Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 7 (1928-1929)
- Issue
- 8 (4.1929)
- Date
- 1929-04-01
- Page
- Seite 267 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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Frau Johanna Meyer, Frl. Dr. Berent, Dr. Ollendorff u. a. sich beteiligten. Ueber den Inhalt der Konferenz wird in einem Sonderdruck der Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege, der der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden wird, ausführlich berichtet werden. Die Konferenz faßte einstimmig die folgende Resolution: H. ) Die vom bevölkerungspolitischen Ausschuß des Preußischen Landesverbandes einberufene Konferenz über jüdische Bevölkerunqspolitik vom 24. Februar 1929 in Berlin erkennt einmütig die Notwendigkeit, aber auch die Möglichkeit einer einheitlichen, starken, zielbewußten, umfassenden jüdischen Bevölkerungspolitik zur Erhaltung von Kraft und Zahl der Judenheit an. L) Die Konferenz bejaht die Notwendigkeit des Zusammenwirkens aller im Judentum lebendigen religiösen, ethischen und wirtschaftlichen Ideen und Kräfte zu diesem Ziele und ruft alle im öffentlichen Leben stehenden Männer und Frauen, vor allem die Rabbiner, die Lehrer, die Aerzte, die Gemeindevorstände und besonders auch die jüdische Jugend zu gemeinsamer Arbeit auf. (?) Die Konferenz erkennt als ihre grundlegende Ueberzeugung an, daß — insbesondere in einer Zeit schwerer wirtschaftlicher Not — von einer Gemeinschaft die gebieterische Forderung auf ihre eigene Erhaltung durch Geburtenvermehrung nur dann gestellt werden darf und kann, wenn diese Gemeinschaft bereit ist, ihr Letztes an die wirtschaftliche Hilfe und Sicherstellung der Geborenen zu setzen. O) Deshalb richtet die Konferenz ihren besonderen starken und eindringlichen Aufruf an die jüdischen Gemeinden, in viel höherem Umfange als bisher aktive und Produktive Bevölkerungspolitik im Sinne einer gehobenen Sozialvolitik zu treiben aus allen Gebieten des jüdischen Lebens, besonders aber: I. in einer weitgehenden Wohnungs- und Siedlungspolitik; 2. in der Arbeits- und Berufsfürsorge; 3. in ihrer eigenen Gehalts- und Beamtenpolitik im Sinne einer Bevorzugung der kinderreichen Familien;— 4. in der Verstärkung und Zusammenfassung der jüdischen Mütter-, .Kinder-, Jugendschutz- und Jugendpflegebestrebungen und derjenigen der Gesundheitsfürsorge, der hauswirtschaftlichen Ausbildung und körperlichen Kräftigung; 5. in der Einrichtung von Jugend- und Eheberatungsstellen sowie in der Forderung aller Maßnahmen, «die zur Schließung jüdischer Ehen dienen; 6. in jeglicher Förderung der Frühehe; 7. in besonderen Erziehungsbeihilfen besonders für jedes dritte und weitere Kind in Anerkennung der Mutterschaftsleistung als solcher; 8. in Anerkennung jeder Mutterschaftsleistung der Frau durch unbedingte rechtliche Gleichstellung des unehelichen mit dem ehelichen Kinde; 9. in der Begründung von Jugend- und Gemeindeheimen; 10. in der vollen Nutzbarmachung der allgemeinen öffentlichen Leistungen der Versicherungsträger und Fürsorgeverbände auf diesem Gebiet und in ihrer Ergänzung aus eigenen Mitteln in allen Fällen, in denen die genannten Stellen nicht ausreichen; 11. die vorstehend aufgeführten Maßnahmen sollen allen Juden, gleichviel ob eingesessene oder zugewanderte, gleichmäßig zugute kommen. Die Konferenz erwartet, daß diese Fragen auch zum Gegenstand eingehender Beratung in der Konferenzgemeinschaft der Großgemeinden, in den Landesverbänden und der Reichsarbeitsgemeinschast und in den Verbänden der oben erwähnten Berufe gemacht werden. Sie beauftragt den bevölkerungspolitischen Ausschutz mit der Auswertung der Konferenzergebnisse und besonders mit der alsbaldigen Aufstellung eines bevölkerungspolitischen Gemeindeprogramms. k') Die Konferenz richtet zum Schluß einen Aufruf an die jüdische Gesamtheit zu einmütiger Mitarbeit in der Mischen Bevölkerungspolitik. Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums. Mittwoch, >den 20. März, fand in Berlin die gutbesuchte Hauptversammlung der Gesellschaft statt. Der Vorsitzende, Professor Dr. M. Sobernheim, begrüßte zunächst die Erschienenen und gedachte in warmen Worten des vor einigen Monaten verstorbenen Sanitätsrats Dr. Bradt, der durch seine Tätigkeit als Schriftführer des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums sich unvergängliche Verdienste erworben und häufig auch mit der Gesellschaft gemeinsame Arbeit geleistet hat. Dann wurde der Geschäftsbericht erstattet, aus dem sich ergibt daß das Geschäftsjahr 1928, wenn auch finanziell ungünstig, so doch in der wissenschaftlichen Tätigkeit sehr erfolgreich abgeschlossen hat. Der Mitgliederstand ist mit 1600 ziffernmäßig der gleiche geblieben, 122 Mitglieder find ausgeschieden und ebensoviele neu eingetreten. Der Kassenabschluß ergibt eine Verminderung des Barbestandes um 8600 Mark, die dadurch entstanden ist, daß die Einnahmen an Jahresbeiträgen um 2500 Mark geringer waren als im Jabre 1927, während die Herstellungskosten der Monatsschrift durch die allgemeine Preissteigerung ganz erheblich gestiegen sind, und ferner ein Zuschuß für die Gesamtausgabe der Werke Moses Mendelssohns, der für das Jahr 1923 nicht mehr vorgesehen war, in Höhe von 6500 Mark geleistet werden mutzte. Außerordentliche Zuwendungen in nennenswerter Höhe sind der Gesellschaft im Berichtsjahre nicht zugegangen. Die Beträge aus dem Verkauf von Büchern sind nicht zufriedenstellend; wie der gesamte deutsche Buchhandel, hat auch der Verleger der Gesellschaft unter der Vernachlässigung des Buches schwer zu leiden. Trotz der ungünstigen Finanzlage war die Gesellschaft bestrebt, die Reche der Publikationen auf der Höhe "zu halten. Die Monatsschrift wurde den Mitgliedern im Berichtsjahre sogar in dem wesentlich erweiterten Umfange von 40 Bogen geliefert. Denjenigen Mitgliedern, welche die Zuwendung der Monatsschrift nicht wünschten, wurde das Buch von B. Rosenthal: „Heimatgeschichte der badischen Juden" geliefert. Neben einer Anzahl kleinerer Schriften wurden die wissenschaftlich überaus wertvollen Bücher von M. Freudenthal: ,Leipziger Meßgäste. Die Jüdischen Besuche der Leipziger Messen in den Jahren 1675—1764" und I. Obermeher: „Die Landschaft Babylonien im Zeitalter des Talmud und des Gaonats. Geographie und Geschichte nach talmudischen, arabischen und anderen Quellen", sowie die zweite Auflage des weltberühmten Werkes von Hermann Cohen: „Religion der Vernunft aus den Quellen des Judentums", das erst jetzt nach der sehr sorgsamen Durchsicht des Textes das Original des Verfassers wiedergibt, herausgegeben. Ferner wurden im Jahre 1928 vier Lieferungen der Mechilta d'Rabbi Jsmael ausgegeben. Die fünfte Lieferung ist im Februar 1929 erschienen, der Rest ist bis auf zwei Bogen ausgedruckt. Für das neue Jahr ist eine neue Auflage von Martin Philippson: „Neueste Geschichte des jüdischen Volkes", Band 2, bereits in den Druck gegeben. Der zweite Halbband der Osimania ^uäaiea. wird bald folgen. Angekündigt ist das Manuskript des Werkes von Geheimrat Professor Dr. Pick „Jüdische Münzkunde" sowie des Sifre Deuteronomium von Herrn Dozent Dr. Finkelstein in New Jork. Auch das Gesamtregister zur Monatsschrift ist in Bearbeitung. Die Mitglieder erhielten nicht nur alle Veröffentlichungen der Gesellschaft mit erheblicher Preisermäßigung, sondern daneben auch Rabatt auf eine Reihe anderer Schriften. Dem Borstand und dem Schatzmeister der Gesellschaft wurde Entlastung erteilt. Der Ausschuß wurde wiedergewählt. Neugewählt wurden die Herren Bankier Alfred Jaulus-Berlin und Or. msä. Aron Sandler-Berlin. — Im Anschluß an die geschäftlichen Verhandlungen hielt Herr Professor Dr. Gotthold Weil einen sehr anregenden Vortrag über seine „Re i s ee i nd r ü cke aus dem Vorderen Orient", wobei er besonders von der jüdischen Bevölkerung sprach. ^üäi5cke VVokILakrtsptleZe Frankfurt a. N. ^dteilunZ IV: ^Vari^erkürsorAe l^nterkuntt unä Verpflegung 6er vurcknanäerer, Auslade von kanrkarten,?ro6uktive ^rdeitsküi-sorge Das Judentum in der Geschichte Schlesiens. Ausstellung des Vereins „Jüdisches Museum" in Breslau. Der Verein Jüdisches Museum zu Breslau, der vor allem durch die unermüdliche Arbeit seines Vorsitzenden Max Silberberg in wenigen Monaten zu außerordentlichen Leistungen emporwuchs, fand in dem Breslauer Museumsdirektor Professor Dr. Erwin Hintze einen verständnisvollen Kenner und musealen Berater. Die feierliche Eröffnung der Ausstellung am 3. Februar 1929 wurde nach begrüßenden Worten durch eine tiefangelegte Rede des Dozenten am jüdisch-theologischen Seminar Dr. Heinemann eingeleitet. Sodann nahm Professor Hintze das Wort, um in die Ausstellung selbst im Einzelnen einzuführen. Von den ausgestellten Gegenständen seien hervorgehoben: der Gipsabguß eines Grabsteines vom Jahre 1203, das Bild der Salvatorkirche in Oels, die 1530 noch Synagoge war, dann Zeughaus und Ende des 17. Jahrhunderts Kirche wurde. In ihrem Anbau befand sich wahrscheinlich die berühmte Druckerei des Chajim Schwarz aus Prag. Von seinem berühmten Oelser Pentateuch sind nur zwei Exemplare vorhanden, von denen Photographien zu sehen sind.