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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1929-12-01 · 4 (12.1929) · p. Seite 147

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
8 (1929-1930)
Issue
4 (12.1929)
Date
1929-12-01
Page
Seite 147 (sequence 31)
Language
German
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147 beging am 10. X. seinen 70. Geburtstag. — Am 18. X. vollendete der berühmte französische Philosoph Henri B ergson, dessen Vater aus Polen nach Frankreich eingewandert und dessen Mutter Engländerin war, sein 70. Lebensjahr. — Am 9. XI. wurden dem zum Ehrendoktor der Sorbonne ernannten Professor Albert Einstein Urkunde und Insignien feierlich überreicht. — Prag. Im Alter von noch nicht 40 Jahren starb am 28. X. der Dichter und frühere Attache an der tschechoslowakischen Gesandtschaft in Berlin, Hermann Ungar. Ungar hat sich besonders durch seine Tragödie „Der rote General", in der er das Schicksal Trotzkis darzustellen versuchte, einen bedeutenden Namen in der neueren deutschen Literatur erworben. — Rom. Das hebräische Theater „H a b i m a" erzielte bei einer Tournee durch die größeren Städte Italiens außerordentliche Erfolge. — Warschau. Im Alter von 72 Jahren verstarb der frühere Vorsitzende der Warschauer jüdischen Gemeinde, Herr Dr. Stanislaw Natanson. Natanson war schon zur Zarenzeit Mitglied des Zentralkomitees der „ICA" in Petersburg und wurde später Präsident ihrer Vertretung in Polen. — Wien. Infolge antisemitischer Exzesse wurden die Universität, die Technische Hochschule für Bodenkultur, die Tierärztliche Hochschule und die Hochschule für Welthandel bis auf weiteres geschlossen. — Auf eine Klage der Israelitischen Kultusgemeinde Wien gegen das Ministerium für soziale Fürsorge erkannte der österreichische Verwaltungsgerichtshof die Schochtim als „höhergebildete Beamte" an. — Im Alter von 85 Jahren verstarb einer der bedeutendsten Rechtsgelehrten Oesterreichs und Mitglied des österreichischen Herrenhauses, Professor Karl Samuel Grünhuth. — Die Israelitische Kultus gemeinde Wien ist im Abnehmen begriffen: die Zahl der Austritte aus dem Judentum sowie der Sterbefälle überwiegt diejenige der Eintritte bezw. Wiedereintritte und der Geburten. — Die „Union deutschösterreichischer Juden veranstaltete am 21. IX. eine Gedenkfeier für Moses Mendelssohn; in deren Mitte stand die eindrucksvolle Festrede des Rabbiners Dr. Taglicht. — Am 15. X. wurde auf der israelitischen Abteilung des Zentralfriedhofes das Ehrenmal für die im Weltkrieg gefallenen jüdischen Soldaten eingeweiht. — Am 15. X. feierte der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, Generaloberstabsarzt Professor Dr. Alois Pick, seinen 70. Geburstag. — Das bekannte Wiener Bankhaus Rothschild hat durch die Uebernahme der ehemaligen kaiserlichen Hofbank und jetzigen Bodenkreditanstalt der österreichischen Volkswirtschaft einen außerordentlichen Dienst geleistet. Der Dichter Jacob Wassermann tritt in einem offenen Brief an den österreichischen Bundespräsidenten für die Rehabilitierung des wegen angeblicher Ermordung seines Vaters zu mehrjähriger Kerkerstrafe verurteilten Studenten Philipp Halsmann aus Riga ein. — Wilna. Unter zahlreicher Beteiligung fand die erste Konferenz des „Jüdischen Wissenschaftlichen Institut s" statt, dessen Zweck die Verbreitung jüdischer Wissenschaft und die Unterhaltung von Schulen mit jiddischer Unterrichtssprache in Polen ist. — Zürich. Die „Neue Züricher Zeitung" weist darauf hin, daß der Gedanke der Schaffung einer europäischen Zollunion schon vor 50 Jahren von einem Schweizer Juden, dem jetzt 89jährigen Em il Dreyfus, propagiert worden ist. Gemeindemitglieder bedient Euch zur Gräberpllege der mit allen neuzeitlichen Anlagen ausgestatteten Friedhofsgärtnerei der Israelitischen Gemeinde. Sie übernimmt die Neubepflanzung von Grabstätten in jeder gewünschten Art, sowie die jahrweise und dauernde Pflege. Lieferung von Kränzen, sowie von Topfpflanzen und Schnittblumen für alle Gelegenheiten. Bestellungen durch das Friedhofsamt der Israelitischen Gemeinde, Zeppelin 52041 oder direkt in der Gärtnerei, Eckenheimerlandstrasse 238. m Palästina. Haifa. Zum Zwecke der Erweiterung ihrer Tätigkeit hat die „Palestine Jewish Colonisation Association" (PICA), welche die Rotschildkolonien in Palästina verwaltet, eine weitere Summe von 500.000 Dollars in ihr Budget eingesetzt. — Jerusalem. Zu Ehren Professor Albert Einsteins hat die jüdische National- und Universitätsbibliothek zu Jerusalem ein Einstein-Archiv eingerichtet. — Am 1 VIII. zählte die hebräische Universitätsbibliothek 164.585 Werke in 211.492 Bänden. — Am 25. X. sind die Mitglieder der britischen Untersuchungskommission, deren Aufgabe es ist, die Ursadien zu erforsdien, weldie zu den jüngsten palästinensischen Unruhen geführt haben, und geeignete Vorschläge zur Vermeidung solcher Unruhen in der Zukunft zu machen, unter der Führung von Sir Walter Shaw in Jerusalem eingetroffen. Nachrufe. Heinrich Emden geb. 15. Juni 1S52 gest. 28. Oktober 1929 In Heinrich Emden, der am 28. Oktober im Alter von 77 Jahren verstorben ist, hat die Gemeinde nicht nur eines ihrer bekanntesten Mitglieder und den Sproß einer ihrer ältesten Familien verloren, sondern auch einen Mann, der durch sein vorbildliches Leben und Wirken der Gemeinde und dem gesamten Judentum zur Ehre gereicht hat. Unvergessen bleiben die Verdienste, die er sich in schwerster Zeit um das Philanthropin, aber auch um andere jüdische Institutionen erworben, ebenso wie seine fast nicht übersehbare Betätigung im kulturellen Leben unserer Stadt. Anton Horkheimer geb. 17. Januar 1849 gest. 25. November 1929 Im Alter von nahezu 81 Jahren ist Stadtrat a. D. Anton Horkheimer verschieden. Lange Zeit hindurch hat der Verstorbene im Leben der Gemeinde eine führende Rolle gespielt. Von 1879—1884 gehörte er dem Gemeindeausschuß an und saß mit kurzen Unterbrechungen von 1885—1914 im Gemeindevorstand, dessen Mitglied auch sein Vater bereits gewesen war. Dem Schulrat des Philanthropins gehörte er von 1905—1915 an, dem Pfiegauit des Almosenkastens von 1908 bis 1918, außerdem hatte er sich in den Baukommissionen für die Westendsynagoge und für das neue Krankenhaus jahrelang betätigt. Schon diese kurze Uebersicht zeigt eine vielseitige und verantwortungsbewußte Hingabe an die Interessen und Aufgaben der jüdischen Gesamtheit. Ueber diesen engeren Kreis hinaus aber hat Horkheimer stets seine reidien Gaben und seine unermüdliche Tatkraft in den Dienst der Gesamtheit gestellt. Sein Name wird in der Geschichte unserer Gemeinde in Ehren fortleben. Anstalten und Vereine Talmud-Thora-Verein. Wir gestatten uns hiermit auf das Winterprogramm hinzuweisen. Die Schiurim haben wiederum eine Erweiterung erfahren. Wie in früheren Jahren finden im Wintersemester am Freitag-Abend nach dem Gottesdienst Vorträge in den Synagogen Börneplatz und Hermesweg statt. Die Redner werden jeweils in den jüdischen und Tageszeitungen bekannt gegeben. Alle 14 Tage, Sonntags um 6 Uhr abends hält Herr Rabbiner Dr. J. Hof fm a n n wieder Tehillim-Vorträge. Bekanntgabe durch die Tageszeitungen. Junge Leute seien ganz besonders auf den jeden Samstag nach Mincho (4 Uhr) im Hörsaal der Synagoge Börneplatz stattfindenden Schiur von Herrn Rabbiner Dr. Hoffmann „Die Ethik des Judentums nach Pirke A b o t" hingewiesen. Wir bitten um rege Beteiligung an den Schiurim und Vorträgen. Dem Ausbau der Unterrichtskurse für Knaben und Mädchen ist auch weiter unsere besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Der Unterricht wird planmäßig mit Rücksicht auf die Individualität eines jeden Kindes nach modernen erprobten Methoden von bewährten Lehrkräften erteilt. Es ist daher die Gewähr gegeben, daß den Kindern solide und gediegene Kenntnisse der jüdischen Lehre vermittelt werden. Es wird ferner hebr. Schreibunterricht und hebr. Grammatik eifrig gepflegt. Wir bitten Sie, führen Sie uns die Kinder zu, lassen Sie die Kinder an dem Unterricht, welcher kostenlos erteilt wird, teilnehmen. Anmeldungen täglich im Büro Theobaldstr. 6.

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