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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1930-03-01 · 7 (3.1930) · p. Seite 271

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
8 (1929-1930)
Issue
7 (3.1930)
Date
1930-03-01
Page
Seite 271 (sequence 19)
Language
German
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271 vorgebracht wurde, nicht stichhaltig. Wer würde leugnen, dass bei der Verwaltung des Schulwerks durch den Schulrat, wie j sie sich jetzt darstellt, parteipolitische Gesichtspunkte nicht! mitspielen? Wäre es anders, so wäre den Wünschen der j Volkspartei und der Konservativen auf Zuwahl von Schulratsiuitgliedern, die den konservativen Standpunkt vertreten, ' längst Rechnung getragen. Andererseits haben die Minoritäj ten in der Genieindeverwaltung bewiesen, dass sie jederzeit i sowohl im Plenum als audi in den Kommissionen das Ge-! meindeinteresse über die Parteipolitik gesetzt haben, und! deshalb ist es falsch zu sagen, eine Verwaltungskommission! für die Schule, die naturgemäss nach parteipolitischen Gesichtspunkten zusammengesetzt werden muss, werde auch nach solchen Gesichtspunkten verwalten. Die Konstruktion des Sdmirats ist grundsätzlich falsch, und es kann erst besser werden, wenn sie den Erfordernissen entsprechend geändert ist Der Redner verweist in Verbindung damit auf die Schulverwaltung durch die jüdischen Gemeinden in ß e r 1 i n, Breslau und in anderen Gemeinden und ist der Ansicht, dass, was anderweitig möglich ist, auch in Fir ukfurt durchgeführt werden kann. Schlimmer als der gegenwärtige Zustand mit seinen dauernden Kämpfen und Reibereien könne auch eine Neuordnung in diesem Sinne nicht sein. Mit den Vorstandsbeschlüssen kann Redner sich heute weniger denn je einverstanden erklären. An einen Abbau irgendwelcher Teile des Schulwerks sei nicht zu denken. Eine jüdische Schule könne in der heutigen Zeit nicht entbehrt werden. Das Philanthropin sei eine jüdische Schule, wenn auch der jüdische Einschlag noch weiter verstärkt und die Führung noch jüdischer gestaltet werden müsse. Bestünde es heute nicht, so müsse es geschaffen werden. Mit den übrigen Kommissionsanträgen erklärt sich Redner namens seiner Fraktion einverstanden. Nur bemängelt er, dass die Beratungen der Kommission zu sehr von finanziellen Erwägungen beeinflusst worden sind. Wenn man durchaus nicht verkenne, dass die finanzielle Lage der Gemeinde eine ausserordentlich schwierige sei, so sei es andererseits absolut falsch, Ersparungen dadurch erzielen zu wollen, dass man den Oberbau der Schule schliesst. Wenn Abstriche notwendig würden, wenn die Gemeinde die Lasten in dem bisherigen Umfang nicht mehr tragen könne, so müsse versucht werden, an anderen Stellen zu streichen und einzusparen. Es bestehe jedoch zunächst kein Anlass zu einem weitgehenden Pessimismus, und es scheine, als ob der Vorstand seine Beschlüsse garnicht ausschliesslich aus finanziellen Gesichtspunkten heraus gefasst habe. Die Fraktion der jüdischen Volkspartei hält es demnach für notwendig, dass das Philanthropin erhalten bleibe und zu einem Schulwerk der Gemeinde mit bewusst jüdischem Einschlag umgestaltet werde. Redner geht alsdann kurz auf die zu der Frage der Zukunft des Philanthropins verfasste Denkschrift des Studiendirektors Dr. Driesen ein und auf die darin enthaltenen Ersparungsvorschläge, deren ernste Erwägung er für zweckmässig hält. Nidit einverstanden ist er mit den Vorschlägen, weldie darauf hinzielen, etwa den Landesverband, der andere, allgemein jüdisdie Aufgaben habe, als Mitträger der Schullasten heranzuziehen. In der Erörterung seien im ganzen die jüdisdi-geistigen Zusammenhänge erhcblidi sdilechter weggekommen als die deutsch-kulturellen. Die Fraktion der jüdisdien Volkspartei betraditet es als die wichtigste Aufgabe der Gemeinde, den Bestand der Schule für alle Zeiten zu sidiern, nidit aus deutsch-kulturellen Gründen, sondern im Interesse einer wahren jüdischen Erziehung der Jugend, wofür alle nur möglichen Opfer gebradit werden müssen, und sie beantragt aus diesem Grunde die Uebernahme des Schulwerks auf die Gemeinde. Herr Dr. G a 11 i n e r (lib.) hält es für notwendig, sich mit der Denkschrift zu befassen, die die Grundlage der Vorstandsbesdilüsse darstellt, und die zu ihren Abbau- Vorschlägen aus gemeindepolitischen, aus organisatorisdien und aus finanziellen Erwägungen gelangt. Zur Diskussion der prinzipiellen Frage „Für oder wider die Konfessionsschule", die hierbei nidit erörtert sei, bestehe an sidi kein Anlass, wenn nicht die Vorredner auch darüber gesprodien hätten. Deshalb sei zu sagen, dass das Bedürfnis nach einer jüdischen Schule so lange bestehe, als erheblidie Teile der Gemeinde aus allen Stadtteilen, allen Berufen, allen Schichtungen und Riditungen die Sdiule fordern und ihre Kinder, etwa 900, der Sdiule anvertrauen. Dazu hätten sie ein Recht, solange die anderen sogenannten Simultanschulen im wesentlidien christliche Schulen seien. Das werde auch von keiner Seite bestritten. Wenn noch heute nach der Umwälzung unserer Staatsform, nach der Umgestaltung unseres politisdien und der Umorganisation unseres Sdiullebens im Kultusministerium jüdisdien _Studienräten erklärt werden könne, dass für sie an solchen öffentlidien höheren Sdiulen keine Stellen vorhanden wären, eben weil sie jüdische Studienräte sind, so sei damit deutlidi genug zum Ausdruck gebracht, dass der christliche Charakter der allgemeinen höheren Schule streng gewahrt wird. Wir mögen das von unserem politisch-liberalen Standpunkt, auch vom religiösliberalen, aus bedauern, aber es sei eine Tatsadic, mit der wir redinen müssen. Nicht nur betrüblich, weil es dadurch jüdischen I^ehrern nahezu unmöglich gemacht wird, ihren Wünschen, Neigungen und Begabungen entsprechend zu wirken, sondern weil zahlreiche jüdisdie Eltern deshalb Bedenken tragen, ihre Kinder soldien Sdiulen anzuvertrauen. Darum sei die Erhaltung einer jüdischen Schule eine bittere Notwendigkeit. Zur Denksdirift des Vorstands führt Redner aus: Die gemeindepolitisdien Erwägungen, soweit sie parteipolitischer Natur sind, enthalten für uns nichts Neues. Seit Jahren hören wir bei jeder Etatdebatte — und wir haben es auch heute gehört — von den Konservativen, dass die Schule .nicht konservativ genug, von den Zionisten, dass sie nicht jüdisch genug ist, und von den Liberalen, dass sie in erster Linie eine deutsche Sdiule — wie jede andere — und auch eine jüdisdie sein muss. Tatsache ist, dass sie die Schule der- Einheitsgemeinde ist, dass sie allen Riditungen offen steht und, soweit ihre innere Einheit nicht gefährdet wird, auch allen Redinung trägt und tragen muss. Dem Parteikampf allerdings soll sie entrückt bleiben, und darum ist eine Vergemeindung, die sie in die Parteiinteressen hineinstellt, gef ährlich. Darum ist ja gerade die Organisation geschaffen, die ihr die ruhige, überparteiliche Arbeit gestattet, die ihr die innere Autonomie wahrt, ohne die keine Sdiule existieren kann. Wenn diese Organisation zu Unzuträglichkeiten führt, zu Spannungen zwischen Vorstand und Schulrat, so ist es eben Sache dieser Instanzen und der Persönlichkeiten, die ihnen angehören, die notwendige Harmonie und Zusammenarbeit herzustellen. Eine Vergemeindung kann da wohl nichts nützen. Der Vorstand hat die Vergemeindung abgelehnt, weil er sidi davon keine finanzielle Erleichterung verspricht, vielleicht auch, weil dabei — nach dem vorliegenden juristisdien Gutaditen — die Rechte der Gemeindeverwaltung gegenüber der Schule noch verringert werden könnten. Die Denksdirift stellt die finanzielle Frage in den Vordergrund. Sie ist wirklich ernst, ernst genug, um im vollen Masse gewürdigt zu werden. Es ist keine Frage, dass auch der Schuletat diesen Verhältnissen Rechnung tragen und äusserst sparsam gehalten werden muss. Aber der Weg, den die Denksdirift vorsdilägt, ist nicht gangbar. Da sie von einer Vergemeindung keine Ersparnisse erwartet, so befürwortet sie den Abbau der Oberstufe aus Gründen, die jedoch der Kritik nicht standhalten. Es wird gesagt, dass der im letzten Jahrzehnt erfolgte Ausbau, die Erweiterung zum Reformrealgymnasium, organisdi und historisch nidit begründet sei und mit dem Sdiulwerk als soldiem nidits zu tun habe. Das ist nidit richtig. Wer die innere Gesdiichte der Schule kennt, weiss, dass seit Jahrzehnten schon der Ausbau zur Vollanstalt erstrebt ward, dass wiederholt den Zeitforderungen durch Angliederung von Fortbildungs- oder Handelsklassen Redinung getragen worden ist. Eine Schule, die den Forderungen der Zeit nicht Rechnung trägt, ist dem Untergang verfallen. Unser heutiges Bildungsideal und unser heutiges Bildungsniveau ist ein anderes wie das vor 100, vor 50 und auch wie das vor 23 Jahren. Darum hat ja das preussische Schul- Bekanntmachung! Die Sfadfgemelnde Prankfurt a. PI. hat laut Magistratsbeschluß vom 17. 2. 1930 die Sicherheit sämtlicher Einlagen einschließlich Wertpapierdepots bei dem Frankfurter Bankverein flL-G. gewährleistet. Der Geschäftsbetrieb des Frankfurter Bankvereins wird daher in unveränderter Form weitergeführt. Die mündelsichere, unter Haftung der Stadtgemeinde stehende Sradr. Sparkasse zu Frankfurt a.M. Hauptstelle Doms'raße 9—11 ist jedoch bereit, jedem Kunden rauf Wunsch für sein Guthaben bei dem hranktuner Bankverein, A.-G. ein Sparbuch auf die Städtische Sparkasse auszustellen, bezw. sein Depositenkonto auf die Städtische Sparkasse zu übernehmen. Frankfurt a. FL, den 18. Februar 1930 Der Vorstand der Städt. Sparkasse zu Frankfurt a. H.

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