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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1929-09-01 · 1 (9.1929) · p. Seite 17

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
8 (1929-1930)
Issue
1 (9.1929)
Date
1929-09-01
Page
Seite 17 (sequence 17)
Language
German
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17 sehen Gelegenheit haben, gern auf Rechnung der Hypochondrie und einer siechen Seele gesetzt haben..Aber keine Hypochondrie könne den leidenschaftlichen Haß rechtfertigen, jnit dem hier einer der Würdigsten angefallen werde. Und so ist die ganze lange Rezension nicht minder ehrenvoll und schmeichelhaft für Mendelssohn als zermalmend für seinen Gegner, ein all das Unerfreuliche ausgleichendes Blatt in der Geschichte der Beziehungen des Philosophen zu unserer Stadt. Obendrein ist nämlich dieser Jahrgang 1772 der „Frankfurter gelehrten Anzeigen" dadurch berühmt geblieben, daß sein Inhalt, obwohl nirgends ein Autor genannt ist, von Goethe und einigen seiner persönlichen und literarischen Freunde stammt, und wir wissen, daß den Artikel über Kölbele einer der Hauptredakteure, Joh. Georg Schlosser, geschrieben hat, der bald darauf Goethes Schwester heiratete. So sieht also in Wirklichkeit der einzig erwähnenswerte Zusammenhang Goethes und seines Kreises mit Kölbele aus. Wie harmlos aber klingt gegenüber jener blutigen Abfertigung selbst das Fortissimo der Satire Mendels s-ohns am Schlüsse der einzigen Auseinandersetzung, deren er seinen verbissenen Gegner gewürdigt hat! Indem er ihn fast ausschließlich durch die unfreiwillige Komik seines eigenen Briefes wirken läßt, schreibt er: „Hierauf folgt eine sehr günstige Rezension des Antiphädons, den Hr. K. künftig herausgeben wird, und in welchem er .,m ehr such ti;, wie er sich ausdrückt, „als die Rolle" eines Gegners von Hrn. Mendelssohn. Seite 45 weiß er freilich selber nicht, ob er alles Versprochene liefern werde. „Meine Leibesschwachheit" heißt es, „ist in Frankfurt am Mayn notorisch. Mein würdiger Freund, Herr Doctor Pettmami, verbietet mir alles anhaltende Nachdenken; und ich erfahre öfters, daß dieses Verbot mit allem medizinischen Grunde geschieht." Ich wünsche dem Herrn Dr. K. von ganzem Herzen die dauerhafteste Gesundheit, ich wünsche, daß seine Leibesstärke in Frankfurt am Mayn eben so notorisch werden möge, als itzt seine Leibesschwachheit ist, und. daß der Herr Dr. Pettmann dem Hrn. Dr. K. das anhaltende Nachdenken und Schreiben zu verbieten, weder medjcinische noch critische Ursachen finden möge. Meine Wenigkeit stehet dem Hrn. K. zu Dienste, mit allem, was ich jemals geschrieben habe, und schreiben werde. Ich versichere ihm, daß wir nie .,so hart zusammenstoßen" werden, wie er S. 48 besorgt, und wenn gleich „Jungfer Meyern", wie daselbst gedroht wird, „bey 'einer nahen dritten Auflage, noch so sehr frey" von mir urtheilen sollte. In diesem Fall könte Hr. K. allenfals auf mich sehr hart „zustoßen", aber „zusammenstoßen" werden wir deswegen nicht." Nein. Mo?es Mendelssohn hatte wirklich keine Anlage zum satirischen Polemiker. Und nun fehlte ihm bei dieser Fehde auch noch der aufmunternde Zuruf seines Lessing, dem ein solcher Angreifer denn doch die Mühe nicht zu lohnen schien. Er hat nur einmal brieflich ein Scherzwort an ihn gewandt: ..Das Kälbele von Frankfurt ist gar ein Ochs." Ja. Mendelssohn, der schwache Polemiker, war in der Tat ein „geliebter Gegner", daß er sein Opfer nicht nur mit diesem Witz in die Unseligkeit der literarischen Anekdotik eingehen ließ! Kant über Mendelssohn. Von S. Meiseis. Das Wort vom „Alleszermalmer Kant" hat Moses Mendelssohn geprägt. Mit dieser Bezeichnung hat er nicht nur ein Werturteil über Kant ausgesprochen, sondern auch das eigene Verhältnis zum Begründer des Kritizismus deutlich genug gekennzeichnet. Mendelssohn war im Leben wie im Denken konservativ, und es lag nicht in seiner Art, Gedankengebäude niederzureißen, um neue aufzubauen. Aber auch das Niederreißen und Aufbauen der andern behagte ihm nicht recht. Mit feiner, kaum merklicher Ironie spottet er einmal über den „baulustigen Vorwitz" der Philosophie, die, wenn sie eine Zeitlang fortgebaut hat, alles wieder niederreißt, um den Grund zu untersuchen. Es ist daher nur zu erklärlich, daß er sich mit der „alles zermalmenden" Kantischen Philosophie nicht zu befreunden vermochte. Als Popularphilosoph allezeit gewohnt, die Wege der Philosophie mit schönen Steinen zu bepflastern und sie solcherart gang-barer zu machen, fand Mendelssohn die Gedankenwege Kants zu uneben und zu beschwerlich, als daß er sie hätte zurücklegen können. In bezug auf Kants Hauptwerk schrieb er einmal an Elise Reimarus: „Ich für meinen Teil muß bekennen, daß ich ihn (Kant) nicht verstehe.-- Wold mag jener Mendelssohn-Biograph recht haben, wenn er die Ansicht verficht, daß unter diesem „nicht verstehen" weniger ein Verstehen-„können" als vielmehr ein Verstehen-,.wollen" gemeint sei. Immerhin beweist dieses Geständnis, daß Moses Mendelssohn die Kantische Philosophie, die er übrigens erst in seinen späteren Lebensjahren kennenzulernen Gelegenheit hatte, als ein Sprung ins Dunkle vorkam, den zu wagen Um wenig gewinnbringend dünkte. Aber so fern auch Moses Mendelssohn die Kantische Gedankenwelt geblieben war, Kant selbst war ihm recht nah. Kant und Mendelssohn standen in einem sehr innigen Verhältnis zueinander, in einem Verhältnis, das vornehmlich durch gegenseitige Wertschätzung gekennzeichnet war. Moses Mendelssohn, der allem Großen in freudiger Ehrfurcht huldigte, wußte das Glück zu schätzen, in enger freundschaftlicher Beziehung zu dem Geistesriesen in Königsberg zu stellen, und Kant hinwiederum wußte den Wert des deutschen Plato zu würdigen, dem es um die Wissenschaft und um die Kunst ein heiliger Ernst war. So kamen sich beide im Laufe der Jahre in Achtung und Verehrungpersönlich immer näher, und beide bedauerten, daß sie sich nicht auch im philosophischen Denken näher kommen konnten. „0. hätte ich vor meinem zwanzigsten Jahre Kant -zum Freunde gehabt!" ruft Mendelssohn einmal aus, und in einem Briefe an Kant gibt er seinem Bedauern Ausdruck, mit dem großen Weltweisen zu spät, nämlich zu einer Zeit bekannt geworden zu sein, da es ihm seine Kräfte' nicht mehr gestatteten, den Kantischen Spekulationen zu folgen. Kant aber, der den Verfasser des ..Jerusalem'- aufrichtig bewunderte, bedauert es wiederholt, daß Männer wie Mendelssohn sich zurückziehen von Untersuchungen, zu denen er den Weg zeigt; in einem Brief an Garve bezeichnet er diesen und Moses Mendelssohn als die einzigen Männer, durch „deren Mitwirk uns: „Edelweiss"-Großwäscherei Taunusstraße 19 Inhaber: Carl Eisner Tel. Hansa 1880/31 Erstklassige Ausführung in Herrenstärkewäsche, Damenu. 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