Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 7 (1928-1929)
- Issue
- 8 (4.1929)
- Date
- 1929-04-01
- Page
- Seite 268 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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Ein letztes Bild aus der geschichtlichen Abteilung: Das Grabmal des in der Schlacht bei Groß-Görschen am 2. Mai 1813 tödlich verwundeten Meyer Hilsbach, der der erste jüdische Leutnant in der preußischen Armee gewesen ist. In der jüdisch-theologischen Gruppe sehen wir u. a. Bilder von Salomo Abraham Tiktin und Abraham Geiger friedlich nebeneinander, die einstmals in Breslau schwere geistige Kämpfe miteinander ausfochten. Unter den Kultgeräten sind bemerkenswert der Silberschatz der heute nicht mehr bestehenden einst blühenden Zülzer Gemeinde, „Mokaum Zaddik" genannt, Ort der Gerechten, weil diese Stadt nie ihre Juden Vertrieb; de>r Almenor ist hier wieder so aufgebaut, wie er einstmals in Zülz gestanden hat. Prachtvolle Kidduschbecher (einen von ihnen zeigen wir im Bilde), herrlicher Thoraschmuck berichten von der Liebe, die man der Ausstattung des Gottesdienstes widmete. Wenn der Museumsgedanke heute fast überall, wo Juden wohnen, festen Fuß faßt, so beweist gerade diese Breslauer Ausstellung seinen doppelten Sinn: uns selbst gibt er Anlaß zu Vertiefung und Einkehr, den Menschen aber, unter denen wir leben, zeigt er, wie wir sind. Dr. Willy Cohn (Breslau). ^ücliscke ^Vok1takft8ptleZe Frankfurt a./V!. I^nZest!-. 30, Nan8a 9548 l^snenlAeltljcne Veratun^88teI1e in allen UnterstützunZsanAeleZ^nneiten Tagung der jüdischen Museumsvereine. Im Anschluß an die von Herrn Direktor Prof. Dr. Hintze mit großem Geschmack und Verstü-nonis zusammengestellte Sonderschau „Das Judentum in der Geschichte Schlesiens" fand am 10. März 1929 in B r e slau eine Tagung der Vertreter jüdischer Museen und Archive aus Deutschland, Polen, Oesterreich und der Tschecho-Slowakei statt, auf der der Unterzeichnete das hiesige Museum jüdischer Altertümer vertrat. Neben der Führung durch die Ausstellung muß besonders der Festvortrag von Herrn Dr. Hallo (Kassel): „Jüdische Handwerker und jüdische K ü nstle r" hervorgehoben werden, der auf einem eng begrenzten (Gebiet (Hessen) greifbare Resultate über diese auch vom Standpunkt der Berufsumschichtung wichtige Frage bekannt gab. Die Arbeitstagung kam nach längeren Debatten über die Einbeziehung der Archive und Bibliotheken schließlich zu dem Ergebnis, eine „A rb e i t s ge m e i n s ch af t f ü r Sa m m l u ng en j ü d ischer Kunst und Altertümer" zu bilden. Zur weiteren Durchführung der Arbeit — Abgrenzung der Sammelgebiete für Bibliotheken'nnd Museen und andere Fragen der Museumsgestal- Lung — wurde ein Ausschuß gebildet, in dem Breslau für ein Jahr den Vorsitz führt, und der durch die Herren Prof. Dr. Bronner-Wien, Dr. Hallo-Kassel, Dr. Karl Schwarz-Berlin unterstützt wird. Ferner wurde beschlossen, der jüdischen Presse regelmäßig Nachrichten über die Tätigkeit der neuen Interessengemeinschaft zuzuführen, eine Arbeit, mit der Herr Studienrat Dr. Cohn- Breslau betraut wurde. Größere wissenschaftliche Arbeiten sollen dem Notizblatt der Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler zugeführt werden, an dessen weiteren Ausbau man denkt. Die nächste Tagung soll 1930 in Berlin stattfinden, für 1931 ist Mainz in Aussicht genommen./ Der Ort der letzten Tagung wird jeweils den Vorsitz im Ausschuß führen. Im Anschluß an die Tagung sind Exkursionen zum Studium alter Judensiedlungen geplant, für die Herr Prof. Dr. Majer Balaban Polen, Herr Sandor Wolf Eisen st a d t vorschlugen. Die besonders in der Kultabteilung sehr reichhaltige Ausstellung, die sich eines außerordentlich regen Besuchs erfreut, hat gezeigt, daß durch die Opferwilligkeit einiger ungenannter Spender auch in einer durch soziale Lasten so überaus angespannten Gemeinde wie Breslau, eine große Leistung zustande kommen kann. Frankfurt, das in der Museunisidee führend und vorbildlich war, und das in der großen historischen Ausstellung 1926 und in einer Kultausstellung 1927, sowie in einer jüdischen Abteilung auf der Ausstellung „Aus^Altfrankfurter Bürgerhäusern" 1928 schon, wenn auch ohne große Mittel, beispielgebend gewirkt hat, ist jetzt beträchtlich in den Hintergrund getreten. Es wäre an der Zeit, Frankfurt wiederum an die Spitze der Musealen und Ausstellungstätigkeit zu rücken und hier etwa nach dem Vorbild der großen englisch-jüdischen Ausstellung von 1887 eine Spitzenleistung innerhalb des deutschen Judentums zu vollbringen. Erich' Toeplitz. Deutscher Keren Hajessod (Jüdisches Palästinawerk) E. V. Am 10. März fand zu Berlin die Landesversan.iUlluug :.nter Vorsitz des Präsidenten des Deutschen Keren Hajessod. Direktor Oscar Wassermann von der Deutschen Bank, statt. Der Saal war dicht gefüllt, aus allen Teilen Deutschlands waren Mitglieder des Keren Hajessod nach Berlin geeilt, um an der Veranstaltung teilzunehmen. Herr Direktor Wassermann gab zu Pnnkt 1 der Tagesordnung: „Tätigkeitsbericht des Präsidiums" ein kurzes Resumö des im Druck vorliegenden Berichtes. Tie Aussprache über den Bericht wurde vertagt, nachdem Herr Justizrat Marx heimer ((Wiesbaden) im Namen der Versammlung dem Präsidium, insbesondere seinem Vorsitzenden, Herrn Direktor Oscar Wassermann, den wärmsten Dank für die vorbildliche nnd hingebungsvolle Arbeit ansgesprochen hatte, die Herr Direktor Wassermann seit nunmehr sieben Jahren innerhalb des deutschen Judentums leistet, um dem Palästina-Gedanken immer neue Freunde zu gewinnen, sodann hielt Herr Felix R o s e n b l ü t h, Mitglied der Zionistischen Exekutive, der die Grüße und Wünsche der obersten zionistischen Leitung überbrachte, ein großangelegtes Referat über die Lage des jüdischen Kolonisationswerkes in Palästina, das die Entwicklung des Kolonisationswerkes während der letzten Jahre aufzeigte und mit einem Ausblick auf die weitere Gestaltung der wirtschaftlichen und kolonisatorischen Verhältnisse in Palästina schloß. Das Referat wird iu seinen Hauptzügen noch veröffentlicht werden. Der 3. Punkt der Tagesordnung: „Die Frage der Erweiterung der Jewish Agcuch in Deutschland" wurde wiederum durch Herrn Wassermann mit einem kurzen Referat eingeleitet, in welchem er die Entwicklung der Jewish-Agency-Frage und das zwischen der Zionistischen Organisation und der amerikanischen Judenheit in der New Yorker Konferenz vom 20. Oktober 1928 v. Js. geschlojsene Abkommen behandelte. Herr Wassermann legte namens des Präsidiums eine Resolution vor, die der Erwartung Ausdruck gibt, daß es nach dem Vorbild Amerikas gelingen möge, auch der deutschen Judenheit eine geeignete Vertretung in der Ägench zu sichern. Die Resolution wurde mit überwältigender Majorität angenommen. Die Landesversammlung wählte aus Grund der Vorschläge des Präsidiums ein Zentralkomitee, bestehend aus 51 Mitgliedern. Das aus 17 Mitgliedern bestehende Präsidiuni wurde in der bisherigen Zusammensetzung wiedergewählt. Einstein-Ehrung. Professor Albert Einstein feierte am 14. März seinen 50. Geburtstag. Wir wollen dieses wichtige Ereignis nicht Vorbeigehen lassen, ohne Albert Einstein, diesen großen Gelehrten und ausgezeichneten Menschen, der aktiv im jüdischen Leben steht, iu angemessener Weise zu ehren. Eine Ehrung, die Einstein zugleich erfreut und seinen Bestrebungen entspricht, ist die Pflanz nng einesWaldes in Palästina, der nach ihm benannt werden soll. Die Stiftung soll nicht einem Sonderinstitut dienen, sondern der Gesamtheit des jüdischen Palästina-Werkes. Ein Einstein-Wald in Palästina, ein Lebendiges Denkmal, das für ewige Zeiten seinen Ruhm und unsere Verehrung kündet, aber auch ein Werk jüdischer Schöpferkraft, Arbeit und Kultur fortführen soll — wir deutschen Juden, stolz darauf, Einstein zn den Unseren zu zählen,! begrüßen freudig die Gelegenheit, ihm in dieser schönsten und würdigsten Form unsere Glückwünsche darbringen zu können. Die Pflanzung eines Banmes erfordert sechs Mark. Der Einstein-Wald soll 10 000 Bäume umfassen. Ueberweisnngen auf das Sonder-Konto „Einstein-Wald" der Darmstädter und Natio- I nalbank Berlin. Dep.-Kasse Kurfnrstendamm 52, Postscheckkonto Nr. 8868. Zuschriften an Prof. I. Elbogen. Berlin N 24, Arulleriestraße 11. Das Ehrenkomitee. Deutsches Komitee Pro Palästina.! Die diesjährige Mitgliederversammlung des Deutschen "Komitees Pro Palastina znr Förderung der jüdischen Palästinasiedlung fand am 2/. Februar in Berlin statt. Graf Bernstor ff eröffnete die Versammlung, begrüßte besonders die auswärtigen Mitglieder des Komitees und sprach namens der Versammlung der zurzeit krankheitshalber in Aegypten weilenden Schriftführerin Frau von Kardorff-Oheimb die besten Wünsche für baldige Genesung aus. Im Rechenschaftsbericht des" Präsidiums wird die Politische und wirtschaftliche Entwicklung in Palästina behandelt und darauf hingewiesen, daß nach einer Wirt-