Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 7 (1928-1929)
- Issue
- 4 (12.1928)
- Date
- 1928-12-01
- Page
- Seite 105 (sequence 13)
- Language
- German
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Wie es bei Revuen üblich ist, trat das geistige Element hinter dem sinnlick wahrnehmbaren erfolgreich zurück, und das eindrucksvolle Aufgebot schöner und graziöser junger Menschen rechtfertigte für sich allein den starken Beifall, den die Aufführung fand. Bei den leiblichen Genüssen war den verschiedensten „Richtungen" Rechnung getragen, u. a. durch ein unter sachkundiger Leitung stehendes streng koscheres Büfett; besonders regen Zuspruch fanden auch Bar und Mokkastube. Ten vielen um das Fest verdienten Damen und Herren, die hier nicht einzeln aufgezählt werden können, ist zu wünschen, daß auch das materielle Ergebnis ihrer Bemühungen dem gesellschaftlichen Erfolge des wohlgelungenen Abends voll entspreche. Almö palliere in Frankfurt a. M. Der Verfasser des bekannten Buches „Das unbekannte Heiligtum", der zum katholischen Geistlichen bestimmt war und sich dem Judentum zuwandte, wird demnächst auch nach Deutschland kommen und eine Reihe von Vorträgen halten. Der erste Vortrag wird am 16. Januar in Frankfurt a. M. stattfinden auf Veranlassung des Vereins Synagoge an der Königsteinerstraße. Das Thema lautet: »Das Judentum alsErlebnis eines früheren Christe.n". Jüdische Wohlfahrtspflege Frankfurt a. M. Weiteste Kreise unserer Gemeinde haben durch die Tageszeitungen und durch, die jüdischen Zeitungen unserer Stadt bereits Kenntnis von der „Jüdischen Wohlfahrtspflege Frankfurt a. .M.", der Zusammenfassung der großen Organisationen der offenen jüdischen Wohlfahrt erhalten. Wir brauchen heute nicht darauf hinzuweisen, daß mit dieser Gründung die Bestrebungen einer Zentralisierung der jüdischen Wohlfahrtspflege, die seit Jahren von den verschiedensten Stellen ersehnt wird, einen bedeutsamen weiteren Schritt zu ihrer Verwirklichung erreicht haben. Den Lesern des Gemeindeblatts ist aus den ausführlichen Berichten über die Sitzungen der Gemeindevertretung bekannt, daß der Plan zum Neuaufbau der offenen jüdischen Wohlfahrts- Pflege seitens der Zentrale für jüdische Wohlfahrtspflege und dann seitens der Studienkommission der Jsr. Gemeinde in eingehender Beratung erörtert und festgelegt wurde. Nach langen Verhandlungen haben sich die Zentrale für jüdische Wohlfahrtspflege, der Almosentasten der Jsr. Gemeinde, die Weibliche Fürsorge und der Jsr. HilfsVerein E. V. zu der „Jüdischen Wohlfahrtspflege Frankfurt a. M." zusammengeschlossen. Tie Jsr. Gemeinde Frankfurt a. M. hat das große Interesse,, das sie der Sache entgegenbringt, dadurch bekundet, daß sie zwei Vertreter des Vorstandes und drei Vertreter der Gemeindevertretung in den Vorstand der neuen Organisation entsandt hat, Vor allem aber dadurch, daß sie ein Drittel der bisherigen Eingänge der offenen jüdischen Wohlfahrtspflege zur Verfügung stellt. Soll die Jüdische Wohlfahrtspflege Frankfurt a. M. aber die Aufgaben auch nur von fern erfüllen, die ihr gestellt sind, dann muß sie durch die Gemeindemitglieder in einem weit höheren Maße unterstützt werden, als das mit den eben genannten Institutionen bisher der Fall gewesen ist. Jeder auch nur oberflächliche Kenner der Verhältnisse weiß, daß wir mit einer mindestens fünfmal so großen Summe rechnen müssen, als sie die Gemeinde uns zu geben in der Lage ist, wenn auch nur einigermaßen die Hoffnungen erfüllt werden sollen, die auf die Gründung der neuen Institution von so vielen Seiten gesetzt werden. Diese umfaßt folgende Abteilungen: 1. Allgemeine Fürsorge, zuständig für die Fälle allgemeiner Not, Gewährung von Beihilfen aller Art, z. B. Mietunterstützung, Wirtschaftsfürsorge, Kranken- und Erholungsfürsorge und ähnliches. 2. Jugendfürsorge, Schutz der Jugendlichen vor körperlicher und erzieherischer Verwahrlosung, Pfegestellen, Verschickung zur Erholung und ähnliches. 3. Sonderfürsorge a,) Studentenhilfe b) Gefangenen- und Gefährdetenfürsorge e) Tuberkulosenfürsorge. 4. Wanderfürsorge, Unterkunft und Verpflegung der Durchwanderer, Ausgabe von Fahrkarten, Beschaffung fehlender Ausweispapiere. Jeder, der auch nur irgendwie im sozialen Leben steht, weiß, daß ein großer Teil des jüdischen Mittelstandes unserer Stadt vollkommen erloschen und in die Reihe der Armen und Unterstützungsbedürftigen übergegangen ist. Zahllose verschämte Arme sind noch nicht erreicht. Viele Familien sind noch nicht entfernt so unterstützt worden, wie es im Interesse der Gesundung der Verhältnisse unerläßliche Notwendigkeit ist. Zahlreiche erholungsbedürftige Kinder haben nicht die Kräftigung erfahren, deren sie bedürfen. Dazu kommt, daß eine Reihe von Institutionen, deren Aufgabenkreis von der Jüdischen Wohlfahrtspflege übernommen werden muß, nicht vermocht haben, die Summen zu beschaffen, deren sie für die Erfüllung ihrer Aufgaben bedürfen. Ja, einige der wichtigsten Zweige der offenen jüdischen Wohlfahrtspflege sind fast vollkommen vernachlässigt worden. Die einzelnen Organisationen der offenen jüdischen Wohlfahrtspflege unserer Gemeinde werden sich fortab nicht mehr an die Geber wenden. Die Jüdische Wohlfahrtspflege Frankfurt a. M. hat das Recht und die Pflicht, als die Fürsorgestelle aufzutreten, die die gesamte offene jüdische Wohlfahrt umfaßt. Die neue Organisation bietet mit ihrem umfassenden Aufgabenkreis die Gewähr, daß nicht das zufällige Ergebnis geschickter Propaganda darüber entscheidet, wo Hilfe gebracht wird, sondern ausschließlich sachliche Gründe maßgebend bleiben.