Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 8 (1929-1930)
- Issue
- 4 (12.1929)
- Date
- 1929-12-01
- Page
- Seite 146 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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wurde beschlossen, eine Senkung des Synagogensteuersatzes von 20% auf 18% der Einkommensteuer vorzunehmen. — Leipzig. Im Alter von 76 Jahren verstarb der bekannte Vertreter der alttestamentlidien Theologie an der Universität Leipzig, Professor Dr. Rudolf Kittel; seinen Weltruf als Alttestamentler verdankte er seiner im Jahre 1925 erschienenen „Geschichte des Volkes Israel". — München. Oberlandesgerichtsrat Dr. Alfred Neumeyer, der Präsident des Verbandes Bayrischer Israelitischer Gemeinden und Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde München, wurde zum Rate am Bayrischen Obersten Landesgericht befördert. — Naumburg. Das Schöffengericht verurteilte den völkischen Pfarrer Iskraut, der in einer Wahlversammlung auf die „Judenrepublik" geschimpft und den verstorbenen Reichsaußenminister Dr. Stresemann einen „Judenknecht" genannt hatte, zu einem Monat Gefängnis oder 500 Mark Geldstrafe. — Nürnberg. Wegen Beschimpfung der jüdischen Religion wurden der Landtagsabgeordnete Streicher, der Redakteur des nationalsozialistischen Hetzblattes „Der Stürmer", zu 2 Monaten und der Herausgeber dieser Zeitschrift, der nationalsozialistische Stadtrat Holz, zu 5 Monaten und 15 Tagen Gefängnis verurteilt. — Osnabrück. Der Nationalsozialist Dr. Marxer, welcher kurz vor Weihnachten 1928 ein Flugblatt herausgegeben hatte, das den Boykott gegen jüdische Kaufleute propagierte, wurde zu 200 Mark, der Drucker Hillebrandt als Verbreiter dieses Flugblattes, zu 20 Mark Geldstrafe verurteilt. — Zwickau. Der erste Vorsteher der Jüdischen Gemeinde Zwickau und Mitglied des deutschen Komitees „Pro Palästina" sowie des deutschen Initiativkomitees für die erweiterte „Jewish Agency", Kaufmann S i m o n Schocken, ist im Alter von 55 Jahren den Verletzungen, die er sich auf einer Autofahrt zugezogen hatte, erlegen. Danzig. Der in Würzburg tagende Neurologenkongreß verlieh dem früheren Vertreter der Nervenheilkunde an der Universität Danzig, Professor Dr. Wallenberg, die Medaille des „Zentral-Verbandes für Nervenforschung". Ausland. Adrianopel. Infolge Auswanderung der jüdischen Jugend nach Konstantinopel und dem Ausland geht die ehemals bedeutende jüdische Gemeinde in Adrianopel, die unter der Türkenherrschaft eine wichtige Rolle im jüdischen Kulturleben der Türkei gespielt hat, dem langsamen Verfall entgegen. — Athen. Der hier tagende Weltfriedenskongreß hat eine Resolution angenommen, in welcher das Bedauern über die Ereignisse in Palästina ausgedrückt und der Wunsch ausgesprochen wird, daß England alle erforderlichen Maßnahmen ergreife, damit solche oder ähnliche Vorkommnisse in Zukunft vermieden werden. — Basel. Am 11. XI. vollendete Julius Dreyfus- Brodsky, der Präsident des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes und Vorsitzender des Vorstandes der Israelitischen Gemeinde Basel, sein 70. Lebensjahr. — Brünn. Im Alter von 60 Jahren verstarb am 20. XI. General a. D. K a r 1 Schwarz, der im Gegensatz zu anderen jüdischen Generälen der österreichischen Armee dem jüdischen Glauben bis an sein Lebensende treu blieb. Im Weltkriege war Schwarz Brigade-Kommandeur. — Brüssel. Anstelle des verstorbenen Generalkonsuls Franz Philippson hat die Brüsseler Jüdische Gemeinde Herrn Max Gottschalk, Advokaten an der Cour d'Appel in Brüssel und Vertreter der belgischen Regierung beim Völkerbund, in die „Jewish Colonisation Association" (ICA) delegiert. — Budapest. In der Zeit vom 1. VIII. 1919 bis 51. VII. 1929 sind 567 Männer, 481 Frauen und 88 Kinder zum Judentum zurückgekehrt. — Im Alter von 92 Jahren verstarb am 22. IX. Oberrabbiner Koppel Reich, das geistliche Oberhaupt der orthodoxen jüdischen Gemeinde Budapest und Mitglied des ungarischen Oberhauses. — In Ansehung der antisemitischen Unruhen an den ungarischen Hochschulen stellte der Ministerpräsident Graf Stephan Bethlen in der Sitzung des ungarischen Parlaments vom 24. X. fest, daß die Universitätsbehörden energisch gegen die Unruhestifter einschreiten, daß insbesondere der Rektor der Technischen Hochschule zu Budapest vom Kultusminister aufgefordert worden sei, gegen die Ruhestörer die schärfsten Mittel anzuwenden. — Der ungarische Unterrichtsminister Graf Knebelsberg verfügte die Aufhebung einer „jüdischen Klasse", wTeldie der Direktor der Staatsrealschule in Györ, Nikolaus Simon, für die Schüler jüdischen Glaubens eingerichtet hatte. — Bukarest. Von den 25 Millionen Lei, welche das rumänische Unterrichtsministerium den Minderheits schulen bewilligte, erhielten die 165 in ganz Rumänien existierenden jüdischen Schulen 17%. — Chicago. -Der bekannte Philanthrop und Multimillionär Julius Rosenwald stiftete eine halbe Million Dollars für Errichtung eines „Louis Marshall-Gedächtnisfonds" am Jüdisch- Theologischen Seminar in New York; sie sollen den Grundstock zu einem Fonds von 5 Millionen Dollars bilden. — Kowno. Im Alter von 70 Jahren starb am 9. XI. der weltberühmte Leiter der Telscher Jeschiwa. Rabbi Joseph Leib Bloch. — London. Nach einem Bericht der englischen Bibelgesellschaft wurden seit der Gründung der Gesellschaft 585.858.255 Bibeln in 650 Sprachen abgesetzt. — In einer Sitzung des Palästina-Nothilfs-Komitees wurde mitgeteilt, daß die S a m m 1 u n g e n zugunsten der durch die neuerlichen palästinensischen Unruhen in Not geratenen Juden den Betrag von über 90.000 Pfund ergeben haben. — Der zum russischen Botschafter in London ernannte Georgy Sokolnikoff ist Jude, er hat als Finanzminister die russische Währung stabilisiert. — "Melbourne. Generalleutnant Sir John Monash, welcher von Juden aus der Provinz Posen stammt — eine nahe Verwandte war Frau Professor Heinrich Graetz — wurde zum General der britischen Armee befördert. Monash, welcher die australische Armee während des Weltkrieges befehligte, ist der erste australische Offizier, der den Rang eines Generals bekleidet. — Moskau. In Rußland leben 2K Millionen Juden, von denen 41.161 der kommunistischen Partei angehören. — Das jüdisch-ukrainische Bildungsinstitut in Charkow plant die Gründung einer Staatsoper, die klassische und moderne Opern mit jiddischen Texten sowie original-jüdische Opern aufführen soll. — Wegen Unterhaltens von Beziehungen zu ausländischen jüdischen Organisationen, von denen die jüdische Gemeinde Leningrad Mazzot zum Pessadifeste erhalten hatte, und wegen einer Anzahl anderer von ihr angeblich begangener Verbrechen wurden sämtliche Mitglieder der Verwaltung zu Zwangsarbeit* verurteilt; auch wurde die Gemeinde aufgelöst. — Die jüdischen Kolonisten des Rayons Kalin i n d o r f, des ersten jüdischen Verwaltungsrayons in der Sowjetunion, haben die ihnen vorgeschriebenen 510.000 Pud Getreide den Regierungsbehörden abgeliefert. — Trotz der antireligiösen Propaganda der jüdischen Kommunisten Rußlands waren die Synagogen an den beiden Rosch Hasdianah-Tagen überfüllt. — In Rußland gibt es 860 Schulen mit jiddisdier Unterriditssprache, die von rund 106.000 Kindern besudit werden. — New York. Im September 1928 betrug die jüdische Bevölkerung in den Vereinigten Staaten 4.228.029 Seelen, von denen allein 1.855.000 in New York leben. — Anstelle des verstorbenen Louis Marshall wurde Dr. Cyrus Adler, der Leiter des „Jewish Theological Seminary of America" zum Präsidenten des „American Jewish Committee" gewählt. — Aus Anlaß des R o s ch - H as ch an a h-Festes beglückwünsdite der Präsident der Vereinigten Staaten, Herbert Hoover, die amerikanische Judenheit, ebenso der Generalgouverneur des Staates New York, Franklin Roosevelt. — Frau Frieda Warburg, Gattin von Felix M. Warburg und Tochter des verstorbenen Philanthropen Jakob H. Schiff, überwies dem Unterriditsbudget des „Keren Hajessod" die Summe von 50.000 Dollars. — In Anwesenheit von mehr als 4000 Repräsentanten der amerikanischen Judenheit fand am 24. IX. vom neuerbauten Tempel „Emanuel" aus die Beisetzung des verstorbenen Führers des amerikanisdien Judentums und Präsidenten der „Jewish Agency", Louis Marshall, statt. Wie die Zeitungen berichten, hat Marshall in seinem Testament bestimmt, daß ein Zehntel seines 5 Millionen Dollars betragenden Vermögens für wohltätige Zwecke verwandt werde. — Paris. Zum Präsidenten der „J e w i s h G o 1 o n i s a t i o n Association" (ICA) wurde Leonhard Cohen-London zum Vizepräsidenten Professor Salomon Reinach-Paris gewählt. — Baron Maurice de Rothschild und der frühere Minister Jean Sdiramek wurden in den französischen Senat gewählt. — Der am 1. IV. 1950 ablaufende Vertrag zwischen „HIAS", „EMIGDIRECT" und „ICA", welcher die Zusammenfassung und Vereinheitlidiung der Tätigkeit dieser drei Institutionen auf dem Gebiet der jüdischen Wanderungsbewegung bezweckte, wurde auf drei weitere Jahre verlängert. — Der ehemalige französische Capitän i Alfred Dreyfus, dessen Degradation und lebenslängliche Verbannung nach den Teufelsinseln wegen angeblichen Landesverrats im Jahre 1894 den Anlaß zu der bekannten „Dreyfus-Affaire" gab und der schließlich freigesprochen und im Weltkrieg zum Obersten befördert wurde, Jüdische Wohlfahrtspflege Frankfurt a.M. Abteilung I: Allgemeine Fürsorge Unterstützungen, Mietbeihilfen Krankenhausfürsorge, Erholungsfürsorge