Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 8 (1929-1930)
- Issue
- 4 (12.1929)
- Date
- 1929-12-01
- Page
- Seite 152 (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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152 lat L i c h f e n b e r g, der Dominikaner-Pater Franziskus" Stratmann und Pastor Dehn, trat Rabbiner Dr. Leo Baeck als erster mit einem Referat „Das Judentum und der Weltfriede" auf. Wenn die Friedensliebe heute im Wesen des Judentums unlösbar wurzelt, so ist das ein Ergebnis jahrtausendelanger Erziehung. Für das Judentum war der Friedensgedanke nicht eine bloße Schwärmerei, ein Ziel ohne Weg, eine „Musik ohne Werke". Es war eine V e r h e i - ßung, aber gleichzeitig ein Gebot, eine sittliche Aufgabe. Der Friede ist für das Judentum' ein Weg der Opfer, der Hingebung um des Zieles willen, daß die Menschheit die höchste ihr vorgezeichnete Entwicklung erreiche. Dr. Alfred No-ssig, der Vorsitzende des Arbeits-Ausschusses des Jüdischen Friedensbundes, entwickelte in seinem Referat „Religion und Politik" das praktische Arbeitsprogramm der neuen interkonfessionellen Organisation. Jubiläum des Breslauer Seminars. Im Mittelpunkt der Feierlichkeiten, die aus Anlaß des 75jährigen Bestehens des Jüdisch-Theologischen Seminars am 2. und 5. November stattfanden, stand ein von musikalischen Darbietungen umrahmter Festakt. Im Namen des Kuratoriums begrüßte Rechtsanwalt Kober die zur Feier Erschienenen und gab einen kurzen Ueberblick über die Geschichte des Seminars und die Umstände, die zu seiner Gründung führten. In dem darauffolgenden Festvortrag verbreitete sich alsdann Dozent Dr. lsaac Heinemann über die „Idee des Jüdisch-Theologischen Seminars"., In kurzen Strichen zeigte der Redner die Gedanken auf, die von Anfang an bis auf die heutige Zeit im Lehr- und Forschungsbetriebe des Seminars die herschenden waren. An den mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrag schlössen sich die Glückwunschansprachen der Staatsbehörden, der Universität, sowie zahlreicher jüdischer wie nicht jüdischer Organisationen. Die Jubiläumsfeier endete mit einem Bankett, bei dem die Kuratoren Ludwig Laquer und Justizrat Georg Peiser die zahlreichen, aus aller Welt herbeigeströmten Festgäste im Namen der feiernden Anstalt begrüßten. Habima. Unter dem Vorsitz des Präsidenten des „Schutzverbandes deutscher Schriftsteller-. Arnold Zweig, veranstaltete der Berliner Kreis der Freunde des hebräischen Theaters „Habima" um 5. November einen Ausspracheabend über das Thema „Literatur und Theaterproblenie der Juden". Nach einleitenden Worten des Herrn Julius Klausner, der seine Wohnung zu diesem Zwecke zur Verfügung gestellt hatte, hielt der berühmte hebräische Dichter Chaim Nachman B i a 1 i k einen mit großer Begeisterung aufgenommenen Vortrag über das hebräische Theater, in dessen Verlauf er nachwies, daß schon bei den Propheten gewisse dramatische Ansätze zu erkennen seien. In der Neubelebung dieses biblischen Dramas und weiterhin in der Darstellung des neuen Lebens in Palästina sieht Bialik die Aufgabe der „Habima". An der auf den Vortrag folgenden Diskussion beteiligten sich Martin B u b e r, Bernhard D i e b o 1 d u. a., welche die Leistungen der „Habima" noch von anderen Gesichtspunkten aus beleuchteten. Unter der Leitung von Arnold Zweig bildete sich dann ein Arbeitsausschuß, welcher der „Habima" in künstlerischen Dingen, wie vor allem bei der Aufstellung des Programms ratend zur Seite stehen wird. VEREINSu. VERSAMMLUNGS-KALENDER (Mitteilungen für die nächste Nummer müssen spätestens am 20. Dezember bei der Schriftleitung vorliegen). DEZEMBER Hinweis. Auf Raumgründen können Vereinsanzeigen nur in beschränktem Umfang aufgenommen werden, insbesondere werden Arbeitsprogramme einzelner Vereine höchstens zweimal jährlich veröffentlicht. Auf einzelne Veranstaltungen wird in der Regel nur dann hingewiesen, wenn sie auch für Nichtmitglieder zugänglich sind. Verein Montefiore E. V. Verein zur Pflege der idealen Interessen jüdisdier junger Leute: Heim: Oederweg 14 pt. I. Vorsitzender Jakob Jacobs, Sdiöne Aussicht 4, I. (Tel. Hansa 6219). Jüdisch-liberale Jugendgemeinschaft. Regelmäßige Heimatabende, Arbeitsgemeinschaften, gesellige Veranstaltungen, religiöse Feiern. Nähere Auskunft: Dr. Hugo Hoffmann, Untermain-Anlage 7 (Tel. Taunus 5205). „Kameraden" Deutsch-jüdischer Wanderblind. Fahrten, Heimabende. Anschrift: Fritz Rosenthal, Paul Ehrlichste 28. Heim: Jugendheim am Mainkai. „Kadimah" Bund jüdischer Jugend.Arbeitsgemeinschaften, Kurse, Heimabende, Fahrten. Sekretariat bei Paul Rindsberger, Oederweg 101 (Tel. Hansa 7835). Heim: Unterlindau 21 und Jugendheim am Mainkai. Bund jüdischer Pfadfinder. Selbsterziehung auf jüdischer Grundlage. Arbeitsplan und Fahrtenzettel durch Erich May, Grempstr. 21. Jüdischer Jagendbund, Frankfurt a. M. Anschrift: Staufenstr. 2 (Tel. Maingau 74104 und 76782). Der Verein erstrebt die Zusammenfassung der jüdischen Jugend Frankfurts auf überparteilicher Grundlage durch geistige Anregung, Pflege von Sport und edler Gesellig-, keit. Regelmäßig: jeden Sonnabend literarischer Zirkel, jeden 2. Montag Arbeitsgemeinschaft Wather Rathenau, jeden 2. Dienstag Buchhaltungskurs, jeden Mittwoch Vorträge und Diskussionsabende, jeden Sonntag Wanderung oder gesellige Veranstaltung. Größere Veranstaltungen s. Tageskalender. Mädchenklub, Langestrafie 3. Montag 20—22 Zeitungslesen (Frl. Pappenheini) deutsche Literatur (Frau Irene Darmstädter); Dienstag 20—22 Deklamationsstunde (Frau Selma Eisemann); Mittwodi 20—22 Bibliothek, Bücherausgabe (Frau Oppenheimer-Mandel, Frau Noßbaum), Gymnastik (Frau Lotte Stern-Marcusy), Englisch für Anfänger und Fortgeschrittene (Frau liannah lleyman): Donneistag 20—22 Handarbeiten, Nähen, Flicken. Deutsdie Stunde (Frl. Dr. Hannah Stern), Kunstgeschidite (Frau Rose Hoffmann); Samstag 20—22 Gemütliches Zusammensein. Jugendgruppe des Jüdischen Frauenbundes. Die Gruppe ist eifrig bemüht, unter ihren Mitgliedern und allen Jugendlidien für soziale Arbeit zu werben, sie läßt durch ihre Mitglieder Nachhilfestunden an unbemittelte Kinder erteilen, bei alten und blinden Leuten vorlesen, sie veranstaltet eine Chanukkabescherung usw. Junge Frauen und Mädchen, die an den Veranstaltungen und Arbeiten der Jugendgruppe teilnehmen wollen, werden gebeten, ihre Anmeldung an Edith Falk, Bornwiesenweg 54 bei Prof. Werner, zu senden. Turn- und Sportverein „Schild" (Sportabteilung beim Reidisbund jüdischer Frontsoldaten). Geschäftsführer: Arthur Fuld, Schäfergasse 52 (Laden). Postsdieckkonto Frankfurt a. M. 55101 (Tel. Römer 2647). Von Montag bis Donnerstag Turnen, Leichtathletik und Gymnastik in Damen-, Herren- und Kinder-Abteilungen, Sonn- ■ tags Fußball- und Hand ball Wettspiele. Leitung der Kurse: Martin Gebhardt, Emil Stelzer und Fritz Tritschler. Anmeldung und Auskünfte bei A. Fuld, Sdiäfergasse 52. Einzelne Veranstaltungen im Dezember: Mittwodi 4. Jüdisdier Jugendbund. Vortrag über „Neues Bauen" von Otto Sichel, Cafe Laumer, Bockenheimer Landstr. Freitag 6. Talmud Thora-Verein. Vortrag des Herrn Kantor Hes, Syn. Börneplatz; Vortrag des Herrn Emil Gottlieb, Syn. Hermesweg. Samstag 7. Talmud Thora-Verein. Vortrag über „Die Ethik des Judentums nach Pirke Aboth" von Rabb. Dr. Hoffmann, nach Mincho. Sonntag 8. Talmud Thora-Verein. Tehillim-Vortrag von Rabb. Dr. Hoffmann. Mittwoch, 11. Jugendgruppe des Jüdisdien Frauenbundes. Vortrag über „Die Friedensbewegung" von Dr. Eduard Strauß, bei Frau Stephanie Fordiheimer, Bettinastr. 64, 20^ Uhr. Freitag 13. Talmud Thora-Verein. Vortrag. Samstag 14. Ortsgruppe des Jüdisdien Frauenbundes. Ortsgruppenabend. Vortrag über „Das Hausgehilfengesetz" von Stephanie Forchheimer, bei Frau Irma Rosenthal, Paul Ehrlidistr. 28, 20'A Uhr. Jüdische Wohlfahrtspflege Frankfurt a. M. Abteilung III: Sonderfürsorge Studentenhilfe, Tuberkulosenfürsorge, Gefangenenfürsorge