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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1929-12-01 · 4 (12.1929) · p. Seite 129

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
8 (1929-1930)
Issue
4 (12.1929)
Date
1929-12-01
Page
Seite 129 (sequence 13)
Language
German
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Jakob Auerbachs Gesuch um Verehelichungserlaubnis und Aufnahme in das israelitische Bürgerrecht. Dr. Jakob Auerbach, der Vetter und Freuud Berthold Auerbachs, der Vater von Dr. Ernst Auerba ch, der Jahrzehnte hindurch als Syndikus die Geschäfte des Schulrats geleitet hat, war eine der markantesten und einflußreichsten Persönlichkeiten unter den Lehrern des Philanthropins. Am 24. November 1810 in Emmendingen in Baden geboren, empfing er seine Bildung auf dem Pädagogium seines Heimatsortes und dem Lyzeum in Karlsruhe, studierte in Heidelberg jüdische Theologie, Philosophie, deutsche Literatur und Pädagogik. Nachdem er kurze Zeit Vikar des Rabbiners in Wiesbaden und sieben Jahre lang Hauslehrer in Wien gewesen, ward er 1843 an das Philanthropin berufen. Er hat später audi am städtischen Gymnasium hebräischen Unterricht gegeben, und seit 1865 die Julius und Amalie Flersheimsche Stiftung geleitet; 1879 trat er in den Ruhestand und starb am 31. Oktober 1887. Seine „Biblischen Erzählungen für die israelitische Jugend" und seine „Kleine Schul- und Hausbibei" bildeten Jahrzehnte lang bis auf unsere Zeit das meist geschätzte Hilfsmittel des Unterrichts in der Biblischen Geschichte und Bibelkunde. Das folgende Schreiben ist nach den ersten drei Jahren seiner Tätigkeit am Philanthropin geschrieben und den Akten der „Gemischten Kirchen- und Schul-Commission der freien Stadt Frankfurt" (17. Fase. 307, S. 16) entnommen, die sich heute im Preußischen Staats-Archiv zu Marburg befinden. praes. 17. Febr. 1846 An einen hohen Senat gehorsamste Vorstellung und Bitte des Dr. phil. Jacob Auerbach aus Emmendingen im Großherzogtum Baden, Religionslehrers an der israelitischen Real- und Volksschule und Predigers am Andachtssaale und seiner Verlobten der hiesigen israelitischen Bürgerstochter Sara Katz huldreiche Verehelidiungserlaubnis und Aufnahme in das israelitische Bürgerrecht betr. Hoher Senat! Mit der ehrfurchtsvollen Anzeige unserer erfolgten Verlobung erlauben wir uns das gehorsamste Gesuch um huldreidie Verstattung unserer Verehelichung und um Aufnahme in das hiesige israelitische Bürgerrecht zu verbinden. In huldvoller Berücksiditigung der besonderen Verhältnisse, welche bei dem gehorsamst unterzeichneten Bräutigam obwalten, möchte dabei der Hoffnung Raum zu geben seyn, daß mir die Reihefolge der Ehegesuche, bei welchem ein Theil fremd ist, nicht abzuwarten haben werden. Derselbe ist nämlich einer vor drei Jahren ergangenen Aufforderung folgend aus vielen Bewerbern vom löblichen Schulrath der israelitischen Gemeinde dazu ausersehen worden, die wichtige Stelle eine Religionsl e hr er s an der israelitischen Real- und Volkssdiule und eines Predigers an dem israelitisdien Andachtssaale zu übernehmen. Als solcher hat er den wichtigsten Theil des Unterrichts an dieser Schule, welcher die israelitische Gemeinde ihre Regeneration verdankt, zu versehen und durch die ihm gleichfalls anvertraute Confirmation der israelitisdien Jugend wiederholt von dem Erfolge seiner Bemühungen öffentlich die Probe abgelegt. — Vermöge seiner theologischen Studien, der Erlangung der philosophischen Doktorwürde und der Ausübung des Predigeramtes hat er denn audi bei der im verflossenen Jahre mit hochobrigkeitlicher Erlaubnis dahier abgehalten wordenen Rabbineroersammlung als Mitglied derselben an deren Berathungen Theil genommen und als Sekretär bei derselben fungiert. Nachdem nun auch derselbe auf Antrag des löblichen Schulrath durdi löblidie israelitische Gemeindeverwaltung unter Bestätigung hodiwürdiger gemischter Kirchen- und Sdudkommission unter die Zahl der ordentlichen ständigen Lehrer der israelitischen Real- und Volksschule aufgenommen worden ist, darf er sidi in seiner hiermit verbundenen Eigenschaft eines Religionslehrers und Predigers den geistlichen Beamten der israelitisdien Gemeinde beizählen und sich dem Vertrauen hingeben, daß ihn die Gnade hohen Senats, welche sich in kurzer Folge bei Anstellung des Rabbiners sowohl wie eines anderen ordentlichen Lehrers dieser Schule gleidi günstig für die Gemeinde und Schule bewährt hat, einem Staate und einer Gemeinde als israelitischer Bürger einverleiben werde, in welchem es ihm vergönnt ist, eine so wesentliche Wirksamkeit auszuüben. Bei Gelegenheit seiner beabsichtigten Verehelichung mit einer Angehörigen hiesiger israelitischen Gemeinde wagt er daher im Verein mit derselben die ehrerbietige Bitte: Hoher Senat wolle huldreichst geruhen, unter großmüthigster Ertheüung des hiesigen israelitischen Bürgerrechts deren Verehelichung zu gestatten und dieselben in Berücksichtigung der obwaltenden Verhältnisse von der Abwartung der Reihenfolge allergnädigst zu dispensieren. In tiefster Verehrung verharren wir als Eines hohen Senats ganz gehorsamst gez. Dr. A. M an ha yn gez. Dr. Jakob Auerbach gez. S ar a K atz. So schnell aber wie die Bittsteller hofften, erfolgte nicht die huldreiche und großmütige Gewährung — noch im Mai harren sie vergebens; es bedurfte noch mancher Erinnerung, auch eines besonderen Berichtes und empfehlenden Schreibens des Vorstandes der israelitischen Gemeinde, bis sie zu ihrem Ziele gelangten und der Religionslehrer und Prediger audi glücklicher Ehemann und Bürger der israelitischen Gemeinde werden konnte. Dr. Arthur Galline r. "* Simon Moritz von Bethmann und die Juden. n — Von Dr. Hermann Freudenberger. In dem K a m p f, den die Frankfurter jüdisdie Gemeinde zu Anfang des vorigen Jahrhunderts um Befreiung aus unwürdiger Knechtschaft und um bürgerliche Gleichstellung führte, waren ihre Gegner naturgemäß die christlichen Kaufleute, die sich fürchteten, in Handel und Wandel von dem israelitischen Geschäftsgeist überflügelt zu werden. Dieser krämerhafte Judenhaß verkörperte sich vor allem in dem städtischen Patriziat, das sich denn auch erfolgreidi bemühte, die bürgerliche Gleichstellung, welche die Juden unter der Regierung des Großherzogs von Frankfurt, Karls v. Dalberg, errungen hatten, nach dem Sturze Napoleons und der Wiederherstellung der „Freien Stadt Frankfurt", wieder rückgängig zu machen. Simon Moritz v. Bethmann, das berühmte Glied der alten Frankfurter Patrizierfamilie, dessen Name als der eines Wohltäters der Annen, eines Förderers von Kunst und Wissenschaft, vor allem aber als eines treuen Beraters und Beschützers seiner Vaterstadt aufs engste mit der Gechichte Frankfurts verknüpft ist, hat auch zu diesem Kampf zwischen Judengemeinde und Senat Stellung genommen. Näheres hierüber erfahren wir aus folgendem Briefe, den S. M. v. Bethmann am 24. Jan. 1818 an seinen Freund David Parish in Paris richtete. Darin heißt es: „. . . Wenn Herr James Rotschild mich einmal in Frankfurt besuchen wird, so wird er sich leicht davon überzeugen, daß ich weder Christennoch andern albernen Dünkel bei mir hege und keine Vorurteile gegen den achtbaren Juden habe. Amschel (gemeint ist Amschel Mayer, ältester Sohn Meyer Amschel Rothschilds,) den dummen Wahn zu benehmen, als wäre ich ein Gegner der Forderungen der jüdischen Gemeinde in Frankfurt, insoweit sie vernünftig sind, habe ich mich schon manchmal vergebens bemüht. Nichts sollte ihn von dem schiefen Ungrund seiner Ansicht besser überzeugen, als daß ich vielmehr bei meinen christlichen Mitbürgern in Verdacht stehe, als sei ich parteiisch für die Juden. Aus dieser Ursache wählten sie mich dieses i Jahr nicht in die gesetzgebende Versammlung unsrer Republik, wofür ich meinen Feinden großen Dank weiß, indem ich meine Zeit angenehmer und besser verwenden kann, als unsre angehenden Gesetzgeber zu schulen und ihre schülerhaften Reden zu berichtigen." Gerade das Emporblühen einzelner jüdischer Geschäftshäuser im Anfang des vorigen Jahrhunderts, wie das der Rothschilds hier in Frankfurt, hatte die Vorurteile gegen die J uden genährt und führte um 1818 zu dem bekannten Hep- Hep-Ausschreitungen; man sah und haßte in den Juden die Vertreter des Geldbesitzes schlechthin. Um den Reichtum der Rothschilds und die Art und Weise, wie sie zu ihrem Reiditum gekommen waren, bildete sich ein ganzer Kranz von Legenden, von denen vielleicht noch die harmloseste die ist: der Kurfürst von Hessen-Kassel habe bei seiner Flucht vor den Franzosen im Jahre 1807 sein Vermögen Meyer Amschel Roth- Zur Beachtung! Die Gräberpflege auf dem neuen Friedhof wird nur von der Friedhofsgärtnerei der Gemeinde ausgeführt. Näheres unter „Amtliche Anzeigen" und im Inseratenteil dieser Nummer.

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