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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1930-03-01 · 7 (3.1930) · p. Seite 262

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
8 (1929-1930)
Issue
7 (3.1930)
Date
1930-03-01
Page
Seite 262 (sequence 10)
Language
German
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Statistik der Frankfurter Juden von den Anfangen bis zum Jahr 1866 Von Dr. Josef Unna. (Fortsetzung) Es ist nun zu untersudien, worauf all die mannigfaltigen Schwankungen zurückzuführen sind. Hierbei sind folgende Punkte zu berücksichtigen, die alle eingehender an anderen Stellen dieser Arbeit behandelt sind. Es wird hierbei hinzuweisen sein: 1. auf die Zahlen des Bevölkerungsstandes, aus denen dann weiterhin Verhältniszahlen berechnet werden können; 2. auf die Zahl der Eheschließungen; 3. auf die politische Geschichte: 4. auf die wirtschaftlichen Lebensbedingungen und 5. auf die gesetzliehen Bestimmungen. Wir haben also auch hier wieder die gesetzlichen Unterlagen der Lebensbedingungen zu prüfen, die uns bei jedem einzelnen Punkt dieser Untersuchung begegnen. Im Folgenden werden periodenweise die Entwicklungsstufen untersucht werden unter Berücksichtigung der vorerwähnten fünf Punkte: 17 4 9 — 80. Hier haben wir nur eine Kunde über die SeelenzahL nämlich vom Jahre 1750, sodass wir von dieser Seite keine Aufklärung über die Schwankungen erwarten können. Irgend ein merklidier Zusammenhang darf wohl nicht vermutet werden, nachdem im Laufe von 56 Jahren (1750—1806) die jüdische Bevölkerung um ca. 140 Seelen zugenommen hat, nämlich von 2800 auf ca. 2940 Seelen. Es bedeutet dies im Lauf von 56 Jahren einen Zuwachs von 5%1). Eher haben wir einen Zusammenhang der Geburtenhäufigkeit mit der Kindersterblichkeit festzustellen. Ganz ohne direkten Einfluß scheint für die Periode Punkt 5 zu sein. Es hat sich nämlich in dieser Periode in der politischen Geschichte kein bedeutsames Ereignis zugetragen. Bei Punkt 5 ist auch in dieser Zeit keine Aenderung eingetreten. Nur haben sich, wohl ohne äußeren Anlaß, die wirtschaftlichen Lebensbedingungen um das Jahr 1767 verschlechtert, in diesem Jahre scheinen die wirtschaftlichen Bestimmungen der Stättigkeit von 1616 besonders drückend geworden zu sein. Im Archiv der Israelitischen Gemeinde findet sich aus diesem Jahre eine Eingabe der Baumeister um Erweiterung der Handelsi echte der Juden. Von einer großen Teuerung in den Jahren 1770'75 berichtet auch Stricker.2) Hiermit im Zusammenhang steht die Abnahme der Geburtenzahl, die Hand in Hand geht mit einer Abnahme der Ehehäufigkeit3) (Punkt 2). verfolgen wir so die Aenderungen in der Zahlenreihe, so ergibt sich, daß die Grundzüge der Schwankung durdi die Häufigkeit der Ehen erklärt werden können, während einzelne größere Schwankungen nach oben auf eine hohe Kindersterblichkeit zurückzuführen sind. Ein Vergleich 1) Ueber die Ursache der sehr geringen Bevölkerungszunahme s. im Kapitel: Seelenzahl der jüdischen Bevölkerung. 2) Geschichte der Heilkunde, S. 24 ff. 8) s. a. in der Sterbestatistik die Jahre besonderer wirtschaftlicher Konjunkturen. der Geburtenzahlen mit denen der Eheschließungen kann erst mit dem Jahre 1752 einsetzen, da erst von diesem Jahre an die Zahl der Eheschließungen bekannt ist. Das Steigen der Geburten bis zum Jahre 1766 entspricht dem Ansteigen der Ehesdiließungszahlen in den gleichen Jahren. Die besonders, große Geburtenzahl des Jahres 1757 steht vielleicht in Zusammenhang mit der besonders hohen Kindersterblichkeit des Jahres 1756. In gleidier Weise entspridit wohl die hohe Zahl von 1763 der erhöhten Kindersterblichkeit in den Jahren 1760/61. Das Fallen der Geburtenziffern von 1767 an entspricht dem Sinken der Eheschließungszahlen. Es kann beides wohl begründet werden durch die große Teuerung, die Stricker4) erwähnt, denn von 1775 an steigen beide Zahlen wieder, wenn auch nicht ganz parallel. Daß die fallende Tendenz in den Jahren 1767/75 in. den Jahren 1772/3 durch höhere Geburtenzahlen unterbrochen wird,, ist durch die hohen Sterbeziffern begründet. Wenn auch, aus alledem nachgewiesen ist, weldier Pafallelismus zwischen Ehehäufigkeit und Geburtenzahl besteht, so ist damit noch keine absolute Begründung der Schwankungen der Geburtenzahl gegeben, vielmehr muß erst gezeigt werden, durch welche Ursachen die Schwankungen in der Ehehäufigkeit hervorgerufen werden.5) Wenn also Conrad8) die Möglichkeit leugnet, für den Verlauf bloß eines Jahres einen sdiarfen Parallelismus zwischen Eheschließungszahl und Geburtenhäufigkeit nachzuweisen, so ist dodi hier gerade durch das Wegfallen aller anderen Einflüsse der Zusammenhang sehr deutlich zu erkennen. Er schreibt wörtlich: „Eine Vergleidiung der Zahl der ehelidien Geburten eines Jahres mit den in derselben Zeit geschlossenen Ehen, wie sie früher häufig aufgeführt wurde, kann ein klares Bild der Verhältnisse nicht geben. Nur wenn die herangezogene Periode eine große ist, werden die Versdiiebungen zwischen den einzelnen Jahren sich genügend ausgleichen, um einen Anhalt zu gewähren." Weit komplizierter gestaltet sich die Frage nach den Ursachen der Veränderungen in Tabelle B. Hier haben wohl alle 5 Faktoren zusammengewirkt.7) Am schlechtesten unterin den betr. Abschnitten. richtet sind wir über Punkt 2, die Zahl der Eheschließungen. Sie finden sidi nur zusammengestellt bei Meidinger.8) Diese Zusammenstellung kommt jedodi für unsere Zwecke kaum in Betracht, da erstens die außerhalb Frankfurts wohnenden israelitischen Bürger mitgerechnet sind, andererseits aber die Zahl der Permissionisten für die einzelnen Jahre fehlt. Für die Geburtstabelle mit den oben bezeichneten Grundlagen kann nur die Zahl der anwesenden israelitischen Gemeindemitglieder als Grundlage für weitere Schlüsse benutzt werden. Es wird also hier ziemlich schwer sein, die Bewegung der Kurve eindeutig zu erklären. Ganz besonders auffallend ist der allgemeine Rückgang, auf den bereits aufmerksam gemacht wurde. Er ist um so auffallender, als doch um diese Zeit in Frankfurt eine bedeutende Erhöhung der Geburtenziffern zu verzeichnen ist. Den Stillstand 1812—15 kann man wohl in Zusammenhang bringen mit den Befreiungskämpfe n, an denen die Juden infolge der Emanzipation des Jahres zuvor auch beteiligt waren. Diese Zeit bedeutet freilich schon einen Rückgang gegenüber der Zeit 1809—11, der durch die bürgerliche 4) a. a. O.. 5) Vgl. unten. : «) Band IV § 42 S. 107.. 1 7) Inwieweit die einzelnen Momente sich geändert haben, darüber Tgl. 8) S. 30 f. „ Ede I we iss"- G roßwäscherel Taunusstraße 19 Inhaber: Carl Eisner Tel. 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