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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1929-05-01 · 9 (5.1929) · p. Seite 290

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
7 (1928-1929)
Issue
9 (5.1929)
Date
1929-05-01
Page
Seite 290 (sequence 6)
Language
German
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sein. Die Wanderung des dritten Sohnes mit Eliah, dem Propheten, erinnert an die bekannte Legende von R. Josua b. Lewi, der gleichfalls Eliah auf dessen Wanderungen begleitet. Abgesehen von der Lebhaftigkeit der Handlung, dem frischen Humor und dein tieferen Sinn, der diese Sage so anziehend macht, ist ein Zug in ihr von besonderem Interesse für die vergleichende Volkskunde: Eliah schenkt dem zweiten Sohn eine Münze, auf der die „Berachah" (der „göttliche Segen") ruht, und deren Besitz ihn mit der Zeit zum reichen Manne macht. Die Zaubermünze, die ihrem Besitzer zu großen Reichtümern VerHilst, findet sich im Volksglauben vieler orientalischer und europäischer Völker. (Vgl. den Aussatz im Scurat in der Zeitschrift „Am Urquell", 1893.) Wüstenfeld überliefert eine arabische Erzählung aus uralter Zeit, worin ein Dukat vorkommt, der die Wunderkrast besitzt, immer von neuem zu seinem ersten Eigentümer zurückzukehren, so oft ihn dieser auch ausgeben mag. Suidas erzählt von dem Hemiobolion des griechischen Zauberers Päses, welches' der Besitzer immer wieder bei sich fand, so oft er es dem Händler für Ware gab. Grimm belehrt uns, daß der deutsche Volks - Glaube einen „Hecketaler", „Heckegroschen" und „Heckepfennig" kennt, dem die Gabe innewohnt, anderes Geld zu „Hecken". Auch dem Groschen des ewigen Juden wird nach Liebrecht diese Gabe zugeschrieben. Auch in einem Märchen von Musäus kommt das Zaubergeld vor. Man spricht bisweilen auch von einem Marientaler oder Segenstaler, womit dieser Volksglaube religiös umgemodelt erscheint. Den Heckegroschen erhält man gewöhnlich beim Teusel vermittels eines schlauen Handelsstreiches, den Kühn in seiner „Norddeutschen Sage" ausführlich beschreibt und oer . im wesentlichen darauf beruht, daß man dem Teufel in d?r längsten Winternacht, da er allein die Kirche bewohnt und in ihr den Küster spielt, einen schwarzen Kater in einem Sack als Hasen zum Kauf anbietet. (Daher die Redensart: „eine Katze im Sack kaufen".) Die Ueberlistung des Teufels ist ein beliebtes Thema der Volkssagen aller Nationen. Aehnliches erzählt Weinhold aus der Mark Brandenburg. In Dänemark wird, nach Grundtwig, die Zaubermünze auf die gleiche Weise erhalten. In der nordischen Mythologie wird sie, nach Simrock, von Wotan verliehen. In Italien kannte man, wie wir durch Liebrecht wissen, die Zaubermünze des in der zweiten Häl,fte des 13. Jahrhunderts lebenden berühmten Arztes Pietro d'Albano, und die spanischen Bauern von Valencia besitzen sogenannte „Diners de Vruixas", die sie aufbewahren, weil sie ihnen die Kraft zuschreiben, das Geld zu bewachen. Bei den slawischen Völkern ist der Glaube an das Zaubergeld weit verbreitet. Am bekanntesten, namentlich unter Polen und Ruthenen, ist die Zaubermünze unter dem Namen „Jnklus" womit im Mittelalter wahrscheinlich der Teufel überhaupt bezeichnet wurde. ,.I)aem0n potest. inelucli in »liquo vaso" war, nach Roskoff, eine im Mittelalter häufige Formel. 290 ^/nSsn^ecks Oa^s?ä«k/e^ />6Lsaah-//aFa6a (m// 0ene/?m<FllllF 6e5 I^e/-/aF>x ///e^sman/?. ^Si/NtF.) Interessant ist es, daß im Jüdischen aus „Jnklus" das Wort „Jnklysnik" gebildet wurde, womit die Juden scherzhaft einen Dieb bezeichnen, ohne jedoch den Ursprung des Wortes zu kennen, welches in der slawischen Sprache nicht mehr vorzukommen scheint. Im Talmud findet sich keine Spur' von dem Glauben an Zaubermünzen, obgleich dort von der Zauberkraft der Metalle vielfach die Rede ist, wobei allerdings der Klang des Metalls das Zaubermittel zu fein scheint. (Blau, Das altjüdische Zauberwesen, S. 159.) Die Vorstellung von der Zaubermünze scheint also beim Juden erst in späterer Zeit, von außen herkommend, sich eingebürgert zu haben. Doch findet sich im jüdischen Volksglauben nur die zweite der oben erwähnten Vorstellungsarteu von dem Ursprung und der Kraft der Glücksmünze. Der Ueberbringer ist - . Eliah, der' Prophet, der Freund der Kinder und der Armen, der Bringer alles Guten und Schönen. Er schenkt einem eine Münze, auf der der „Segen Gottes" ruht. Die „Berachah" ist auch sonst dem jüdischen Volksglauben geläufig. Zuweilen kommt sie in die Speisekammer, in ks.s, Q-^- -Q-n. Wv-vH^H,, oder auch in die Geldtruhe. Dann sieht sich der Mensch unvermutet iu dem Besitz einer ungeahnten Fülle von dem be tre ffendeniGegenstand. Er schöpft und schöpft, und es will gar kein Ende nehmen, bis er ungeduldig ausruft: „Ist's denn noch immer nicht zu Ende?" Dann hört's Plötzlich aus. Seit dem Auftauchen und der Ausbreitung des Chassidismus haben die „Wunderrabbi s", wie wir weiter unten sehen werden, viele ehedem ausschließlich Eliah, dem Propheten, zustehende Funktionen übernommen, unter anderem auch das Verleihen von glückbringenden Münzen. Der Wunderrabbi schenkt dem Pilger die kleinste der vor ihm auf dem Tisch ausgebreiteten Münzen, aber auch häusig eine nicht mehrgeltendeMünze, die der Beschenkte als segenbringend aufbewahrt, oftmals auch noch den Nachkommen vererbt. Die Wahl der kleinsten oder einer nicht mehr geltenden Münze geschieht Wohl zunächst aus praktischen Gründen, doch scheint sich darin auch die Vorstellung auszudrücken, daß das Geldstück an sich wertlos und nur gleichsam als Symbol des darauf ruhenden göttlichen Segens anzusehen sei. Als vollendeter Humorist erscheint Eliah, der Prophet, in folgender hübschen kleinen Volkserzählung: Auf eine reiche Hochzeit kam einmal ein armer Mann in zerrissenen Kleidern und setzte sich zu Tisch. Da kam einer der geladenen Gäste, setzte sich neben ihn und sagte: „Wollt Ihr nicht gefälligst etwas weiterrücken, Freund?" Dann kam ein zweiter: „Rückt doch nur gefälligst ein bißchen weiter!" Dann kam ein dritter und ein vierter, bis der arme Mann am Ende schon ganz bei der Türe saß. Schließlich kam einer der Diener herbei, packte ihn beim Kragen und warf ihn einfach zur Tür hinaus. Bald darauf trat ein schöner, hochgewachsener Mann herein, in Prächtigen! Seidentalar, eine Zobelmütze auf dem Haupte, in der Hand

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