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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1929-10-01 · 2-3 (10.1929) · p. Seite 68

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
8 (1929-1930)
Issue
2-3 (10.1929)
Date
1929-10-01
Page
Seite 68 (sequence 20)
Language
German
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68 Trauerhalle. senheit fand ihre Erfüllung in dem alle Bauten in ernster Ruhe verbindenden Portalhof, der, ein Vorraum der Sammlung, der Abkehr vom irdischen Streben, den Blick auf die Weite des Friedhofs zwingt und zunächst vergessen läßt, daß hinter dieser unantastbaren Geschlossenheit Räume sich öffnen, die der Ehrung unserer Toten, ihrer Bestattung und der Trauer um sie dienen. Die den Hof umgebenden Arkaden bieten Kommenden und Weilenden Sitzgelegenheit und den Gehenden beim Verlassen des Friedhofs Brunnen zum rituell gebotenen Waschen der Hände. Die Friese dieser umlaufenden Hallen sind geschmückt durch die Uebersetzung der Inschriften über dem Hauptportal: „Die in Gradheit gewandelt, kommen zum Frieden und ruhen auf ihren Lagern" und über dem Friedhofsportal: „Wandeln werde ich vor dem Antlitz des Ewigen in den Gefilden des Lebens." Vom Portalhof aus öffnen sich fünf schwere Bronzetüren nach der großen Trauerhalle, auf der mittleren dieser Türen hebräisch und deutsch die Inschrift: „Alle Tränen, die einer vergißt um einen rechten Menschen; der Heilige, gelobt sei er. zählt sie und verwahrt sie in seinem Schatzhaus." Die Halle selbst in Querrichtung angeordnet, den Eingängen gegenüber, in einem gleichfalls quer gelagerten Raumteil, der der Aufbewahrung des Sarges dient, das Rednerpult und Sitze für die Leidtragenden, alles Holzwerk des Raumes in matt geräucherter Eiche getäfelt. Aus dem Holz seiner Decke wirft ein in schmalen Schlitzen eingeschnittenes Oberlicht besondere Beleuchtung. Außer dem Totenlicht an der Vorderwand des Rednerpultes zeigt der Raum kein weiteres künstliches Licht, da eine Reflexbeleuchtung zwischen einer äußeren und inneren Verglasung der Fenster eingebaut ist, die an den Längsseiten hart unter der Decke in einer ununterbrochenen matt gefärbten Reihung angeordnet sind. Die Quergliederung dieser Fenster unter der flachen in matten Tönen ru uh geputzten Decke steigert in Verbindung mit den loggienartig in die Oberwände eingeschnittenen ^Emporeöffi um gen und den nirgends endenden ringsum laufenden Bändern der Holzvertäfelung den Raum zu einer Weite, daß die durch- Hubwände gegebene räumliche Verbindung mit den anschließenden Nebenräumen, der kleinen Trauerhalle und dem Kaddischgebetsraum, eine überraschende Veränderung des geschlossenen Raumeindrucks ergibt. des Friedens zu schaffen, die ohne Verwendung plastischen und malerischen Schmuckes die ernste und pietätvolle Bestimmung der Anlage auszeichnet.' Jede Skizze der wechselvollen Vorbereitungen^ dieses Baues entstand aus dem Eindruck dieser Sätze, im großen und im kleinen, in der Urform und im Detail, in der Raumlösung und im kleinsten Bauglied, in der Farbgebung und in der Formbestimmung. Die Zweckerfüllung des Programms verlangte 3 Hauptbaugruppen, " die Trauerhallen, die Leichenhalle und das Verwaltungsgebäude. In einer großen organischen Grundrißgruppe wurden alle diese Bauten zusammengefaßt und einheitlich in allen ihren Teilen aus einem Werkmaterial, einem hartgebrannten Klinker, gefertigt. Die Forderung der Würde und der Geschlos- Die kleine Trauer halle wird von Westen her durch eine fast die ganze Außenwand einnehmende, vom Boden bis zur Decke reichende, in den farblosen Farben sämtlicher Räume spielenden Fenstergruppe beleuchtet. Eine mit vierteiliger, großer Türe geschlossene Wandöffnung verbindet diesen Raum mit dem Kondolenzraum, der mit dem seitlich von dem Rednerpult des Hauptraumes angeordneten Koliariimraum zu einer baulichen Gemeinschaft zusammengeschlossen ist und von allen anderen Bauten durch Dachschlitz getrennt wird, um den Kohanim den Zugang zu den Tratiernden und die Teilnahme an der Trauerfeier in unmittelbarer Nähe zu ermöglichen. Kulissenartig verdeckte Oeffnungen verbinden den Kohanimraum in gleicher Weise mit dem Hauptraum, wie den aleichfalls von der Trauerhalle aus unsichtbaren kleinen Raum für Harmonium und Sänger, da das Bauprogramm audi den Erfordernissen derjenigen Kreise gerecht werden mußte, die eine besondere Ausgestaltung der Trauerfeier, abweichend von dem Althergebrachten, wünschen. Aus dem gleichen Bedürfnis heraus entstand auch ein großer Pflanzenraum zur Aufnahme der die Halle auf Wunsch der Angehörigen schmückenden Bäume und Pflanzen. Der Trauerzug verläßt die Gebäudeanlage durch den mit der großen Trauerhalle in gleicher Weise wie die kleine Trauerhalle verbundenen Kaddisch-Gebetraum, um sich nach der Bestattung des Toten, vorbei an den in besonderer Weise ausgestatteten Waschgelegenheiten des Waschraums, hier wieder zum Kaddischgebet um das an der Ostwand angebrachte Gebetpult zu versammeln.. Niedere Hocker stehen für die Schiwo-Sitzenden bereit, um nach dem Brauch noch auf dem Friedhof diese alte Form strenger, jüdischer Trauer zu beginnen. Diese Dreiheit der Haupträume ist mit der Leichenhalle durch eine breite Schiebetüre verbunden, die hinter dem Rednerpult in den Mittelflur führt. Hohes Seitenlicht lichtet und lüftet diesen in reinem Weiß gestalteten Verwaltungs'ge binde.

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