Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1930-04-01 · 8 (4.1930) · p. Seite 332

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
8 (1929-1930)
Issue
8 (4.1930)
Date
1930-04-01
Page
Seite 332 (sequence 32)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3094266-3094348-3094355--2308-3097051
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

332 Verein Hauptsynagoge. In der General-Versammlung am 20. März 1930 berichtete der 1. Vorsitzende, Herr S. Freudenberger, über das abgelaufene Jahr. Ausser dem in der vorjährigen Generalversammlung von Herrn Rabb. Dr. Gottschalk über das Thema „Ein deutscher Talmud" gehaltener Vortrag, -\vTirden von den Herren Rabbiner wieder dankbar aufgenommene Lehrvorträge dargeboten. Die Freitag-Abend-Feiern erfreuten sich wie immer eines grossen Zuspruches. Durch Aufstellung der Sukko im Gemeindehaus wurde wieder zur Hebung des Festes beigetragen und auch hier konnte mit Genugtuung ein sehr grosser Zuspruch konstatiert werden. Für die Mitglieder wurden die neuen Einheitsgebetbüdier zu einem bedeutend verbilligten Preis beschafft, die auch jetzt noch von unserer Geschäftsstelle bezogen werden können. Als sehr gelungen kann auch die Chanukka-Feier angesehen werden, dank Herrn und Frau Rabb. Dr. Gottschalk, die sich nicht nur im Einstudieren von Vorträgen besondere Mühe gaben, sondern auch selbst verfasste zeitgemässe Dichtungen zur Aufführung braditen. Ebenso hat sich Frau Dr. Selig in sehr verdienter Weise dieser Aufführungen angenommen. Die Feier war derart gut besucht, dass wir schon für die nächste Feier an einen grösseren Saal denken mussten. Die Purim-Feier war ebenfalls ein schön gelungenes Fest und überaus gut besucht. Die Damen Betty Schleifer und Fanny Baer, sowie das Vergnügungs-Komitee haben sich hierum sehr verdient gemacht. Besonderer Dank gebührt Herrn Alfred Mayer für die süssen Spenden, die er bei jeder Festesgelegenheit den Kindern zuteil werden lässt, ebenso Herrn Henry Rothschild für seine sinnigen Spenden. Eine Neueinrichtung, die sich bisher sehr gut bewährt hat, sind die jedeu Montag Nachmittag stattfindenden Spiel- und Lesestunden für die Jugend im Hörsaal, für die wiederum Herr Dr. Gottsdialk besonderen Dank verdient. Der Vorstand bedauert, dass er bisher mit wenig Ausnahmen von Seiten der Mitglieder zu wenig Anregungen erhalten hat, er ist gerne bereit, auf alle Anregungen, die in den Rahmen des Vereins passen, einzugehen. — Anschliessend erstattete Herr Haas den Kassenbericht. Vorstand der Hauptsynagoge. In den Vorstand Ac± Hauptsynagoge wurde anstelle des ausgeschiedenen Herrn Dr. Richard Merzbach als Delegierter der Gemeindevertretung Herr Ferdinand Stiefel gewählt. .. Rabbinische Lehranstalt (Jeschiwa). Das Sommersemester beginnt am Dienstag, 29. April. Anmeldungen für alle vier Abteilungen (Vorstufe, Unter-Mittel und Oberstufe werden schon jetzt entgegengenommen. Der Unterricht erstreckt sich auf Bibel, Hebr. Grammatik, Talmud mit Kommentaren und Schulchan Aruch. Den Schülern ist ev. Gelegenheit geboten, sich in profanen Fächern unter fachgemässer Leitung fortzubilden. Für den Lehrgang in der Vor- und Unterstufe werden schulentlassene Knaben und Jünglinge aufgenommen, die schon einige Kenntnisse in Talmud besitzen. Anmeldungen sind an den Leiter, Herrn Rabbiner Dr. Hoffmann, Börneplatz 16, zu richten, der zu jeder näheren Auskunft bereit ist. Flerslieim- und Sichel-Stiftung Einer alten Frankfurter Stiftung ist in diesen Tagen das Glück beschieden, einen neuen Bau zu beziehen. Es ist die seit 1865 bestehende Julius u. Amalie Flersheimsche Stiftung, mit welcher die seit 1914 bestehende Ignatz und Anna Sichel-Stiftung verbunden ist. Der Neubau befindet sich Ebersheimstrasse 5 an der grossen Bertramswiese. Wie die Akten erzählen, erwog der Gründer Julius Flerslieim, dem selbst Kindersegen versagt war, den Plan zu seiner Stiftung jahrelang in seinem Herzen, und er trug durch wohldurchdachte Bestimmungen Sorge, dass seine Ideen in seinem Werke weiterlebten. Julius Flerslieim wurde am 10. Februar 1792 in Frankfurt a. M. geboren und genoss seine Ausbildung in der Jacobsohnschule in Seesen. Die religiösen Ideale dieser Bildungsstätte wurden richtunggebend für seine humane und tolerante Lebenseinstellung. Seine hohe Intelligenz und sein reiches Gemüt, verbunden mit tiefer Liebe zu seiner Vaterstadt und der jüdischen Gemeinde, Messen ihn ein Werk schaffen, das sich den schon vorhandenen Wohlfahrtseinrichtungen würdig an die Seite stellen sollte. Flersheim starb am 18. September 1865 und hinterliess ein ansehnliches Vermögen, das zum grössten Teil zur Begründung einer „Anstalt zur häuslichen-Erziehung armer israelitischer Knaben" verwandt werden sollte. Am 29. August 1865 wurde die Anstalt mit 6 Zöglingen in dem für dieses Heim erworbenen Hause Pfingstweidstr. 14 (damals eine ganz freie Lage) eröffnet. Gegen die Wahl dieses Objektes, das als zu prunkvoll für seinen Zweck erschien, wurden von verschiedenen Seiten Bedenken geäussert. Allein es entsprach dem Willen des Stifters (nach dessen Bestimmungen die Kinder auch eine höhere Schule, in der Regel das Philanthropin, besuchen sollten) dass die Zöglinge nicht in übertriebener Einfachheit gehalten würden. Flersheim wünschte, dass man die Kinder nicht ständig in dem Bewusstsein der hilfsbedürftigen Lage erhalte, aus der man sie genommen hatte. Der Diditer Berthold Auerbach, der Vetter des ersten Anstaltsleiters Dr. Jacob Auerbach (1865—1885), äusserte sich damals zu diesen Bedenken in launiger Weise mit den Worten: „Die Wohltat spendet Brot, die schöne Wohltat auch Butter dazu." Flersheim wollte im Interesse einer individuellen Erziehung die Zahl der Kinder klein gehalten wissen. Es lag nicht in seiner Absicht, in die Breite zu wirken. In Fällen besonderer Begabung, künstlerischer- oder technischer Natur, sollten Mittel zur Förderung dieser Sondertalente bereitgestellt werden. Auf körperlidie Ertüchtigung durch Schwimmen, Turnen, Wandern wurde besonderer Wert gelegt. Die Zahl der Zöglinge stieg allmählich bis auf 18, das neue Heim wird zunächst mit 20 Zöglingen eröffnet. Im Jahre 1880 starb Frau Amalie Flersheim; sie hinterliess der Stiftung ein beträditliches Legat. Audi sonst flössen der Institution namentlidi aus dem Familienkreise Flersheim grössere Beihilfen zu, so im Jahre 1876 ein bedeutendes Vermächtnis des hiesigen Gemeindebürgers Mayer Windbach. Im Laufe der Jahre wurden ein Sparkassenfonds und ein Militärdienstfonds gegründet, damit die Zöglinge auch nach ihrem Austritte noch gestützt werden konnten. Bei der Aufnahme von Zöglingen werden nach den Satzungen Verwandte des Stifters, Kinder aus der hiesigen jüdischen Gemeinde (besonders elternlose oder Halbwaisen), dann Kinder aus der Umgebung in erster Reihe berücksichtigt. Mit der zunehmenden Entwicklung der hygienischen Forderungen speziell für Kinderheime erwies sich das Stiftungshaus mehr und mehr als unzureidiend. Professor Kracauer, der zweite Anstaltsleiter (1885—1917) klagt schon in seinem Tätigkeitsbericht von 1905 über die Mängel der Einrichtung. Er schreibt: „Wir geben uns der Hoffnung hin, dass der bei allen Gelegenheiten bewährte Wohltätigkeitssinn unserer israelitischen Mitbürger in absehbarer Zeit zu einem Neubau in freier Lage die Mittel gewähren wird." Im Jahre 1914 entstand mit ähnlichen Zielen und Zwecken die Ignatz und Anna Sichel-Siftung. Ihre Zöglinge wurden anfänglich in Privatfamilien verpflegt. Man kam von dem System ab und brachte die Kinder in dem Heim der Flersheim-Stiftung unter. Die Absicht Sicheis, ein neues Heim zu erbauen, konnte wegen des Krieges nicht ausgeführt werden. Erst die grossartige Spende eines ehemaligen Zöglings, des Herrn Eugen Spier in London, hat die Möglichkeit gegeben, diese Absicht zu verwirklichen. Abteilung I Allgemeine Fürsorge Unterstützungen, Mietbeihilfen, Kranken« hausfürsorge, Erholungsfürsorge Tel. Hansa 26240 Abteilung II Jugendfürsorge Kinderschutz, P f 1 e ge s t e 11 e n w e sen, Erholungsfürsorge, Sammelvormundschaft Tel. Hansa 26631 m Abteilung III Sonderfürsorge Studentenhilfe, Tuberkulosenfürsorge, Gefangenenfürsorge Tel. Hansa 26140 Abteilung IV Wanderfürsorge Unterkunft und Verpflegung der Durchwanderer, Ausgabe von Fahrkarten, Produktive Arbeitsfürsorge Tel. Hansa 26162 Jüdische Wohlfahrtspflege Langestraße 30 Postscheckkonto 54893 Fernsprecher Hansa 26531

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.