Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 7 (1928-1929)
- Issue
- 11 (7.1929)
- Date
- 1929-07-01
- Page
- Seite 386 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Pferd in der Bibel. Von Lazarus Geiger. Der nachfolgende Exkurs aus dem Werk „Der Ur- : sprung dek Sprache" (13K9) soll die sprachkritische ' Methode L. Geigers an einem Ans besonders interessierenden Beispiel dartun; die kleine Abhandlung erhält zudem als Polemik gegen seinen Onkel Abraham Geiger eine eigene Note. Schrift!. Gegen den Satz, daß in den älteren biblischen Büchern vom Reiten auf Pferden nicht die Rede, vielmehr die Wurzel rakad in bezug auf das Pferd mit „fahren" zu übersetzen sei, hat Hr. Dr. Abraham Geiger Einwendungen gemacht, und es sogar unbe^ greiflich gefunden, wie ich jenen Satz rechtfertigen wolle. Ssin Widerispruch ist jedoch ebenso unbegründet, wie er in der Form zuversichtlich ausgesprochen ist. Daß rakad zugleich reiten und fahren heißt (das erste z. B. immer, wenn von Eseln und Kamelen, aber erst spät, wenn von Pferden die Rede ist), kann niemand auffallen, der sich erinnert, daß auch das englische to rids noch heute dieselben beiden Bedeutungen hat. Wenn man freilich jede Stelle, wo in den bisherigen Uebersetzungen reiten und Reiterei zu lesen ist, als Argument anführen zu dürfen glaubt, so mag man Recht haben, zu sagen, daß man meine Behauptung nichi begreife. Woher sollten auch die Hebräer jener Zeit zur Kenntnis der Reiterei gekommen sein, die die Aegypter, und bekanntlich selbst die homerischen -Griechen, nicht verwendeten? Herr Dr. Geiger muß Stellen wie „das Roß (Pharaos) und seinen Reiter (rokedo)" in dem Liede am Rothen Meer im Auge haben, wenn er die seltsame Behauptung ausstellt, das Reiten auf Pferden komme in allen biblischen Büchern vor und „etwa nur 3. Mos. 15, 9" sei das Fahren allein gemeint. Aber was die auf Aegypten bezüglichen Stellen betrifft, so sind wir in der Lage, sie auf den Denkmälern illustriert zu sehen, und mit Bestimmtheit zu wissen, daß jene „Reiter" Wagenlenker waren; wie ja der Text selbst der Pharaonischen Kriegswagen so deutlich Erwähnung thut, daß jedes Mißverständnis ausgeschlossen bleiben sollte. Pharao hoch zu Rotz — so etwas mag man in einem Bilderbuchs des 17. Jahrhunderts finden; im Pentateuch darf man es nicht finden wollen. Für ganz besonders entscheidend scheint aber Geiger eine Stelle gehalten zu haben, die es in der T'hat höchstens für mich sein kann. Er sagt: „Der Verfasser wird Wohl den Segen Jakobs als einen der ältesten Bestandtheile der Bibel betrachten. Dort nun (1. Mos. 49, 17) wird Dan einer Schlange verglichen, die dem Pferde in die Fersen beißt, so daß der Reiter (rokedo) rücklings stürzt; rücklings aber stürzt nur der Reiter, wenn im Schmerze das Pferd sich bäumt, wicht aber, wer auf dem Wagen fährt." Herr Dr. Geiger möge mir verzeihen, wenn ich mich bei diesem kleinen equestrischen Exkurs einer Aeußerung Jakob Grimms erinnere, der einmal bemerkt, daß dem Sprachforscher zuweilen auch ,^Laienkenntnisse" zu empfehlen seien. Warum soll aber nicht rücklings stürzen, wer auf dem Wagen fährt? Man darf sich freilich unter diesem Wagen keine Kutsche denken. Die Kriegswagen der Alten — von dem des Amenophis bis zu dem des Darius in der „Alexanderschlacht" — sind zweirädrig und von der Rückseite offen, von wo aus sie bestiegen werden. In diesem Wagen stand der Wagenlenker und wer sonst noch in demselben fuhr. (Vgl. 3. Mos. 15, 9, wo nur vom Stehen die Rede sein kann, da das Sitzen V. 6 erwähnt war.) Nun denke man sich das Pferd von einer Schlange angegriffen — ohne Zweifel von rückwärts; die Schlange, ein Bild der Tücke, soll ja hier gerade die List des zum Lauern im Hinterhalte geschickten Volksstammes versinnlichen. Das Pferd thut, was es. in solchen Fällen immer thut, es bäumt sich nicht, es schlägt aus, springt nach vorn oder zur Seite; und auch wenn es steigt, kann die Wirkung kaum eine andere sein: der Lenker, durch den Plötzlichen Stoß aus dem Gleichgewicht gebracht, fällt rückwärts aus dem Wagen. Das Bild in dem Segen Jakobs trägt, beiläufig bemerkt, ein absichtlich ägyptisches Kolorit. — Die weitere Ausführung des nicht unwichtigen Gegenstandes ist mir hier nicht möglich. Ich bemerke nur noch, daß das Pferd in Palästina sich offenbar bis zur persischen Zeit nirgends im Privatbesitze befand. //^/^ //^/-^ c5«^o^ ^sFe/mchßAs ^onalsbetV/-<ZFe unc? 5penc?en bei allen I'amlttens^sUnlsssn. ^«a'ksoHe 1Vo/i//a^>/s^?//e^e F>ank/u^/a. ^lL. ^anFes//:. 50, Sansa ^><,s,soü. No. 386 Dr. Benjamin May geboren 23. Mai 1882, gestorben 29. Mai 1929 Der Vorstand der Israelitischen Gemeinde hat folgenden Nachruf veröffentlicht: Im Alter von 47 Iahren ist Herr Rabbiner Dr. Benjamin May von schwerer Krankheit durch den Tod erlöst worden. Wir betrauern in dem allzu früh Heimgegangenen, der seit 1908 als akademischer Religionslehrer und Prediger im Dienst unserer Gemeinde stand, eine Lehrerpersönlichkeit von seltener Begabung und aufopferndster Pflichttreue. Den großen Verdiensten, die der Verstorbene sich um das religiöse Leben unserer Gemeinde und besonders um unsere Jugend erworben hat, werden wir ein ehrendes und dankerfülltes Andenken bewahren. Die Beisetzung fand am Freitag, 31. Mai 1929, unter außerordentlich starker Beteiligung aus allen Kreisen der Gemeinde statt. Für dieFamlliesprachHerrRabbinerDr.Horovitz, zugleich auchirnNamen der Verwaltung der Religionsschule, des Allgem. Deutschen Rabbinerverbandes und anderer Organisationen. Im Auftrag des Gemeindevorstands sprach der Referent für den Religionsunterricht, Herr Rabbiner Dr. Lazarus. Hieran schlössen sich die Nachrufe der Herren Studiendirektor Dr. Driesen für Schulrat und Lehrerkollegium des Philanthropins, Oberstudiendirektor Dr. Müller für die Musterschule, Dr. Höxter für den Verein israelitischer Lehrer und Lehrerinnen, Dr. Eduard Strauß für die Hermann-Cohen-Loge, Dr. Emmerich für die Jüdische Volkspartei und Rabbinatskandidat Geiß als ehemaliger Schüler des Heimgegangenen. Die ergriffene Andacht, mit der die Trauerversammlung all diesen Ansprachen lauschte, war ein eindrucksvolles Zeugnis für die Verehrung, die Dr. May allenthalben genoß, und für die aufrichtige Trauer um den guten Mensch, den eifervollen Juden und den vorbildlichen Lehrer. Rede von Lehrer 3. B. Levy bei der Trauerfeier des Philanthropins. Gebangt, gebangt haben wir — es ist eingetroffen. Was wir gefürchtet — es ist gekommen! (Hiob 3, 26.) Unser Freund ist nicht mehr, und heute stehe ich hier vor unserer trauernden Schulgemeiude, ihm, dem langjährigen treuen Mitarbeiter, dem lieben Kollegen, dem verehrten Lehrer die Trauerrede zu halten. Ach, ich möchte mit unserm Lehrer Mose sprechen: Schicke doch einen andern, denn wahrlich, mehr als sonst bin ich heute schwer von Mund und schwer von Zunge. Aber durfte ich mich dieser Aufgabe entziehen? Mit Stolz, mit Freude durfte ich mich seinen Freund nennen! Durfte ich tiefe Blicke tun in die Listige Werkstätte, in das Wesen, in das Innenleben dieses Mannes. Ja, „mir ist sehr weh um dich, mein Bruder Jonathan, du warst mir sehr hold. Wunderbarer war mir deine Liebe zu mir, als die Liebe der Frauen!" Und dennoch! Laßt uns unsern Schmerz besiegen, laßt unsere Gefühle sich beiänftigen. Laßt uns ihn noch einmal vor unser geistiges Auge stellen, ihn, seine Gestalt, sein Auftreten, seinen Charakter, sein Können, sein Wirken, sein Leben, sein Scheiden. Das verlangt Freundespflicht von uns, das soll uns Dan'kespflicht sein, soll uns aufrichten, soll uns zum ragenden Denkmal werden, das wir ihm bauen, auf daß es uns mahne, in seinem Geiste, nach