Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 8 (1929-1930)
- Issue
- 8 (4.1930)
- Date
- 1930-04-01
- Page
- Seite 316 (sequence 16)
- Language
- German
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316 erste Halbjalirliundert aus dem Gedenkbuche ergeben, sind 3586 als Gesamtsumme und 1516 Kinder gegenüber 5574 bzw. 1453 bei Horovitz. In Ermangelung der genauen Ziffern können deshalb liier die Zahlen für die Halbjahrhunderte nur angegeben werden, wie sie Horovitz beredinet hat. Sie gestatten einen allgemeinen Ueberblick über den Verlauf der Sterblichkeit. Es starben also nadi Horovitz: zwischen 1624 und 1674:1453 Kinder 3574 Personen 1675 1724:2297 „ 4529 1725 ., 1774:2539 .. 6433 1775 „ 1820:1473 „ 4519 Ueberblicken wir diese Zahl im Vergleich zu den angegebenen Ziffern der Seelenzahl — insoweit sie nicht hieraus beredinet sind7) — so findet sich, daß gegen Ende des 18. Jahrhunderts die Todesfälle nicht im Verhältnis der Bevölkerung zunehmen, vor allem ist die Kindersterblichkeit bedeutend zurückgegangen. Zur Erklärung der Veränderungen der einzelnen Jahre helfen uns neben den ganz vereinzelten Angaben im Gedenkbudi8) auch noch die Mitteilungen von Behrends9) und der Ueberblick über die sanitären und wirtschaftlichen Zustände bei Stricker9). Außerdem ist einiges Material über die Volkskrankheiten bei Hanauer10) zusammengetragen. Daraus ergibt sidi, daß die Jahre hoher Sterblichkeit bei den Juden fast immer ganz übereinstimmen mit denen der nichtjüdischen Bevölkerung Frankfurts. Wenn auch die Horovitzschen Zahlen, wie gezeigt wurde, nicht genau sind, so spiegeln sie doch im allgemeinen die größten Schwankungen in den Gesundheitsverhältnissen wieder. Bei genauer Prüfung finden wir für jedes Jahr den Grund für die erhöhte Sterblichkeit. In den Jahren 1652 und 1635/57 herrschten neben großer Teuerung viele Krankheiten, wohl als Folge des Dreißigjährigen Krieges. Im Jahre 1659 wird für das 2. Halbi'ahr die Krankheit Aposthem11), eine ansteckende Hautirankheit, erwähnt. Audi Behrends12) erwähnt, daß häufig Gesdiwüre unter den Juden auftraten. Für die große Kindersterblidikeit des Jahres 1665 findet sich keine Erklärung. Im Jahre 1666 war Frankfurt von einer furchtbaren Pest, heimgesucht. Nach Hanauer13) war dies die letzte Pest in Frankfurt. Auch in dem Jahre 1675, nach der Tabelle von Behrends14) wohl bis ins Jahr 1674, herrschte das Petechialfieber, ebenso in den Jahren 1691/415). Besonders hoch ist dann die Sterblichkeit 1705. Sie entspricht wohl der Sterblichkeit von 1704 bei Behrends14). In den Jahren 1713/14 wütete nach Stricker zum letzten Male die Beulenpest in Frankfurt. Die besondere Frauensterblidikeit des Jahres 1725 war sicher durch das Kindbettfieber hervorgerufen. Diese Krankheit herrschte auch unter der nichtjüdischen Bevölkerung. Auch bei Behrends14) findet sich in den Jahren 1740, 1745 und 1749—1750 eine erhöhte Totenzahl. Im Jahre 1758 herrschte die Ruhr. Die Jahre 1759/62 nennt Behrends16) epidemische Jahre. Er führt die vielen Krankheiten dieser Zeit auf die Besetzung Frankfurts durch die Franzosen zurück. Auch in den Jahren 1772/75 erwähnt Stricker ein großes Sterben als Folge der wirtschaftlichen Not. Es ist dort an Hand der Preislisten für die wichtigsten Lebensmittel ein Bild von der großen Teuerung dieser Jahre gegeben. Audi die Jahre 1785, 1784, 1795 und 1799 erwähnt Stricker als solche hoher Sterblichkeit. Die ersten drei Zahlen erklären sich nadi ihm durch die Influenza und die zwei letzten durch die schleckte Witterung. Die folgenden Jahre, die er als besonders gesund preist, zeigen auch einen starken Rückgang der Sterblichkeit unter den Juden. ') Vgl. später. 8) An verschiedenen Stellen (z. B. Anm. 4). 9) Geschichte der Heilkunde. 1. Abtig.; 1. Buch §§ 1—19. 10) Sterblichkeit in Frankfurt. ") Gedenkbudi S. 208/9. 12) S. 105. 13) S. 242. S. 4 ff. ls) Nach Behrends und nach Stricker setzte es bereits 1689 ein. 16) S. 54. Sterbetabelle für die Jahre 1809—1856. Jahr \ erheiratet Männer Unverheir. Erwachsene Frauen Verhei- Unverratet heir. Kinder17} Knaben, Mädchen, Totgeburten Summe 1809 31 21 12 5 11 15 6 101 1810 18 14 27 10 13 9 4 95 1811 18 18 17 5 19 15 3 95 1812 21 7 18 8 19 8 — 81 1815 26 21 25 4 14 12 — 102 1814 23 17 56 15 15 18 1 123 1815 27 19 16 4 9 10 — 85 1816 23 19 25 1 15 16 ■ — 99 1817 22 9 19 8 11 17 — 86 1818 17 19 19 10 9 11 — 85 1819 22 24 16 10 11 16 — 99 1820 20 14 19 10 9 16 — 88 1821 19 11 25 8 11 3 — 77 1822 21 12 50 4 10 15 — 92 1S23 16 17 18 8 8 6 — 73 1824 16 15 18 10 10 8 — 77 1625 15 9 19 5 8 2 — 56 1S26 18 14 26 6 15 19 — 96 1S27 26 11 21 11 11 3 — 83 1828 17 16 24 6 7 9 — 79 1829 26 16 18 12 11 15 — 98 1830 17 8 24 9 5 10 — 73 1851 15 11 18 7 14 5 — 70 1832 20 10 17 9 10 13 — 79 1833 19 17 17 5 9 8 — 75 1854 20 17 22 7 6 9 — 81 1835 19 14 14 10 6 5 — 68 1836 16 11 29 11 - 8 11 — 86 1837 21 ' 15 28 6 10 9 — 89 1838 23 17 15 6 7 8 — 76 1839 20 8 25 11 10 7 — 81 1840 20 23 21 12 6 9 — 91 1841 16 7 50 5 4 4 — 66 1842 13 7 22 2 4 9 — 57 1843 17 7 16 3 5 4 — 50 1844 15 13 19 1 7 5 — 60 1845 1818) 14 4 9 5 — 48 1846 21 11 16 1 3 1 2 55 1847 22 5 21 5 7 5 2 65 1848 16 11 20 5 9 2 3 64 1849 27 5 19 4 2 4 — 61 1850 19 5 16 3 5 3 — 51 1651 19 6 17 3 5 7 — 55 1852 13 5 24 5 6 9 —- 60 1855 20 8 21 5 6 5 — 65 1854 16 12 25 1 3 8 — 63 1855 16 5 24 2 5 8 — 60 1S56 26 7 18 3 12 2 — 68 Sa. 946 588 998 295 425 416 21 3687 In der „Statistischen Beschreibung der Stadt Frankfurt19) finden sich für die Zeit von 1811—50 folgende zusammenfassende Zahlen: 1811—20 : 46920) 1821—50 : 851 1831—40 : 853 1841—50 : 670 Die zweite Sterbetabelle, der Auszug aus dem Register der israelitischen Gemeinde, reicht mit ihren ersten 12 Jahren in die Zahlen der ersten Periode hinein. Es ergeben sich 17) Als Grenze zwischen Erwachsenen und Kindern wurde mit Rücksicht auf die Aufzeichnungen das Alter von 20 Jahren gewählt. Von diesem Alter an wird nämlich dort auf den Familienstand hingewiesen. 18) In diesem Jahre ist nicht genau zwischen verheirateten und unverheirateten Männern zu untersdieiden. 19) Statistische Besdireibung II. Bd., S. 286. 20) Wie sdion aus den großen Unterschieden den anderen Zahlen gegenüber hervorzugehen sdieint, ist diese Zahl nicht richtig. Aus den bei Horovitz angegebenen Zahlen ergibt sich 874, aus denen des Gemeinderegisters 923, so daß hieraus nicht entschieden werden kann, ob dort 869 oder 969 zu lesen ist, vermutlich das erstere. KTOltWERCF< * Kakao Schokolade i Pralinen BiOX-UlTßA ZAHNPASTA ist für Sie die richtige sie macht die Zähne blendend weiß und beseitigt Mundgeruch spritzt nicht, ist hoch konzentriert, daher sparsamer. Kleine Tube 60 Pfg. MAX ELB A.-G., DRESDEN