Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 7 (1928-1929)
- Issue
- 10 (6.1929)
- Date
- 1929-06-01
- Page
- Seite 337 (sequence 5)
- Language
- German
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- Isaiah 2× ep/1005097
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Durchaus jesajanisch ist der Gedanke, daß der neue Bau der Friedenswelt sich nur auf „unparteiische Gerechtigkeit" wird gründen können, daß kein dauernder Friede sein wird, ehe nicht die Friedensgesinnung, der „Geist der Einsicht und des Rates", wie der Prophet es nennt, unter den Völkern lebendig ist. Also spricht Jesaja: „Der Schiedsrichter (das Schiedsgericht) der Zukunft wird mit Gerechtigkeit richten und Recht in Billigkeit, sprechen; denn es wird Gerechtigkeit der Gurt seiner Hüften und die Treue der Gurt seiner Lenden sein. Dann wird der Wolf neben dem Lamme wohnen und der Panther neben dem Böcklein lagern . . ." Ob der Prophet vom „Panther und Böcklein im Frieden" etwa in dem Sinne sprach, wie Bismarck vom „Bären und Walfisch im Kriege", das wissen wir nicht. Das eine nur wissen wir: Jesaja war der erste, der uns verkündet hat „einen neuen Himmel und eine neue Erde", eine neue Welt, die kommen wird, weil sie kommen muß. Vom Beruf des Religionslehrers. Zugleich eine Buchbesprechung Von Rabbiner Dr. B. May. Es ist ein schöner Brauch unserer Rabbinerseminare, mit ihrem Jahresbericht eine wissenschaftliche Arbeit aus dem Spezialgebiet eines ihrer Dozenten zu veröffentlichen. So ist auch der diesjährige Bericht des Breslauer Rabbinerseminars mit ganz besonderem Dank zu begrüßen, denn er bietet eine Arbeit des Religionsphilosophen Dr. A. Lewkowitz: Das Judentum und die g e i st i g e n Strömungen der Neuzeit,!. Di e Renaissance, (auch als unabhängiges Werkchen herausgegeben vom Verlag M. H H. Marcus, Breslau). Die Schrift, die sich an Umfang, nicht mit dem Guttmannschen Werke: „Das Judentum und sewe'Umwelt" vergleichen läßt, mahnt nicht nur durch den Titel an jenes Werk, sondern bildet eine würdige Ergänzung, die, soweit man sich ein Urteil erlauben dars, als Vollaus gelungen bezeichnet werden kann. Was, um es kurz zu sagen, der Inhalt der Abhandlung ist, das hat der Verfasser selbst dem am klarsten enthüllt, der seinen eben in der letzten Nummer der Monatsschrift veröffentlichten Aufsatz: „Lessings Religion" gelesen hat: Während es im Mittelalter nur Wahrheit innerhalb der Grenzen der Konfession gab, erwacht in jener Zeitperiode, die wir eben deshalb als die Renaissance bezeichnen, das Freiheitsgefühl des Menschen, der selbständig denken und empfinden will, so wie es die Denker der Antike getan; während jene freilich im Subjektivismus des Denkens und Empfindens sich bewegten, daher wie Plato und oie-Stoiker auch zur W.'ltwertverneinung kamen, wächst in der Zeit der Renaissance der denkende Mensch in sein ihm von Gott verliehenes geistiges Kraftgesühl hinein und erkennt sich so als Mitberufener aus Eigengöttlichem heraus, das Werk der Schöpfung Gottes zu fördern. „Ter Mensch erkennt Gott, Welt und Mensch in neuer Schönheit strahlend, zur Einheit gefügt durch die Liebe, die das Höhere sich herabbeugen läßt zum Niedern, das Niedere sich emporwenden läßt zum Höheru." So sah Marsilius Ficiuus, so Inda Abrabauel, so Nicolaus vou Cusa und gar der ganz im Vollgefühl der Eigenkraft stehende Giordanv Bruno, der schon ganz der Naturreligion huldigte, die Welt. Ihnen stellt nun der Verfasser die Vertreter des im 16. Jahrhundert erstandenen spiritualistischen und ethischen H umanis m u s entgegen, in st'i^ nen markantesten Vertretern Sebastian Frank, Jean Bodin und Herbert von Cherburg. In dieser Periode handelt es sich nicht mehr um den Gegensatz von Naturreligion und Offenbarungsreligion, sondern die Unendlichkeit individueller Offenbarung und autoritativ durch die Schrift abgegrenzter Offenbarung treten einander gegenüber. Das Wort Gottes offenbart sich im Menschen, in jedem Menschen; nicht etwa durch die Vernunft, sondern in der Tiefe des menschlichen Herzens — vgl. anch V. B.-M. 30, 14. — Es bedarf aber des Willens des Menschen, das Wort Gottes „anzunehmen". Dies der Zentralgedanke der mystischen Lehre Franks, in der natürlich die Lehre von der Erbsünde keinen Raum mehr hat. Noch schärfere Ablehnung findet die in den Eoangelien fixierte, von den Concilien dogmatisch ausgebaute Weltanschauung in dem berühmten, man sagt vielleicht besser, berüchtigten Werke Jean Bodins: dem „Heptaplomerus", der ob seiner Gedankenkühnheit auf den jungen Leibniz einen geradezu schreckenerregendcn Eindruck machte und noch zur Zeit Lessings ebensowenig wie die nachgelassenen Schriften eines Reimarus gedruckt werden durfte, sondern nur handschriftlich zu lefen war. Das Angedeutete mag genügen, um uns mit dem Inhalt, besser gesagt, mit dem Problemreichtum dieser an äußerem Umfang so kleinen, an Inhalt so reichen Arbeit vertraut zu machen. Ter Lehrer vor allem, der den Unterricht von Obersekuuda bis Oberprima zu erteilen hat, wird dem Verfasser außerodentlich dankbar sein. Er hat, man möchte sagen, mit pädagogischem Instinkt die richtige Methode dieses Unterrichts herausgefühlt. Ist doch gerade dies die große Schwierigkeit des Religionsunterrichts in den oben bezeichneten Klassen?» Die Schüler dieser Klassen haben bereits das sichere Gefühl, daß das Judentum, wenn auch einzigartig, doch immerhin eine Kulturströmung unter vielen anderen und darum nicht als etwas Isoliertes betrachtet werden kann. Zu sehr lebt dieser Schüler bereits im Geiste der umgebenden, vor allem der klassischen deutschen, und als Gymnasiast auch der antiken Kultur, als daß ihn die Zusammenhänge und andererseits die Differenz der Kulturströ - mungen nicht interessieren sollten. Erst aus dem Vergleich erkennt er das Besondere uud vor allem das Wertige seines eigenen, seines jüdischen Seins. Ist denn, um nur einige Beispiele zu nennen, die Bibel selbst ohne den Hintergrund der ägyptischen, babylonisch-persischen Kultur zu ersasseu? Aber mit welcher Spannung und Hingabe folgt der erwachsene Tchüler gar. wenn der Lehrer, etwa von den seit dem 15. Jahrhundert ausgewühlten sozialen Problemen ausgehend und sie bis zur Jetztzeit verfolgend, dann auf die sozial-ethischen Gedanken der Propheten zu sprechen kommt? Er spreche, um ein anderes Beispiel zu nennen, von der Schicksalsfrage, vom jetzigen Menschen in seiner Qual, vom Goethescheu Ausspruch ooer einem modernen Roman ausgehend, komme aus die Schicksalsfrage bei den Griechen zu sprechen, und ohne Zwang, mit innerster Bereitschaft, folgt der Schüler zum Theodiceeproblem, zur Frage der Willensfreiheit in der Bibel, und selbst über Psalmen kann dann der Lehrer sprechen, ohne „langweilig" zu wirken. Und wie beim religionsphilosophischen, so verhält es sich auch beim r e l i g i o n sg e s ch i ch t l i ch e n U n t e rr i ch t. Er ist ein Teil der Weltgeschichte, die wir aufzuzeigen haben. Ter Vortragende, der den Zeitenstrom hindurchfließeu läßt, wird bald die Gelegenheit haben, die jüdische Geschichte als besonders starke Kulturströmung aufzuzeigen, als ein mannhaftes Ringen um Sittlichkeit und Freiheit der Menschen, sei es im Kampf gegen Hellenismus, oder gegen den römischen Imperator Oous oder gegen die Geistesfefselung, wie sie der Anspruch aus alleinseligmachenden Glauben bewirkt. Sieht der erwachsene Junge, wie die Inquisition ja gegen aufrichtigste Christen zuerst eingeführt wird, merkt er, wie zerstörend Religionsfanatismus allgemein wirkt, hört er von der mehr wie trostlosen Lage der Bauern und Arbeiter im 18 Jahrhundert, dann erscheint ihm die eigene Geschichte gar nicht mehr so „deprimierend", als ein fortgesetztes Leiden, sondern er fühlt sich selbst — und so muß ja jede