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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1929-02-01 · 6 (2.1929) · p. Seite 179

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
7 (1928-1929)
Issue
6 (2.1929)
Date
1929-02-01
Page
Seite 179 (sequence 11)
Language
German
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der soeben vernommene Appell an die Großzügigkeit «der Gemeindevertretung nicht am Platze sei. Diese werde alle Bedürfnisse, soweit eL sich überhaupt um Aufgaben der Gemeinde handle, insbesondere auch Bedürfnisse kultureller Art, befriedigen. Selbst in vorliegendem Falle ««i Erfüllung zuzusagen, wenn der Nachweis erbracht sei, daß der Versuch gemacht werden muß. Dies sei nicht der Fall, im Gegenteil gingen die Wünsche der Beteiligten nach der Errichtung einer großen Synagoge, mindestens aber nach der Schaffung.'eines geordneten großstädtischen Gottesdienstes. Durch die Schaffung eines kleinen Betsaals seien diese Wünsche aber nicht zu befriedigen. Zu fordern sei eine Vorlage über die endgültige Zweckbestimmung der Liegenschaft, die mit einer zeitweisen Abgabe von Räumen nicht inr Widerspruch stehe im Hinblick auf die jährliche Zinsenlast von ca. 16 000.— Mark für das Grundstück. Für ihre Einrichtung als Verwaltungsgebäude seien allerdings gewisse massige Beträge notwendig, keinesfalls die von Herrn Dr. Mayer genannte Summe von 300 000.— Mark. Die Gemeindevertretung habe sich zwar die Zweckbestimmung für das Grundstück vorbehalten, doch folge daraus nicht die dauernde Belegung einzelner Räume für Teilaufgaben. Herr Kaufmann weist auf die Schwierigkeit der Verwendung des bisherigen Gemeindehauses in der-Fahr'gasse hin. So lange diese Frage nicht restlos geklärt sei, bliebe nur die Einrichtung irgend eines Provisoriums in der Liegenschaft Eschersheimer Landstraße übrig, und es sei nicht zu verstehen warum dem Vorstand die beabsichtigte Probe verweigert werden soll. Auch der Jugend könne man in dem vorgeseheneu Rahmen Räume überlassen. Bezüglich des Baues einer Synagoge äußert sich Herr Kaufmann dahin, daß im Norden der Stadt geeignete Plätze zu finden seien,!venn man Zeit genug habe, danach zu suchen. Herr Dr Geiger wendet sich gegen die Ausführungen -des Herrn Kaufmann. Das Projekt sei unfertig und seine Annahme vom Standpunkt eines Mitgliedes der Finanzkommission nichts zu befürworten. Was die Ausführungen des Herrn Dr. Mayer betreffe, so sei zu sagen, daß aus dem Ergebnis des Besuches-eines Betsaals sich noch lange nicht das Bedürfnis für eine Vynagoge feststellen lasse, wenn aber die Bedürfnisfrage zu bejahen sei, .dann müsse schon jetzt darauf hingewiesen werden, daß die Gemeindevertretung sich ausdrücklich geeen den Bau einer Synagoge an dieser Stelle ausgesprochen habe. Hier das Bedürfnis zu prüfen, sei also zwecklos. Jedenfalls aber soll der Vorstand klar zum Ausdruck bringen, ob der Betsaal der Vorläufer einer großen Synagoge sein-soll. '7 - A-uf die eingegangenen Anträge: a) Dr. Geiger: Unter Ablehnuug, der Vorstandsvorlage, den'Gemeindevorstand zu ersuchen, das Haus Eschersheimer Landstraße 60 anderen Zwecken, möglichst denen eines Gemeindehauses zuzuführen und dabei entweder in diesem Hanse oder in dem bisherigen'Gemeindehaus den Jugendorganisationen Räume zur Verfügung zu stellen, evtl.. falls dieser Antrag abgelehnt werden sollte, Verweisung der Vorlage an die Finanzkommission. v) Dr. Hoffmann: Der Vorstand möge freie oder frei werdende Räume der Jugend umgehend unter noch festzulegenden Bedingungen zur Verfügung stellen, bis sie einer endgültigen Bestimmung" zugeführt werden. . 0) G 0 i t e i n : Die Vorlage bis zur Erledigung der von der Israelitischen Religionsschule neuerdings eröffneten Eingemeindungsverhandlungen, jedoch nicht über den 1. April hinaus, zu vertagen, wird beschlossen: Unter.Ablehnung aller übrigen Anträge wird die Vorlage der 'Finanzkommission der Gemeindevertretung zur Vorberatung überwiesen. Die Gemeindevertretung spricht dabei die Erwartung aus, daß den Jugendorganisationen entweder im Hause Eschersheimer Landstraße 63 oder im Gemeindehaus Fahrgasse 146 freie oder? frei werdende Räume zur Verfügung gestellt werden. Es erfolgt Zustimmung zu dem Beschluß des Vorstands, d'ie Beratung des Haushaltsplans für 19 2 9 durch ihre beiden FinanHkommissionen gemeinschaftlich vornehmen zu lassen. An die Zustimmung ist die Maßgabe geknüpft, daß die Gemeindevertretung den Vorsitzenden der gemeinschaftlichen Kommission stellt, und daß es Her, Finanzkommission der Gemeindevertretung vorbehalten bleibt, in einzelnen FÄllen getrennt zu beschließen. > .Hierauf erfolgt die Wohldes Büros durch Akklamation. Es werden gewählt: zum Vorsitzenden Herr Dr. Richard Merzbach, zu stellv. Vorsitzenden: Herren Naftali Fromm und I. L. Goitein, zu Schriftführern: die Herren Albert Cohen, Felix Meyer, Heinrich Gerlich. - Die Zusammensetzung der Kommissionen und Delegationen wird, bis zur nächsten Sitzung vertagt. Eine Eingabe der Ortsgruppe des Jüdischen Frauenbundes wegen Überlassung von Räumen im Anwesen Gervinusstratze an Jugendorganisationen, sowie eine Erklärung des Vorstands in Sachen der Ablehnung eines Zusatzkredits für Zwecke der öffentlichen W.o h l - fahrtspflege wird der Finanzkommission überwiesen. Kenntnis genommen wird von den Zuschriften der Frankfurter Zionistischen, Vereinigung betr. die Zionistische Woche und der Israelitischen Religionsschule betr. Eingemeindung der Religionsschulen und der Synagoge Unterlindau. Hieran schließt sich eine nichtöffentliche. Sitzung., in welcher Personalangelegenheiten behandelt werden. ... 179 Aus den Gemeinden. ^. Deutschland. Berlin. Hier wurde eine Schule der jüdischen Jugend gegründet, die sich zur Aufgabe gemacht hat, die Kenntnis der hcoräischen Sprache und Literatur, der jüdischen Geschich'e und deÄ jüdischen Denkens unter der Jugend zu verbreiten. — Die letzten der an dcr Südseite des Jüdenhofes in der Nachbarschaft des Berliner Stadthauses gelegenen Häuser sind von der Stadt gekauft worden, um größeren Geschäftshäusern Platz zu machen; der Jüdenhof war das Ghetto des mittelalterlichen Berlin. — Ter Borstand der jüdischen Gemeinde hat in seiner Sitzung vom 8. 1. den bisherigen stellvertretenden Borsitzenden des Borstandes, Direktor, G e 0 r g Kareski, zum Borsitzenden des Vorstandes gewählt. Direktor Kareski gehört der jüdischen Bolkspariei an. Der bisherige Vorsitzende^ Kommerzienrat Gerson Simon, wurde zum 2. stellvertretenden Vorsitzenden geuiählt. — Am 13. 1. wnrde die 4. Reichskonferenz des „B e x b a n d e s 0 st j ü d i s ch e r O r g a n 1 - sationen in Deutschland" eröffnet, in der u. a. die Einordnung der in Deutschland lebenden Ostjuden in die Gesamtheit des deutschen Judentums verlangt wurde. — Der Preußische Landtag beschloß in seiner Sitzung vom 22. 1. die Aufhebung der Immunität natlonallozialistischer Abgeordneter, die wegen Aufreizung der Bevölkerung angeklagt sind. — Borkum. In ber letzten Sitzung des Gemeindeausschusses wurde dem Borkumev Bädedirektor, der im Interesse des Seebades bei dem Gemeindeausschuß beantragt hatte, das Spielen des antisemitischen Borkum- Liedes von der Saison 1929 ab zu untersagen, die Stellung zum 1 4. 1929 gekündigt. — Bremen. Unier dem Borsitz des Herrn Max Markreich wurde vom 26. 12. 1928 ein „Vorstehe obund der jüdischen Gemeinden Nordwestdeutschlands" geschaffen. — Breslau. Am 20. Januar feierte der Borsitzende des Gemeindevorstandes, Herr Landesgerichtsdirektor i. R. Geheimer Regierungsrat Leo Goldfeld, Mitglied des engeren Rates des Preußischen Landesverbandes, Mitglied des Ausschusses des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes und Delegierter seiner Gemeinde zur Konferenzgemeinschaft der deutschen Großgemeinden sowie Vorstandsmitglied, mehrerer großer Breslauer und Schlesischer Organisationen, seinen 70. Geburtstag. — Der verantwortliche Redakteur der völkischen. Wochenschrift „Schlesische Volksstimme", Hans Kurth, wurde, wegen öffentlicher Beleidigung des Iudentum s zu zwei > Monaten Gefängnis , uitd wegen Ungebührvor Ge r i ch t zn 15 Mark Geldstrafe oder fünf Tagen Haft verurteilt. — Gegen Landgerichtsrat Gellin, einen getaufte'n Juden, der tn einem öffentlichen Lokal beleidigende Aeußerungen gegen die Juden getan hat.e, wnrde von dem Disziplinarjenat des Kammergerichts in zweiter Instanz dieEnihebung v 0 m A m t ausgesprochen. — Dresden. Am 20. 1. fanden die Wahlen innerhalb der jüdischen Neligionsgemeinde Dresden statt; in den Borstand wurden drei Liberale und zwei Mitglieder der Jüdischen Bolkspartei gewählt. Im Gemeinderat erhielten die Liberalen sieben, die Bolksparteiler sechs und die Volksvereinigung für Jüdische Interessen zwei Sitze. — Frankfurt a. M. Am 14. 1. wurde in Anwesenheit von Vertretern der Negierung zu Wiesbaden, der Stadt Frankfurt a. M., der jüdischen Gemeinde sowie zahlreicher jüdischer und nichtjüdischer Organisationen und Persönlichleiten die Wanderausstellung der Gesellschaft zur Förderung von Handwerk und Landwirtschaft unter den Juden „Ort" eröffnet; sie zeigt Schülerarbeiten aus den Fachschulen des „Ort" und landwirtschaftliche Erzeugnisse aus den von „Ort" betreuten Kolonien. — Hamburg. Herr Dr. Karl Melchior, Mitinhaber des Bankhauses M. M. Warburg, ist zu einem der beiden Stellvertreter der deutschen Sachverständigen sür die bevorstehende Reparationskonferenz ernannt worden. — Köln. Hier wurde von einer Anzahl li'beraler Männer und Frauen die „Gemeinschaft" gegründet, die sich zum Ziel gesetzt hat, die geistigen Werte der jüdischen Religion in einer Weise zu pflegen, die der Denk- und Empfindungsart des modernen Menschen entspricht. — Mannheim. Der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde und Mitglied des badischen Oberrates, Dr. Julius Moses, beging am 20. 1. seinen 60. Geburstag. — München. Am 23. IL. 1928 verstarb im Alter von fast 89 Iahren Herr Ludwig Rosenihal, der Gründer des weltbekannten Antiquariats gleichen Namens. — Schönlanke. Zum Rabbiner der Synagogengemeinde Schönlanke wurde Herr Rabbiner Dr. Elieser Berlinger aus Trier gewählt. — Stettin. In der letzten Sitzung der Repräsentantenversammlung der jüdischen Gemeinde Stettin wurde der Steuersatz auf 12ZHH der Reichseinkommensteuer fest-' gesetzt. — Stuttgart. In der Sitzung desVorsteheramls vom 6. 1. wurde beschlossen^ eine Kultussteuer von 6,5A aus dem dreifackien Vermögensiteuerioll und dem einfachen Einkommenssteuer^ des Kalenderjahres 1927 zu erheben. — Weimar. In der Angelegenheit des früheren Präsidenten der Thüringischen Staatsbank, Walter Loeb aus' Frankfurt a. M., der im Jahre 1924 durch die antisemitischen Treibereien des damaligen deutschnationalen Finanzministers v. Klüchtzner aus der Leitung der Bank verdrängt worden war, hat sich das Land Thüringen nunmehr bereit erklärt, eine einmalige Entschädigung von 35 000 Mark zu zahlen, wogegen Loeb auf die gerichtliche Weiterverfolgung seiner Ansprüche verzichtet hat. — Wiesbaden. Die „Jüdische Wochenzeitung für Wiesbaden und Umgebung" .enthält m ihrer dem Anderen Lessinas

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