Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 8 (1929-1930)
- Issue
- 1 (9.1929)
- Date
- 1929-09-01
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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14 Die Frankfurter Subskribenten der deutschen Bibelübersetzung Mendelssohns. Der erste Band der Uebersetzung, der 1783 in Berlin erschien, enthält verhältnismäßig viele Vorausbestellungen aus Frankfurt. Die nachstehenden Namen der Besteller sind im Original in hebräischen Lettern gedruckt und nach der alphabetischen Reihenfolge der Vornamen geordnet. Abraham Emmerich Abraham Hahn Eisik Offebach Eisik Scheuer Eisik Reis Eisik Gans Itzek Löb Dinzheim (Sinsheim?) Itzek Offebach Itzek Schuster Itzek Scheuer Elieser Elf eid Ansehet Scheuer Ansehet Schuster Bendit Kassel Bär Kann Gumpel Reiss Dawid Oppenheim Hähnle Kulp Hirz Schuster Hirsch Haas Wolf Wohl Susmann Maas Salman Haas Salman Braunschweig Seckel Later Josel Bamberg Jakob Worms Löb Haas Löb Kassel Löb Reis Leser Hadelburg Leser Offebach Lima Schuster Lima Halle Lima Hess Lämle Bamberg Model Braunschweig Meir Schuster Meir Bucksbaum Moscheh Worms Moscheh Kassel Moscheh Kassel II Moscheh Hamburg Koschmann Schuster Schlomoh Dessau Schmuel Emden Schmuel Landau Schmuel Fürth Schimon Fürth Mendelssohn ein Polemiker? Eine Frankfurter Episode im Leben des Philosophen. Von Prof. Dr. Moritz Werner. Es ist einer der tief jüdischen Züge im Wesen Mendelssohns, daß er nach Hillels Wort zu den „Aronsjüngern" gehörte, „den Frieden liebend und nach Frieden strebend". Seine Sache war es nicht, sich, namentlich als Schriftsteller in der Oeffentlichkeit auf einen Kampf einzulassen. Das zeigte sich in der frühen Zeit seiner Einführung in die deutsche Literatur durch Freund Lessing, als er diesem den Löwenanteil an dem gemeinsam vorbereiteten streit- und spottlustigen Schriftchen „Pope ein Metaphysiker" überließ, nach dessen Titel wir den unsrigen variiert haben. Und es zeigte sich noch zuletzt, als der Kummer wegen des unvermeidlich gewordenen Disputs mit Jacobi über Lessings Spinozismus seinen Tod beschleunigte. Auch der zwischen diesen beiden Vorkommnissen liegende Bekehrungsangriff Lavaters, gegen den ihn der „tapfere" Lessing gern viel derber hätte losschlagen sehen, setzte ihm seelisch und körperlich weit mehr zu, als es nach Mendelssohns Ton scheint, der auch hier im offenen und privaten Schriftwechsel friedlich, fast abgeklärt wirkt. Einmal aber begegnen uns auf ein paar Seiten der „Nacherinnerung", die Mendelssohn zusammen mit Lavaters Antwort veröffentlichte, Ausdrücke, wie man sie sonst von dem sanften Verfasser nicht gewöhnt ist: wiederholt fällt das damals freilich noch nicht ganz so scharf tadelnde Wort „unanständig", und der Leser wird zur Entscheidung aufgerufen, „ob dieser Mann verdienet, daß man ihn widerlege", denn er „scheinet von der gemeinen Achtung gar keinen Begriff zu haben, die man dem geringsten Menschen schuldig ist, sobald man ihm zuschreibt". Natürlich geht das nicht auf Lavater, dessen so selbstverständliche öffentliche Abbitte „der Mann Moses, gar demütig" im Gegenteil wieder halb überflüssig fand. Nein, hier ist der Adressat jemand, der, wie Mendelssohn schreibt, „aus einem ganz anderen Tone mit mir spricht", und der es für sein Recht hält, „sich zwischen Hrn. Lavater und mich einzudrängen". Und damit hat er ihn vor völliger Vergessenheit gerettet, den Herrn „Johann Balthasar Kölbele, beider Rechte Doctor und Ehrenmitglied der Königlich Grosbritanischen deutschen Gesellschaft in Göttingen", der als „wahrer und unpartheyischer Verehrer" soeben, mit dem Datum des „26ten Hörnung 1770", ein „Schreiben an den Herrn Moses Mendelssohn über die Lavaterische und Kölbelische Angelegenheiten" in „Frankfurt am Mayn, gedruckt mit Andreäischen Schriften" hatte erscheinen lassen. Es läge mithin kein Anlaß vor, sein Andenken in einem Jubiläumsartikel zu Mendelssohns zweihundertjährigem Geburtstag aufleben zu lassen, wäre dieser nicht für das jüdische Frankfurt geschrieben, das, an Beziehungen zu dem Helden der Feier nicht eben reich, auch mit einer so unwesenthehen vorlieb nehmen darf. Bietet sie doch auch noch etwas Positives: das seltene Beispiel einer wirklichen Polemik aus Mendelssohns Feder. Sehr viel weiter reicht aber bei uns Heutigen das Interesse an Kölbele überhaupt nicht mehr, selbst nicht in Frankfurt. Namentlich sind die wiederholten Versuche, diesen Kauz, der als 52jähriger Junggeselle 1778 in „seinem Frankfurtischen Vaterland" gestorben ist, mit dem Kreis Goethes in irgendwelchen wesenhaften Zusammenhang zu bringen, trotz seiner weitläufigen Verwandtschaft mit der Familie der Frau Rat ziemlieh gegenstandslos. Zu solcher Ehre käme Kölbele wirklich allzu billigen Kaufes lediglich deshalb, weil ihn einmal der jugendliche Goethe und einmal seine Schwester Cornelie brieflich erwähnen, um — sich über ihn lustig zu machen. Recht ernst hat ihn denn auch Mendelssohn, obwohl nur auf den schriftstellerischen Eindruck angewiesen, nicht genommen. Freilich konnte und wollte er nicht übersehen, daß es an der Zeit sei, sieh die Anzapfungen des ,„Hrn. Dr. K." ebenso öffentlich, wie sie erfolgt waren, teilweise sogar sachlich argumentierend entschieden zu verbitten. Denn was war geschehen? Eben hatte Mendelssohn jenes voreilige Ansinnen Lavaters zurückgewiesen, die „Beweise für das Christentum" von Bonnet zu widerlegen oder sich taufen zu lassen: da ging ihm mit einem Brief Kölbeles dessen oben erwähntes „Schreiben ..." zu, von dem ihm Lavater dann mitteilte, er habe „Roheres und Pöbelhafteres" noch nicht gelesen. In der Tat stieg Kölbele z. B. bei seiner Zerpflückung der Antwort Mendelssohns an Lavater so tief herab, sich auf ein Compendium der Schmähungen wie Eisenmengers „Entdecktes Judentum" zu berufen, dessen Erscheinen übrigens für Frankfurt, wohl zum großen Aerger eines Kölbele, die jüdische Gemeinde lange Zeit zu hintertreiben gewußt hatte. Daß er ferner gegen den feierlichen Schwur Mendelssohns, bei seiner Religion bleiben zu wollen, einwendet, die Christen gäben nichts auf. Judeneide, ist nicht nur unverfroren, es ist auch maßlos pfäffisch vom Verfasser eines Wälzers über „Die Zu 1 äs sigk eit der Eide...", an dessen Schluß mit salbungsvollen Worten herablassender Liebe zu den Juden gegen die damals üblichen, erniedrigenden „Judeneide" Stellung genommen wird. Es war aber besonders gemein einem Moses Mendelssohn gegenüber, der ebenfalls jene Judeneide — nur in viel aufrichtigerem Sinne — verurteilte, und der in späteren Jahren, um ihre Verfängliehkeit ein wenig zu mindern, im Auftrage der Justizbehörden eine deutsche „Ermahnungsformel vor dem Judeneid" entwerfen durfte. Und nun der Gipfel der Niedertracht. Da Mendelssohn u. a. auch die Frage aufwirft, was ihn denn wohl sonst als die tief wahrhaftigste Ueberzeugung an das in der Welt so wenig geachtete Judentum fesseln könnte, läßt Kölbele ungefähr durchblicken, daß es doch sehr wohl noch andere Gründe für einen Mendelssohn gäbe. Eine gute Stellung in einem reichen jüdischen Handelshaus — hier spitzt er die Ausdrücke mit unerhörter Deutlichkeit auf Mendelssohns eigene Verhältnisse zu — sei lukrativer als die kärglichen Einkünfte eines Universitätsprofessors „der Weltweisheit, der Meskunde, der schönen Wissenschaften". Angesichts solcher den Klugen geradezu entwaffnenden Bosheit schlägt nun Mendelssohns Aerger ins Launige um, und seine Polemik erhält hier — eine ganz besondere Seltenheit —, etwas von jenem satirischen Anstrich, den sein Mentor Lessing so meisterlich zu handhaben wußte. „Ich dürfte nur", so schreibt er, .die Denkungsart des Hrn. K. annehmen, um die äußerlichen Umstände meiner Glaubensbrüder beneidenswerth zu finden. Nichts kann billiger und menschenfreundlicher seyn, als die Vorstellung, die sich Hr. K. von meinem Charakter macht, und von der Art und Weise, wie ich mich aufführen würde, wenn ich gegen beyde Religionen gleichgültig wäre. Ich würde zwar nicht förmlich gegen eine Offenbarung schreiben, meinet er, aber ich würde sie doch „heimlich näcken", welches ich sogar, wie der „Antiphaedon" beweisen. will, schon würklich gethan haben soll. — Das schreibet nun der Er. Dr. Kölbele so hin, und berufet sich, was den Beweis betrifft, auf eine Schrift, die erst künftig, und zwar, wie er selbst sagt, noch so bald nicht, erscheinen solL Welche Billigkeit! Indessen muß diese Näckerey doch sehr „heimlich" gewesen seyn, wenn sie niemand gemerkt hat, außer dem großen Kenner, des menschlichen Herzens, dem Verf. der „Jungfer Meyern" und „Philippine Damiens", der Ketzereyen riechen kann, und wenn Amateur Kinematographie I Ihre Eltern, Kinder und Freunde filmen Sie selbst mit einem Kino-Apparat von L. & M. NEITHOLD Schillerplatz 7 und Zeil 65 Hauptwache Konstabier Wache Die Familie .im Film ist die lebende Chronik