Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 7 (1928-1929)
- Issue
- 8 (4.1929)
- Date
- 1929-04-01
- Page
- Seite 246 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Zum Anfangender zehn Sinaiworte,. die^-gestern in^ unseren Synagogen verlesen wurden, bemerkt der Midrasch: „Die Stimme Gottes wurde von jedem anders vernommen, von den Jungen anders als von den Alten, von den Kleinen anders als von den Großen, von jedem nach dem Maße seiner Kraft, nach der Besonderheit seiner Persönlichkeit." Damit aber stehen wir bereits vor der andern Seite unsres Problems: vor der gottgewollten und darum berechtigten Verschiedenheit der Menschen und ihrer Ueberzeugungen. Und wir "dürfen das Problem Wohl in dem Sinne lösen, daß wir als den göttlichen Willen für die Menschen Luchert, aber, nicht Einerleiheit erkennen. Es gibt im Reiche des Geistes keine Alleinherrschaft. Wer die andern zu seiner Meinung glaubt zwingen zu müssen, der hat nicht, dem Frieden, sondern der Zwietracht gediem. ,.Es -gibt drei Arten von Frieden", sagen unsere Weisen. „Es gibt einen Frieden, der gleicht einem Gefäß, das ins Feuer gesetzt ist — Glut von allen Seiten: das ist kein rechter Frieden. Es gibt einen Frieden^ der^ gleicht dem Flug des Vogels — die sich-streiten, fliehen, dahin:^ das ist kein .rechter,. Frieden. Es gibt aber auch^ einen Frieden, der dem Strome gleicht,, von. dem geschrieben steht: ,Siehe ich lenke dir -den Frieden zu Me. einen. Strom' — an dessen beiden Ufern die Menschen in Segen zusammenwohnen: das ist der rechte Frieden." Nicht durch Glut von beiden Seiten die Leidenschaften entbrennen lassen, nichts durch Auseinanderstreben, durch Abschließung sich entfremden, — das Recht, auf eigne Ueberzeugung für -die andern gelten lassen, wie man es für sich selbst beansprucht,— ist das nicht Schicksal und historische Aufgabe gerade der Juden? Hat nicht der Prophet Micha schon vor zweiundeinhalb Jahrtausenden gesprochen: „Mögen alle Völker wandeln, jedes im Namen seines Gottes, wir wollen wandeln im Namen des Ewigen, unseres Gottes für alle Zeiten?" In der Selbstbehauptung eignen Glaubens, eigner Ueberzeugung liegt das, was wir sittlichen Charakter, sittliche Persönlichkeit nennen. Frei und vornehm, ungebrochen und darum glücklich ist nur, wer sich selber treu bleibt. Wer nicht in seiner Art bleibt, verfällt der Entartung. Wie wir Juden innerhalb der Völker im. Namen der Gerechtigkeit, im Namen der Sittlichkeit, die Anerkennung unserer Eigenart fordern, so müßten w i r es vor allem ^gelernt haben, innerhalb unseres eigenen engeren Kreises das zu üben> was wir von den andern begehren; gekernt haben, einander mit all dex Mannigfaltigkeit unserer Ueb.erzeugungen, in Brüderlichkeit und Liebe^. zu ertragen. In diesem Gott und Menschen wohlgefälligen Verhalten werden wir das große, tiefe Wort des Talmuds erfüllen helfen: „So oft Israel den Willen seines Schöpfers erfüllt, hilft es, das Reich Gottes aus Erden zu mehren." ß Möge dieses Wort Wegzeiger und LeMern> unserer. Verhandlungen sein! Der neue Gemeinde-Etat. In der Sitzung, der Gemeindevertretung. Pom 21. Mc;rz wurde,, der Etat für 1929/30 vom..Borstand vorgelegt, woh»ei^ der. Vor-.^ sitzende des;Vorstandes, Herr I ustizrat Dr.-BIq u, die nach-!, stehende Ansprache hielt: Meine Damen und, Herren, im. - Namen desGeme^ndevor-- stands beehre ich mich, Ihnen den HauMaKsvIan d^r für das Rechnungsjahr 1929/30 vorzulegen.. Der Haushaltsplan schließt auf beiden Seiten im Ordinarium mit Rm. 1963 447.60, im. Extraordinarium mit Rm. 729 601 — ab. Aus den Ihnen vorgelegten Unterlagen werden Sie bereits ersehen haben, daß der ordentliche Haushaltsplan einen zunächst ungedeckten Fehlbetrag, von Rm.- 136450;— aufweist, und daß. auck> die Erfordernisse? des? ExtraoMnariums^ in - - der. Hauptsache nur . im Kreditweg... zu decken sind.''.. Auswiesen, beiden Tatsachen ergibt sich,;, baß^di« .-Finanzlage<.de-r«GeMKwdH.,. nach einer Reihe verhDnismäßig^günstig verlaufenem Jahre im bevorstehenden Rechnungsjahr als stark angespannt bezeichnet werden muß. Dies -liegt nicht etwa daran, daß für das neue Jahr besonders erhebliche neue Lasten übernommen werden sollen, im Gegenteil: die Durchsicht des Etats wird Ihnen zeigen, daß auf der einen Seite nur die unbedingt erforderlichen Ausgaben, von denen der weitaus überwiegende Teil auf rechtlichen Verpflichtungen beruht, vorgesehen sind, und daß auf der anderen Seite eine große Reihe von Kürzungen gegenüber dem Etat der Vorjahre vorgenommen wurden, wie auch neue Bewilligungen nicht ausgesprochen worden sind. Ebenso konnte auf der Einnahmeseite die in den Vorjahren begonnene Herabsetzung gewisser Einnahmeposten, insbesondere der SynagogenMtzmieten und anderer Gebührentarife zunächst nicht fortgesetzt werden. Es ist kein Zweifel, daß der Etat sich in einem etwas günstigeren Licht präsentieren würde, wenn nicht in den Vorjahren die Kultussteuer in starkem Ausmaß und verhältnismäßig raschem TemP.y. bis auf. 11 Prozent der Reichseinkommensteuer gesenkt worden wäre. Es sind Zweifel darüber geäußert worden, ob diese Politik richtig war, aber) der.^Vorstand hält auch heute noch an der Erwägung fest, daß in jedem Jahr nur soviel Steuern erhoben werden dürfen, als zur Deckung des Jahresbedarfs unbedingt erforderlich sind, und diese Voraussetzung, traf für den vor-, jährigen Steuerbcschluß in vollem Umfang zu. Dieser Erwägung würde es allerdings entsprechen^ daß wirauch n i ch-t weniger Steuern erheben, als zur Deckung unseres ordentlichen Finanz? bedarfs nötig ist. Dies würde heißen, daß wir im kommenden Jahr den Zuschlagssatz auf mindestens 12 Prozent erhöhen müßten, Trotz schwerster Bedenken hat der Vorstand sich ^zu dieser an,-sich rechnerisch gebotenen Maßnahme nicht entschließen können, denn es erschien ihm nicht angezeigt, in einer Zeit wirtschaftlichen Tiefstands die Gemeindemltgtieder über das Maß dessen hinaus zu belasten, was gerade.noch verantwortet werden kann. Immerhin^ gebietet, es die Vorsicht, den Steuersatz von 11 Prozent nicht in einer endgültigen Form zu beschließen, sondern die Möglichkeit, einer Abänderung vorzuWalten>.wje dies übrigens auch..in,den Vorjahren geschehen ist. Ich versage es mir, auf Einzelheiten des Etats einzugehen, da hierzu bei der Einzelberatung reichlich Gelegenheit sein wird.- Ebenso wie in den Beratungen des Vorstands, werden voraussichtlich auch in der Gemeindevertretung gewisse Fragen im Vordergrund stehen, insbesondere das Anwachsen der Lasten auf dem Gebiet des S ch ulwe sens - und der Wohlfahrts- Pflege. Nach /der ersteren Richtung ist der Vorstand entschlossen, mit. aller tunlichen Beschleunigung. eine. Neuordnung und damit hoffentlich auch eine Entlastung des Gemeindeetnts herbeizuführen.-. Was ,Äie.^Wo^lsahrtspslege..betrifft, so. zeigt..die -Gegenüberstellung der. Vorkriegsziffern undder jetzigen Aufwendung^ - vielleicht-,.-am deutlichsten,- welche Umschichtung sich.< gerade in unseren -Kreiden vollzogen.hat..undM gute-,. jiHMtz MWMtaM^von Giesen.. Verhältnissen getroffen ist. Die. GMeindelasten..aus^ diesem Gebiets haben sich fin einem, noch,, viel < griMren VerhWnisi? als., iMvReM und in .den Kommunen -ge^- steigert. Eine weitere Steigerung.erscheint., jedenfalls.rim -Men?,, w artigen.Zeitpunkt nichtsmöglsch... Gerade.deshalb mußauch Hon dieser Stelle.- auH«,M.--.alle.;KveM Hex.. G^meWhe a^pellz.ert.. werben, baK.,sie,. sich<FtetKs<deS. Mey.MischeH.Gebgts... jder,. M i t v er.antw o. r t ung .s ü r d i e .Ge s,a m t heit erinnern, daß, sie,, insbesondere die,, ..Einrichtungen . der. offenen und,-: geschlossenen. Wohl?., fahWpflege., und^di^naK^UMMindSngj jgroßG. SchwiexigWM^ nen^ins.Leben „MMene.^Zentralstelle. der. jüdischen Wohlfahrtspflege., nach ^KMten-/fö'rder,n mnd. unterstützen. JKgmöchte-Mesk, Ausführungen-? nicht schließen.,^^ ohne< der?' SeMMM? FinaWkymmissioN und ihrem.. Generalberichtßrstatt'er,- ebeN'o^.auch^den.^Begmten: -deK. Demeind?bWos^ für^die^^mus-.: etWeheM^vMnid,^nftr^ngeWe'zBarbereitung>des^ Etats?jden?Dank^- deH,MoMtMds«auszusj>rechezN.^. JhM^.BMßtunMy««akep,>?geOrte?? Damen und Herren, wHMHe^ichg^en?be^y-^E?fsjH..j