Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 8 (1929-1930)
- Issue
- 7 (3.1930)
- Date
- 1930-03-01
- Page
- Seite 264 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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264 Adolphe Cremieux in Frankfurt Zum 50. Todestag des französischen Politikers, der als einer der grossen Vorkämpfer der Emanzipation der Juden und als Milgründer der Alliance Israelite Universelle der Geschichte angehört, sei ein Bericht vom 18. Dezember 1840 über seinen Besuch in Frankfurt a. M. hier wiedergegeben: Adolphe Cremieux empfing nach, seiner Ankunft allhier eine Deputation des israelitischen Vorstandes, bestehend aus den Herren B. Goldschmidt, Bernhard Beer- Eskeles und Moritz Getz, von welchen letzterer im Namen seiner Kollegen das Wort führte und den Dank aussprach, den die Vertreter jeder jüdischen Gemeinde den ehrwürdigen Männern schuldig sind, welche, wie Montefiore und er, Leben und Beruf daran gesetzt, eine nichtswürdige Verleumdung zu Schänden zu machen, die zum Erstaunen der Weit — in finsteren Jahrhunderten tausendmal wiederholt und tausendmal als nichtswürdige Lüge anerkannt — in unserer Zeit wieder habe auftauchen können. (Gemeint ist die Biutbesdiuldigung von Damaskus und Rhodus.j Hierauf trat die Deputation der Gemeindemitglieder ein (Dr. J. Emden, Dr. Schwarzschild, Professor Oppenheim (Maier), L. Lotmar, A. Fuid, F. Heule, L. Halle, Mayer, Benuss, J. Epstein, Dr. Hess, Z. Königswarler und Dr. Weil) und ünereicnie Cremieux eine Adresse unter Ansprache des Dr. Weil. Cremieux dankte und gab seiner Freude Ausdruck über die üohe Bildung, die er überall in Deutschland bei seinen Glaubensgenossen vorgefunden. Er bedauerte, dass grade in Franklurt die Israeliten bürgerlich noch zurückgesetzt seien; er für seine Person verspreche, bis zum letzten Atemzuge für die Gleichstellung der Israeliten mit ihren christlichen Brüdern zu wirken. Dr. Weil erwiderte darauf, wie allerdings ein solches Streben alle Israeliten auf deutschen Boden durchdrungen, aber auch von Seiten ilirer christlichen Mitbrüder ihnen wenigstens die wesentliche Bedingung bürgerlicher Gleichstellung, die Achtung, geworden sei, weiche jene verlange. Auch hätten eben jene schändlichen Verleumdungen, weiche die Veranlassung seiner Reise wurden, in Deutschland (wenige Ausnahmen abgerechnet) fast keinen Anklang gefunden, und das Benehmen der deutschen, namentlich der österreichischen und preussischen Regierung bei dieser Sache dürfe die Vergleich ung mit dem eines Kindes der Revolution, welches in Frankreich an der Spitze der Staatsverwaltung stand, keineswegs fürchten. Nun sprach Cremieux noch einmal, lobte namentlich den Fürst Metternich, der seinen Dank mit den schönen Worten abgelehnt hatte: „Dieser Dank soll dem Staatsmann gelten, und ich muss ihn förmlich abweisen. Nur der Mensch war in dieser Sache tätig, Menschen gegen Unmenschlichkeit zu schützen" und verbreitete sich des Längeren über seinen Aufenthalt im Orient. Hierauf dankte Frau Cremieux für die in der Anrede auch an sie gerichteten Worte. Sie habe, sagte sie, kein Verdienst dabei, ihren Gatten auf einer gefahrvollen Reise zu begleiten. Am andern und dem darauf folgenden Tage besuchte Herr Cremieux die Realschule (gemeint ist das Philanthropin) und die Anstalt des Dr. WeiL der eine sehr besuchte Privatschule leitete, überhörte in letzterer die Knaben im Französischen und der Geschichte und sprach seine Zufriedenheit in höchst schmeichelhaften Ausdrücken aus. Abends gab ihm die „Geselischaft zum Frankfurter Adler" ein Fest. Der Vorsteher, Herr Julius Hamburg, überreidite Cremieux mit einer Adresse 1000 Franken für die Schule in Cairo. Die Herren Trenel, Abraham Ellissen und andere richteten schöne Worte an ihn. Dienstag Abend gab ihm die „Gesellschaft zur Harmonie" ein glänzendes Festmahl, wozu Herr Dr. Maas ein französisches und Herr Professor Oppenheim ein deutsches Gedicht verfertigt hatten, von welchen das erstere durch Herrn Wilhelm Speier komponiert war. L. IL Feldwebel Bär im Lützowschen Freikorps Von L. Ho.rwitz (Kassel) Feldwebel Bär ist ein angenommener Name für den einer alten Frankfurter jüdischen Familie angehörenden Kandidaten der Medizin Salomon Friedrich Stiebe 1, späteren Dr. med. und herzogl. nassauischen Geh. Hofrat. Am 20. April 1792 war er in Frankfurt geboren und wollte seine Studien in Berlin 1812/13 beenden. Diese Zeit war aber für einen empfänglichen jungen Mann, der die Nöte seines Vaterlandes unter dem Druck Napoleons I.. kannte, wenig geeignet, seine vorgeschriebenen Examina zu machen. Unter der akademischen J ugend glühte der Zorn gegen den Korsen, und sie harrte auf den Augenblick, in welchem er durch Taten zum Ausbruch kam. Diese Stimmung wurde durch den „Turnvater Jahn", Fichtes Reden an die deutsche Nation, Stein, Arndt, Scharnhorst u. a. geschürt, besonders im „T u g e n d b u n d". In diese Kreise kam nun der junge Stiebel; als Bindeglied war der damalige Nochjude gut. Alle Briefe von den Studenten aus Halle und Jena an den judenreinen „Tugendbund" waren an Stiebeis Adresse' gerichtet, der als Untertan des Fürsten-Primas Dalberg der französischen Besatzungsbehörde unverdächtig war. So trat St. mit der akademischen Jugend in engste Verbindung. Und „als "der König rief und alle, alle kamen," hielt es auch St. nicht mehr zurück. Mit voller Hingabe, die er als älterer Mann schilderte, trat er bei den Lützowern ein, nannte sich Bär, um seinen Eltern, welche der Entschluß des einzigen Sohnes ohnedies in tiefe Trauer versetzen mußte, Unannehmlichkeiten seitens der französischen Regierung zu ersparen. Am Tage nach dem „Aufruf an mein Volk" finden wir St. auf dem Wege nach Breslau mit den schon verbundenen Studenten aus Halle, Jena, Berlin und Königsberg. Bezeichnend für seine politische Einstellung ist, dass er sich am 23. 3. 1813 weigerte, dem König den Treueid zu schwören; sein Schwur sollte nur dem deutsdien Kaiser gelten. Da es aber keinen gab, schwur St. dem Hohenzoller. Die Ausbildung für den Eelddicnst fand in Zobten bei Breslau statt. Mit aller Energie ertrug St. die Rekrutenzeit, wurde bald Oberjäger und konnte ein kleines Kommando führen. Infolge einer Torheit wurde die Breslauer Garnison alarmiert, St. dadurdi degradiert und konnte im dreitägigen Arrest über seine erste Heldentat nachdenken. Aber sein militärischer Rang wurde bald wiederhergestellt; sein Kompagnieführer Hauptmann von Heyden wollte ihn als Adjutanten zurückbehalten. Obwohl dieses eine angenehme Stellung^ in der Garnison war, blieb St. Feldwebel, um früher den Feind zu sehen. Also kein Drückeberger. Er hatte alle Pfliditen einer Kompagniemutter zu erfüllen und den Dienst eines Offiziers zu versehen, sei es als Exerziermeister oder auf Vorposten. Wie er als Vorgesetzter sich selbst nichts schenkte, schreibt er: „Auf einem Marsche von wenigstens 8 Stunden nach Dessau war es kaum möglich, die Ordnung zu halten. Die Sonne brannte heiss. Wir sollten, so hiess es, noch diesen Tag ins Gefedit kommen. Es war der Befehl gegeben, es dürfe niemand austreten und keiner Wasser trinken.. Ich hatte das Bataillon zu schliessen und den Weg wenigstens doppelt zu madien, besonders in der Mittaghitze, wo viele aus Mattigkeit zurückblieben oder hinfielen. Dem Befehl gemäss liess ich keinen trinken, trank aber auch selbst nicht. Gegen Abend hörten wir Kanonendonner. Da war alle Müdigkeit versdiwunden. Die Kompagnie lief nun vorwärts, statt zu marsdiieren. Wir bekamen aber keinen Feind zu sehen." Auch Sdunerzen am eigenen Körper ertrug St. mit Kraft. Durch übermässige Mühen oder durch Ansteckung war sein Körper mit bösartigen Furunkeln besät. An seinen Füssen hing das eitrige Zellgewebe herunter, und die Muskeln lagen bloss. Trotz unsäglicher Schmerzen bei Tag und Nacht, bei heftig- KTOltWERGr^ Kakao Schokolade i Pralinen. BiOXULTGA ZAHNPASTA Ist für Sie «die richtige sie macht die Zähne blendend weiß und beseitigt Mundgeruch spritzt nicht, ist hoch konzentriert, daher sparsamer. KieineTube 60 Pfg. MAX ELB A.-G., DRESDEN