Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 8 (1929-1930)
- Issue
- 2-3 (10.1929)
- Date
- 1929-10-01
- Page
- Seite 89 (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
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89 reicher, als es sich nicht nur der erhabenen Sprache der Propheten bedient, die für den heutigen Alltag nicht durchweg geeignet ist, sondern auch von der Literatur nachbiblischer Perioden ausgiebigsten Gebrauch macht. Wenn die Entwicklung der Technik, die Entstehung neuer Begriffe in der Literatur und Wissenschaft den „Waad Halaschon" (Sprachausschuß) in Palästina veranlaßt hat, manche neue Wörter einzuführen, so geschah dies zum größten Teil aus den unerschöpflichen Quellen der Mischna, des Talmud, der Midraschim, sowie aus der reichhaltigen mittelalterlichen Literatur. Nur im äußersten Notfall wird ein neues Wort eingeführt, aber auch dieses wird aus einer vorhandenen Wurzel der Sprache gebildet und ihrem Geist vollkommen angepaßt. Die Eröffnung des ersten hebräischen Gymnasiums in Jaffa vor etwa 30 Jahren rief seinerzeit Bewunderung hervor. Heute bestehen in der ganzen Diaspora, von Palästina mit seinem großen Netz von hebräischen Volksschulen, Gymnasien und der Universität abgesehen. Dutzende von Schulen mit hebräischer Unterrichtsprache, und auch in Deutschland ist das Interesse für die Sprache bedeutend gestiegen. Hebräisch lernen heißt nach wie vor den Schlüssel zur Erlernung der T h o r a sich verschaffen, heißt die Quellen aller Perioden unserer reichen Geschichte und Literatur erschließen. Stundenplan der Hebräischen Sprachschule Hermesweg. (Anmeldungen bei B. Messerer, Baumweg 21. Tel. 41883.) Kindergruppe: Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag 1SK—19% Uhr. Erwachsene: I. Gruppe: Montag 20—21, Mittwoch 21—22 Uhr. II. Gruppe: Dienstag und Donnerstag 19J~ —2üK> Uhr. III. Gruppe: Montag 21—22. Mittwoch 20—21 Uhr. Hilfe für Palästina. „Hilfe durch Aufbau!" Unter dieser Losung erlassen die deutschen Mitglieder der Jewish Agency für Palästina, das Initiativkomitee für die Erweiterung der Jewish Agency, sowie das Präsidium und das Zentralkomitee des Keren Hajessod einen Aufruf, in dem es als Pflicht jedes Juden bezeichnet wird, im gegenwärtigen Augenblick durch großzügige Hilfe das Werk des Palästinaaufbaus zu fördern, um Zerstörtes wieder herzustellen, um Neues und Größeres schaffen zu können. Zuschriften werden an „Jüdisches Palästinawerk", Berlin W 15, Meinekestraße 10, Geldsendungen an die Deutsche Bank, Berlin W. oder auf Postscheckkonto Keren Hajessod Berlin 104951 erbeten. Der Aufruf, der von einer großen Anzahl hervorragender deutscher Juden aus den verschiedensten Gruppen unterzeichnet ist, trägt aus Frankfurt a. M. die folgenden Unterschriften: Stadtkämmerer Bruno Asch, Justizrat Dr. Blau, Dr. Fritz Flersheim, Rabbiner Dr. Hoffmann, Rechtsanwalt A. Horovitz, Rabbiner Dr. J. Horovitz, Stadtrat Ernst Kahn, Dr. Albert Sondheimer, Fritz Sondheimer, Dr. Walter Sulzbach, Dr. Eduard Strauß, Hans Weinschenk, Dr. Franz Wolf. Auch das europäische Büro des Keren Kajemeth Lejisrael (Berlin W 15, Meineckestraße 10) wendet sich an die gesamte Judenheit mit der Bitte, zu verstärktem Landerwerb in Palästina beizutragen. Ein von dem Komitee verbreiteter Aufruf des Präsidenten des Keren Kajemeth. Herrn M. Ussischkin, weist eindringlich auf die entscheidende Bedeutung hin, die der Vergrößerung des jüdischen Bodenbesitzes in Palästina zukommt. Für Frankfurt hat sich ein Ehrenkomitee gebildet, das gemeinsam mit verwandten Organisationen bittet, Spenden auf Postscheckkonto Isaac Heimann, Frankfurt a. M. 41441 zu überweisen. Anti-Alkoholtagung. Auf dem am 15. September 1929 im Großen Saal des Volksbildungsheims stattgehabten Begrüßungsabend des Deutschen Vereins gegen den Alkoholmißbrauch nahm u. a. nach den Vertretern der christlichen Religionsgemeinschaften Herr R a b b. Dr. Horovitz als Vertreter des Allgemeinen Deutschen Rabbinerverbandes, der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden sowie der örtlichen jüdischen Wohlfahrtsstelle das Wort und führte etwa Folgendes aus: Aus den mehrtausendjährigen Erfahrungen der Geschichte des jüdischen Stammes darf ich Sie von ganzem Herzen zu Ihren Bestrebungen beglückwünschen. Das Judentum hat eine eigene Methode, einen ganz besonderen Weg in der Bekämpfung des Alkoholmißb r a u eh s. Indem die jüdische Religion den Genuß des Weines unter ihren Schutz genommen hat, indem sie ihn in die Familie verpflanzte, indem sie ihre Bekenner lehrte, die Sabbate und Feste durch ihn zu weihen und jedesmal einen Segensspruch zu sprechen, hat sie die jüdische Gemeinschaft vor all den schweren Ausschreitungen bewahrt, die anderwärts zu verzeichnen sind. Und so sehr ein großer Teil der neuzeitlichen Juden sich von dem Segen des Gesetzes entfernt hat, in diesem Punkt ist wie in keinem anderen seine Wirkung spürbar bis auf den heutigen Tag. Ein Rabbi im Talmud meint, daß der Nasiräer, der dem Weingenuß freiwillig entsagte, darum ein Sühnopfer bringen mußte, weil er selbstquälerisch einen erlaubten Genuß von sich gewiesen hat. Diese Auffassung ist aber nur zu verstehen im Zusammenhang mit dem ganzen jüdischen Gesetz, das durch seine Speisegesetze und nach so vielen Richtungen hin zur Mäßigung und zur Selbstbescheidung erzieht. Ich habe darum gerade aus dem Geiste des Judentums heraus volles und warmes Verständnis für Ihre Bestrebungen, die dem ganzen deutschen Volke das uns gemeinsame Bibelwort in die Seele rufen: Sei nicht unter denen zu finden, die beim Wein prassen. Ein deutscher Dichter meint einmal: „Denn es gleicht der Wein dem Regen, der im Schmutze selbst zum Schmutz wird, doch auf gutem Acker Segen bringt und jedermann zu nutz wird." Wer aber könnte von sich sagen, daß er nur ein guter Acker und von jedem Schmutze frei sei? Dazu kommt, daß in einer Zeit so vielfacher Entartung, in einer Zeit, die fordert, daß ein jeder im deutschen Volke seine Kräfte frei macht für tätige, segenbringende, kulturfördernde Arbeit, diejenigen, die an der Spitze stehen, ein Beispiel geben müssen für die anderen. Möchte es Ihnen gelingen, dazu beizutragen, daß neben der Nüchternheit des Sinnes jene Trunkenheit ohne Wein bei Jung und Alt verbreitet und erhalten werde, die man mit Recht als das wahre Wesen der Jugend bezeichnet hat und die gleichbedeutend ist mit jedem ernsten Idealismus. Kuranstalt in Bad Soden. Die Kuranstalt für Israeliten in Bad Soden a. T. macht darauf aufmerksam, daß ihr Betrieb ununterbrochen —• also auch während der Feiertage und des Winters — geöffnet bleibt. Anfragen können an die Anstalt direkt oder an Herrn M. Tannenbaum, Frankfurt a. M., Oberlindau 56, gerichtet werden. Jüdische Wohlfahrtspflege Frankfurt a. M. Abteilung IV: Wanderfürsorge Unterkunft und Verpflegung der Durchwanderer Ausgabe von Fahrkarten, Produktive Arbeitsfürsorge Jf^^^ö^^^^™™»,:, Baron v. Rothschilds ] ■MHBBH Kolonien ■■■ÜHH Tafel- und Dessertweine, Weinbrand, Orangeade, Honig, Liköre Wein für Zuckarkranke Alleinvertrieb für Deutschland: Impori-Ges. Palästina m. b. H. BERLIN W. 57. BüIowstraße;89