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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1929-12-01 · 4 (12.1929) · p. Seite 140

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
8 (1929-1930)
Issue
4 (12.1929)
Date
1929-12-01
Page
Seite 140 (sequence 24)
Language
German
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140 bestehe die Pflicht, sich gegen die Gründung der Agency zu erklären, weil sie in ihrer Arbeit staatliche Aspirationen entfalte. Redner verliest alsdann die Einladung des Initiativkomitees vom 29. Mai d. J. und die hierauf vom Vorstand erteilte Antwort vom 21. Juni d. J., aus welcher klar hervorgehe, daß der Vorstand sich an einer ihm sympathisch erscheinenden Mitarbeit beteiligen wollte. Das bedeute aber, vom Standpunkt der Gemeindeverfassung aus betrachtet, einen viel weittragenderen Beschluß als etwa die Vereinigung der Gemeinde Heddernheim mit Frankfurt a. M. Wenn der Vertreter des Vorstands sage, dieser habe damit nicht gegen die Verfassung verstoßen, so sei er in diese nicht eingedrungen. Er hätte die Angelegenheit zur Sprache bringen müssen, damit auch andere Ansichten zu Worte kommen konnten und damit der Vorstand sich wenigstens teilweise einer Verantwortung entledigen konnte, die er im Begriff war, auf sich zu nehmen. Nachdem nun der Vorsitzende des Vorstands in den Rat der Agency eingetreten war, hätte eine Zäsur gemacht werden müssen, um Klarheit darüber zu schaffen, daß dieser Eintritt nicht den Beitritt der Frankfurter Gemeinde bedeute. Es sei dabei ohne weiteres zu unterstellen, daß Herr Justizrat Dr. Blau so loyal verfahren ist, daß er nur für seine Person die Wahl angenommen hat. Wenn nun darauf hingewiesen werde, daß er ebensowenig als Vertreter des Vorstands beigetreten ist, wie etwa Herr Stadtrat Asdi als Vertreter des Frankfurter Magistrats, so sei dieser Vergleich vollkommen abwegig, insofern als bei der letztgenannten Persönlichkeit jedermann wisse, daß er nicht für seine Behörde beitreten konnte. Bei der Person des Herrn Justizrats Dr. Blau wisse man das aber nicht. Dazu komme, daß der Vorstand sich gegenüber den Pressemeldungen ebenso unbekümmert gezeigt habe, wie bei seiner Beschlußfassung auf die Einladung des Initiativkomitees. Aus allem ergebe sich, daß der Vorstand nicht die Vorsicht gezeigt habe, welche bei seiner Stellungnahme erforderlich gewesen wäre, und so müsse noch nachträglich klar gestellt werden, daß die Frankfurter Gemeinde der Agency nicht beigetreten ist. Herr Dr. Hoffm a n n ist der Ansicht, daß ein Fehler in formaler Hinsicht gemacht worden ist, welcher sich in den irrtümlichen Pressemeldungen über den Beitritt der Frankfurter Gemeinde ausgewirkt hat. Eine offizielle Berichtigung sei umso notwendiger, als ein erheblicher Teil der Gemeindevertretung mit dem Vorstandsbeschluß nicht einverstanden ist. Herr Werner betont, daß er persönlich auf dem Standpunkt der Agency stellt, da nach seiner Ueberzeugung die Zwecke der Agency keineswegs jüdisch-nationale sind. Trotzdem ihm von einwandfreier prominenter arabischer Seite, die in Palästina genau orientiert und sogar judenfreundlich gesinnt ist, berichtet worden sei, daß weder die mangelhafte Politik der Mandatarmacht, die den Grundsatz „Divide et impera" befolge, noch irgendwelche Verhetzung der Araber an dein Unglück schuld trage, daß vielmehr ein Teil der arabischen Bevölkerung lediglich durch den Wegkauf ihres Grundbesitzes, selbst wenn er «ich nur in gewissen Händen befindet, auf die Dauer ihre Existenz in Palästina gefährdet sieht, ist Redner doch von dem zukünftigen Erfolg der Agency fest überzeugt. Er ist auch der Meinung,-daß bei eingehender Besprechung des Vorstandsbeschlusses die Gemeindevertretung ihre Zustimmung zur Mitarbeit im Initiativkomitee gegeben hätte, wenn der Vorstand mit der Angelegenheit an sie herangetreten wäre. Nichtsdestoweniger sei es, besonders nach den heutigen Ausführungen verständlich, wenn eine nicht unbeträchtliche Zahl von Gemeindemitgliedern in dem Umstand, daß der Vorsitzende der Frankfurter Gemeinde einen Sitz im Council der Jewish Agency angenommen habe, eine große Verantwortung der Gemeinde als solcher erblickt, deren Tragweite heute nicht zu übersehen sei. Da vom Vorstandstisch betont worden ist, daß Herr Justizrat Dr. Blau dieses Mandat nicht in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der Israelitischen Gemeinde, sondern nur als Privatperson angenommen habe, so schlage er die Annahme einer Resolution folgenden Inhalts vor: „Die Gemeindevertretung ersucht - den Vorstand. Vorsorge zu treffen, daß in der Oeffentlichkeit bekannt werde, daß Herr Justizrat Dr. Blau lediglich für seine Person, nicht aber in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der Israelitischen Gemeinde Frankfurt a. M. den Sitz im Council der Jewish Agency angenommen hat." Es wird hierauf einstimmig beschlossen, die Redezeit auf drei Minuten zu beschränken. Herr Dr. Mannheim spricht gegen den Antrag Werner. Niemand habe behauptet, daß Herr justizrat Dr. Blau als Vertreter der Gemeinde in den Rat der Agency eingetreten sei, wogegen schon die Verfassung dieses Rats spreche. Dr. Mainzer weist nochmals auf die schwere Verantwortung hin, die der Vorstand übernommen habe und gibt seiner persönlichen Ansicht dahin Ausdruck, daß in Palästina auch weiterhin noch schwere Opfer fallen werden solange, bis die Agency ihre Tätigkeit wieder eingestellt haben wird. Herr Goitein vertritt die Meinung, daß der Vorstand für eine so eminent wichtige jüdische Angelegenheit keiner Zustimmung bedürfe. Es wäre auch beschämend gewesen, wenn etwa nur eine kleine Majorität sich mit seinem Vorgehen einverstanden erklärt hätte. Rechtsanwalt Simon fragt, warum i lerr Dr. Mainzer gerade eine Persönlichkeit, wie den New \orker Rechtsanwalt Dr. Julius Goldmann als Kronzeugen für seine Behauptungen herangezogen habe und nicht die Herren Marshall, Warburg, Wassermann, Dr. Baeck, van der Velde usw. Das Werk der Jewish Agency sei nicht abhängig von Meinungen, es spreche für sich selbst. Aber die Ansicht, daß von seiner Gründung Rückwirkungen auf die politische Lage der deutschen Juden ausgehe, könne nicht zugelassen werden. Man müsse sich im Gegenteil darüber freuen, daß endlich einei gemeinschaftliche Arbeit im Interesse des wirtschaftlichen Aufbaues Palästinas zustande 'gekommen sei und daß der seitherige Zwiespalt nicht verewigt werde. Dr. Strauß: Die formale Erledigung der Angelegenheit war wohl nicht in Ordnung, aber die Abstimmung der Gemeindevertretung wäre, wenn diese mit der Angelegenheit befaßt worden wäre, zweifellos zu Gunsten einer Mitarbeit des Vorstands ausgefallen. Im Council der Agency säßen keine'Körperschaften, sondern ausschließlich Einzelpersonen. ^Kanalu. Wasserbau-Gesellschaft Bergerstr. 6 m. b. H. Bergerstr. 6 sorgt für Instandhaltung der Kanal- und Wasserleitungs-Anlagen. Carolus 43537/38 Wand- Kurl i Boßtiger Fernsprecher: Hansa 5056-58 Muster-Ausstellung, Büro und Stadtlager: Am Schwimmbad 6 Hauptlager: Am Hauptgüterbahnhof Waschtische ff. fließendes Wasser Moderne Klosettu. Bade - Einrichtungen und Bodenplatten .-. Baustoffe Seyd & Sautter, Langenbach W.K.-Haus Kaiserstraße 28 W. K. Möbel Vom Siedlungsmöbel bis zur anspruchsvoll-eleganten Wohnung. Verlangen Sie die Broschüre „Das W.K.-Aufbauheim" De-We-Möbel Verlangen Sie die Broschüre „Die billige Wohnung"

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