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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1929-12-01 · 4 (12.1929) · p. Seite 142

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
8 (1929-1930)
Issue
4 (12.1929)
Date
1929-12-01
Page
Seite 142 (sequence 26)
Language
German
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Erfüllung ihrer Wünsche sehe, daß sie vielmehr gewisse Forderungen gestellt habe, von denen sie nicht abgehe, und deren Befriedigung, sei es innerhalb oder außerhalb des Schulwerks des Philanthropins, verlangt werden müsse. Trotzdem sei aber die Bereinigung der Angelegenheit des Philanthropins eine der dringendsten Aufgaben der Gemeinde. Herr Dr. Frenkel wünscht die Beurteilung der Angelegenheit ausschließlich vom Standpunkt des Interesses an der der Schule anvertrauten Jugend und nicht von dem eines diplomatischen Kriegsspieles. Rechtsanwalt Simon wünscht Beantwortung der Frage, wie sich der Vorstand zu dem Beschluß der Gemeindevertretung auf Uebernahme des Schulwerks stellt, und ob er angesichts der bisherigen starren Haltung des Schulrats glaubt, mit einer Kommission weiterzukommen. Redner hält schleunige Beschlußfassung im Sinne des Antrags der Gemeindevertretung für erforderlich. Herr Dr. Galliner weist auf die schwere Erschütterung im Vertrauen der Elternschaft hin, die sich dadurch bekunde, daß bereits davon gesprochen wird, Kinder dem Philanthropin nicht mehr zuzuführen. Man könne die Antragsteller nicht warten lassen, bis die Kommission des Vorstands mit ihren Arbeiten fertig ist, wenn man die Schule nidit noch mehr schädigen wolle. Die Dinge, die dringend notwendig sind, müßten sofort erledigt werden. Es handle sich nicht um grundsätzliche Erwägungen, sondern um Tatsachen, mit denen gerechnet werden müsse. Nach weiteren Ausführungen der Herren Dr. Geiger und Dr. Merzbach in Bezug auf die von ihnen gestellten Anträge wird beschlossen: Der Vorstand wird ersucht, der Gemeindevertretung mit tunlichster Beschleunigung» eine substantiierte Vorlage über den Fortbestand des Philanthropins samt den in der Angelegenheit vorhandenen Materialien zur Beschlußfassung zugehen zu lassen, ferner wird der Vorstand gebeten, die zwischen ihm und dem Schulrat des Philanthropins gewechselte Korrespondenz vervielfältigen und den Gemeinde Vertretern zu ihrer Information zugehen zu lassen, sowie die Existenz der Volksschule durch die Anstellung der an ihr beschäftigten Lehrkräfte zu sichern. Bei der Abstimmung über den letzteren Punkt haben sich die Herren Meyer, Rechtsanwalt Simon, Dr. Geiger und Dr. Freimann der Stimme enthalten. Hieran schloß sich eine nichtöffentliche Sitzung, in der Personalangelegenheiten beraten wurden. Die Jüdische Wohlfahrtspflege Frankfurt a. M. umfaßt sämtliche Zweige der offenen Wohlfahrtspflege in vier Abteilungen Langestraße 30 Tel. Hansa 9548 Sitzung vom 6. November 19?9. In Anwesenheit von 52 Gemeindevertretern und 5 Vertretern des Vorstands eröffnet der Vorsitzende, Herr Dr. Richard Merzbach, die Sitzung. Vor Eintritt in die Tagesordnung gedenkt der Vorsitzende des verstorbenen Herrn Heinrich Emden, der durch viele Jahre als Mitglied und Vorsitzender und zuletzt als Ehrenvorsitzender des Schulrats des Philanthropins dem Schulwerk der Gemeinde hervorragende Dienste geleistet hat. Der Verstorbene, eine Persönlichkeit von seltener Vielseitigkeit, ist selbst aus dem Pliilanthropin hervorgegangen. Er war nicht nur ein praktischer Kaufmann, sondern ein Wissenschaftler auf dem Gebiet des Handels. Als solcher hat er sich auch schriftstellerisch'betätigt, u. a. in dem von ihm begründeten und hervorragend geleiteten Handelsblatt „Der Finanzherold", mit dessen Gründung er bahnbrechend war. Von ihm stammt auch eine in einem französichen Handbuch der kaufmännischen Wissenschaften veröffentlichte Arbeit über die Geschichte und die Bedeutung der Frankfurter Börse. Emden, dessen hohe Opferbereitschaft und dessen liebenswürdiges Wesen jede Zusammenarbeit mit ihm zu einer Freude machte, war ein bedeutender Goethe- und Schopenhauerkenner und repräsentierte in seiner eigentlichen Persönlichkeit einen Menschen von innerer und äußerer Kultur, dem die Gemeindeverwaltung ein dauerndes Andenken bewahren werde. Die Anwesenden haben sich zu Ehren des Verstorbenen von ihren Sitzen erhoben. Der Vorsitzende verliest alsdann eine in der Angelegenheit der Jewish Agency abgegebene Erklärung des Vorstands, wonach bei der Zusammensetzung dieser Körperschaft eine Vertretung einzelner Gemeinden niemals in Frage kam und der Vorsitzende des Vorstands audi niemals einen Zweifel darüber hat aufkommen lassen, daß er lediglich als Privatperson die auf ihn gefallene Wahl angenommen habe. Demgemäß hält der Vorstand die von seinem Vertreter in der letzten öffentlichen Sitzung der Gemeindevertretung abgegebene Erklärung für vollkommen ausreichend und stellt "fest, daß diese Erklärung ebenso wie der gegenwärtige Beschluß im Rahmen der Berichterstattung über die Beratungen der Gemeindevertretung im Gemeindeblatt veröffentlicht werden wird. In der Angelegenheit des Philanthropins hat der Vorstand eine umfangreiche Vorlage in Bezug auf die Weiterführung dieser Schule und auf das Verhältnis zwischen Schulrat yud Gemeindeverwaltung eingebracht, welche dahin zielt, mit Wirkung vom 1. April 1930 die Oberstufe der Schule abzubauen, Frauenschule und Kindergarten nicht mehr zu subventionieren und die Schule wieder auf den früheren Umfang zu besdiränken. Die private konfessionelle Volksschule beim Pliilanthropin will der Vorstand einem eigenen Volksschulrat unterstellen und an ihre Spitze einen Rektor als selbständigen Leiter setzen. Eine Uebernahme des Schulwerks auf die Gemeinde wird vom Vorstand abgelehnt, dagegen sollen die seit etwa 10 Jahren schwebenden Verhandlungen über eine zeitgemäße Umgestaltung der Schulordnung mit tunlichster Beschleunigung zum Abschluß gebracht werden. Die Vorlage wird ergänzt durch eine ausführliche Begründung und durch ein vom Vorstand eingeholtes Rechtsgutachten über das Verhältnis der Schule zur Gemeinde.' Die Vorstandsbeschlüsse werden verlesen. — Herr Dr. Geiger beantragt Vertagung der Angelegenheit, welche zunächst eingehenden Studiums bedürfe und ersucht zu diesem Zweck, den Mitgliedern der Gemeindevertretung das gesamte Material im Umdruck zugehen zu lassen. Herr Felix Meyer bedauert unter diesen Uniständen, daß der Vorsitzende den Beschluß im Wortlaut zur Kenntnis gebracht und damit eine Beunruhigung der Oeffentlichkeit verursacht habe, ohne daß die Gemeindevertretung die Möglichkeit besitze, die öffentliche Meinung durch eine grundsätzliche Stellungnahme auf das tatsächliche Maß zurückzuführen. Hieran schließt sich eine längere Geschäftsordnungsdebatte, in welcher die Herren Fromm, Rothschild und Werner die Ausführungen des Vorredners unterstützen. Dieser erklärt noch, daß es sich bei der ganzen Angelegenheit nicht nur um das Verhältnis der Gemeinde zur Schule und zum Schulrat handle, sondern auch um ein weitgehendes Interesse der Elternschaft und der das Philanthropin besuchenden Sehulkinder. Der Vorsitzende weist darauf hin, daß die Angelegenheit einer weiteren Behandlung bedürfe, und, da es sich um eine mit Vorstandsbeschluß eingebrachte Vorlage handle, die ordnungsmäßig auf der Tagesordnung stehe, der Vorstandsbeschluß wie immer auch zur Kenntnis der Gemeindevertretung gebradit werden müsse. Falls eine Absetzung der Angelegenheit gewünscht worden wäre, hätte der Stellung eines entspredienden Antrags nichts entgegengestanden. Die von den Herren Meyer und Fromm für die Behandlung der Angelegenheit von dem Vorsitzenden gewählte Bezeichnung „Taktik' weist der Vorsitzende als sadilidi unzutreffend zurück und betont, daß durch die Verlesung des Vorstandsbesdilusses eine neuerliche Beunruhigung der Oeffentlidikeit nidit hervorgebracht werden konnte, weil sdion gelegentlich der Etatberatung der Vorstand seinen Beschluß betr. Abbau der Oberstufe durch Aufhebung der Obersekunda mit dem 1. April 1930 mitgeteilt habe. Der Vorsitzende hält darüber hinaus die Debatte für wertvoll, weil sie wieder einmal gezeigt habe, daß die Mehrheit der Gemeindevertretung den Wert und die Leistungen des Sdiulwerks des Philanthropins anerkenne., und dessen Fortbestand wünsche. Herr Werner erklärt unter Hinweis auf seine frühere Stellungnahme gelegentlich der Besdilußfassung über den Aufbau des Philanthropins, daß Herr Meyer rein persönlich und nicht für die konservative Fraktion gesprochen habe. Nachdem Herr Dr. Geiger bezüglich der Weiterbehandlung der Angelegenheit noch darauf hinweist, daß die Finanzkommission auf eine eingehende Be- Für Bewachung nur

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