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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1929-02-01 · 6 (2.1929) · p. Seite 173

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
7 (1928-1929)
Issue
6 (2.1929)
Date
1929-02-01
Page
Seite 173 (sequence 5)
Language
German
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173 der nicht seltene,» Kombinationen von 4 Klassen in einer Abteilung bedeutet das zusammengerechnet einen Aussall von einem ganzen Vierteljahr! Des weiteren ist zn bemerken, daß die Anfrechterhältung der Disziplin'bei größeren Abteilungen ihre besonderen Schwierigkeiten iu unserem. R.U. hat. Unsere Schülerschaft läßt bei' ibrem lebhasten Temperament häusig die nötige Selbstzucht, besonders bei-lässiger Anstaltsdisziplin vermissen. Die hier der Lehrperson gestellte Aufgabe-ist nicht leicht zu lösen; vor allem weil die Anwendung schärferer Tisziplinarmittel bei der Freiwilligkeit der Teilnahme am Unterricht dazu führen kann, daß die Zöglinge fortbleiben. Es bedarf darum der Anspannung aller Kräfte., eines durchaus hochwertigen Lehrermaterials, um, zumal bei gry.ßen Abteilungen, wirkliche Erfolge und positive Leistungen zu erzielen. Von Aufgaben für die Verbesserung und Ausgestaltung unseres N.U./die im Bericht nicht schon erwähnt sind, nenne ich noch die Einsichtnahme in den Barmizwa-Unterricht, der ini Anfträg'der Gemeinde erteilt wird, und die Einführung des R.U. in den'-hiesigen Berufsschulen. Für die letztere Angelegenheit kgnn Köln als Vorbild genannt werden, wenngleich dort an den erwähnten Stellen der R.U. nur im sehr beschränkten Umfang einer-hälb^i.Wochenstunde erteilt wird. Ob sich, die hiesige Stadtverwaltung, deren Politische Verhältnisse ganz anders gelagert sind, zu dieser-Einführung verstehen wird, bleibt fraglich. Ebenso muß es alsunwahrscheinlich gelten, daß die Lehrherren geneigt sein werden, .ihren Lehrlingen eine weitere Stunde oder auch nur eine halbe Stunde der Arbeitszeit für N.U. zur Verfügung zu stellen. Der'Unterricht in den Berufsschulen ist erfahrungsgemäß besonders?sHwierig nnd es bedürste dafür erst recht eines ausgezeichneten-Ml^reMlaterials,. wob sehr unsicher ist, ob solches angesichts.M^?üb'eraus empfindlichen Mangels an wirklich geeigneten Lück)Wn Lehrkräften zu beschaffe» sein'wird.- -Dennoch wäre es sehr M.:wHyschen, w.eim auch. den. Berufsschülern in den Jahren der pMönWe'n - Ausreifung religiös-sittliche Beeinflussung in, iüdisWm^ÄiMe -znteil^ würde. - ' ' —--^— Die jüdischen Studierenden in Preußen. Von Herbert Philippsthal (Charlottenburg) Eine genaue Statistik der Studierenden der preußischen Landesuniversitäten unter Ausscheidung nach Konfessionen wnrde für Preußen zum erstenmal für das Wintersemester 1886^87 veröffentlicht. Die zahlenmäßige Feststellung, daß die Studenten eine andere Zusammensetzung in ihrem konfessionellen Aufbau aufweisen als die Preußische Bevölkerung, trifft auch heute noch zu. So befanden sich zur Zeit der/damaligen statistischen Publikation unter je 100 der männlichen .'.Bevölkerung' in Preußen 64.24 evangelische, 34,14 katholische und 1,29 jüdischen Glaubens. Tie Studenten in Preunen zeiaten dagcgen^folgendes Zahlenverhältnis: 69,24, 20,12 nnd 9,58. Bemerkenswert/ ist der auffallend hohe Prozentsatz studierender Inden.' der'teils mit ihrer Verteilung auf Stadt und Land zusammenhängt, teils mit dem bekannt hohen Bildnngsstreben. Die Zeit von 1886/87 bis 1927/28 iei nun in einigen Tabellen dem Leser vor Augen geführt Hierbei ist vorauszuschicken daß für Preußen die neueste Hochschulstatistik nur noch die Studienfächer bringt, früher aber die Fakultäten die Richtschnur für die Orientierung bildeten, wodurch ein Vergleich mit der Veraangenheit sehr erschwert ist. Daher soll als letztes Vergleichsjahr statt des Sommersemesters 1928 das Wintersemester 1927/28 verwandt Werden. Ferner muß darauf hingewiesen werden, daß die Fakultäten in der Nachkriegszeit anders gruppiert worden sind: Neben der juristischen wird noch eine rechts- und staatswissenschaftliche Fakultät geführt-, die hier zusammengelegt worden sind, da sie ja beide an? den Beruf des Juristen hinleiten., Tie Wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Fakultät bestand früher überhaupt nicht, so daß sie außerhalb des Vergleiches bleiben muß. Die philosophischen, naturwissenschaftlichen und philosophisch- und naturwissenschaftlichen Fakultäten sind zwecks Vergleiches als philosophische Fakultät zusammengefaßt. Man sieht also, daß der Vergleich zwischen Vor- und Nachkriegszeit in gewisser Hinsicht ungleichmäßig ist. , Gleichwohl kann man sich unter Berücksichtigung des Angeführten ein klares Bild der gesamten Entwicklung der jüdischen Studierenden in Preußen machen. Die folgende Aufstellung scheint mir die Entwicklung eindeutig wiederzugeben. Tabelle I. Von Reichsinländern studierten nach Fakultäten auf preußischen Universitäten: Evangelische Im Durchschnitt' der Jahre Jura Medizin Philosophie 1886/87—1891 1706 2073 2748 1891 92—1895/96 2054 1914 2322 1899—1899/1900 3126 1931 3520 1911-12 3698 2302 8834 1927/28 8064 3057 10367 Katholiken 1886'87—1891 441 741 603 1891/92—1895'96 575 63s. 580 1899—1899/1900 898 698 1166 1911/12 1226 1075 3426 1927M 3389 1639 2273 1886^37—91 193 644 297 1891/92—1895/96 266 529 259 1899—1899/1900 383 153 364 1911/12 557 465 334 1927 >'28 689 445 524 Juden Auffallend ist in der Tabelle I, daß die Zunahme der jüdischen Studierenden in Preußen viel langsamer vor sich gegangen ist als bei den übrigen Konfessionen und daß die Medizin-Studierenden jüdischer Konfession einen Rückgang zeigen. Ueber die Ursache dieser Tatsache wäre ein Urteil von medizinischer Seite sehr wünschenswert. In diesem Zusammenhang soll die Feststellung genügen. In welchem Maß der A n t e i l d e r I u d e u a m Studiu m größer ist als es ihrer Bevölkerungszahl entspricht, ersehen wir aus folgender Tabelle. Tabelle II. Uuter 100 auf prenßischen Universitäten studierenden Reichsangehörigen befanden sich: Im Durchschnitt der Jahre Evangelische Katholiken Juden 1886/—1891 71 96 18,73 8.98 1891/92—1895-96 6913 21,44 8,97 1899—1899/1900 66,80 24 67 8,11 1911/12 66,43 . 27,52 , 5 60 1927/28 62,5 29,0 4.9 Relativ, d. h. im Verhältnis zu den übrigen Glaubensbekenntnissen, neh m e n die Judeu iu dem oben gezeichneten Zeitraum ständig a b. übertreffen aber noch immer ihren Bevölkerungsanteil in Preußen, der bei der letzten Volkszählung (1925) 1,06^ betrug. Es ist sehr interessant, daß Preußens Statistik auch genaue Angaben über die Zahl nnd Konsession und das Studiu m der Ausländer publiziert. Für die deutsche Kulturpropagauda im Ausland hat das Studium vou Ausländern aus deutschen Hochschulen eine autzerorentliche Bedeutung. Tie letzte zusammenfassende Tarstellung für die Vorkriegszeit bildet einen Bestandteil der Erhebung von 1911/12. Ter Bearbeiter der Statistik stellt zunächst fest, daß die Zahl der Ausländer an den deutscheu Universitäten sich in den 10 Jahren von 1901/02—1911/12 ichneller vermehrt hat als die Gesamtzahl der Studierenden (absolut von 2564 auf 4186), so daß der prozentuale Anteil von 7,36 aus 7,91 gestiegen ist. Ter Hauptteil der Tteigeruug entsiel auf die R u s s e n. Während die Gesamtzahl der Ausländer iu deu 25 Jahren von 1886—1911/12 fast um das Einundeinhalbfache (14893^) wuchs, hat sich die Zahl der Russen in derselben Zeit nahezu versiebenfacht. Tie Zunahme der Studierenden ans Oesterreich-Ungarn, deren Zahl 1886/87 den Russen gleichkam, hielr nur mit der allgemeinen Zunahme Schritt, so daH ihr Anteil lein Sechstel) derselbe blieb. Ter Anteil der Schwei-er sank von sast einem Sechstel ans ein Vierzehntel. Aus diesen drei Ttaatengruppeu stammten 1911/12 über zwei Drittel der ausländischen Studierenden an den deutschen Universitäten. Von dem Nest entfiel ein erhebl-cher Teil auf die Völker der Balknnhalbinseln, von denen namentlich die Bulgaren. Serben und Rumänen eine außerordentliche Zunahme seit 1886 87 auszuweisen hatten. An der Spitze der außereuropäischen Länder standen zwar immer noch die Bereinigten Staaten: jedoch war bereits damals ihre Beteiligung am Besuch der deutschen Universitäten erheblich zurückgegangen. Eine sehr starke Znnahme hatten die Japaner. Tie Zunahme der Russen in der Vorkriegszeit kam hauptsächlich dem ^tndienfache der Medizin zugute; neun Zehntel der russischen Mediziner waren I u d e n. was z. T. mit dem Bestehen eines numlzni5 <:KvuLU5 für jüdische Studierende in Rußland in der Vorkriegszeit zusammenhängt. Betrachten wir nun im einzelnen die ausländischen Studierenden unter dem Gesichtspunkt des k o n f e s s i o n e l l e n M o m c n t e s. so sehen wir. daß unter den Ausländern überhaupt der Jude einen hohen Prozentsatz einnimmt. Tie Zahlen erbringen den Beweis. Tabelle III. Von Neichsausländern studierten: Jura Medizin Philosophie 86/87 08/09 27/28 86/87 08/09 27-28 86/87 08/09 27/23 Evanqel. 32 164 63 83^257 192^280^304 Katholiken 31 73 49 45 82 94 96 379 190 Juden 7 37 79 39 . 224 139 85 139 225 Sonstige 17 13 36 18 66 181 47 105 238 Zusammen^87 179 328 165 455 671 428 903 957 Insgesamt ist bei den ausländischen Studierenden der jüdische Anteil bedeutend größer als bei den inländischen. Die Untersuchung wäre unvollständig, wenn wir nicht auch noch der Studeutiunen in Preußen gedenken würden. Bon einem Frauenstiidinm kann erst gesprochen werden, -eitdem die

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