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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1929-12-01 · 4 (12.1929) · p. Seite 151

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
8 (1929-1930)
Issue
4 (12.1929)
Date
1929-12-01
Page
Seite 151 (sequence 35)
Language
German
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Dank gebührt dem Vorstand der Israelitischen Gemeinde, daß er durch freien Eintritt und Oeffnung an allen Sabbaten, jüdischen Feiertagen und Sonntag nachmittagen der werktätigen Bevölkerung und insbesondere den Minderbemittelten geistige Anregung bot. Das allgemeine Interesse, das sowohl dem Museum jüdischer Altertümer als auch der Sonderausstellung entgegengebracht wurde, hat wieder einmal bewiesen, daß hier eine vom Willen der Allgemeinheit getragene Institution am Werke ist. Aber auch über Frankfurts Mauern hinausgehend ist der Erfolg der Ausstellung zu bemerken. Neben der Presse aller Richtungen unserer Vaterstadt haben auch die auswärtigen Zeitungen, insbesondere das Berliner Tageblatt lobende und anerkennende Berichte gebracht und damit dem Frankfurter Jüdischen Museum die ihm gebührende Stellung eingeräumt. Ueber die Einzelheiten der Ausstellung ist durch zahlreiche Presseberichte und auch durch den Katalog (dessen erste v Fassung im Gemeindeblatt erschien) der Inhalt der Ausstellung Allgemeingut geworden. Es ist zu hoffen, daß der Erfolg dieser Ausstellung auch ferner das allgemeine Interesse auf das Museum jüdischer Altertümer lenken und sich dieses der intensivsten Förderung aller Kreise erfreuen wird. Allen denjenigen, die am Zustandekommen der Mendelssohn-Ausstellung, sei es durch Mitarbeit, sei es insbesondere durch die Ueberlassung von Leihgaben teilhaben, sei hiermit nochmals herzlichst gedankt. Als nächste Sonderschau werden die Neuerwerbungen der letzten Jahre gezeigt. Jubiläum des Philanthropins. Die Leser des Gemeindeblattes werden auf die dieser Nummer beigelegten Ankündigungen über das Programm der Jubiläumsfeier am 1. Dezember und der aus diesem Anlaß erscheinenden Festschrift „Bausteine praktischer Pädagogik" besonders hingewiesen. / Preußischer Landesverband Jüdischer Gemeinden. Ratsitzung. Am 20. November 1929 trat der Rat des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden unter dem Vorsitz des Präsidenten Kammergerichtsrat Leo W o 1 f f zu einer Sitzung zusammen. Bei ihrer Eröffnung widmete der Vorsitzende dem verstorbenen stellvertretenden Präsidenten Prof. Dr. Türk einen warmen Nachruf, den die Anwesenden stehend anhörten. Es wurden alsdann einige Personalangelegenheiten erledigt. Zunächst wurde als Nachfolger des Rechtsanwalt Dr. Katzenstein-Kassel in seiner Eigenschaft als Abgeordneter des Verbandstages Siegmund Freudenthal -Eschwege festgestellt. Als Nachfolger von Professor Dr. Türk wurde zum stellvertretenden Präsidenten des Rates Dr. Ismar Freund gewählt. Dessen Stelle als Beisitzer des Rates wurde dem von der Berliner Gemeinde an Stelle Türks noch zu benennenden neuen Ratsmitgliede vorbehalten, das auch Mitglied der Subventionskommission werden soll. Als weiterer Beisitzer wurde an Stelle des Rechtsanwalt Dr. Herzfeld-Essen, der sein Amt im Engeren Rat niedergelegt hat, der Rechtsanwalt Dr. Katzens t e i n-Bielefeld gewählt. Zum Vorsitzenden des Wohlfahrtsausschusses wurde Direktor Ostberg, zum Mitgliede des liberalen Unterrichtsausschusses Professor E1 - bogen bestellt. Diesem wurde auch der Vorsitz im Kuratorium der Vorbereitungsanstalt für Lehrer in Berlin übertragen. Der Abschluß für das Rechnungsjahr 1928/29 sowie der Haushaltsplan für das Rechnungsjahr 1930/51 wurden festgestellt. Dabei wurde von dem Schatzmeister, Direktor Kareski, nachdrücklich auf die gespannte Finanzlage des Landesverbandes hingewiesen, die dazu zwinge, sich in allen Ausgaben die größte Zurückhaltung aufzuerlegen und die Erfüllung mancher dringender Aufgaben für bessere Zeiten zurückzustellen. Eine Erhöhung der wieder auf 8/10% des Einkorn mensteuer Solls der Mitgliedsgemeinden festgesetzten Umlage ist wegen der auch in diesen herrschenden finanziellen Bedrängnis und der allgemeinen wirtschaftlichen Depression nicht möglich. Eine Besserung der Verhältnisse ist nur von der Erhöhung der Staatsbeihilfen zu erwarten, für die indessen bei den in Frage kommenden Stellen leider nicht immer das erforderliche Entgegenkommen angetroffen wird. Es wurde ferner noch beschlossen, den nächsten V e r - bandstag auf den 2 5. März 1930 und folgende Tage einzuberufen. Der übrige Teil der vom frühen Morgen bis in die zehnte Nachtstunde dauernden Sitzung wurde von einer Besprechung über die Lage des preußischen Judentums ausgefüllt. Hiezu lag ein Antrag der Fraktion der jüd. Volkspartei des Verbandstages vor, der im Rat von Ministerialdirektor Dr. B a d t und Dr. S a n d 1 e r begründet 15K wurde. Die Erörterung knüpfte an den Aufruf „Hilfe durch Aufbau", welcher anläßlich der in Palästina durch Araber verübten Judenmetzeleien von den deutschen Mitgliedern der Jewish Agency erlassen worden ist, und an die ihm gegenüber veröffentlichte „Erklärung deutscher Juden" an. Nach langer Aussprache, bei der die gegensätzlichen Anschauungen oft stark zutage traten, gelang es, ihr Ergebnis in der folgenden Entschließung zusammenzufassen, mit deren Wortlaut alle Anwesenden einverstanden waren, und die demzufolge einstimmig angenommen wurde: „Der Große Rat des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden gibt der Ueberzeugung Ausdruck, daß die Würde des jüdischen Namens und das Ansehen der deutschen Juden es dringend erfordern, den innerjüdischen Kampf zu entgiften. Die Austragung von Meinungsverschiedenheiten, sei es vor der jüdischen, sei es vor der nicht jüdischen Oeffentlichkeit, muß ohne jede Minderbewertung einzelner jüdischer Gruppen in staatsbürgerlicher Hinsicht erfolgen. Ebensowenig darf eine Herabsetzung von Gegnern, sofern sie vom Willen zur jüdischen Gemeinschaft erfüllt sind, als Juden stattfinde n." In einer besonderen Sitzung des Engeren Rates wurden die durch den Tod von Prof. Türk frei gewordenen Dezernate der Unterrichts- und der Wohlfahrtsangelegenheiten neu vergeben; das erstere wurde Professor Elbogen, das letztere Direktor Ostberg übertragen. Provinzialverbände. Amtlich. Am Sonntag, den 10. November 1929 kamen in Berlin in den Räumen des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden die Vertreter fast aller preußischer Provinzialverbände erstmalig zu einer Aussprache über gemeinsame Aufgaben und Ziele zusammen. — Den Vorsitz führte der Leiter des Niederschlesischen Provinzialverbandes, Herr Waldstein, Breslau. Herr Dr. Freund begrüßte namens des Landesverbandes die Tagung und betonte, wie unentbehrlich für diesen die Mitarbeit der Provinzialverbände sei. Seitens der Provinzialverbände wurde über die Arbeit und die Erfahrungen in ihrem Wirkungskreis berichtet. Es wurden Vorschläge zur weiteren Aktivierung und Intensivierung dieser Arbeit gemacht und insbesondere auch die Stellung der Provinzialverbände zum Landesverband und umgekehrt durch eine eingehende Aussprache geklärt. Man kam dahin überein, daß möglichst alle Provinzialverbände, so wie das bisher schon vereinzelt geschehen ist, in die Verwaltung des Landesverbandes in der Weise einzuordnen seien, daß sie vorbereitende, begutachtende und ausführende Organe des Landesverbandes werden. Von der Fruchtbarkeit der gemeinsamen Beratung überzeugt, beschlossen die Vertreter der Provinzialverbände, etwa im April k. Js. wieder eine Zusammenkunft zu veranstalten, vor allem aber untereinander in dauernder Verbindung zu bleiben. Religion und Weltfriede. Die jüngst gegründete „Arbeitsgemeinschaft der Konfessionen für den Frieden" veranstaltete am 16. Oktober in Berlin ihre erste öffentliche Kundgebung, die dem Thema „Religion und Weltfriede" gewidmet war. Das Hervortreten der Arbeitsgemeinschaft weckte einen ungewöhnlich starken Widerhall. Innerhalb des zum ersten Mal herbeigeführten Zusammenschlusses des Katholizismus, Protestantismus und Judentums für praktische Friedensarbeit fällt dem Judentum, als der Mutterreligion der beiden christlichen Bekenntnisse, eine bedeutsame Rolle zu. In seiner Eröffnungsansprache betonte der Ehrenpräsident des evangelischen „Weltbundes für Freundschaftsarbeit der Kirchen", Dr. theol. h. c. Spiecker, daß die Arbeitsgemeinschaft auf dem Boden der Bibel fuße und sich unter den Segen stelle, durch den Gott Abraham und seine Nachkommen zur gedeihlichen Friedensarbeit für alle Völker berufen habe. Den Vorsitz der Versammlung führte Oscar Wassermann, Präsident des „Jüdischen Friedensbundes". In seiner Rede führte er aus, daß ungeachtet aller Unterschiede die Religionen auch ein Gemeinsames haben, das geeinte Arbeit ermögliche. Angesichts der Vernichtungsgefahr, die die neue Art der Kriegführung für die ganze Menschheit bedeute, ist es Pflicht aller Bekenntnisse, sich in entschiedenster Weise für den Frieden einzusetzen. Die Religion übersieht nicht die Bedeutung der politischen und wirtschaftlichen Momente; sie selbst aber appelliert in erster Linie an das Herz und das Gewissen. Unter den Rednern, die die Stellung der einzelnen Bekenntnisse zum Weltfrieden beleuchteten, wie Prä- «s«^MP«Bäc*^;rlCTBBt>HW»»^^ „ *-

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