das, was ist. zum Einklang zu bringen. Zur Harmonie. Die Kleinen spielten. „Der Herr Sohn". Ein Glanzstückchen der Selbstverulkung. Und die Grossen spielten: „Brüder". Jakob und Esau; die Verschiedenen. Keiner ist nur gut. keiner nur bös. Jeder handelt so, wie er handeln muss. Der eine so richtig wie der andere. Acht kurze, erschütternde Bilder. Acht mal der Ruf nach dem Recht. Und Gott spricht. Antwortet. Weist zu. Weist zum Sein. in. Was werden da aus den Bünden für Menschen kommen? Eure Erziehuncsercebnisse, Eltern, gestärkt durch die Gemeinschaft des Bundes. Habt Thr Eure Kinder richtig erzogen? Habt Thr das, was Thr selber nicht gestalten konntet, von Euren Kindern verlangt? Oder habt Thr sie selbst Stichen, selbst den Pfad finden lassen? Habt Ihr sie parteiisch erzogen oder schlicht „jüdisch"? Habt Thr ihren Glnnben zerstört oder ihn reif werden lassen für den Bund? Den Bund mit den Menschen, mit dem Tch und mit Gott? Die Tat Eurer Kinder wird Eure Verurteilung o^er Eure Freisprechung sein. H. M. Jngenddienst. „Der Jusrenddienst des jüdischen Frauenbundes. Centralstelle Frankfurt a. M. (Geschäftsstelle Langestrasse 3), kann nur dann seine Aufgabe erfüllen, alleinstehenden Jusrend liehen eine beratende Helferin zur Seite zu stellen, wenn sich die jüdischen Organisationen seiner bedienen und mit ihm zusammen arbeiten. Der Tugendrlienst soll als freie Liebestätigkeit die Sorsre für die Jugendlichen zugleich zentralisieren und dezentralisieren. Er will in der kh zahle Ihnen 1 Millionen (gem. § 9 des Planes), wenn Sie Das Grosse Los gewinnen! Ueber 40% aller Lose gewinnen. Schon ein mittlerer Treffer bedeutet: Umwälzung Ihrer Existenz. Zeil 26 Noch Klassenlose frei. Telefon 27732 Staaff. Lotterie-Einnahme :: Nähe Amtsgericht :: Telefon 27732

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