Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 7 (1928-1929)
- Issue
- 10 (6.1929)
- Date
- 1929-06-01
- Page
- Seite 342 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Schöpfungen des Judentums. Als rein geistiger „Dienst Gottes aus dem Herzen" begründet, hat er sich schon im Altertum über den größten Teil der bewohnten Erde verbreitet und ist dann durch Israels Tochterreligionen in die ganze Welt hinausgetragen worden. Auch sein Inhalt: Bekenntnis. Bitte und Belehrung, ist mit seiner Form übernommen worden. Der Einrichtung, daß Vorlesungen aus der Thora und den Propheten, woran sich die Schrislauslegungen schon in ältester Zeit schlössen, in die Mitte des Sabbat- und Festtags-Gottesdienstes gestellt sind, ist es zu danken, daß die Bibel Gemeingut der gebildeten Menschheit geworben ist. Der Stamm der Gebete ist uralt, von Klassikern der Religion verfaßt und darum noch heute kraftvoll, dem Ausdruck zu verleihen, was Kinder einer ganz andern Zeit und ganz andern Welt im tiefsten Innern bewegt. Der Genius der Synagoge hat zu keiner Zeit geruht, ein Geschlecht um das andere hat danach gestrebt, Andacht und Frömmigkeit zu erneuern, jedes hat das alte Erbgut mit den Ausdrucksformen seiner Zeit belebt. So sei auch dieses Gebetbuch der jüdischen Öffentlichkeit übergeben als Ausdruck von Glaube und Hoffnung, von Demut und Dankbarkeit unfr er Zeit! Möge es seinen Beruf erfüllen als Anreger jüdischer Frömmigkeit und Bekenntnistreue! ^tti/en/n'eMo/. //a!//)^/nFa/?F. Oa>5 ^öne Sen'oh/ von /^ank/u^/ a. /ll. f5.'e/-e aVe ^/ese^ /Vllmme^) m/? /v-ank/u^e/- (/No/o t7a^/ ^4S? /S/S.) Eröffnung des n Aus Anlaß der ersten Beerdigung auf dem neuen Friedhof der Israelitischen Gemeinde an der Eckenheimer Landstraße fand am Sonntag, dem 19. Mai 1929, eine von den beiden Beerdigungsbrüderschaften (Chewraus) veranstaltete religiöse Feier statt. Trotzdem nur ein enger Kreis benachrichtigt war, fanden sich viele Hunderte von Männern und Frauen ein, um an dem denkwürdigen Ereignis teilzunehmen. Am frühen Vormittag begannen die Kohanim, einem alten Herkommen entsprechend, mit der Herrichtung des ersten Grabes. Die ersten Spatenstiche tat Herr Rabbinatsassessor Lipinski, es folgte das Mitglied der Gemeindevertretung und der liberalen Kultuskommission Herr Albert Cohen ein Nachkomme des berühmten Frankfurter Oberrabbiners Pinkus Halevi Horwitz („Haflooh"), und sodann die große Zahl der übrigen Kohanim. Kurz vor 1l) Uhr versammelten sich die Mitglieder der beiden Chewraus, Vertreter des Gemeindevorstands und der Gemeindevertretung unter Führung des Herrn Justizrat Dr. Blau und vom Rabbinat die Herren Dr. Hosfmann, Dr. Lazarus und Dr. Horovitz auf dem bisherigen Friedhof an der Rat-Beil-Straße, der nunmehr gerade ein Jahrhundert besteht. Hier wurde in feierlicher Weise nach Verrichtung eines Slichagebers die herkömmliche Formel gesprochen, mit der die auf dem Friedhof ruhenden Toten um Verzeihung gebeten wurden. Der Wortlaut dieses Gebets, (überliefert u. a. in dem Werk "iizpO, Wien 1813,) lautet in freier deutscher Uebertragung: euen Friedhofs. Friede mit Euch, edle und reine Geister! Friede Euren Seelen in den himmlischen Höhen! Seligkeit sei Euer Teil in den Sphären der himmlischen Wesen.' Eure Gebeine aber mögen in des Grabes Ruhe vor Schmerz und Verwesung bewahrt' bleiben. Doch wir schuldbeladene und leiöbeschwerte Erdenkinder, wir nahen uns Euren Gräbern und Ruhestätten, um Euch zu besänftigen und zu begütigen für all das, was wir durch Tat, Wort und gedankliche Regung gegen Eure Ehre und Würde und den fleckenlosen Glanz Eures Namens gesündigt hätten. Demütig bereuend sprechen wir es aus: Vergebt uns, teure Gebeine, wenn wir gesündigt hätten gegen den Gott Israels und gegen Euch. Geschah doch alles Unwürdige in unserem Tun, Sprechen und Denken und jede unzulängliche Betätigung der Euch schuldigen Ehrfurcht nur aus Versehen irrender und betörter Menschen. Darum bereuen wir auch alles aus tiefster Seele und erbitten Eure Vergebung für jegliche Schuld uud Sünde. Habt Erbarmen mit uns und erhebt Euch mit uns zu inbrünstigem Gebet vor dem König, dem König aller Könige, dem Heiligen, gelobt sei er. Er möge uns verzeihen nach der Fülle seiner Gnade und Barmherzigkeit jede Schuld und Sünde, dura) welche wir uns gegen ihn oder eines seiner Geschöpfe vergangen haben. Er möge uns in seiner großen Güte und Gnade beistehen, damit wir Kraft gewinnen, seine Gebote zu erfüllen und aller Hemmungen und Anfechtungen Herr zu werden. Und leiten möge er uns zu Wassern der Ruhe und unseren Tagen und Jahren lange Dauer und lieblichen Inhalt geben. „Nur Glück und Liebe folgen mir all meine Lebenstage und ich wohne im Hause des Ewigen lange Zeiten." Amen! Nachdem in dieser Weise von dem nunmehr vollbelegten Friedhof Abschied genommen war, begaben sich die Versammelten auf den neuen Friedhof, wo unter Führung von Beamten des Friedhofsamts der Gemeinde ein Rundgang um das zunächst für die Beerdigungen bestimmte Gelände stattfand.