Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 8 (1929-1930)
- Issue
- 2-3 (10.1929)
- Date
- 1929-10-01
- Page
- Seite 63 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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63 Erweiterung des Krankenhauses. i. Baubeschreibung* Am 1. September wurden am Krankenhaus der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt a. M. zwei neue Abteilungen eröffnet; eine neue Infektionsabteilung sowie eine eigene Abteilung für Erkrankungen und Chirurgie der Nieren- und Harnwege. Die Infektionsabteilung ist der inneren Abteilung angegliedert und untersteht Herrn Prof. Isaac, zum leitenden Arzt der urologischen Abteilung wurde der Facharzt für Nieren- und Blasenkrankheiten Herr Dr. Rudolf Oppenheimer ernannt. Die urologische Abteilung entstand durch Umbau des früheren Infektionshauses. Dieses halbmondförmige Gebäude ist im südlichen Teil des Krankenhausgartens gelegen und sieht mit breiter Front gegen Süden. Da zudem fast sämtlichen Krankenzimmern Liegebalkons oder Veranden vorgebaut sind, so sind Luft- und Sonnenlichtbehandlung ohne weiteres möglich. Für die Ruhe der Kranken sorgt nicht nur die isolierte Lage, sondern auch die geschickte Anordnung, daß Wirtschafts-, Untersuchungs- und Operationsräume in die Flügel verlegt wurden. Die geschmackvolle Innenausstattung der Krankenzimmer soll den Aufenthalt angenehmer gestalten. Die Station wird von der Zentralküche des Krankenhauses streng rituell versorgt. Die Verabreichung jeder Diätform ist möglich. Der Bau besteht aus einem bogenförmigen Mittelbau und zwei Flügeln. Im Parterrestock des östlichen Flügels sind die Warteräume und Untersuchungszimmer untergebracht, im Parterrestock des westlichen Flügels die Stätionsküche das Stations- und Schwesternzimmer. Fächerförmig sind zwischen diesen beiden Flügeln eine Reihe von Krankenzimmern I. und II. Klasse nebst einem schönen Tageraum eingeschoben. Im ersten Stock des westlichen Flügels findet sich im wesentlichen die Männerabteilung III. Klasse, daran anschließend die Nebenräume, sowie zwei Zimmer für weibliche Kranke III. Klasse. Die weiteren im I. Stock befindlichen Räume werden von Schwestern bewohnt. Im I. Stock des östlichen Flügels ist der Operationssaal nebst Vorbereitungs- und Sterilisationsräumen untergebracht. Dieser -wichtige Raum ist, was Farbgestaltung und Lichteinfall betrifft, nach den neuesten wissenschaftlichen Prinzipien erbaut und gibt ohne Blendung ein gleichmäßig helles Nordlicht. Als künstliche Beleuchtungsquelle dient die neue Operationslampe der Zeißwerke, die sich in der Chirurgischen Abteilung des Krankenhauses ausgezeichnet bewährte. Infektionsabteilung, Räckfront. Die Infektionsabteilung winde durch Umbau und Erweiterung eines bereits vorhandenen kleinen Baues, der früher anderen Zwecken diente, errichtet. Sie stellt jetzt einen lang gestreckten Bau dar. Im Erdgeschoß befinden sich auf der Südseite acht Krankenräume, jeder mit einer glasgedeckten Veranda versehen. Auf der Nordseite befinden sich getrennte Aufnahme- und Entlassungsräume, Untersuchungszimmer, Schwesternzimmer, Teeküche und andere Nebenräume. Im Oberstock, der vom Erdgeschoß völlig getrennt und durch ein breites, helles Treppenhaus vom Haupteingang zu erreichen ist, finden sich noch drei Krankenräume mit den zugehörigen Nebenräumen, sowie ein vollkommen eingerichteter Operationssaal. In Verbindung mit dem Oberstock steht eine große, nach Norden und Süden offene Terrasse, die dauernden Aufenthalt der Kranken in der Luft ermöglicht. In dem Infektionsbau stehen jetzt also 11 größere und kleinere Krankenräume zur Verfügung, mit einer maximalen Belegungsmöglichkeit von 55 Betten. Die große Zahl der Räume, die alle mit Radioeinrichtung und teilweise auch mit Telephonanlage versehen sind, ermöglicht gleichzeitige Aufnahme und Isolierung der verschiedensten Infektionskranken. Die Krankenzimmer sind zweckmäßig ausgestattet und weisen einige sorgfältig ausgedachte Neuerungen auf, die durch hygienische und rituelle Erwägungen bedingt waren und eine bemerkenswerte Verbesserung gegenüber den bisherigen Methoden bedeuten. Hervorzuheben ist insbesondere auch die Anordnung der Speisenverteilung, sowie der Aufbewahrung und Reinigung des Speisegeräts, wodurch neben den hygienischen Vorteilen auch eine ganz bedeutende Zeitersparnis und damit Verbilligung des Betriebs erreicht ist. Der obere Stock mit seiner großen Veranda ist als getrennte Abteilung für offene Tuberkulöse gedacht. Im Kellergeschoß findet sich eine Vorrichtung zur Desinfektion von Wäsche und Kleidern. Sie steht mit dem Aufnahmeraum durch einen besonderen Aufzug in Verbindung, so daß Krankheitsübertragung durch infizier te Kl e ide rst ücke ausgeschlossen ist. Ferner sind im Kellergeschoß noch zwei völlig abgetrennte Räume vorhanden, die der wissenschaftlichen Forschung dienen sollen. Das neue Gebäude als Ganzes ist ein moderner Zweckbau, der aber geschickt in den gegebenen Rahmen der ganzen Krankenhausanlage eingefügt ist. *) Abbildungen ntch Photogiaphien des photographischen Ateliers Bermann (Inh. A. Katz)