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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1929-07-01 · 11 (7.1929) · p. Seite 396

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
7 (1928-1929)
Issue
11 (7.1929)
Date
1929-07-01
Page
Seite 396 (sequence 16)
Language
German
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Frontsoldaten zu sprechen, denen ich beiden im Vorstand anzugehören die^Ehre habe. Wenn diese beiden Organisationen nicht gewesen wären und Erhebliches geleistet hätten, >o wäre jedenfalls der augenblickliche Stand der völkischen Bewegung noch unendlich viel günstiger für unsere Gegner. Aber schließlich sind die persönlichen und wirtschaftlichen Mittel beider Vereinigungen eng begrenzt. Die Erfahrung lehrt, daß es immer nnr eine ganz geringe Schicht ist, die sich von uns deutschen Juden entweder persönlich herausstellt, oder die deren ist, wirtschaftliche Opfer „in einigermaßen erheblichem Umfange zu tragen. Wir wissen seit Jahr und Tag, daß die Völkischen ihre Erfolge niemals errungen haben würden, wenn die Juden so opferbereit gewesen wären, wie ihre Feinde. Die Ceutralvereinszeitung bekannte offen, daß der Wahlagitation der Völkischen in Sachsen aus Mangel an finanziellen Mitteln keinerlei irgendwie erhebliche Gegenagitation entgegengestellt werden konnte. Die Frage der Persönlichkeiten kann natürlich mit Zwangsmitteln nicht gelöst werdeil, aber für die Frage der Aufbringung der wirtschaftlichen Mittel gibt es eine Lösung. Diese Lösung geht dahin, sämtliche deutschen Juden zwangsweise zur Abwehr heranzuziehen. Es ist unzweckmäßig, in diesem Zusammenhang Ziffern anzugeben, um 'damit darzutun, in wie geringem Umfang die deutschen Juden ihre einzelnen Abwehrorganisationen wirklich unterstützt haben, wie gering die Opfer gewesen sind, die auck) die wirklich Zahlungswilligen gebracht haben. Die Abwehrorganisationen haben keinerlei Zwangsmittel, um die Gesamtheit an sich zu fesseln oder sie wirtschaftlich in einer ihrem Leistungsvermögen entsprechenden Art in Anspruch zu nehmen. Die einzige jüdische Gemeinichaft, die über diese Zwangsmittel verfügt, ist die Gemeinde. Die Gemeinde muß, wenn überhaupt ein Erfolg der Abwehr beschieden sein soll, in allernächster Zeit Trägerin der Abwehr lverden. Das Stenerrecht, das den Gemeinden gegen alle Juden zusteht, mutz für Abwehrzwecke in Anspruch genommen werden. Es ist nicht einzusehen, warum wenige das tragen sollen, was allen zugutekommt und was zur Aufrechterhaltung aller notwendig ist. Die bisherige Auffassung, als sei die Gemeinde lediglich Trägerin des religiösen jüdischen Gedankens, ist unter den heutigen Umständen nicht aufrecht zu erhalten. Ob überhaupt lemals 'der Aufgabenkreis der Gemeinde auf die Erledigung der kulturellen und jüdischen Dinge beschränkt war, möge uneröctert bleiben. Heute, wo die Frage der staatsbürgerlichen Gleichberechtigung der Juden nicht nur angezweifelt, sondern von Millionen von deutschen Volksgenossen mit stets stärkerem Erfolg bekämpft wird, ist die selbstgewählte Beschränkung des Aus^gabenkreises der jüdischen Gemeinden unerträglich. Auch ist die Beschränkung unlogisch, denn die Ausübung der religiösen Gesetze und Gebräuche setzt ja voraus, daß die staatsbürgerliche Gleichberechtigung und die staatsbürgerliche «Freiheit der Juden uneingeschränkt vom Staat, in dem wir leben, und dessen gute Bürger wir sind und sein wollen, garantiert ist. Unter der Aegide Hitler wird auch vom religiösen Judentum nicht allzuviel übrig bleiben. Das mögen sich diejenigen gesagt sein lassen, die die Gegenwart nicht verstehen. Die Kultusgemeinden müssen sich bereit finden, erhebliche Teile ihres Etats für Abwehrzwecke zur.Verfügung zu stellen. Nicht geheim, offen, mit dem Bekenntnis, das die antisemitische Gefahr erfordert. Die Mittel müssen innerhalb des Etats geschaffen werden, evtl. unter vorübergehender Zurücksetzung religiöser und kultureller Einrichtungen. Falls die augenblickliche Steuerkraft nicht ausreicht, so müssen die prozentualen Zuschläge erhöht werden und die dadurch gewonnenen Mittel der Abwehr zur Verfügung gestellt werden. Das einzige, was ich von den maßgebenden Gemeindemitgliedern gegen meine hier vorgebrachte Aufsassung gehört habe, ist das Bedenken, daß bei Erhöhung der Steuerumlage eine Flucht aus den Gemeinden einsetzen würde. Ich halte diese Gefahr nicht für vorliegend. Es ist nun einmal so, daß heute nur noch ein gewisser Bruchteil der deutschen Juden aus rein religiösen Motiven am Judentum festhält. Hunderttausende deutscher Juden sind unreligiös und doch gute Juden. Gerade von diesen erfolgt die Flucht aus den Gemeinden! Diese werden aber bei den Gemeinden bleiben, wenn sich die Gemeinden entschließen — wenn auch unter dem Druck der Notwendigkeit —, ihren Aufgabenkreis über das Religiöse und Kulturelle hinaus zu erweitern. Wir dürfen die Augen nicht vor der Tatsache verschließen, daß Hunderttausenden deutscher Juden die Abwehr mehr am Herzen liegt, als die religiöse Einstellung. Das ist bei dem Judentum nicht anders als bei allen anderen Konfessionen. Ich beobachte als Vorsitzender des Landesverbandes Südwestdeutschland des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten die Entwicklung der Dinge in unserer Gegend seit Jahr und Tag. Wenn nicht mehr zur Abwehr geschieht, als es im letzten Jahrzehnt geschehen ist, dann sehe ich für das deutsche Judentum sehr schwarz. Das Anschwellen der antisemitischen Bewegung hat gezeigt, daß die bis letzt bestehenden Abwehrorganisationen ungenügend, sind. Die Abwehr muß auf breitere Basis gestellt, neue, bessere Wege zur Abwehr müssen gefunden werden. Hier liegt ein zwingender, neuer Aufgabenkreis für die Genieinden. Ich fordere, daß die Gemeinde diese Aufgaben erfüllt. Diejenigen, die sich aus persönlicheil oder nicht restlos durchdachten sachlichen Gründen gegen den hier in Kürze, niedergelegten neuen Weg wehren, tragen die Verantwortung dafür; sie mögen sehen, daß das, was uns allen lieb und teuer ist, nicht durch eine Verkennung der Läge nie wieder gutzumachenden Schaden erleide! Wenn sie aber den Weg nicht gehen wollen, werden andere ihn gehen müssen. Der Weltkongreß jüdischer Frauen. (Tagungin Hamburg vom 4. -6. Juni 1929) Von Dr. Dora Edinger. Diese jüdische Frauentagnng trat nach jahrelanger Vorbereitung — die erste Vorbesprechung eines engeren Kreises war schon vor dem Kriege in Rom gewesen! — mit der Absicht zusammen, aus den großeil allgemeineil Problemen jüdischer Frauenarbeit in den verschiedenen Ländern die Notwendigkeit eines interna t i o n a I e n Z u s a m m e n s ch l u s s e s den Teilnehmern eindrücklich vor Ailgen zu stellen und dann zu diesem Zusammenschluß zu kommen. Dieser Teil des Programms ist gelungen, so große Unterschiede auch in der Beurteilung wichtigster Fragen gerade bei der Aussprache hervortraten, und am Schluß der Tagung konnte die Präsidentin die Begründung des jüdischen Weltfrauenbundes proklamieren. Aber nicht dies ist das eigentlich wichtige der Zusammenkunst. Der Weltbund wird soviel erreichen und wirken, als er innere Lebenskraft besitzt; und diese seine Lebenskraft zu beweisen, ist die Sache der Zukunft, die Aufgabe derer, die an ihm mitarbeiten. Die gemeinsamen Arbeitsgebiete, über die man sich in Hamburg aussprach, sind nicht notwendig die gleichen, die auch Hauptarbeitsgeoiete des Weltbundes sein werden. Hier handelte es sich um eine erste Uebersicht: jede der beteiligten Landesorganisationen stellte die Dinge in den Vordergrund, die internationaler Beachtung ihrer Ansicht nach am würdigsten waren: teils um von dort her Unterstützung materieller oder ideeller Art zn empfangen, teils, nm sie in anderen Verhältnissen weiterprüfen und ausproben zu lassen. Außerordentlich interessant war schon die Verschiedenartigkeit der Frauentypen, wobei freilich anch wieder Lücken sichtbar wurden, der Länder nämlich, die keine eigene und starke jüdische Frauenbewegung besitzen; auch die Armut mancher Landesorganisationen wurde durch dies Fehlen sichtbar: „Wir arbeiten viel, aber reden und schreiben wenig," wie eine Vertreterin der Polnischen Frauen sagte. Beherrscht wurde die Tagung von zwei starken Persönlichkelten: Mrs. Reb'ekkal) Kohut (Amerika), die durch die Kraft ihrer Autorität die schwierigsten und gefährlichsten Augenblicke der Aussprache zu überwinden vermochte und zur Krönung der tagelangen Bemühungen in der Gründling der Weltorganisation hinführen konnte, und Anitta Müller-Cohen (Oesterreich), deren leidenschaftliche Hingabe an das von ihr erschaute Bild eines „magischen Zentrums des Judentums" in Palästina die großen inneren Schwierigkeiten zeigte, mit denen der junge Bund wird kämpfen müssen. KäUk^ 515 k> Uk Ik"! ^k-k-io^ 0kv55icn »HffH» IjUMI » 5k-5c.^!-i^5 W^MM» WsVlI I>U I « klI! IK/I 5WV5UI5dttI_/^v5 M » >M I I I.II>I^i.ci^jVI - »(KAk^ 28-30 Sslisn Lissien msmsnssigsn Sekaupsssagsn(20 l^snstsf) sn. 8is?sigsn llinsn msliralsjscjs^nnoncs.

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