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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1930-03-01 · 7 (3.1930) · p. Seite 275

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
8 (1929-1930)
Issue
7 (3.1930)
Date
1930-03-01
Page
Seite 275 (sequence 23)
Language
German
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ler durch Dr. Ismar Freund. Die Feier nahm einen würdigen und eindrucksvollen Verlauf. — Breslau. Zum Vorsitzenden der am 20. I. begründeten „Jüdischen Mittelpartei für die Synagogengemeinde Breslau und die Provinz Nieder- und Oberschlesien" wurde Rechtsanwalt Dr. Ludwig Foerder gewählt. — Aus Anlass seines 60. Geburtstages wurde Gemeinderabbiner Dr. Hermann V o g e 1 s t e i n zum Ehrenmitglied der „Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland" ernannt. — Dessau. Der Landesverband Anhalt des „Centraivereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" hielt am 26. I. eine Tagung ab, in deren Mittelpunkt der Vortrag von Dr. Alfred Wiener-Berlin über „Die politische Lage und die Aufklärungsarbeit des Centraivereins" stand. Auch in Anhalt entfalten, wie überall in Deutschland, die Nationalsozialisten eine rege Tätigkeit. — Dresden. Der Sächsische Landtag lehnte gegen die Stimmen der Nationalsozialisten und der Deutschnationalen mit grosser Mehrheit einen nationalsozialistischen Antrag auf Einführung des Numerus clausus für jüdische Studierende an den sächsischen Hochschulen ab. — Frankfurt a. M. Einer der Führer der Frankfurter Nationalsozialisten, der Schreiner Friedrich Ditzel, wurde wegen Teilnahme an einem Ueberfall auf zwei jüdische Bürger wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Gefängnisstrafe von 5 Wochen verurteilt. — Georgensgmünd. Auf dem israelitischen Friedhof wurden am 21. I. mehrere Grabsteine umgeworfen, beschädigt und beschmutzt. — Hassloch. Der jüdische Kaufmann Leo Loeb wurde zum zweiten Ehrenbürgermeister gewählt. — Koburg. Für ein Engagement an das von Hans Erdmann von Kutschenbach geleitete Stadttheater kommen nur Schauspieler deutscher Staatsangehörigkeit und christlicher Konfession in Betracht. — Köln. Rektor und Senat der Kölner Universität haben bis auf weiteres die Kölner Hochschulgruppe des „Nationalsozialistischen Studentenbundes" verböten. — Der „Verein für die jüdischen Interessen im Rheinland", eine Organisation zur Pflege des orthodoxen Judentums in den rheinischen Gemeinden, hat sich dem Weltverband der „Schomre Schabbo s" angeschlossen. — Der linksrheinische Landesverband des „Centraivereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens", dessen jetziger Vorsitzender der bekannte Kölner Rechtsanwalt Dr. Rudolf Callmann ist, blickte am 1. II. auf ein lOjähriges Bestehen zurück. — Der verantwortliche Redakteur des nationalsozialistischen „W est deutschen Beobachters", welches im August 1929 in einer Zeichnung einen jüdischen Blutmord darstellte, wurde wegen Bedrohung des öffentlichen Friedens und groben Unfugs zu einer Gefängnisstrafe von 6 Wochen verurteilt. — Leipzig. In seiner Sitzung vom 4. II. bestätigte das Reichsgericht das Urteil des Schwurgerichts Nürnberg, wonach der Landtagsabgeordnete Streicher mit 2 und der Schriftleiter des „Stürmer" mit 3 Monaten Gefängnis wegen Religionsvergehens bestraft wurden. — München. In seiner Sitzung vom 29. I. nahm der Bayrische Landtag mit 65 Stimmen aller Fraktionen, einschliesslich der Sozialdemokraten, gegen 42 Stimmen der Fraktion der Bayerischen Volkspartei den von der Regierung des Freistaates Bayern vorgeschlagenen Gesetzentwurf über das betäubungslose Schlachten von Tieren an. Das Gesetz, das am 1. X. 1930 in Kraft treten soll und dem der Verfassungsausschuss des Landtages bereits zugestimmt hat, richtet sich mit.aller Deutlichkeit gegen das jüdischrituelle Schächten und ist ein Verstoss gegen die Reichsverfassung, welche allen Staatsbürgern Gewissensfreiheit in religiösen Dingen gewährt. — Oldenburg. Unter dem Vorsitz von Max Markreich-Bremen hielt der „Vorsteherbund der jüdischen Gemeinden Nordwest-Deutschlands" am 19. I. seine 3. Tagung ab. — Preussisch-Holland. Aus der Leichenhalle des jüdischen Friedhofes wurde ein Leichentuch entwendet und verbrannt; der Täter drang einige Tage später wieder nachts in den Friedhof ein und zerstörte mehrere Grabsteine. — Stuttgart. Bei der Tagung der Landesversammlung der Württembergischen Israelitischen Religionsgemeinschaft, welche am 26. I. in Stuttgart stattfand, wurde Dr. Hayum-Tübingen zum Präsidenten der Landesversammlung und Ministerialrat Dr. Hirsch -Stuttgart zum Präsidenten des Oberrates gewählt. Nord-Amerika. New York. Zum amerikanischen Gesandten in Albanien wurde der bekannte jüdische Journalist Hermann Bernstein ernannt. — Toronto. An einer Sammlung zwecks Versorgung der deklassierten Juden in Russland mit Maschinen und Rohstoffen beteiligten sich auch viele Nichtjuden. Uebriges Ausland. Budapest. Am 26.1. waren es 50 Jahre, seit die ungarischjüdische Wochenschrift „Egyenlöseg" von Max Szabolcsi begründet wurde, dessen Sohn, Dr. Ludwig Szabolcsi, Warnung! Weisen Sie angepr wertige Nachahmung zurede! Es gibt keil sie gegenwärtig herausgibt. Aus diesem Anlass veranstaltete die Pester Israelitische Gemeinde eine Feier, bei welcher der Kultus- und Unterrichtsminister Graf Kuno Klebeisberg über nationale Einheitsfront und konfessionellen Frieden sprach. — Capstadt. Bei einem Bankett, welches am 2. II. zu Ehren Lord Melchetts, des Präsidenten der „Förderation der englischen Zionisten" und des Council der „Jewish Agency" stattfand, wurden 10 466 Pfund für den „Keren Hajessod" gespendet. — Trotz des Protestes der Juden Capstadts nahm das Südafrikanische Parlament das vom Innenminister eingebrachte Gesetz an, wonach die Einwanderung aus osteuropäischen Ländern beschränkt wird. — Johannisburg. Der im September 1924 verstorbene unverheiratete jüdische Philanthrop Albert Soiomon Nathan hatte in seinem Testament bestimmt, dass im Jahre 1974 die Summe von 350 000 Pfund samt Zinsen dem Jüdischen Kolonialverbande „Jewish Colonial Association" übergeben werde. Es enstand ein Zweifel darüber, welchen jüdischen Kolonialverband „Jewish Colonial Association" Nathan gemeint haben könnte: den „Jewish Colonial Trust" (Jüdische Kolonialbank) oder die „Jewish Colonisation Association" (ICA). Diesen Streit hat nunmehr das oberste Gericht der Provinz Natal zugunsten des „Jewish Colonial Trust" entschieden, dem also zum Zwecke der Ansiedlung von Juden in Palästina im Jahre 1974 ein Betrag von ungefähr 1 250 000 Pfund zur Verfügung stehen wird. — Kowno. Bei dem Brand im jüdischen Kinderhause, der bekannten, von dem Berliner Pädagogen Dr. Siegfried Lehmann begründeten jüdischen Waisenerziehungsanstalt, wurde ein Kind getötet, während zwei Kinder schwere Brandwunden erhielten. — London. Durch eine Sammlung zugunsten der Londoner Jüdischen Armenbehörde wurden an einem Abend 50 000 Pfund aufgebracht. — In ganz England wird von Seiten der Presse sowohl der kirchlichen und weltlichen Behörden ein erbitterter Kampf gegen die Religionsverfolgungen in Russland geführt. — Den Festvortrag auf der diesjährigen Jahresversammlung der „Royal Medical Association" wird der Vertreter der Ohrenheilkunde an der Wiener Universität, Professor Dr. He in rieh Neumann, halten. Neumann ist Jude und Mitglied zahlreicher jüdischer Wohlfahrtsinstitutionen. — Am 50. I. verstarb im Alter von 64 Jahren Lady Alice Reading, die Gattin des früheren Vizekönigs von Indien und Führers der englischen Liberalen, Lord Reading, dessen ursprünglicher Name Rufus Isaacs war. Lady Reading, eine Verwandte des verstorbenen Berliner Chirurgen Professor Dr. James Israel, spielte im jüdisch-sozialen Leben Englands und Indiens eine grosse Rolle. — Moskau. Nach einer Mitteilung des Direktors der wirtschaftsstatistischen Abteilung des Verbandes „Ort" in Russland bedürfen 400 000 Juden in der Ukraine der dringendsten Hilfe. — Einem Beschluss der Industrie-Kommission der Sowjet-Regierung zufolge sollen im Jahre 1930 60 000 und im Jahre 1931 31 000 jüdische Heimarbeiter in Produktionsgenossenschaften, die von der Regierung mit Rohmaterialien versehen werden, zusammengefasst werden. — Nach einem Beschluss des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Russlands wird die „J e w s e k z i j a", die jüdische Sektion der Kommunistischen Partei der Sowjetunion, aufgelöst. — Das Komitee für Landsiedlung der werktätigen Juden „Komzet" bewilligte einen Betrag von 2 250 000 Rubel zwecks Ansiedlung von 1000 jüdischen Familien in Biro- Bidschan. — Am 16. II. wurde die Leningrader grosse Synagoge, eine der grössten und schönsten Synagogen Russlands, in ein, Arbeiter-Kulturhaus umgewandelt. Auch die Moskauer grosse Synagoge soll beschlagnahmt und den Atheisten übergeben werden. — Paris. Am 24. I. veranstaltete das Internationale Arbeitsamt einen Vortrag über die wirtschaftliche Not der osteuropäischen Juden, der mittels Rundfunk übertragen wurde. — Prag. Nach einem Erlass des Ministers für Schulwesen und Volkskultur fällt in Zukunft an allen staatlichen Schulen Karpathorusslands und zwar in den Klassen, in denen sich mindestens acht jüdische Schüler befinden, der Unterricht an Sabbathen aus. — In Anwesenheit des Bürgermeisters der Stadt Prag, sowie von Vertretern der Ministerien für Schul- und Gesundheitswesen und zahlreicher jüdischer Organisationen, wurde das mit einem Kostenaufwand von mehr als 20 Millionen Kc. errichtete „Jü d i s c h e Volkshaus" eröffnet. — Zum Leiter des staatlichen Hygiene-Instituts in A n g o r a wählte die türkische Regierung durch Vermittlung des tschechoslowakischen Aussenministers einen Juden, den Facharzt für Serum- und sonstige Heil-

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