Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 8 (1929-1930)
- Issue
- 7 (3.1930)
- Date
- 1930-03-01
- Page
- Seite 257 (sequence 5)
- Language
- German
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2. Verborgenheit und Offenbarung. (49,1-15) Hört auf midi, Ozeanküsten, fernher aufmerkt, Nationen! Er berief midi vom Schöße auf, von meiner Mutter Leib auf gedachte er meinen Namen. Er madite meinen Mund einem sdiarfen Schwert gleich — und hat im Schatten seiner Hand midi versteckt doch! er madite midi zu einem blanken Pfeil — und hat in seinem Köcher midi verborgen doch! Er spradi zu mir: Mein Knedit bist du, das Jissrael du, mit dem ich prangen darf. Und doch habe idi spredien müssen: Ins Leere habe ich midi gemüht, in Irrsal und Dunst meine Kraft allvertan —! Glcidiwohl: mein Redit war bei Ihm, mein Werklohn bei meinem Gott. Jetzt aber hat Er gesprochen, der mich bildete vom Schoss auf zum Knecht sich, Jaakob zu ihm hin umkehren zu lassen, daß Jissrael zu ihm heimgebracht werde — gewichtig bin ich in Seinen Augen und mein Gott ist mein Sieg nun —, er sprach: Zu gering ists dafür daß du mir Knecht wardst, zu erstellen Jaakobs Stabsdiaften, f die Bewahrten Jissraels umkehren zu lassen, — den Weltstämmen gebe ich dich zum Lidit, daß meine Freiheit werde bis an den Rand des Erdreichs. So hat Er gesprochen, der Auslöser Jissraels, sein Heiliger, zu dem Seelenverachteten, zum Abscheu der Stümmewelt, zum Knecht der Gewalthaber:. Könige Werdens sehn, und aufstehn, Fürsten, und sich niederwerfen, um Seiner willen, daß er treu ist, des Heiligen. Jissraels, der dich wählte. So hat Er gesprochen: In der Stunde der Gnade antwortete ich dir, am Tag der Befreiung half ich dir, ich will didi aber verwahren, ich will dich aber begeben zum Bundespfand des Völkertums, das Erdreich wiederherzustellen, verödete Eigentume wieder einzueignen, zu sprechen zu den Gekerkerten: Fahret aus! zu denen in Finsternis: Werdet offenbar! An den Wegen sollen sie weiden, auf allen Kahlhängen ist ihnen Weidegrund, sie werden nidit hungern, sie werden nicht dürsten, nicht sdilägt sie Samum und Sonne, denn sie lenkt ihr Erbarmer, an Wassersprudel geleitet er sie. All meine Berge madi ich zu Weg, hoch laufen meine Straßen: diese da kommen von fern, diese da vom Norden, vom Westmeer, diese von Ssiniterland! Jubelt, ihr Himmel, frohlocke, Errle, brecht, ihr Berge, in Jubel ans, denn getröstet hat Er sein Völkertum, sich erbarmt seiner Gebeugten. 3. Das Leiden. (52,13—53,12) Wohlan, - ergreifen wirds mein Knecht, wird sich erheben, emnorgetragen werden, mächtig ragen. Ebenwie vor ihm die Vielen erstarrten — so unmenschlich verderbt war sein Aussehn, ungleich Adams Söhnen seine Gestalt —, so wird er die vielen Weltstämme überraschen, Könige werden ihren Mund vor ihm schließen, denn was ihnen nie erzählt wurde, das sehen sie, wovon sie nie hörten, des werden sie inne: — Wer konnte vertrauen dem für uns Erhorchten? Sein Arm, an wem hat er sidi da offenbart? Wie ein Keimling stieg er auf vor sich hin, wie eine'Wurzel aus dürrer Erde, nidit Gestalt hatte er, nidit Glanz, daß wir ihn angesehn hätten, nicht Aussehn, daß wir sein begehrt hätten, von Mensdicn versdmiäht, gemieden, ein Mensdi der Schmerzen, bekannt der Krankheit wie wo das Antlitz sich vor uns verbergen muß: so verschmäht — wir achteten sein nicht. Dennoch: unsere Krankheiten hat der getragen, unsere Schmerzen, sie hat er aufgeladen — und wir, wir aditeten ihn für einen Schadengeplagten, einen von Gott Geschlagnen und Niedergebeugten! er aber, durdibohrt war er für unsre Abtrünnigkeiten, gemalmt für unsre Fehlbarkciten, Züditigung uns zum Frieden war auf ihm, durch seine Strieme wurde uns Heilung: wir alle, wie Sdimalvieh hatten wir uns verlaufen, jeder seines Wegs hatten wir uns gewandt, Er aber ließ auf ihn die Fehlbuße treffen für uns alle. Getrieben wurde er, und er beugte sich noch hin, öffnete nidit den Mund, wie ein Lamm das zur Schlachtbank gebracht wird, wie ein Mutterschaf das vor seinen Scherern verstummt, öffnete nicht den Mund. Aus der Abgehegtheit, aus dem Gerichtsbann ist er nun genommen worden — aber in seinem Gesdilcdit, wer modite klagen, daß er abgeschnitten war aus dem Land der Lebendigen, ihm der Schade war geworden aus der Abtrünnigkeit meines Volks! Sdion gab man sein Grab neben Frevlern an, neben Ucbeltatern, wann er erst stürbe, obgleidi er nie Gewalt getan hatte, Betrug nie in seinem Mund war . . . — So wollte es Er: sein Zermalmter den er verkränkt hatte, madit seine Seele zum Schuldopfer sich, soll noch Samen sehen, Tage längern, und durch seine Hand gerät Sein Wille. Der Pein seiner Seele los wird ers einsehn, wird sich sättigen an dieser seiner Erkenntnis: Bewähren sollte die Vielen der Bewährte, mein Knedit, indem ihren Fehl er sich auflud, drum teil idi die Vielen ihm zu, die Starken teilt er als Beute, dafür daß er hinleerte seine Seele zum Sterben, unter die Abtrünnigen geredinet ward. Und trug doch, er, die Sünde der Vielen, für die Abtrünnigen ließ er sich treffen.