Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 8 (1929-1930)
- Issue
- 8 (4.1930)
- Date
- 1930-04-01
- Page
- Seite 331 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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I \ Aussprache 331 Zentralisation auf dem Gebiete der Wohlfahrtspflege Von Dr. S. L e h m a n n. Aus Raumgründen können wir die beachtenswerten Darlegungen des Verfassers leider nur auszugsweise wiedergeben. Sdiriftl. Wie bekannt hat sich die offene jüdische Wohlfahrtspflege der hiesigen Stadt zentralisiert. Jedenfalls ist die nach langen Bemühungen und Ueberwindung reichlicher Schwierigkeiten und Hemmungen endlich zustande gekommene „Fusion" aus Gründen zeitgemässer Rationalisierung zu begrüssen und. der Förderung aller Kreise der Glaubensgenossen zu empfehlen. Tatsache ist und bleibt, dass die Zentrale das Bestehen und die Tätigkeit zahlreicher Vereine jüdischer Fürsorge keineswegs überflüssig madit und gar manche Institution der Wohlfahrtspflege neben der Zentrale Aufgaben zu erfüllen hat, die die Gebefreudigkeit und Mitarbeit der jüdischen Mitbürger dringend erheischen. Und das ist gut so: einmal um den persönlichen Kontakt des Einzelnen mit der Not und dem Elend nicht auszuschalten, wie es das jüdische Reiigionsgese'tz ausdrücklich will und ferner weil die Neigung des Einzelnen für diesen oder jenen Speziaizweig der Fürsorge auf diese Weise dem guten Zweck dienstbar gemacht werden kann. Alle diese vielen Vereine erheben ihre Jahre sbezw. M i t g 1 i e d s b e i t r ä g e, aber jede für sich, in der verschiedensten Form und zu den verschiedensten Zeiten. Manche fordern schriftlich zur Zahlung auf und fügen Postscheckzahlkarten bei, manche erheben durch Boten die Beträge; die einen im Januar oder Februar, andere später bis in die Mitte des Jahres hinein. Nichtantreffen des Mitglieds verursacht häufig wiederholte Botengänge, die störend und manchmal verstimmend wirken und zudem noch doppelte Aufwendungen an Zeit und Kosten bedingen — bei verspätetem Eingang der Gelder. Wäre es nicht endlich möglich wenigstens hier (und dafür sind auch die sonstigen Gegner einer Zentralisation bestimmt zu haben) zu rationalisieren, viel Geld und Zeit, viel Arbeit und Unkosten allen Beteiligten zu ersparen, um zugleich den guten Zwecken rascher, pünktlicher und sicher die erforderlichen Mittel zuzuleiten. Mein Vorschlag lautet: Es wird ein gemeinsames Büro mit gemeinsamem Inkasso und einem gemeinsamen Postscheckkonto geschaffen. Eine Sammelliste wird angelegt, in weicher sämtliche Namen der Mitglieder irgend eines der angeschlossenen Vereine kartothekartig enthalten sind. Die einzelnen Rubriken dienen der Bezeichnung des einzelnen Vereins, der Höhe des Beitrags usw. Gegen Ende des Jahres erhält jeder Einzelne eine genaue Aufstellung derjenigen Vereine, denen er angehört, sowie des jeweiligen Beitrags unter Beifügung einer einheitlichen Zahlkarte und wird gebeten, im Laufe des Monats Januar oder des 1. Quartals den Gesamtbetrag zu überweisen. Gewünschten Falles kann auch eine teilweise Zahlung erfolgen. Soweit Rückstände vorliegen könnte ein Auszug mit Zahlungsaufforderung etwa im 3. Quartal zugestellt werden. Was ist der "grosse Gewinn?' 1. Der Betreffende wird weder persönlich noch schriftlich öfters belästigt. 2. Er ist in der Lage einen genauen Ueberblick über seine Vereinszugehörigkeit und entsprechende Zahlungspflicht auf ein ganzes Jahr jederzeit zu gewinnen. 3. Er kann an seinem Schreibtisch in einer freien Stunde in einem Zug seine Gesamtbeiträge erledigen. 4. Er kann je nach seinen Verhältnissen und Dispositionen die Zahlungen sofort oder später, auf einmal oder in Teilen erwirken. 5. Die einzelnen Organisationen erhalten die Beiträge durchschnittlich rascher. 6. Sehr erhebliche Ersparnisse werden gemacht, die eine gesteigerte Tätigkeit und Wirksamkeit der Organisationen für ihren eignen Zweck ermöglichen. Die Selbständigkeit der einzelnen Vereine wird nicht im geringsten berührt. Die Verwaltungskosten werden nach einem Schlüssel geteilt. Vielleicht hat dieser Vorschlag noch den weiteren Vor- . teil, dass er anregend auf die Gebefreudigkeit einwirkt. BRUNELL DERbesteSCHUH DES KTN DES Hl SALZHAUS 2 ZEIL 62 Talmud-Thora-Verein. „Solange Israels Stimme im Lehrhaus vernommen wird, kann ihm kein Feind auf Erden etwas anhaben." Im Sinn dieses Midraschwortes richtet der Talmud-Thora-Verein an alle Eltern und Erzieher den d ringenden A u f r u f, ihm ihre Kinder zuzuführen, damit sie in den unentgeltlichen Kursen eine Ergänzung des in der Schule erteilten Religionsunterrichtes finden und durch tieferes Eindringen in die Quellen unseres Schrifttums ihre Treue zur angestammten Gemeinschaft gestärkt wird. Jahresbericht des Talmud-Thora-Vereius. Trotz der unermüdlichen Hingabe unserer Freunde und ungeachtet aller gewissenhaft geübten Sparsamkeit sdiliesst das Jahr 1929 mit einem Fehlbetrag von RM. 615.—. Dass es bis jetzt gelungen ist durch die Mithilfe unserer Gönner über diese Krisenzeit glücklich hinüber zu komineu, gibt uns die Hoffnung', dass wir auch fernerhin unsere hohe Aufgabe, V e rb r e i t u n g jüdischen Wissens, eil Lilien können. \\ ir möchten nicht versäumen, an die seitherigen Freunde des Tulmud-Thora-Vereins die Bitte zu riditen, Iii ihrer tatkräftigen Mitarbeit nicht nachzulassen und immer neue Freunde und Mitglieder für den Talmud-'l hora-Y'erein zu gewinnen. Mehr wie bisher benötigen wir erhöhter regeltnüss'ger Jahresbeiträge sowie Spenden und Zuwendungen hei freudigen und ernsten Anlässen. M i t g 1 i v d e r 1) e w e g u n g . Düren lud hatte der Verein den Verlust von 13 langjährigen eifrigen Mitgliedern zu beklagen. Ausgetreten sind 5, neu eingetreten 57. sodass am 51. Dezember 1929 sich die Mitgliederzahl auf 767 belief. Unterricht: Wöchentlich winden durch den Verein "5 Schillr i m abgehalten, die alle ziemlich gut besucht waren. Wir riditen aber immer wieder unseren Appell an die Eltern und Erzieher, in immer grösserer Zahl die Kinder an unseren L'nterriihtskursen, die unentgeitlidi erteilt werden, tei nehmen zu lassen. Unsere Fortbildungskurse sollen eine Ergänzung des Schulunterrichtes bilden, du es innerhalb des Schulpensums sdiwer möglidi sein dürtte, tielere und umfassende Kenntnisse aus den Quellen unseres heiligen Sdiri.ttums zu sammeln. Der Unterridit erstreckt sich auf Tfillo. Chumisdi, Chumisch mit Rasdii, Mischna. Gemoro, Hebr. Grammatik und hebr. Schreiben. Jeder junge Mann sollte es als seine Pflicht betrachten, sein jüdisches Wissen zu vertiefen und zu erweitern. Wir riditen aus diesem Grunde ganz besonders an junge Leute den Ruf, sich an den einze neu Kursen zu beteiligen. Bei genügender Beteiligung sind wir stets bereit, allen Wünschen nadi Möglidikeit gerne nachzukommen. Die Sdiiurim verteilen sich wie folgt: C6 für Knaben, 7 für Mäddien, 21 für junge Leute, 3 lür Damen und 16 für Erwachsene. Das D o z e n t e n k o 1 1 e g i u m bestand aus den Herren: Rabbiner Dr. Hoffmann, Rabb.-Ass. Lipinsky. Rabb.-Ass. Rabbiner Kirschbaum, welche ehrenamtlich unterrichteten, ferner erteilten Unterricht die Herren: Rabbiner Donath, Lehrer Simon Unna, Dr. S. B. Eschwege, Kantor M. lies. Jelen. Kutscher, Kern. Lissauer, Rackow, Ringel. Rosenwasser, Rothenberg, Dr. Schlesinger, Sdireiber, Dr. J. Unna. Vojda. Ganz besonders soll an dieser Stelle unser Dank ausgesprodieu werden Herrn Rabbiner Dr. Hoffmann, der uns mit seinein bewährten Hat immer zur Seite stand und auch dafür, dass er trotz seiner starken Inanspruchnahme es sich nidit nehmen lässt, den Sdiiur aiu Dienstag Abend, die Thillim-Vortrüge am Sonntag und die Vortrüge für junge Leute am Samstag, die sich besonderer Beliebtheit erfreuen, zu halten, die sehr zum Ansehen des Taimud-Tlioia-Vereins beitragen. Sämtlichen Herren, die sidi für die Vorträge an den Freitag-Abenden freundlichst zur Verfügung gestellt haben, sei au dieser Stelle nochmals unser herzlichster Dank ausgesprochen. Neu eingeriditet wurde, um verschiedenen Wünschen nachzukommen. *ein Schiur. in der Synagoge des K r a n k e n h a u s e s in der Gagernstrasse, der Herrn Rabbiner Donath übertragen wurde. Wie ulijährlich wurde während der Sefira-Zeit allabendlich in den Synagogen Börneplatz und Hermesweg % Stunden vor Nacht Schiur gehalten. Ferner fand wie üblich am Erev-Pesach ein Sijum für Erstgeborene statt und wurde am Schowuaus und Hoschanorabbo in der Nadit gelernt. Sämtlichen Herren, die sich bemüht haben, dass wir unsere Bestrebungen erfüllen konnten, sei es durch Vorträge oder Erteilung von Unterricht, sei an dieser Stelle nodimals unser herzlichster Dank ausgesprochen. Dank gebührt der Verwaltung der lsruelitischen^ Gemeinde für die Gewährung einer Subvention sowie den drei Frankfurter Logen, die sich der Notwendigkeit der Unterstützung unserer Pestrebungen zum Wohle der Frankfurter Gemeinde nicht versdiliesseu konnten und uns durch Gewährung von Beihülfen unterstützten. Mögen sich in unserer Gemeinde stets Männer und Frauen finden, die mit Verständnis bemüht sind, „Limud Hatauroh" zu fördern und zu verbreiten, damit das jüdische Leben in unserer Stadt und in unserer Gemeinde immer mehr erblühe und Frankfurt seine Stelle als „Stadt und Mutter in Israel ' sich bewahre! Nach Erstattung des Jahres- und Kassenberichtes wurde dem Vorstand Entlastung erteilt. Die satzungsgemäss ausscheidenden Mitglieder tles Vorstandes, die Herren W. Lustgarten und Isaac Weil wurden wiedergewählt. Als Vertreter der Jugend wurden hinzugewählt die Herren Leo Hess und josef Halberstadt. Der Vorstand besteht aus den Herren: Willy Maiuz, Vorsitzender, Dr J. Frank, stellv. Vorsitzender. Hermann Rothschild. Kassenführer. Isaac Weil, Schriftführer, J. Bick. Fritz Breslau, Adolf Dorfzaun, Dr. E. Freimann, Erich Katz, Direktor P. Klibansky, Wolf Lustgarten, sowie als Vertretern der Jugend: Josef Halberstadt, Leo Hess, Josef Kahan, Josef Una. Anmeldungen zu dem in kleinen Abteilungen planmässig erteilten Unterricht werden an das Sekretariat, Theobaldstrasse 6, erbeten. Israelit. Knaben-Institut Trutz 47 p. Klibansky FRANKFURT A. M. Tel. Zeppelin 55595 Allererste Referenzen. Internat-Externat. }