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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1930-01-01 · 5 (1.1930) · p. Seite 191

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
8 (1929-1930)
Issue
5 (1.1930)
Date
1930-01-01
Page
Seite 191 (sequence 19)
Language
German
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Juden verbotenen Geschäftszweige zusammengestellt. Er lautet: „Der Handel, dessen Führung den Juden auch fernerhin verboten bleibt, ist: '• 1) Der Münzhandel, welcher in der Absicht geschieht, um entweder gute Münz-Sorten einzuschmelzen und welch einen unerlaubten Gewinn daraus zu ziehen, oder um die besseren Münz-Sorten aus- und dagegen schlechtere und zu geringhaltige einzuführen; 2) Der Handel mit allen Gattungen von Waffen, sowohl en gros als en detail, da dieser Verkauf nur den Waffenschmieden, Büchsenmachern und Schwerdfegern zusteht: 3) Der - Handel mit neuen auswärts gemachten und zum Verkauf hereinbringenden Mobilien, Kleidungsstücken u. d. gl., welcher den hiesigen Handwerkern Nachteil bringen kann; 4) Der Spezerei- und Materialien-Handel sowohl eu gros als en detail; 5) Der Wein-, Frucht-, Fouiage- und Brennholz-Handel; 6) Der Commissions- und Speditions-Handel, weil der Handel und die Geschäfte und die Geschäfts-Betreibung dieser unter den -drey letzten Nummern aufgezählten Gegenstände nebst dem, daß er besondere, weit umfassende Einrichtungen erfordert, dem bürgerlichen Handelsstand vorbehalten und als eine vorzügliche und ausschließliche Wirkung des Bürgerrechtes angesehen werden soll." Den „schlechten Handel (sogenannten Schacher) führenden Juden" ist insbesondere der Ankauf jeder im geringsten verdächtigen Ware verboten.39) Stättigkeits- und Schutz juden dürfen sich nicht mit Fremden zum gemeinsamen Geschäftsbetriebe vereinigen.40) Jubiläumsfeier des Philanthropins. Präludium : Am Vorabend Tumulte mit antisemitischem Einschlag im Innern der Stadt. Wenige Stunden später, um Mitternacht, trägt das Radio die feierlichen Klänge des Deutschlandliedes von Koblenz hierher, man sieht im Geist die Feuer auf den Höhen des befreiten Rheins aufleuchten. Ein Zweiklang immerhin, der die Zeit bezeichnet; ein zum Nachdenken zwingendes Vorspiel. Die akademische Feier am Vormittag des 1. Dezember nahm einen glänzenden Verlauf. In drangvoller Enge waren Ehrengäste, Eltern und Lehrer und Schüler in der überfüllten Aula des Philanthropins. Den musikalischen Rahmen hatte der Musikmeister der Anstalt, Studienrat Frank Rothschild, geschmackvoll geschaffen. Die Hauptreden hielten Dr. Richard Merzbach, der Vorsitzende des Schulrats, und Studiendirektor Dr. Driesen, der Leiter der Anstalt. Dann folgte eine lange Reihe von Glückwünschen, an der Spitze Justizrat Dr. Blau, der Vorsitzende des Gemeindevorstands. Der Oberpräsident hatte telegraphiert, für die Stadt sprach Stadtrat Dr. Keller, für die Universität Professor Dr. K ü n t z e 1, dessen Rede, weit über den Anlass hinausgreifend, ein Bekenntnis zu politischem Humanismus wurde. Sodann sprach Dr. Moser für den Elternbeirat, Dr. Simons für die ehemaligen Schüler, Dr. Eduard Strauss für die Bne Brith-Logen. Die Schuldirektoren vertrat Studiendirektor L i e r m a n n, den Philologenverband Studienrat Dr. Hirsch. Eine besonders warmherzige Rede hielt zum Schluss der Nestor der Frankfurter Direktoren, Geheimrat Walter. Am Nachmittag und Abend fand man sich zu dem von Alfred Auerbach verfassten fröhlichen Festspiel „Gestern, Morgen, Heute" in der Frankfurt-Loge zusammen. Mit Eifer und Geschick Hessen die jungen Darsteller die Schulstube von 1780 mit ihren damaligen Bewohnern und ihren Eigenheiten vor den Zuhörern erstehen, mit der gleichen Fertigkeit führten uns andere in das weise vorausgeschaute Leben eines pädagogischen Zentrallaboratoriums des Jahres 2001 ein. Bei dem dritten Bild „Heute" konnte man die heutige Schuljugend, Groß und Klein, von der VoBcsschule bis zur Frauenschule bewundern. Sie gaben alle ihr Bestes mit Gesang und Tanz. Besonderen Beifall ernteten die Klasse 5 des Lyzeums und Klasse VI des Reformrealgymnasiums mit ihren in schlichter Natürlichkeit gespielten Dalcroze-Liedern. Alle Darbietungen zeugten von dem frischen Zug, der durch die Reihen der jungen Philanthropiner geht. An das Festspiel schloss sich am Abend ein gemeinsames Bankett, in dessen Verlauf Herr Prof. Levy zu einer kurzen Begriissung das Wort ergriff. Während dann die älteren Semester in gemütlichem Gedankenaustausch über alte Zeiten zusammensassen, erfreute sich die Jugend bis in die sehr frühen Morgenstunden beim Tanz. M. S. 3 9) 1. c. 5 128. 40) 1. c. § 129. „Erinnerungen aus dem Philanthropin." In der unter diesem Titel in der letzten Nummer veröffentlichten Plauderei von Emil Carl Oppenheimer befindet sich auch eine Bemerkung über den verstorbenen Prof. Herz, die, wie wir hören, bei ihm nahestehender Seite Mißfallen erregt hat. Der Wortlaut der betreffenden Bemerkung bietet keinerlei Grund, etwa eine Geringschätzung des besonders gewissenhaften und in mehr als 35 Dienstjahren hochverdienten Lehrers herauszulesen, vielmehr war es dem Verfasser lediglich um die Wiedergabe von Eindrücken aus seinen Schuljahren zu tun, die keinen Anspruch auf historische Vollständigkeit erheben. Zudem ist es eine bekannte Tatsache, dass die Beurteilung von Schülern durch ihre Lehrer und ebenso von Lehrern durch ihre Schüler nicht selten Irrtümern unterworfen ist. Sollte trotzdem die erwähnte Bemerkung Anlass zu Missverständnissen gegeben haben, so würde dies am meisten der Verfasser selbst bedauern. Jonathan. Ballade \on Leonie Me verhol". ..David, mein Bruder, dich such' ich auf abendgekühltem Feld; Gott mit Myriaden Augen blickt nieder vom Dache der Welt, Gott hält lauschend den Atem der nächthchen Winde an — Lass uns, mein Bruder David, denn sprechen von Mann zu Mann! Stärker und heisser als Saul, mein Vater, dich hasst, Hält meine Freundesseele die deine in Treue umfasst: Fester als Haut der Büffel und zehnfach genietet Erz Wehrt sie dem Wurf seiner Lanze, gezückt auf dein grosses Herz. Ahnung spricht: Sauls Tage und Jonathans sind gezählt, Uns wird der Speerflug fällen; doch dich hat der Herr erwählt; Ueber Völker erhebt er und krönt dein gesalbtes Haupt — In dir liebt meine Seele das Schicksal, daran sie glaubt. Gleiches Ahnen und Glauben schürt Sauls, meines Vaters Hass — Hassen ist Fürchten, und Furcht macht das Blut in den Adern blass; Wahrer als Furcht vor Gott seine Furcht vor dir und sein Neid — Zehnmal schwur er dir Schonung, und zehnmal brach er den Eid. Droben reisst der dunkle gestirnte Vorhang entzwei — Zukunftsgoldenes Bild wird leuchtend dem Auge frei: König David seh ich im purpurnen Herrscherkleid Pflücken von seiner Harfe Lobgesänge der Ewigkeit! Seh' seines Stammes ragenden Wuchs von Geschlecht zu Geschlecht Treiben durch Zeiten und Zeiten Hchtan seiner Krone Geflecht-- Aber Saul und sein Samen zertreten zu blutigem Grau'n, — Hauptlose Leichen, seine und meine, genagelt am Zaun... Schwöre, gesegneter Bruder, so schwöre mit Hand und Wort: Also tue der Herr an David und fahre so fort, Denkt seine Seele nicht über Blut und Gräber hinaus Unverwesliche Treue für Jonathan und sein Haus!" David flüstert den Schwur; und sein Herz, des Letzten bewusst, Trinkt erzitternd das Klopfen der toderwartenden Brust —--— Nun vorüber den Spähern, des Königs vergeblicher Wacht, Schwinden zwei Schatten, verwischt von den braunen Händen der Nacht ....

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