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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1929-04-01 · 8 (4.1929) · page 1

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
7 (1928-1929)
Issue
8 (4.1929)
Date
1929-04-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Die Gemcindemitglicder erhalten das Blatt unentgeltlich. Bezugspreis für NichtMitglieder 40 Pfg. für die Nummer. Zustellung durch die Post. Schriftleitung und Verwaltung! Fahrgaste ^46 West Oemeissde SemtkffsWt a. Maw LSmillshSV KuZeisev dSG GsmeindsvSVwalistns 7. Zahrg. Frankfurt a. M., April 1929 Nr. 8 Anzeigenpreis für die 6-gespaltene Nonpareillezeile 40 Pfg., im Text und auf der letzten Seite 60 Pfg. Bei Wiederholungen Rabatt. Anzeigenverwaltung: Gemeindehau« Fahrgasse 14b, Erdgeschoß. Fernsprecher Hansa 1527 und 7085 Die Sckriftleirung übernimmt für den Inhalt des Gemeindeblatte nur die preßgesetzlicve Verantwortung. / Nachdruck nur mit Erlaubnis gestattet. Aus dem Inhalt. Amtliche Anzeigen...................257 Aus der Gemeindevertretung..............259 Seligmann. Rede zur Eröffnung des Verbandstags des Preußischen Landesverbands jüdischer Gemeinden 245—24k Der neue Gemeinde-Etat................246 Haushaltsplan 1929/30 ................. 247 Landauer, Siegmund Freud............. 247—249 Blau, Hat die Psychoanalyse Konsequenzen für die jüdische Religion?.................. 249-252 Bloch, Die Neuorganisation der offenen jüdischen Wohlfahrtspflege .................. 252-254 Holzer. Ueber die Gemeinde, Wesen und Aufgabe . . 254 Katz, Entstehen und Bergehen einer jüdischen Landgemeinde ................... 254—256 Aus den Gemeinden............... . 261—262 Anstalten und Bereine, Bersammlungskalende? .... 263—270 Gottesdienstlicher Anzeiger...............273 Persönliche Nachrichten.................270 Veränderungen im Personenstand............271 Statistische Ubersicht Februar 1929 ............ 272 Rede zur Eröffnung des Verbandstags des Preußischen Landesverbandes, am Z.Februar 1929 von Rabbiner Dr. Seligmann (Frankfurt a M.) Meine geehrten Damen und Herren! Indem es diese repräsentative Versammlunng zu ihrem ungeschriebenen Gesetz gemacht hat, durch das Wort des Rabbiners die Versammlung zu eröffnen, bekundet sie, daß sie gewillt ist, sich unter die Fittiche der Gottheit zu stellen, unter das göttliche Ethos, dessen Verkünder eben der Rabbiner sein soll. Und sie bezeugt, daß sie etwas vom göttlichen Licht und Gottesfrieden hereinzutragen wünscht in ihre Beratungen und Beschlüsse. Das Leben, „das feindliche Leben", wie es der deutsche Dichter genannt hat, ist dauernd geschäftig, die'Menschen in der Behauptung und Verfechtung eigener Interessen und Meinungen als Kämpfer einander gegenüberzustellen und Scheidewände aufzurichten, die die Einzelnen wie die Parteien trennen. Das geschieht im politischen, im wirtschaftlichen, im sozialen und vor allem im großen Völkerleben, wo Sprache, Interessen und Geschichte nicht nur Verschiedenheiten sondern Gegensätze schaffen. Auch hier sitzen wir, als müßte es so sein, auf parteimäßig getrennten Sitzreihen und kommen vielfach mit fertigen Meinungen und Parteimäßigen Bindungen belastet her. Ich stelle die Tatsache als solche fest; aber Religion, Judentum, in deren Namen ich hier zu reden berufen bin, geben mir ein Recht und legen mir die Pflicht auf, diese Tatsache auch zu werten. Zur Beachtung! Das dieser Nummer beigelegte Zirkular der Jüdischen Wohlfahrtspflege wird der Aufmerksamkeit der Leser des Gemeindeblatts besonders empsohlen. Im Preußischen Landesverband Jüdischer Gemeinden schuf sich der Wille zur Vereinheitlichung und Konzentrierung sein geistiges Symbol. Und im Reichsverband, dessen Schöpfung auf der heutigen Tagesordnung steht, soll diese Zentralisierung die Mainlinie überschreiten und die deutschen Juden organisatorisch zu der Einheit zusammenschmelzen, die sie unter dem Namen „Aschkenasim" seit mehr als tausend Jahren sind. Aber nicht nur organisatorisch, sondern, wenn man das undifferenzierte Empfinden des einfachen jüdischen Menschen befragt, auch innerlich, auch seelisch. Alle Probleme, die hier zur Beratung stehen, sind nur Aus-- strahlunngen des einen umfassenden jüdischen Problems. Und sollte der Name Jude, den wir alle gemeinsam tragen, nicht eine magischere Kraft besitzen als die Parteinamen, die nur der Tcen^ nung dienen? In Weltanschauungfragen, sagt man, könne man nicht nachgiebig sein. In Gewissensfragen dürfe mankeine Kompromisse schließen. Aber werden viele Fragen nicht darum nur als Weltanschaungsfragen und Gewissensfragen abgestempelt, um^ eine Rechtfertigung zur starren Parteisucht zu liefern? Wieviel Streit bliebe ungestritten, wie viel Bitterkeit würde den Parteifragen entzogen, wenn die Kämpfer ihr Herz erst vor Gott stellten und ihr Gewissen prüften, ob sie um der Partei willen oder um Gottes willen streiten. Soll der Parteiname uns zum Bruder Hes einen und zum Gegner des andern machen? Soll die Zugehörigkeit zu einer Richtung, Äie im politischen, wirtschaftlichen und sozialen Jnteressenkampf ihre Berechtigung haben mag, auch das jüdische Leben dauernd auseinanderreißen? Als Schicksalsgemeinschaft wie als Religion sind wir Juden nicht nebeneinander oder gar gegeneinander, sondern miteinander zu loben gedrängt. Zum Miteinanderleben in Einheit und Friesen aber bedarf es gerade bei den Nächststehenden, die die meisten Berührungspunkte haben, am meisten des liebevollen Verstehenwollens und einander Ertragens. Was nichts miteinander zu schaffen hat, hat es leicht, sich gut zu vertragen. Fernstenliebe ist leichter als Näch st enlieb e. Nur der aber wird dieser höchsten ethischen Forderung gerecht werden, der es an sich selbst erfahren hat und sich gegenwärtig hält, daß wir unsere Ueberzeugungen nicht unwillkürlich, aus Eigensinn und Laune gewählt haben, sondern daß sie aus den letzten Abgründen unserer Persönlichkeit entspringen, daß sie uns aufgenötigt sind von Gott, der nicht nur die Pflanzen, sondern uuch die Menschen, jeden nach ' seiner Art geschaffen hat; aufgenötigt vom Leben, das unsren Charakter so und nicht anders geprägt hat.

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