Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 8 (1929-1930)
- Issue
- 2-3 (10.1929)
- Date
- 1929-10-01
- Page
- Seite 70 (sequence 22)
- Language
- German
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70 nodi ohne Beispiel gebliebene Lösung verlangt, die hoffentlich sich in allen Teilen, auch in der ernsten Praxis ihres Betriebes bewähren wird. n. Die Einweihung. 8. September 1929. Die Einweihungsfeierlidikeit fand unter starker Beteiligung aus allen Kreisen deT Gemeinde statt. Neben zahlreichen Mitgliedern des Gemeinde vor Standes und der Gemeindevertretung, sowie der einzelnen Verwaltungskommissionen, hatten sich Vertreter des Regierungspräsidenten und des Polizeipräsidenten, der Stadtverwaltung, der Evangelischen Stadtsynode und verschiedener auswärtiger Gemeinden eingefunden. Die Feier war von Gesängen umrahmt, die von Chorsängern der Westendsynagoge und der Hauptsynagoge, sowie vom Chor der Synagoge am Börneplatz unter Leitung der Dirigenten Studienrat Frank Rothschild und Dr. Ehrenreich zu weihevollem Vortrag kamen. Rede des Architekten Regierungsbaumeister Fritz Nathan. Meine sehr verehrten Damen und Herren! Jahre sind vergangen, seitdem der verehrliche Vorstand midi durdi die Uebert ragung dieser - großen, hohen Aufgabe ausgezeichnet hat. Die Ausführung der Aufgabe ist vollendet. In diesem Augenblick ist es mir Herzensbedürfnis, für das übergroße Vertrauen zu danken, das mir — dem damals noch jungen Architekten — durdi diese Uebertragung erwiesen wurde. In stetem Bewußtsein der Verantwortung dieses Vertrauens hatte ich versprodien, midi angespanntest in die Erfordernisse meines Auftrugs zu vertiefen und den Einsatz meiner vollen Leistung zu seiner Vorbereitung und Durdiführung zur Verfügung zu stellen. Zwar war ich mir stets dieses Versprediens eingedenk, weiß aber heute, daß ich allein das schwere Werk nicht hätte vollenden können, wäre mir nidit neben dem Vertrauen aller führenden Persönlidikeiten der Gemeinde audi ihre unterstützende Mitarbeit jederzeit zur Verfügung gestanden, hätte nidit darüber hinaus die Friedhofs-Baukommission und insbesondere ihre beiden Herren Vorsitzenden bei der Durchführung meiner Vorschläge und Anregungen mir in jeder Hinsicht ihre volle Unterstützung gewährt. Dafür danke ich ihnen allen von ganzem Herzen. Dank auch den Mitarbeitern in meinem Atelier und auf der Baustelle, Dank den zahlreichen Meistern. Handwerkern und Fachleuten, Dank den vielen Händen, die jahrelang an dieser Baustelle und in den Werkstätten fleißig und eifrig gearbeitet haiben, ihnen Allen Dank, die heute mit mir die Vollendung ihrer Arbeit feiern. So soll denn diese Anlage ihrer ernsten und traurigen Bestimmung übergeben werden. Gesenkten Hauptes und schweren Herzens werden in Kürze Menschen hier eintreten, um von ihrem Liebsten Abschied zu nehmen, und Andere werden kommen, um ihnen Trost zu spenden und ihrerseits ein letztes Lebewohl zu sagen, lieben Kameraden ihres Lebensweges. Generationen werden hier bestattet werden, und die Formen und die Bräudie, in denen diese Bestattung erfolgt und die Trauer sich zeigt, werden sidi gleich bleiben, wie sie Jahrhunderte lang unverändert geblieben sind. In diesem Sinne ist dieser Tempel der Trauer, jüdischer Trauer, in all seiner ernsten Nüchternheit geschaffen, in diesem Sinne ist die Friedhofsanlage erdacht und angelegt, daß jeder von uns gehende Mitmensch unterschiedslos auf gleidie Art betrauert, bestattet und der Erde übergeben wird, wie es von altersher in unserer jüdischen Gemeinschaft Selbstverständlichkeit ist. Idi hoffe, daß es mir geglückt ist, diesem heiligen Gedanken in diesen Bauten Ausdruck zu geben und überreiche mit innigstem Dank für die hohe und große Aufgabe Ihnen, sehr verehrter Herr Vorsitzender, nunmehr mit diesem Sdilüssel das Werk selbst, um es durdi Sie seiner ße Stimmung zuzuführen. Rede des Vorsitzenden der Friedhofs-Baukommission Arthur Forchheimer Es ist mir angenehme Pflidit, als Vorsitzender der Friedhofsbaukommission aus Ihren Händen, Herr Regierungsbaumeister Nathan, den Schlüssel zu den Neubauten des Israelitisdien Friedhofs entgegennehmen zu können. Sie haben unter Einsatz Ihrer ganzen Kunst die Ihnen gestellte sdiwere Aufgabe glänzend gelöst, Sie haben sidi ihr nicht nur mit Ihrem Kopf gewidmet. Ihr Herz war bei der Sache und deshalb ist Ihnen voller Erfolg besdneden. Bis in die kleinsten, den meisten fremden Einzelheiten, haben Sie sich durchgearbeitet, mit Liebe und Sorgfalt, in der Arbeit immer größer werdend, haben Sie das große ernste Werk beendet. Unterstützt von Ihrem Chefarchitekten Herrn Müller und bei der Bauausführung assistiert von Herrn Baudi als Bauführer haben Sie eine Leistung vollbracht, die weit über die Grenzen Frankfurts hinaus berechtigte Beaditung finden wird. Sie haben sich selbst ein Denkmal für alle Zeiten gesetzt. Ihnen und Ihren Mitarbeitern danken wir herzlich. Meine sehr verehrten Damen und Herren! Wenn ich am heutigen Tage der Eröffnungsfeierlichkeiten eines monumentalen Bauwerks, wie es die neuen Friedhofsaulagen der Israelitisdien Gemeinde zu Frankfurt a. M. sind, Ihnen zunächst eine Anzahl Daten gebe, so beabsiditige idi damit, Ihnen zu zeigen, weldie unendliche Fülle von Zeit, Arbeit und Sorgen mit der Erriditung verbunden waren. Von Beginn an Mitglied der von den Gemeindebehörden eingesetzten Friedhofsbaukommission und mit kurzer Unterbrechung ihr Vorsitzender, habe ich in diesen neun Jahren alle Phasen miterlebt und in bangen Stunden gar manchmal gezweifelt, ob es uns vergönnt sein wird, die Fertigstellung der Anlage zu erleben. Die Schwierigkeiten, denen wir begegneten, waren mannigfacher Art, manchmal aus Richtungen kommend, aus denen wir sie am wenigsten vermuteten, aus denen Wir vielmehr Förderung und Unterstützung erwarteten. Wunderbar hat die göttliche Vorsehung auch hier gewaltet, 'sie hat uns ihren Beistand, unserer Arbeit Gedeihen verliehen." Dankbaren Herzens sdiauen wir auf zu Ihm, der uns die richtigen Wege gewiesen. Im Jahre 1912 tauchte erstmals der Gedanke auf, daß in absehbarerer Zeit der Friedhof an der Rat Beilstraße, dessen Pforten sich vor jetzt ungefähr 100 Jahren zum ersten Mal geöffnet hatten, voll T>elegt sein würde, sodaß in richtiger Voraussicht die Gemeinde Gelände an der Homburger Landstraße zwischen Friedberger Warte und Marbachweg sich sicherte, da wo sich inzwischen große Siedlungen erhoben haben. Im Jahre 1920, zu einer Zeit, zu der Geldziffern nie dagewesene Höhen zeigten, glaubte man, wenigdie Kupferbedachung der neuen Friedhofgebäude ausgeführt von TÄLLWißKE KM0B1T Älteste und größte Spezialfabrik für Metall Bedachung jeglicher Art, wie Kupfer, Tecuta, Aluminium, Zink.