Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 7 (1928-1929)
- Issue
- 9 (5.1929)
- Date
- 1929-05-01
- Page
- Seite 297 (sequence 13)
- Language
- German
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^üciiscke ^VolNkakrtspflexe Frankfurt s.^/l. ^bteilunA III: Lon^erkürsorAe 8tuäeritenkilke, l'uberkulosenkürsorZe, (ZekanZeneniürsorAe Amtsjubiläum. Am Freitag, den 29. März 1929, veranstalteten die Vorstände der Westendsynagoge und der Hauptsynagoge aus Anlaß des 25jährigen Amtsjubiläums des Herrn Gemeinderabbiners Dr. Arnold Lazarus in der Westendsynagoge einen Fest - gottesdienst, der durch seinen außerordentlich guten Besuch — die festlich geschmückte Synagoge war bis zum letzten Platz gefüllt — Zeugnis von der Beliebtheit, der sich Herr Dr. Lazarus in allen Kreisen der Gemeinde erfreut, ablegte. Zu Beginn der Feier wurde der Jubilar von seinen Kollegen, Herren Gemeinderabbiner Dr. Seligmann und Dr. Salzberger und Mitgliedern des Gemeindevorstands unter den Klängen des von den Oberkantoren Herren Scheuermann und Fleischmann in künstlerisch vollendeter Weise vorgetragenen Japhetschen „Boruch habo" auf seinen festlich geschmückten Platz geleitet. Hieran schloß sich der übliche Freitagabendgottesdienst, nach dessen Beendigung Herr Rabbiner Dr. Selig mann die Festrede hielt. Er gab darin der Freude und dem Dank der Gemeinde Ausdruck, daß es dem Gefeierten nach schwerer Erkrankung mit Gottes Hilfe vergönnt ist, in wiedergeschenkter jugendlicher Kraft und Arbeitsfreudigkeit sein hohes rabbinisches Amt zu verrichten. Er wies darauf hin, daß derartige Feiern im Leben eines Rabbiners notwendig und nützlich seien. Denn während in anderen Berufen der Erfolg einer Arbeit sich wenn nicht sofort, so doch innerhalb einer bestimmten Zeitspanne zeige, ja sich sogar in materielle Werte umsetze, lasse sich die vielgestaltige Tätigkeit eines Rabbiners, sei es als Lehrer, als Führer, als Seelsorger, durch materielle Gegenwerte nicht messen und wägen, und ihr Erfolg zeige sich, wenn überhaupt, so doch nur nach einem längeren Zeitraum, manchmal erst am Ende eines Lebens. So seien solche Feiern dazu bestimmt und geeignet, über die Arbeit und die Wirksamkeit des Gefeierten der Welt und ihm selbst gegenüber Rechenschaft abzulegen. Nach dem Ausspruch des Rabbi Schimon seien in der Welt drei Kronen zu vergeben, die Krone der Thora, die Krone des Priestertums und die Königskrone. Die erstere könne nicht vererbt, müsse vielmehr immer wieder durch angestrengtes Thorastndium erworben werden. Die Krone der Priesterschaft sei an Aron und seine Nachkommen vergeben und die Krone des Königtums an das Haus Davids. Aber ein erbliches Priestertum, wie es früher bestanden habe, kenne das heutige Judentum nicht mehr, und das jüdische Königtum sei mit dem 'Untergang des jüdischen Staates in Staub gesunken. Priester sei heute der Rabbiner und „Keser malchus", die Krone der Führerschaft, gebühre ihm als dem «geistigen Führer der Gemeinde. Alle drei Kronen erstrahlten heute über dem Haupte des Gefeierten, der kraft der in seiner Familie herrschenden Tradition, durch eigenes Studium und durch seine Lehrerfolge die Krone der Thora, aber auch durch seine erfolg- und segensreiche Wirksamkeit als Rabbiner und Seelsorger die Krone der Priesterschaft errungen habe. Der Glanz dieser Kronen wird jedoch nach dem Ausspruch des Rabbi Schimon überstrahlt von ,^Keser schem tauf", der Krone des guten Namens. Diese Krone der reinen und lauteren Menschlichkeit sei dem Gefeierten gleichfalls verliehen, und er trage sie mit Recht. Habe er sich doch in 2ojähriger ernster und zielbewußter Arbeit nicht nur unter der Jugend und nicht nur im Rahmen seiner engeren rabbinischen Wirksamkeit, sondern weit darüber hinaus gerade bei denen, die zunächst ferne standen, die er aber in bewunderungswürdiger Ausdauer herangezogen habe, und schließlich auch bei vielen, die außerhalb unseres Bekentnisses stehen, eine treue und anhängliche Gefolgschaft erworben. Die Rede des Herrn Rabbiners Dr. Seligmann schloß mit einem Vittgebet für den Jubilar. Hieran schloß sich eine von wärmster Verehrung getragene Darstellung des Vorsitzenden des Gemeindevorstands, Herrn Justizrats Dr. Blau, über den Entwicklungsgang des Gefeierten innerhalb der Frankfurter Gemeinde unter Angabe der hauptsächlichsten Etappen dieser Entwicklung und der großen Verdienste, die er sich sowohl als Lehrer wie als Rabbiner, als Feldgeistlicher, als Referent für den Religionsunterricht und in der Gemeindeverwaltung selbst um die Frankfurter Gemeinde erworben hat. Der Jubilar dankte mit einer tiefempfundenen Ansprache, deren Wortlaut nachstehend abgedruckt ist. Am folgenden Samstag fanden sich nach dem Gottesdienst in der mit den Blumengaben seiner zahlreichen Freunde reichgeschmückten Wohnung Deputationen und Einzelpersonen in großer Anzahl ein, um ihre Glückwünsche darzubringen. Erwähnt sei eine Vertretung des Gemeindevorstands unter Führung des Herrn Dr. Baerwald, der Gemeindevertretung mit Herrn Navhtali Fromm, des Vorstands des Freisinnigen Vereins für jüdisches Gemeindeleben mit Herrn Sanitätsrat Dr. Ettlingcr, des Vorstands der Hauptsynagoge mit Herrn Ferdinand Triefet, des Vorstands des Vereins Hauptsynagoge mit Herrn S. Frendenbergs des Vorstands der Westendsynagoge mit Herrn Oberregierungsbaurat Cohen, des Vorstands des Vereins Westendsynagoge mit Herrn Dr. Fritz Oppenheimer als Wortführer. Allen Rednern brachte der Jubilar seinen tiefgefühlten Dank zum Ausdruck. K.Ncksckau. ZZnspracke in Äer MestenÄsynagoge sni 2y. j^sri,y2y. Von Gemeinderabbiner Vi». IZniolä Ls-apus. (Der Verfasser hatte die Freundlichkeit, seine Rede nachträglich für das Gemeindeblatt niederzuschreiben.) 1.12p NX tl^p c^lONT! Herr, ich bin zu gering ob all der Liebe und all der Treue, die Du Deinem Knechte erwiesen. >^»> Herr, Du bist mein Hirte. Du leitest mich in Geleisen der Gerechtigkeit. Und ob ich auch wanderte im Tale der Todesschatten, so fürchtete ich doch nichts Böses. Du bist mein Stecken und Stab 'N'l? ^Np'!^ Auf Deine Hilfe hoffe ich, Herr. ^'Il ''Zlt? 'Ii Gott, der Herr ist meine Kraft für und für, Amen. Liebe Gemeinde! Meine Freunde! Rückschau, persönliche Rückschau fordert dieser Tag von mir. Wäre es nicht angemessener, daß ich sie ganz still für mich allein hielte? Darf ich sie, soll ich sie hier in dieser Feierstunde geben? — Wirklichkeitssinn und Wahrhaftigkeit verlangen es. All meine Erinnerungsbilder aus der abgeschlossenen Zeitspanne sind mit dieser ' Stadt und unserer Gemeinde verwoben. Mehrfach ist der Ruf an mich ergangen, daß ich von hier hinweg die Stätte meiner Wirksamkeit verlege. Ich konnte mich von Euch, von meiner Gemeinde nicht lösen. O^>2^ 'N^.-IT^ ^til „Ich wandelte vor Euch von meiner Jugend bis auf diesen Tag". Ja, als ich unter Euch trat, war ich noch jung an Jahren. Aber ich war getragen von dem, was ich ererbt. In meinem Vaterhause waren durch eine Reihe von Geschlechtern Männer aufgestanden, die sich die Erkenntnis, die Ausbreitung und die Vertiefung der Lehre des Judentums zum Daseinszweck gesetzt, die Vorbildliches darin geleistet. Ihr Sein, ihr Wesen wirkten in mir nach. In ihrem Sinn hatte mich eine innig-fromme, fein-