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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1929-10-01 · 2-3 (10.1929) · p. Seite 66

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
8 (1929-1930)
Issue
2-3 (10.1929)
Date
1929-10-01
Page
Seite 66 (sequence 18)
Language
German
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66 neuen urologischen Station berufen ist, zugleich auch im Namen meiner am Krankenhaus wirkenden Kollegen herzlichst in unserer Mitte willkommen heißen und ihm eine erfolgreiche Tätigkeil in seinem neuen Wirkungskreis wünschen. Wenn Sie nachher die neue Infektionsabteilung besichtigen, so bitte ich Sie, wenn Sie alles mit kritisdien Augen betrachten, zu bedenken, daß es sich nidit um einen Neubau handelt. Wir haben jetzt eine Abteilung, die allem, was Pflege und Behandlung der Kranken betrifft, in völligem Maße geredit werden kann. Wir haben die Möglichkeit, in zahlreichen Räumen Infektionskranke unterzubringen. Im ersten Stock ist nodi eine von den Infektionsräumen abgesdilossene Abteilung für offene Tuberkulose eingeriditet. In dem sdiönen Dadigarten, der nädistes Jahr entstehen soll, ist Gelegenheit gegeben, die Kranken der freien Luftbehandlung in ausgedehntem Maße zuzuführen. Auf Einzelheiten möchte idi jetzt nidit eingehen, aber nodimals allen denen herzlich danken, die an dem Zustandekommen des Werkes mitgewirkt haben. Idi nehme die neue Infektion in meine Obhut, damit sie den Kranken zum Segen gereiche! Zugleich habe idi mir erlaubt, anläßlidi der Eröffnungsfeier allen Teilnehmern eine kleine Sdirift als Vndenken zu iiberreidien und idi gestatte mir, Herrn Justizrat Dr. Blau als erstem ein Exemplar zu übergeben. Rede desChefarztes der urologischen Abteilung Dr. med Rudolf Oppenheimer Meine Damen und Herren! Idi danke zunächst dem Herrn Vorsitzenden der Gemeinde für die außerordentlidi liebenswürdigen und herzlichen Worte, die er an mich ridrtete, ebenso Herrn Kollegen Isaac für die Begrüßung, die er im Namen der Kollegen an midi gelangen ließ. Ich danke dem Gemeindevorstand und der Gemeindevertretung, weldie diese Abteilung sdiufen, ferner den Mitgliedern des Pflegamtes, von denen einzelne beispielsweise Herr Kollege Fromm, den Plan, eine neue urologisdie Abteilung zu erriditen, sdion seit Jahren hegten. Ich danke im besonderen Maße dem leider abwesenden Vorsitzenden unseres Pllegamts, Herrn Fritz Sondheimer, der in seiner Art. ein klar erkanntes Ziel beharrlidi zu verfolgen, nidit eher ruhte, bis alle Sdiwierigkeiten beseitigt waren. Ferner danke idi den Mitgliedern der Baukommission und insbesondere deren Vorsitzendem, Herrn Arthur Fordiheimer, der seine sdiwierige Aufgabe zu aller Zufriedenheit gelöst hat. Mein fernerer Dank gebührt, denen, die aktiv an dem Bau mitarbeiteten: Herrn Ardiitekten Sdiragenheim und insbesondere unserem trefflidien Baumeister Herrn Ardiitekten Georg Harth, der nicht nur die Pläne des Baues entworfen hat, sondern auch die Ausführung persönlich überwadite. Wenn die innere Ausstattung der Räume besonders gut gelungen und ohne Luxus in gesdimackvoller Art entstanden ist, so danken wir dies in erster Linie Frau Oberin Glaser, sowie der Vorsteherin des Büros, Fräulein Ullmann, die unter Mitwirkung des Herrn von Haaken mit außerordentlidiem Interesse sidi der Sadie annahmen. Die Urologie ist die Lehre vom Bau, den Verrichtungen und Erkrankungen der Harnorgane. Die Wichtigkeit des Arbeitsgebietes hat im Ausland dazu geführt, die Urologie in eigenen Abteilungen anzusiedeln. Mit ganz geringen Ausnahmen bestellen derartige Abteilungen in Deutschland noch nidit, man ging lediglidi an großen Krankenhäusern dazu über, im Rahmen der allgemeinen chirurgisdien Abteilungen urologisdie zu erriditen. Wenn daher die Israelitische Gemeinde zu Frankfurt a. M. eine eigene urologisdie Abteilung eröffnet, so stellt diese Abteilung nidit nur die erste derartige Abteilung an einem deutschen israelitischen Krankenhaus dar, sondern die Gemeinde nützt auch durch Schaffung einer soldien Abteilung der deutsdien Urologie. Gerade in Deutschland wurde auf dem Gebiet der Nieren- und Blasenkrankheiten Hervorragendes geleistet. Die Lösung, urologisdie Abteilungen innerhalb von chirurgischen zu errichten, bleibt ungenügend. Denn bei aller Bedeutung, weldie die operative Therapie einnimmt, bedürfen die wenigsten urologischen Kranken eines operativen Eingriffes. Genannt seien nur die nidit entzündlichen Erkrankungen der Nieren, die nervösen Störungen der Harnentleerung usw. Aber auch die häufigste urologisdie Erkrankung, die Katarrhe der Blase und des Nierenbeckens, sind weder innere nodi diirurgisdie, sondern urologisdie Erkrankungen. Es ist einleuditend, daß unter sonst gleichen Umständen derjenige das Fach am besten beherrschen wird, der es am meisten, d. h. ausschließlich übt. In einer Großstadt wie Frankfurt ist an geeigneten Fachärzten kein Mangel. Dagegen werden aus kleinen Städten oder vom Lande immer wieder Kranke zugewiesen, bei deren Behandlung weder der Arzt noch der Kranke volle Befriedigung empfand. Allerdings gibt es audi für die Urologie wie für jedes Sonderfach eine Gefahr. Jedes Spezialfach ist nur bereditigt im Zusammenhang mit der allgemeinen Medizin. Audi der Facharzt muß in erster Linie Arzt sein und er wird ein guter Fadiaizt nur dann sein, wenn er nicht das kranke Organ, sondern den kranken Menschen behandelt. Auf die nahen Beziehungen zur Chirurgie wurde bereits hingewiesen. Die nicht entzündlichen Erkrankungen der Niere, die Störungen der Harnentleerung bei organischen und nichtorganischen Nervenkrankheiten, sowie die Veränderungen des Herzens und der Gefäße bei gewissen Nierenerkrankungen zeigen die Grenzgebiete zur inneren Medizin auf. Wenn man eine Zeitlang versudit hat, innerhalb der Urologie ein eigenes Teilgebiet, die gynäkologische Urologie abzugrenzen, so zeigt diese Tatsache am besten die engen Beziehungen zur Gynäkologie. Daß die Radiologie eine der widitigsten Hilfsmittel der urologischen Diagnostik darstellt, ist eine so bekannte Tatsadie, daß man auf die engen Zusammenhänge der Radiologie und Urologie kaum hinzuweisen braucht. Endlidi bestehen Beziehungen zur Laryngologie und Ophtalurologie. Indem idi Ihnen den Umfang des urologischen Arbeitsgebiets kurz umgrenzte, habe idi Ihnen den Zweck gezeigt, dem die neue Abteilung dienen soll. Sie soll die bestmöglidisten äußeren Bedingungen geben zur Heilung urologisch Kranker. Daß eine neue Abteilung mit allen modernen Hilfsmitteln ausgestattet ist, erscheint selbstverständlich. Die Lage des Baues nadi Süden und die Tatsadie, daß fast jedes Zimmer einen Liegebalkon hat, ermöglicht es, ohne Schwierigkeit Lidit und Luft in den Dienst unserer Behandlung zu stellen. Die gesdiiekte Anordnung der Räume sidiert den Kranken völlige Ruhe. Endlich ist auf die psydiisdie Konstellation unserer Kranken die weitgehendste Rücksidit genommen. Wo es angängig war, waren wir bestrebt, die Räume so wohnlich als möglich zu gestalten. Meine Damen und Herren! Die neue Abteilung birgt in ihrem Erdgeschoß Betten für Kranke I. und II. Klasse; aber es ist selbstverständlidi, daß ein Gemeindehospital durch Schaffung einer genügenden Anzahl Betten III. Klasse für die Aufnahme wenig Bemittelter Sorge zu tragen hat. „Zwei Mächte sind es" sdirieb Napoleon 1. auf St. Helena in sein Tagebuch., weldie die Welt regieren: „das Schwert und die Idee; immer aber hat auf die Dauer die Idee das Schwert besiegt." Es scheint eine historische Mission der jüdischen Gemeinsdiaft gewesen zu sein, ihre religiöse Lehre über ihren Kreis hin? ."-zutragen und bei anderen fruchtbar werden zu lassen, insbesondere hat der Satz „Liebe Deinen Nädisten wie Dich selbst", in allen Kulturreligionen Wurzel geschlagen. Wie aber könnte die praktisdie Auswirkung dieses Satzes besser gedadit werden, als in sozialem Tun und insbesondere in der Versorgung der Kranken? Und so sdiließe ich mit dem Wunsche: möge die neue Abteilung ein nützlidies Glied unseres Krankenhauses und der Gemeinde werden, darüber hinaus aber allen Kranken zugute kommen, die in ihr Heiiung sudien! Rede des^ Vorsitzen den des ärztlichen Vereins Sanitätsrat Dr. Julius Hainebach. Meine Damen und Herren! Im Namen des ärztlichen Vereins spreche idi der Gemeinde und den Aerzten, die hier eine neue Arbeitsstätte gefunden, haben, die herzlidien Glückwünsdie aus. Es. ist eine bekannte Tatsache, daß die Krankenanstalten der jüdisdien Gemeinde zu den musteri gültigen gehört haben: so war es früher, so ist es jetzt, so wird es audi zukünftig sein. Wir Aerzte begrüßen die beiden neuen Abteilungen mit ganz besonderer Freude, da sie einem sdion längst empfundenen Bedürfnis entgegen- Für Bewachung nur Fernruf Römer 6867

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