Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 7 (1928-1929)
- Issue
- 10 (6.1929)
- Date
- 1929-06-01
- Page
- Seite 343 (sequence 11)
- Language
- German
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343 Während des Rundgangs wurden Schriftstellen und Psalmen in folgender, auf Veranlassung der Chewraus von Herrn Gemeinderabbiner Dr. Hoffmann nach alten Quellen festgestellten Ordnung gesprochen: Schluß des Psalms 90, Psalm 91, zweites Buch Moses Kap. 30, 7-10 und 22—36, Viertes Buch Moses Kap. 17, 11—15, Psalmen 102, 103, 16, 23 und 49. Nach Beendigung des Rundgangs versammelten sich die Teilnehmer unter dem Arkädengang der neuen Friedhofsgebäude, um das bald darauf vom alten Friedhof her eintreffende Trauerg erfolge zu empfangen. Beerdigt wurde das am 16. Mai verstorbene Fräulein Jenny Hülsen, eine Schwester des bekannten Gelehrten und Künstlers Prof. Dr. Julius Hülsen, der sich um die Erhaltüng und Beschreibung des alten Friedhofs an der Battonnstraße große Verdienste erworben hat. Die Anwesenden verrichteten das Gebet „Hazur tomim", das von Herrn Oberkantor Grosz laut wiederholt wurde, unmittelbar danach wurde der Sarg in der üblichen Weise in seine ewige Ruhestätte gebettet. Damit war die in ihrer schlichten Eigenart tief ergreifende Feier beendet. Da nach dem Herkommen ein einzelnes Grab nicht allein gelassen werden soll, trat unmittelbar nach der Beerdigung eine Grabwache mit zweistündiger Ablösung in Tätigkeit, bis am folgenden Tag das zweite Grab belegt wurde. Für die Mitglieder der beiden Beerdigungsbrüderschasten war bis nach Schluß der Feier Fasten angeordnet. Auch hatte der Vorstand der Synagoge am Börneplatz die Feier zur Veranlassung genommen, um beim Frühgottesdienst die Synagoge festlich zu beleuchten und das sonst nur an Fasttagen gesprochene Gebet „Schaumer Jisroel" zu verrichten. Aus der Geschichte der Gemeinde. rankkor t". Für alle Freunde der Geschichte der Frankfurter Juden kommt eine höchst willkommene Gabe — aus Amerika; doch hinter dem fremden Gewand bergen sich vertraute Gestalten: in der von der ^g^visn?ud1ioAt.ion Looist^ ok ^. rn 6 r i o s, herausgegebenen Reihe „jüdischer Gemeinden" ist soeben der Band ..l''i a n lv k o r t" erschienen (283 Seiten, Philadelphia 1929). Als Verfasser zeichnen A. Fr ei mann und F. (soll heißen I.) Kracauer. Daß auch der letztere, obwohl seit Jahren verstorben, auf dem Titelblatt genannt ist, hat seinen Grund Wohl darin, daß seine für alle Zeit maßgebenden Forschungen, die in seinem zweibändigen Geschichtswerk niedergelegt sind, bei der Bearbeitung des vorliegenden Buches — etwa bis zum Abschluß der Emanzipation — als Grundlage dienten, so daß der Bearbeiter es als eine Pflicht wissenschaftlicher Loyalität ansah, seine Hauptquelle nicht nur (wie es manchmal zu geschehen Pslegt) irgendwo in einer Anmerkung zu nennen. Tie Bearbeitung wahrt dabei aber durchaus selbständigen Charakter, und der letzte Teil — von Seite 216 an — ist vollkommen neu geschrieben.- Das handliche, mit zehn Bildern versehene neue Geschichtsbuch zeichnet sich durch eine überaus klare Darstellung aus, die dem allgemeinen Leser (soweit er Englisch kann) auf eine sozusagen schmerzlose Weise eine ganze Menge gelehrten Wissens beibringt und trotz der meisterhaft kondensierten Form nichts Wesentliches vergißt. In den Schicksalen der früher verhältnismäßig kleinen Frankfurter Gemeinde finden wir alle Elemente der „xraväsuist ileoa^siiok'- wieder, welche die Geschichte der Juden im mittelalterlichen Europa charakterisieren. Ein besonders stark hervortretender Zug ist der unbändige Lebenswille, der sich gegenüber allen Verfolgungen und Feuersbrünsten standhaft durchsetzt und vielleicht die letzte Ursache des weltbekannten Lokälpatriötis.- mus der Frankfurter Juden ist. Ein weiterer interessanter Zug, 706? tt/eat ^./eHe Von ^Lo/k/-. 7>ÄF/ ttN5 ^/e ^>a?e, ala/ 5/7? /(Q/n/?/ M5> ^aA?/? ^V//^ to^65 (/tt^ M/' s/a^ W5> /oa^/? //? /./eöe -ZÄ c/e/z /l4e/?5ahe/?, sk/e e/ns^ ^oake/'/? M/^ tt/?5 //? (//-äHe^/?, ^/e M/>? //? L'c/kMe/Fe^ Da^/nne/? ck/e ^ttn? S/e/Qhe/? L^auH ^ez/Ze/e/?, O/e tt/ZF/eM ne/^^tt'e^e/?^ ^/e/e/?/ '/Vtt^ ^5N65 ak/e /.s/öe. Oe^ (/s/s? als/' /./e^e, e/e/? S/'ttLie/' suc/l^e //? /'eale/n ^se/^^e/z, <A'e (?c>^ /Ä/c/^e //? /e^e/' tt^al ^/e Hü/l/^, HTe/?/? /.e^en, s^a^ 5tt seinen, //ttc^e. Lo M/n/ «2tt^c u/?5 /m/' üHe/'/e^e/?, O/e Fll^e 7a^, Fe^ei/Z? aus ^6/?5c/k6/!FÄt6, Oe/?/? s^Ä^e/' a/5 6/6^ 7sü? 55^, We/' nah /nÄ/^e, /./eHz-e/^e //n ^.eHe/? 7>o5^ ^tt FeHe/?. vor allem im Licht der modernen Beziehungen zwischen Juden und Christen in Frankfurt, ist die in dem Werk hervortretende Tatsache, daß auch in den Zeiten der heftigsten Angriffe von innen und außen die Juden immer unter der Stadtbevölkerung, wenn auch nicht immer unter den Herrschenden, ihre Freunde hatten. So seltsam es anmutet, wir finden diese freundlicheren Gefühle inmitten von Niedermetzelungen, nachbarliche Hilfe zu Zeiten härtester Verfolgung, und man kann sich des Gedankens nicht erwehren, daß im innersten Herz die Frankfurter ihrer Juden immer recht froh waren — nicht nur aus finanziellen Gründen. Sehr lebhaft wird die bewegte Zeit der Emanzipationskmnpfe geschildert. Kaum ein Jahrhundert, endgültig erst seit 1364, sind Beschränkungen gefallen, die heute fast nicht, mehr vorstellbar sind, und wenn man liest, Haß noch am Anfang des 19. Jahrhunderts den Inden das Betreten der öffentlichen Anlagen verboten war, so mag man es als eine Reaktion der historischen Gerechtigkeit betrachten, daß eben diese Anlagen heutzutage zu sabbatlichen Spaziergängen bevorzugt werden. — Die letzten fünf Kapitel des Buches, die den alten Friedhof, das Rothschildhaus, die Judaici- Abteilung der Stadtbibliothek, die jüdischen Altertümer und die Synagogen behandeln, werden besonders starkem Interesse begegnensie bieten, wenn auch absichtlich auf die genannten Gegenstände beschränkt, wertvollste Materialien für die noch zu schreibende Geschichte des letzten Jahrhunderts. Ein Kapitel besonders, das über die jüdische Abteilung der Stadtbibliothek, wird auch dem Frankfurter Leser viel Neues bringen, denn die wenigsten wissen, daß diese Sammlung auch heute noch zu den reichhaltigsten und kostbarsten ihres Gebietes in der ganzen Welt gehört — nicht zuletzt dank der Arbeit ihres Leiters, des im In- und Ausland als größte Autorität auf dem Gebiet des jüdischen Buchwesens anerkannten Herrn Professor Dr. Freimann, dem wir nun auch dieses neue, schöne Denkmal unserer Gemeinde verdanken. — Ein Worr des Lobes gebührt der Uebersetzerin Bertha Szold Levin, die mit unverkennbarem Geschick die erfreulich schlichte und umnanierierte Sprache des Originals ins Englische übertragen hat: ' H.R.N.