Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 7 (1928-1929)
- Issue
- 8 (4.1929)
- Date
- 1929-04-01
- Page
- Seite 247 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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247 Einnahme Haushaltsplan der Israelitischen Gemeinde für 1929/30 «ach den Beschlüssen des Gemeindevorstands. Gesamt- Uebersi ch"t Ausgabe Titel Voranschlag 1929 Voranschlag 19^8 Ergebnis 1927 Titel Voranschlag 1929 Voranschlag 1923 Ergebnis 1927 Kap. I Allgemeine Verwaltung .... 30.255.— 32.180.- 28.369.13 Kap.I Allgemeine Ver--^ waliung . . . '. 46.511.50 52.291. - 41.783.97 Kap. II Besoldungen . . . 18.056.- 15.000.— 13.812.— Kap. II Besoldungen. . . 620.739.70 601.629.— 562.757.88 Kap. III Synagogen- und Filialgottesdienfte 91.635.— 94.101.- 93.993- Kap.III Synagogen- und Filialgottesdienfte 40.777.90 38.445.- 36.370.- Kap. IV Unterrichtswesen . 1.— 1.- — Kap. IV Unterrichtswesen . 399.817.— 360.264.— 344.119.14 Kap. V Rituelle Betriebe. 26.000.— 24.900.— 29.142.87 Kap.V Rituelle Betriebe. 10.471.50 10.790 — 11.330.15 Kap. VI Krankenhaus . . — — — Kap. VI Krankenhaus . . 56.550.— 80.615.- 95.004.82 Kap. VII Friedhofsamt . . 92.500.- 122.770.— 112.675.23 Kap.VII Friedhofsamt . . 67.096.— 52.661 — 47.994.36 Kap. VIII Grundstücksverwaltung . . . 57.690.88 51.986.— 58.029.10 Kap. VIII GrundstüSsverwalrung 73.984.— 69.275.- 82.955.64 Kap. IX Subventionen . . — - — — Kap. IX Subventionen . . 362.775.- 304.310.— 229.449.91 Kap. X Schulden und Zinsendienst . . . 42.512.50 44.562.— 80.496.18 Kap.X Schulden und Zinsendienst . . . 139.125.— 75.925.— 87.353.62 Kap.. XI Verschiedenes . . 18.501.- 20.001.— 26.679.70 Kap. XI Verschiedenes . . 20.600.- 28.440 — 27.349.56 Kap. XII Unvorhergesehenes 75.- 100.- 730.- Kap.XIl Unvorhergesehenes 30.000.— 90.000.— 19.390.46 Kap. XIII Kultussteuer. . . 1.454.771.22 1.420.000.— 1.613.637.72 Kap.XIIIKultussteuer. . . 100.000.— 78.320.— 88.408.14 Kap! XIV Etatausgleich . . 136.450.— 17.364.- 14.231.93 Kap.XIVEtatausgleich . . — — 397.578.71 Gesamtsumme 1.968.447.60 1.842.965.— 2.071.846.86 Gesamtsumme 1.968.447.60 1.842.965.- 2.071.846.86 Siegmund Freud von Dr. med. Karl Landauer. „Aus Freud spricht der jüdische zersetzende Geist, der vor den heiligsten Gütern der Menschheit — Familie, Religion, Staat — keine Achtung hat", so etwa lesen wir in den Blättern der Rechten, wenn sie einmal gezwungen sind, von Freud Notiz zu nehmen. „Ausdruck der nur mit ihren kleinen individuellen Sorgen beschäftigten jüdischen Bourgeoisie", das etwa war der Gedankengang in einem Aufsatz des kommunistischen Präsidentschaftskandidaten. „Für einen Germanen ist es unmöglich, mit den Juden auf die Dauer zusammenzuarbeiten", so äußerte sich ein bekannter Gelehrter, der eine Zeitlang einige Ideen Freuds vertreten hatte. So wird dem naiven deutschen Leser Freud graulich gemacht. Der Jude aber wird mit Schmerzen feststellen, daß bei der Würdigung oder besser Entwürdigung eines Forschers immer wieder auf sein Judentum hingewiesen wird, obwohl doch Rassen- oder Religionsangehörigkeit nichts mit wissenschaftlichen, am allerwenigsten mit naturwissenschaftlichen Erkenntnissen zu tun hat. Wir aber, geschult an den Gedankengängen Freuds, werden uns fragen, ob diese ständige Nennung des Judentums bei Freud nicht durchaus in Freuds Schaffen begründet ist; vielleicht ist Freud eben nur deshalb Freud, weil er der Jude Freud ist. Freud entstammt dem bekannten jüdischen liberalen Bürgertum, das gerade im Wien (Freud ist zwar s135H zu Freiberg in Mähren geboren, kam aber schon mit 4 Jahren nach Wien) des vorigen Jahrhunderts durch den Versuch der Aufgabe seines „Judentums" charakterisiert ist. Judentum hatte in diesem Kreise keinerlei positive Bedeutung, weder bezeichnete es die Zugehörigkeit zu einer Religion, gewiß nicht zu einer Nation, noch überhaupt zu einer sinnvollen Gemeinschaft. Es war eben eine traurige äußerliche Tatsache/ einzig ^aus zwecklos gewordenen geschichtlichen Gegebenheiten verständlich: man war ausgeschlossen vom Kreise der „Weltbürger", dem man sich doch zugehörig fühlte, und der höchstens die widerwillig duldete, die sehr reich waren, und ebenso von der akademischen Welt, mit der man an der Wissenschaft, der vernunftmäßigen Erkenntnis schaffen wollte. Deren Abweisung war besonders hart, drängte doch gerade alles diese Menschen zur reinen Wissenschaft. Sonderten sie sich doch ab von jenen Leuten, die, aus niederen Zivilisationskreisen stammend, nur dem Gelderwerb lebten und veraltetem Aberglauben (so empfand man jeden Glauben und jede Zeremonie) anhingen. In dieser nicht nur seelischen, sondern vor allem auch gesellschaftlich-materiellen Vereinsamung gab es zwei Haltepunkte: der eine war die Arbeit, geleistet im reinen Menschendienste der „Aufklärung", der andere der kleine Bezirk der Familie. In dem ersten Kreise, namentlich soweit er sich von außen verfolgen läßt, hat Freud reichlich Gelegenheit gehabt, immer wieder zu erfahren, daß er Jude ist: es zog ihn zur Geisteswissenschaft (Kunstgeschichte, Archäologie). Aber die Notwendigkeit, sich einen Lebensunterhalt zu erwerben, bei der Unmöglichkeit, als Jude hier voranzukommen, drängte ihn in ein Praktisches Fach, die Medizin. Noch einmal sucht, er auszukneifen: er arbeitet pharmakologisch. Doch ehe die Untersuchungen zu Ende geführt werden können, muß er in die Klinik. (Wenige Monate und er wäre der Entdecker der lokalen Betäubung, einer der größten Errungenschaften der neueren Chirurgie, geworden; kaum etwas hat ihn so geschmerzt wie diese äußere Notwendigkeit.) Wenige Jahre vergehen: er ist Dozent, Oberarzt der Klinik, weltbekannt als Verfasser von mustergültigen Beschreibungen der durch Gehirnschädigung bedingten Sprachstörungen, der Kinderlähmung u. a. m. Aber, dem Juden ist die akademische Laufbahn aussichtslos. Er muß in die Praxis, zumal da er — hier greift der zweite Impuls seines Lebens ein — seit Jahren verlobt, eine Familie gründen will. Seine Frau entstammt einer Familie, die bedeutende jüdische Schriftgelehrte hervorgebracht hat, und durchaus ortho-