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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1929-09-01 · 1 (9.1929) · p. Seite 15

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
8 (1929-1930)
Issue
1 (9.1929)
Date
1929-09-01
Page
Seite 15 (sequence 15)
Language
German
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15 sie noch so verdeckt liegen, so wie er S. 17 in meinen gedruckten Schriften auch schon sonst heimliche Spuren der Deisterey entdeckt haben will. — Da Juden und Deisten bey Hrn. K. vermuthlich in gleicher Verdammnis stehen, so möchte ich wissen, warum er mich durchaus lieber zum Deisten machen, als einen Juden seyn lassen will? — Fehlet es ihm etwa an Deisten. die seine Jungfer Meyern widerlegen und bekehren soll, daß er gerade mich dazu machen muß?" Hier erhalten wir zugleich einen recht umfassenden Ueberblick über Kölbeles sonstige literarische Art und Tätigkeit. Das anspruchsvollste seiner Produkte sind „D i e Begebenheiten der Jungfer Meyern eines jüdischen Frauenzimmers von ihm selbst beschrieben. ZweiTheile", gleich den „Begebenheiten der Philippine Damien" ein Ich-Roman — Kölbele würde sagen: „eine Romane" — der dreimal. 1765, 1766 und 1771 in immer stärker veränderter und vermehrter Ausgabe hier in Frankfurt herauskam. Es ist ein langstieliges Machwerk, das eingestandenermaßen nur seiner Tendenz das Dasein verdankt: die Jüdin Ester Meyer tritt nach einer kurzen Phase des „Freydenkertums" (nach damals allgemeinem Brauch auch Deismus genannt), zur christlichen Religion über, für die sie dann auch ihre sehr wohlhabenden Eltern gewinnt. Als Roman ist das Buch heute, abgesehen von dem Interesse an kulturgeschichtlichen Einzelheiten, vollkommen ungenießbar. Es wurde aber auch schon zu seiner Zeit trotz der raschen Aufeinanderfolge der Auflagen von der Fachkritik mit großen Bedenken aufgenommen. Und zwar wurden ihm immer wieder die auch den Modernen bald langweilenden, bald belustigenden Mängel seines Stiles und seiner Sprache vorgerückt. Einer Leipziger Zeitschrift gegenüber gibt Kölbele einmal betreten diese seine Sünden und seine Unfähigkeit, sie zu vermeiden, zu: die Umstände erlaubten „nicht leichtlich einer Rheinländischen Feder diejenige Attische Zierlichkeit, die bey uns Deutschen vorzüglich den Sachsen eigen bleibt" — von Frankfürt aus immerhin ein recht spaßiges Bekenntnis, zu einer Zeit, da ein gewisser „Hiesiger", obwohl an der sächsischen Universtät inscribiert, schon ein paar ganz ansehnliche Nummern seiner frühesten Dichtung fertig hatte. Ein Berliner Rezensent rief dem Verfasser ganz derb zu, er solle seine Sprachschnitzer tilgen, denn so etwas mache „einem Ehrenmitglied einer deutschen Gesellschaft keine Ehre". An sich hatte diese Würde nicht viel zu besagen, so regelmäßig Kölbele auch damit auftrumpfte. Das einzige, womit er ihr Rechnung zu tragen schien, war seine lächerliche FremdWörterjagd: daher ständig „Weltweisheit" für Philosophie", „Meskunde" für Mathematik, daher die deutschen Monatsnamen und das schiefe „Begebenheiten" in seinen Romantiteln, wohl damit auch das so gut eingebürgerte Lehnwort „Abenteuer" ausgeschaltet sei. Gegenüber einem solchen Sprachschinder, der sich häufig; Stilblüten leistete, wie seinen Gegner „die Offenbarung näcken zu lassen", war es doch gewiß noch mehr milde als ironisch, wenn ein Mendelssohn, der es sich wahrlich bis zur sprachlichen Vollendung auch sauer genug hatte werden lassen, lediglich in einer kleiner Anmerkung folgenden Satz über ihn schrieb: „Alles ist in dieser kleinen Schrift Original, Schreibart, Critik, Denkungsart, Orthographie sogar". Das bezieht sich allerdings auf eine andere Arbeit von Kölbele: „Pflichten des christlichen Dichters in dem Dramatischen und Beurtheilung der Jungfer Meyern, Philippine Damien und des Marmontelischen Belisaire. Frankfurt a. M. 1769." Der zweite Teil des Titels zeigt uns die auch von Mendelssohn gegeißelte Gepflogenheit Kölbeles, die heterogensten Gegenstände in einem Bande zu verkoppeln und gibt dem Philosophen Gelegenheit, jene spöttische Anmerkung folgendermaßen zu schließen: ..Besonders ist angenehm zu sehen, von welcher Höhe der Verf. der Jungfer Meyern und Philippine Damien auf die Stümper Marmontel und Rousseau, Verfasser des Belisaire und der Heloise, herabsieht." Ein Hauptzweck dieses Kölbeleschen Buches ist es aber, im Rahmen einer geschwätzigen Poetik die Angst des Autors vor dem Theater und seinen Gefahren für das Seelenheil der Menschen zu begründen. In gleichem Sinne wußte er durch Vorstellungen bei einem Hohen Rat zu wirken und auch einen gewissen Eindruck zu machen. Dürfen wir hier unsere Gedanken, schon ein gutes Jahrzehnt weiter schweifen lassen zu dem berüchtigten Verhalten der reichsstädtischen Behörden gegenüber dem neu erschienenen „NathandemWeise n"? Jedenfalls mögen wir uns durch dieses Beginnen Kölbeles an die Art erinnert fühlen, wie in Hamburg, wo sich Lessing um ein deutsches Nationaltheater bemüht hatte, der Hauptpastor G o e z e gegen die Bühne kämpfte, den Lessing später so furchbar gezaust hat. Mit dem überorthodoxen Goeze aber verbanden Kölbele Sympathien, denen er, wie mehrfach sonst, auch im Schreiben an Mendelssohn deutlichen Ausdruck gibt. Und damit kommen wir dem Wesen dieses merkwürdigen Juristen endlich auf den Grund, der, zu einer Praxis dank glücklichen Vermögensverhältnissen nicht genötigt, in langjährigem Privatstudium zum unheimlich gelehrten Theologen und grimmigen Christentumsfanatiker geworden war. Es hatte ihn offenbar, so isoliert er sich auch betätigte, eine besonders stürmische Welle des Pietismus erfaßt, der damals mächtig über das evangelische Frankfurt hinwogte und in vereinzelten Fällen auch Einrichtungen systematischer Judenmission mit sich brachte. Aber Kölbeles Bekehrungseifer, der ihm, nebenbei gesagt, gar keine rechten Romane zu schaffen gestattete, sondern nur Erbauungsbücher im Romangewand, richtete sich gar nicht nur auf die Juden. In seinem bereits mehrfach genannten zweiten #Kanalu. Wasserbau-Gesellschaft' Bergerstr. 6 m. b. H. Bergerstr. 6 sorgt für Instandhaltung der Kanal- und Wasserleitungs-Anlagen. Carolus 43537/38 fÖrJh«» hellfarbigen Schuhe das wipktich voHkcnwenft Pflegemittel. das nicht nup Hochglanz erzei sondern auch peinigt und imprägniert. mit besondere? ReinJgungs-Wirkung. frhöHllch tn ofcn •■nKhlaflgtn FachgescMflat WELT-WACHS-WER K , EGBERT GÜNTHER SÖHNE, 0 R fl9 DSM * AaAft Rüttgers & Co. 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