Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 8 (1929-1930)
- Issue
- 8 (4.1930)
- Date
- 1930-04-01
- Page
- Seite 314 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Mazzo mit der Hand zerbrechen kann und der Wein lässt sich in die Becher schütten und die Kissen lassen sich anfassen, dann ist das kein Zauberwerk, sondern ein Wunder von Gott und ihr dürft es gemessen." So sagte der Raw. Mit klopfendem Herzen gingen die beiden nach Haus zurück. Der „Wundermann" war spurlos verschwunden. Der Seder stand noch an seinem Platze. Sie fassten die Kissen an. sie waren wirklich zu greifen; der Wein liess sich in die Becher giessen, die Mazzos konnte man mit der Hand zerbrechen — da wussten sie, dass ihnen in der Gestalt des ,.Wundermannes" der Prophet Elia erschienen war. Und sie freuten sich an ihrem Feste zusammen mit ganz Israel. (Aus dem Hebräisdien von Bertha Friedman n). Federzeiduwng von Leo Mayer Alte Geschichten Drei Proben aus dem Buch: Allerlei Gesdiiditen, bearbeitet von Bertha Pappenheim. (Vergl. Bücherschau) FünfteGeschichte geschah: Er fragt, der Kaiser Rabbi Jehauschue ben Cliananje: „Lieber, sag mir, warum schmeckt das Gekochtes von dem Schabbes so wol, besser als das Gekochtes, das ihr in der Wochen tut kochen?" Da antwortet ihm Rabbi Jehauschue wider: „Adauni (Mein Herr) Kaiser, ich will euch die Wahrheit sagen. Wir haben ein WurzeL heisst Schabbes, Dieselbige tun wir drein, drum schmeckt es so wol." Da sagt der Kaiser: „Lieber, gib mir auch von derselbigen Wurzel, ich will mir's auch in mein Gekodites werfen, damit dass mein Gekochtes auch so wolschmecken soll" Da sagt Rabbi Jehausdiue wider den Kaiser: „Adauni Kaiser, wenn ich dir schon davon gib, helft dir niks. Denn wer den Schabbes hält, dem helft die Wurzel, aber der den Sdiabbes nit hält, da helft die Wurzel nit. Derhalben, Adauni Kaiser, kann ich dir nit von der Wurzel geben." Un weist ihn damit ab, von dem Sdiabbes wegen. * Achtundvierzigste Geschichte geschah: Es sagt der Kaiser wider Rebben Gamliel: „Euer Gott is ein Ganew (Dieb) denn es steht geschrieben in der Thauroh: „Un Gott, der Herr, macht einen Schlaf auf Odom un er schlufte. Un Gott, der Herr, nahm eine Für Bewachung nur Fernruf nansa 26867 Rippe aus seinem Leib un macht ihm ein Weib daraus.*' Da sprach dem Kaiser seine Tochter wider Rebben Gamliel: „Schweig du still. Ich will meinem Vater antworten auf die Frage." Un spradi wider ihren Vater: „Mein lieber Vater, gebt mir einen Grafen oder einen Fürsten, der mir Beistand tut, un der mir eine Nekome (Rache) an meinen Feinden tut." Da sprach der Kaiser: „Meine liebe Toditer, wer hat dir eppes getan?" Da sprach sie: „Lieber Vater, es sind diese Nächte Gaslonim (Räuber) in meinem Gemach gewesen un haben mir meine silbernen Kelim (Gefässe) genommen iiii haben mir goldene Kelim in den Platz gestellt." Da das der Kaiser hört, da lacht er un sprach: „Meine liebe Toditer, ich wollt als, solche Ganowim (Diebe) alle Tage zu mir kommen sollten." Da spradi sie wieder zu ihm: „Mein lieber Vater, das war Odom horisdiaun (der erste Mensch) audi ein Dienst, dass er ilim eine Rippe aus seinem Leib nahm un madit ihm ein Weib draus, die ihm dient mit kochen un waschen un mit alle Sadien." Da spradi der Kaiser wider: „Idi hab es so nit gemeint. Idi hab so gefragt: Warum nahm er Odom nit die Rippe da er wadit; warum nahm er sie, da er sdüuft?" Da spradi die Toditer wider zum Vater: „Lass mir ein Stück Fleisch bringen, das noch roh is." Da brachte man ihr ein Stück Fleisch. Da nahm sie das Stück Fleisdi un stösst es in die Asch, dass es braten sollt. Wie es nun gebraten war, so tät sie es wieder heraus un gab es ihrem Vater, er sollt es essen, eh sie es wäsdit von der Asdi. Da sprach der Kaiser: „Idi mag es nit essen, denn es is mir mius (miess, unangenehm) um zu essen, weil es nodi nit zubereitet is. Denn ich hab es gesehen, dass man es hat in der Asdi tun braten." Da spradi sie wider den Kaiser: „Mein lieber Vater, also war dem Odom audi gewesen. Wenn er hätt sollen sehn, dass ihm Gott hätt eine Rippe genommen, un hätt ihm ein Weib draus gemadit, so wär ihm vor seinem Weib auch mius gewesen. Derhalben hat Gott nit wollen das Weib von die Rippe madien weil er gewadit hat." * ZweihundertdreiundvierzigsteGeschichte geschah an einem Menschen, der sagt wider Rabbi Gamliel: „Wo wohnt der Heilige), gelobt sei er, oder was is er?" Da sagt Rabbi Gamliel: „Idi weiss nit/' Da sagt der Mann '„wieder: „Is das dann euere Tefille (Gebet) un euere Chochme (Weisheit), die ihr alle Tag sagt, vor demHeiligen, gelobt sei er, un ihr wisst nit wo der Heilige, gelobt sei er, is." Da sagt Rabbi Gamliel wider den Mensdien: „Du hast mich eppes gefragt, das is gar weit von mir. Wol fünf hundert Jahr Reise. Denn von dem Himmel bis auf die Erd is fünf hundert Jahr Reise. Ich will dich aber eppes fragen.das is beidir gegeben Tag unNacht. Sag mir an, welcher Ort is es." Da fragt der Mann: „Was is das denn?" Da sagt Rabbi Gamliel: „Ich mein die Nesdiome (Seele), die der Heilige, gelobt sei er, dir (gegeben hat. Die hast du bei dir Tag un Nacht. Sag du mir, wo hast du sie, oder in weldier Seiten is sie?" Da sagt der Mensch wider Rabbi Gamliel: „ Idi weiss nit." Da flucht Rabbi Gamliel un spradi: „Verflucht seist du, du loser Mann. Idi frag didi eppes, das nahe bei dir is, un du weisst es nit, un du willst ein Ding von mir wissen, das fünfhundert Jahr Reise von mir is." Mazzen Von Anna Hagen-Treiche 1. Eine unvergessliche Erinnerung aus Jugendzeit sind mir, dem westpreussischen Landkind protestantischer Konfession, die Mazzen, welche uns die jüdische Kaufmannsfamilie, bei der wir im nächsten grösseren Dorfe unsern Bedarf an Textilwaren deckten, jedes Jahr freundlich zu übersenden pflegte, wenn sie ihr Pessachfest feierte! Stets wurden sie mit der gleichen Ueberrasehung und Freude empfangen, mit Ver- und Bewunderung begrüsst. Ist es doch so, dass Kindern, wie das alte Sprichwort sehr wahr sagt, des Nachbars Brot besser schmeckt, als der Mutter Kuchen. Diese Mazzen bedeuteten uns Romantik im Alltag. Auf den Wellen ebenmässigen, wohlvertrauten Geschehens kamen sie dahergetrieben, wie kleine, geheimnisvolle Inseldien, die sich fernab losgelöst von der Scholle einer fremden Welt! Sie verschaffen dem Kinde tagelange interessante Beschäftigung. Schon ihre Form, das tellerartige Rund, war so ganz anders, als der dicke, braunglänzende Laib des eigenen Brotes. Immer wieder konnte man sie anschauen, das eigentümliche fahle Weiss, hie und da leicht gelb getönt von der Flamme, die zahlreichen „Grübchen" und daneben die blasigen Höcker der Oberfläche, welche man gern mit dem Fingerlein eindrückte. Man versuchte auch, sie zu zählen oder zu raten, wie viel wohl ihrer seien. Herrlich war auch das krachende Geräusch, welches entstand, wenn man ein Stückchen, vorsichtig oder gewaltsam, abbrach, und sich dann zwischen den malmenden Zähnen