Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 8 (1929-1930)
- Issue
- 2-3 (10.1929)
- Date
- 1929-10-01
- Page
- Seite 65 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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65 Rede des Vorsitzenden des Gemeindevorstands Justizrat Dr. Blau. Meine sehr geehrten Damen und Herren! Als Vertreter der Gemeinde, die die Eigentümerin und Erhalterin dieses Krankenhauses ist, mit der formellen und feierlichen Abnahme der neu erstellten Zusatzbauten betraut, nehme ich diese hiermit in die Obhut der Gemeinde und übergebe sie dem Pflegamt des Krankenhauses, das sie ihrer Bestimmung entgegenzuführen berufen ist. Nächst Gott, der - 2,roß und wunderbar und oft durch bange Nacht und Grauen - uns bis hierher geführt und zu dem wir aufschauen, betend, daß Er uns in Seiner Gnade weiter den rechten Weg leiten möge, — nächst Gott gilt der erste Dank Ihnen, hochgeehrter Herr Baumeister Harth. Sie haben Ihr ganzes künstlerisches Können. Ihren ganzen Eifer, Ihre ganze Arbeitskraft und Ihre reiche, schon auf väterlicher Arbeit fußende Erfahrung in den Dienst der Ihnen gewordenen Aufgabe stellend, planend und ausführend Bauten ersteilt, die nach dem eben gehörten Zeugnis der Baukommission des Pflegamts, allen, auch den höchsten Anforderungen entsprechen, die in unserer Zeit an solche Bauten gestellt werden können. Seien Sie versichert, daß außer dem Werke selber auch die Gemeinde jederzeit das Verdienst des Meisters künden wird. Mein zweiter Dank gilt dem Pflegamt des Krankenhauses und der von ihm eingesetzten Spezialkommission mit meinen Kollegen im Gemeindevorstand, Herrn Direktor Fritz Sondheimer, in dessen Vertretung eine Zeitlang der verdiente Herr Georg Marcus tätig war, und Herrn Arthur Korchheimer an der Spitze, die dem Künstler bei der Planung und Ausführung zur Seite gestellt, in richtiger Würdigung der Bedeutung des Werks für die Zwecke unseres Krankenhauses, aber auch unter steter Rücksichtnahme auf die finanzielle Kraft der Gemeinde ihr Bestes getan haben, um künstlerische und ärztliche Anforderungen in Einklang zu bringen mit den Mitteln, die zur Verfügung gestellt werden konnten. Und nun wende ich mich an Sie, meine Herren Aerzte, Professor Dr. Isaac und Dr. Rudolf Oppenheimer, die berufen sind zur Leitung der Abteilungen, die die Zusatzbauten bergen sollen. Es ist das Höchstmaß von Vertrauen, das die Gemeinde in Ihre Kunst, Ihre Erfahrung, Ihren Ruf als Aerzte und Menschen setzt. Ihr bisheriges Wirken in und außerhalb der Gemeinde bürgt uns dafür, daß unter Ihrer Leitung die neuen Aufgaben des Krankenhauses in vorbildlicher Weise werden erfüllt werden, namentlich wenn Sie die verdiente Unterstützung besonders der jüdischen Aerzteschaft Frankfurts finden, die zu Ihnen als ersten in Ihrem Fach hinaufblicken. Im Namen der Gemeinde bitte ich die Aerzteschaft um Förderung des Krankenhauses auch in seinen neuen Abteilungen. Zum Schluß danke ich im Namen der Gemeinde allen, die der Einladung zu dieser schlichten Feier gefolgt sind. Möge diese Stunde stets als eine angenehme in Ihrer aller Erinnerung bleiben! Urologisdie Abteilung, Krankenzimmer. Urologisdie Abteilung, Teilansicht. Rede des Chefarztes der Abteilung für innere- und Infektionskrankheiten Professor Dr. med. S. Isaac. Meine Damen und Herren! Ich möchte zunächst dem Herrn Vorsitzenden des Vorstands, Herrn Justizrat Dr. Blau, für die freundlichen Worte danken, die er soeben an uns zu richten die Güte hatte. Herzlicher Dank sei auch ausgesprochen den Gemeindebehörden, die in großzügiger Weise die Mittel für unsere Bauten zur Verfügung gestellt haben, sowie dem Baumeister, Herrn Harth, der alle Wünsche und Forderungen, die wir vom ärztlichen Standpunkt aus stellen mußten, stets zu erfüllen bestrebt war. Wir können mit dem, was erreicht ist, wohl zufrieden sein. Als ich vor vier Jahren die Leitung der inneren Abteilung übernahm, befand sich die Infektionsabteilung in einem kleinen Hause, das ursprünglich anderen Zwecken diente. Der anfänglich als Inf ektionslich anderen Zwecken diente. Der anfänglich als Infektionsabteilung bestehende Bau. der jetzt die urologische Vbteilung umfaßt, diente damals \\ ohnzweeken. \\ ir standen noeh unter den N'achw irkungen der Inflation. Nach langwierigen \ erhandlungen gelang es vor etw a eineinhalb Jahren den jetzt als urologische \bleilung dienenden Bau für die Infektionsabteilung frei zu machen. Es stellte sieh aber heraus, daß das Gebäude zu umfangreich für die Infektionsabteilung und in seiner Bewirtschaftung unökonomisch war. denn es ist bekannt, daß gerade die Belegzahl eines Krankenhauses mit Infektionskranken außerordentlich schwankt, wie es z. B. im letzten VV inier bei der Grippe der Fall war. Aber im ganzen lag doch die Sache so, daß die Abteilung zu groß und das dauernde Freistehen vieler Betten unzw eckmäßig war. So faßten wir den. besonders von Herrn Fritz^Sondheimer tatkräftig unterstützten Plan, dieses große Infektionshaus anderen Zwecken zugänglich zu machen und es wurde daher beschlossen, in diesem Gebäude eine urologische Abteilung zu errichten und die Infektionsabteilung durch Um- und Anbau des erwähnten kleinen ' Hauses zu vergrößern. Heute sollen diese beiden Bauten ihrer Bestimmung übergeben w erden, und so möchte ich vor allem Flaue Dr. Oppenheimer, der zur Leitung der 30