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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1929-10-01 · 2-3 (10.1929) · p. Seite 64

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
8 (1929-1930)
Issue
2-3 (10.1929)
Date
1929-10-01
Page
Seite 64 (sequence 16)
Language
German
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64 Infekiionsabieilung, Operationsraum. II. Die Einweihung 1. September 1929. Rede des Baumeisters Architekt Georg Harth. Ich darf heute dem Vorstand der Israelitischen Gemeinde die Neubauten des Krankenhauses, die Infektionsabteilung und die urologische Abteilung übergeben. Ich danke der Gemeinde finden mir erleilten Auftrag, den ich nach bestem Wissen und Gewissen auszuführen bestrebt war. Ich hoffe in allem gedient zu haben. Der Bau ist ohne jeden Unfall gelungen, das Wetter war außerordentlich günstig und hat uns soweit gebracht, daß wir nach verhältnismäßig kurzer Bauzeit in etwa fünf Monaten den Bau zu Ende führen konnten. Ich übergebe hiermit dem Vorsitzenden der Baukommission den Schlüssel zu den beiden Gebäuden und hoffe, daß sie ihren Zwreck nach jeder Richtung erfüllen werden. Rede des Vorsitzenden der Baukommission Arthur Forchheimer. Im Auftrag des Pflegamts des Krankenhauses der Israelitischen Gemeinde übernehme ich von Ihnen, sehr verehrter Herr Harth, die Schlüssel zu den Gebäulichkeiten, die zu eröffnen wir uns heute hier versammelt haben. Ich erfülle diesen Auftrag mit einem Gefühl der besonderen Freude, haben wir es doch Ihrer Energie und zielbewußten Arbeit zuzuschreiben, daß in verhältnismäßig kurzer Zeit die beiden Abteilungen, von denen die Infektion zeitweise geschlossen bleiben mußte, der Allgemeinheit wieder zugänglich gemacht werden konnten. Als Architekt und Baumeister haben Sie in wenigen Monaten Großes und Schönes geleistet. Mit dem Einsatz Ihrer ganzen Persönlichkeit haben Sie, manchmal unter großen Schwierigkeiten, das Werk vollendet, immer wieder die von allen Seiten an Sie gerichteten Wünsche erfüllend, Aenderungen während des Bauens vornehmend und Opfer bringend, um alle Beteiligten zufriedenzustellen. Wir sind erfüllt von aufrichtigem, herzlichem Dank für alles, was Sie uns geleistet haben, und es ist mir eine besondere Genugtuung, Ihnen diesen Dank zum Ausdruck bringen zu dürfen. Unser Dank gebührt auch Herrn Eisenheimer, der als Bauführer und Palier in rastlosem Eifer nach der richtigen Ausführung der Einzelheiten sah und, selbst Hand anlegend und alle anfeuernd, die mit ihm arbeiteten, dafür sorgte, daß die Bauten zur gegebenen Zeit fertig gestellt waren. Wir danken unserem Gemeindearchitekten, Herrn Schragenheim, der sich schon an der Planung beteiligte, und dem die Bauaufsicht oblag. Wir danken ferner all den Meistern und Handwerkern, den Beamten und Arbeitern, deren Zahl zu groß ist um sie alle einzeln zu nennen für ihre Mitwirkung am Gelingen des Werkes. Mit dem Fortschreiten des Bauwerkes mußte an die innere Ausstattung gedacht und für sie gesorgt werden. Mit welcher Sachkunde und mit welchem Geschmack das geschah, davon werden Sie, meine verehrten Herrschaften, sich beim Rundgang nach dieser Feier selbst überzeugen können. Unsere Frau Schwester Oberin und unsere Verwalterin, Fräulein Ulimann, mit ihrem Stab von Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen haben, besonders in den letzten Tagen, Uebermenschliches geleistet und dafür gesorgt, daß wir mit der Fertigstellung der Bauten auch die Belegung der Abteilungen vornehmen können. Mit besonderer Freude bringe ich ihnen unseren Dank zum Ausdruck für die vorbildlichen Leistungen. Und nun meine verehrten Anwesenden, gestatten Sie, daß ich Ihnen einige Daten von Interesse gebe. Der Vorsitzende des Pflegamts, Herr Fritz Sondheimer, der unserer Feier leider nicht., beiwohnen kann, und dem wir unsere besten Wünsche für baldige Genesung in voller Frische und Gesundheit entbieten, faßte vor etwas mehr als Jahresfrist den Plan, unserem Krankenhaus eine urologische Abteilung anzugliedern. Es folgten alsbald Verhandlungen mit Herrn Dr. Rudolf Oppenheimer, die zu dem Ergebnis führten, daß die Gemeindebehörden die Pläne und damit audi die Mittel ziar Errichtung bewilligten. Aus der ursprünglichen Infektionsabteilung sollte die urologische Abteilung entstehen und die Infektionsabteilung durch Umbau in das daneben stehende Gebäude untergebracht werden. Herr Baumeister Georg Harth wurde mit der Ausführung der von ihm entworfenen Pläne beauftragt und am 22. März d. J. wurde mit dem Bau begonnen. Nach der außerordentlich kurzen Zeit von rund fünf Monaten sehen wir die beiden Abteilungen fertig vor uns, ausgestattet mit allen technischen und sanitären Einrichtungen der Neuzeit. Die neue urologische Abteilung enthält außer den für ambulante Behandlung und für den Betrieb notwendigen Räumlichkeiten 6 Betten erster Klasse, 4 Betten zweiter Klasse und 11 Betten dritter Klasse, zusammen 21 Betten. Die Infektionsabteilung, geplant mit ursprünglich 22 Betten, wurde während des Bauens in der inneren Einteilung und ohne Erhöhung der ursprünglich bewilligten Kosten derart geändert, daß sie außer 23 Betten für Infektionskranke eine vollständige Tuberkulosestation mit 9 Betten erhalten hat. Durch geschicktes Zusammenarbeiten des Herrn Harth mit unserem Chefarzt, Herrn Professor Isaac und seinem Assistenten Herrn Dr. Herzog wurde diese segensreiche Ergänzung ermöglicht, die außerdem noch erlaubt, daß in unserem Haupthaus Räume für 14 Betten frei werden, sodaß die Gesamtbelegungsmöglichkeit des Krankenhauses nun rund 200 Betten beträgt. Der heutige Tag, ein Markstein in der Geschichte unseres Krankenhauses, ist gleichzeitig ein Beweis für unser Streben, der leidenden Menschheit zu dienen. Das Pflegamt des Krankenhauses, bewußt seiner großen Verantwortung, betrachtet es als seine vonehmste Pflicht, auch weiterhin an der Ausgestaltung der Institutionen mitzuarbeiten, das Krankenhaus auf die höchste Stufe der Vollendung zu bringen und keine Arbeit zu scheuen, um dieses Ziel zu erreichen. Der heutige Tag der Freude und des Stolzes soll uns ein neuer Ansporn sein. Und nun, sehr verehrter Herr Justizrat Blau, bitte ich Sie als Vorsitzender des Vorstands unserer altehrwürdigen Gemeinde die neue urologische Abteilung und die erweiterte Infektionsabteilung mit Tuberkulosestation in Ihre Obhut zu nehmen. Mögen alle, die hier Aufnahme suchen, mit Gottes Hilfe und dank der Tüchtigkeit derer, die an den Abteilungen künftig zu wirken berufen _ sind, Linderung \on ihren Leiden und Genesung finden! Infektionsabteilung, Krankenzimmer.

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