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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1930-02-01 · 6 (2.1930) · p. Seite 237

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
8 (1929-1930)
Issue
6 (2.1930)
Date
1930-02-01
Page
Seite 237 (sequence 21)
Language
German
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In der heutigen Zeit des wirtschaftlichen Tiefstandes spielt die Frage nach den Kosten der Ausbildung eine sehr bedeutsame Rolle. So sehr Wunsch und Eignung oft zu einem bestimmten Beruf hindrängen, er kann nicht ergriffen werden, weil die Ausbildungszeit eine zu lange ist und möglichst schnell verdient werden muss. Die sonst oft schwierige Unterbringung in geeigneten Lehrstellen wird sich dieses Jahr voraussichtlich leichter gestalten. Der Geburtenrückgang durch den Krieg — es handelt sich, um die 1914 und 1915 Geborenen — hat das Angebot an Lehrmädchen erheblich herabgesetzt, sodass voraussichtlich dieses Jahr im allgemeinen alle Lehrmädchen untergebracht werden können. Wie steht es nun mit der jüdischen Berufsberatung? Die Vorbereitung zur Berufswahl ist die gleiche und jede jüdische Berufsberatung sollte mit der städtischen in engster Fühlung stehen. Die eigentliche Arbeit liegt hier in der Versorgung der den Sabbat haltenden jungen Mädchen, denn die Mehrzahl der die Berufsberatung Aufsuchenden wollen den Sabbat heiligen. Alle Schwierigkeiten, die sich der Berufsberatung entgegenstellen, werden noch um ein Vielfaches überboten durch die Tatsache, dass die Unterbringungsmöglichkeiten in Stellungen mit Samstag frei von Jahr zu Jahr weniger werden. Offene Ladengeschäfte stehen nur noch wenig und Fabrikbetriebe kaum mehr zur Verfügung. Dazu kommt, dass die jungen Mädchen und noch mehr ihre Mütter mit vorgesetzten Meinungen zur Berufsberatung kommen und sich durch kein Zureden davon abbringen lassen, dass der kaufmännische Beruf der für ihre Tochter der geeignetste wäre. Sie sehen in ihm alles Glück und Heil und berücksichtigen nicht, dass das Angebot für Büroangestellte weit grösser ist, als die Nachfrage, sodass nur die besonders befähigten jungen Mädchen mit guter abgeschlossener Schulbildung und vollkommener Beherrschung der deutschen Sprache Aussicht auf Erfolg haben. Neben den Bürobetrieben, den wenigen offenen Ladengeschäften bieten die Betriebe mit maschinellen Einrichtungen, wie Wäschereien und Strickereien Unterbringungsmöglichkeiten. Als piece de resistance sind immer noch die haus wirtschaftlichen Berufe anzusehen mit ihren Mannigfaltigkeiten: Köchinnen. Alleinmädchen, Kindermädchen usw. oder Kindergärtnerinnen. Vielfach fehlt es noch an Gelegenheiten, die Schulentlassenen für die häuslichen Berufe auszubilden: hier sollten die Heime helfen und unentgeltliche Ausbildungsmöglichkeiten geben. Alles in allem scheinen die der jüdischen Berufsberatung gestellten Aufgaben fast unlösbar zu sein. Sie soll den jungen Menschen an den rechten Platz stellen, trotz der wirtr schaflichen Notlage aussichtsreiche Berufe empfehlen mit schneller Verdienstmöglichkeit, die Sabbat-Heiligung garantieren ohne Stellungen, die den Sabbat frei geben, zur Verfügung zu haben. Wirklich erspriesslich können die jüdischen Berufsberatungen nur wirken, wenn sie die Unterstützung der jüdischen Arbeitgeber in viel weiterem Masse als bisher finden. Wenn auch die Arbeitgeber, die ihre Betriebe am Samstag nicht geschlossen halten, wenigstens einige jüdische Lehrmädchen und Angestellte aufnehmen, denen die Heiligung des Sabbats ermöglicht wird. Gemeindemitglieder bedient Euch zur Gräberpflege der mit allen neuzeitlichen Anlagen ausgestatteten Friedhofsgärtnerei der Israelitischen Gemeinde. Sie übernimmt die Neubepflanzung von Grabstätten in jeder gewünschten Art, sowie die jahrweise und dauernde Pflege. Lieferung von Kränzen, sowie von Topfpflanzen und Schnittblumen für alle Gelegenheiten. Bestellungen durch das Friedhofsamt der Israelitischen Gemeinde, Zeppelin 52041 oder direkt in der Gärtnerei, Eekenheimerlandstrasse 238. Anstalten und Vereine Chanuckafeiern. Jeschiwa. Die Hörer der Rabbinischen Lehranstalt „Jeschiwa" (Leitung Gemeinderabbiner Dr. J. Hoffmann) veranstalteten am 30. Dezember in den Anstaltsräumen, Theobaldstrasse 6, im internen Kreise eine hübsche Chanukka-Feier. Den zahlreichen Freunden und Gönnern und ihren Damen bot sich ein überaus reichhaltiges und abwechslungsreiches Programm. Kleinere und grössere gesangliche Darbietungen, von sangeskundigen Bachurim gefällig vorgetragen, bildeten die Umrahmung für einige szenische Vorführungen, die das bunte Leben und Treiben des Jeschiwabetriebes zum Gegenstand hatten. Gelungene Karrikierungen der Lehrer, echt jüdischer Humor und Schlagfertigkeit verfehlten nicht ihre Wirkung auf das lachlustige und dankbare Publikum. Eine Rundfunkrede behandelte in satirischer Weise aktuelle Tatsachen, die in mehr oder minder enger Verbindung mit dem Jeschiwaleben standen. Zwischendurch labten sich die Anwesenden an den reichlich vorhandenen Erfrischungen. Eine Verlosung für die Bachurim beendete die wohlgelungene schlichte Feier, die zeigte, dass trotz der grossen seelischen und materiellen Nöte, die oft den jungen Jeschiwabochur das Jahr über bedrohen, ein gesunder lebenserhaltender Humor in ihm schlummert, der ihn befähigt, schwisrige Lagen zu überwinden und dem Aussenstehenden einen tiefen Einblick in das Leben unserer Talmudjünger ermöglicht. m. Am 28. Dezember veranstaltete der ..Iii" seine diesjährige Chanuckafeier in der Wohnung unseres Vorsitzenden, Herrn Dr. Hoffmann. Es ist bei uns im „Iii" Brauch, jüdische Feste, ernste oder heitere, durch Weihestunden zu erleben. Unsere diesjährige Chanuckaweihestunde hatten wir dem Andenken des kürzlich verstorbenen Prof. Dr. Julius Gold stein gewidmet, der uns in seinem ganzen Tun und Streben als Vorbild dienen soll. Die Einleitung des Abends bildeten Beethovensche Klänge, die uns in ihrer Schönheit immer neu begeistern können. Sodann folgte das Entzünden der Chanuckalichter und der Gesang der Chanuckahymne. Nach dem Vortrag eines Gedichtes aus der Feder unseres verehrten Rabbiner Dr. Gottschalk, das sich „Denn von Z i o n" betitelt, ergriff dieser selbst das Wort zu einer kurzen Ansprache, in der er uns den Gedanken des Chanuckafestes näherbrachte. Die Ansprache war zugleich Prof. Dr. Goldstein gewidmet, der uns geistig sehr nahe stand und dessen Leben den Gedanken unseres Chanucka verkörperte. Von dem Worte Gottfried Kellers „Licht, Liebe Leben" ausgehend betrachtete der Redner unser Chanucka als Fest der Freude, des Friedens und des Geistes. Chanucka solle uns nicht ein Fest des körperlichen, sondern nur des geistigen Kampfes sein, um uns zu einer freieren, reineren Menschheit emporzuführen. Nach dieser Ansprache hörten wir Teile aus Goldsteins schriftstellerischer Tätigkeit. Seine beiden Artikel „Ehrfurcht" und „Des Geistes Heimkehr" machten uns noch mehr mit dem geistigen Schaffen dieses grossen Mannes vertraut Es folgten zwei Gedichte von Hölderlin, ein Gedicht Dr. Gottschalks „Glaube an Dich", das ein Mahnruf an uns Jugendliche ist, sowie ein Satz der Sonate „Pathetique" von Beethoven. Sämtliche Darbietungen wurden von Mitgliedern unseres JLI bestritten und mit viel Geschick ausgeführt. Der Rest des Abends war den kulinarischen Genüssen und der heiteren Muse gewidmet, (wenn uns auch die wirtschaftliche Notlage nicht in die Lage versetzt, einen grösseren Kreis an unserer Festesfreude teilnehmen zu lassen), so haben wir doch ein schönes und wirkliches Chanucka gefeiert, das jedem Teilnehmer einige Stunden wahren Menschentums geboten hat. O. St. Kinderheim Diez. Zu einer Chanuckafeier, für deren Gelingen den Vorstandsdamen besonderer Dank gebührt, hatte der Frauenverein eingeladen. Nach einer Begrüssungsansprache der stellv. Vorsitzenden und einem schön gesprochenen Prolog folgte ein Vortrag des Obersekundaners Heinrich Felsen, Zögling des Deutsch-Jsr. Kinderheims, über „Chanucka und die heutige Zeit", der reicher Beifall erntete. Anschliessend folgten einige Gedichte und Theaterstücke, die starken Anklang fanden. Eine kleine Verlosung beschloss die von echt jüdischem Geist getragene Feier. B.

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