Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 7 (1928-1929)
- Issue
- 4 (12.1928)
- Date
- 1928-12-01
- Page
- Seite 100 (sequence 8)
- Language
- German
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Tätigkeit mit Kenntnissen gesättigt, ja, durch sie nur ermöglicht. Niemals freilich sind Wo^t nnd Schrift mit Gelehrsamkeit üoerladen. Er verschmäht den Jargon der Gelehrteil und die Technik der wissenschaftlichen Publikation. Immer aber fühlt man die Fülle, ans der herans die Gedanken entstanden sind. N o v e l ist im Laufe seines Lebens Zu einem sür westeuropäische Hegruse bedeuteudeu Halachisten geworden, der selbst die Anerkennung großer russischer Rabbiner fand. Mein Freund, Overrab!iiner R ub i n st e i n ans Wilna, hat mir wiederholt relfichert,, wie hoch er gerade Nobel auch in dieser Nichinng schätzte. Daß Nobel die Agada nnd die religiv'e Poesie vorzüglich kannte, braucht deshalb nicht hervorgehoben zu werden, weil diese Gebiete dem Rhythmus seiner Seele am nächsten verwandt waren. Gui aber kannte er auch ):e Religionsphilvsvphie und die kabbalistische Literatur. Durch die große Belesenheil, die Fähigkeit, zu allen Zeiten« ein Leser zu sein, hatte Nobel große geistige Schätze aufgespeichert, die bei dem synthetischen Permögen seines Geistes mühelos sich zusammenfügten und bei vielen Gelegenheilen glücklicheil Ideen Entstehung gaben. Welche Elemente des Judemnms hatten nnn sür Nobels Geistesleben besondere Bedeutung? Welche ließen in seiner Seeie vor allem die Saiten erklingen? Ich glanbe, daß insbesondere der T ab>bathidce und der P r o p h elie eine zentrale Bedeutung zukommt. In der Würdigung, die er häufig dem Sabbath zuteil werden ließ, werden vielfach agadische Gedanken verwendet, erscheinen aber in der -kühnen Joeenführnng nnd -verbindnng und in der Vertiefung, die er ihnen dnrch ethische, soziale nnd historische Gesichtspunkte verlieh, durchaus als ueue Gedanken, mindestens als glückliche Fortsetzung al.verlrcuuer traditioneller Anschauung. Im Sabbath sieht er so recht die Ueberleitnng vom rein Kosmischen, Naturhaften zum MenschheitÄverdeu. Tie Verbindung, die der Sabbath zwischen Schöpfer und Geschichte, zwischen Gott und Mensch herstellt, erhebt die jüdische Gedankenwelt auf eine besondere Höhe innerhalb der Menschengeschichte. Am entscheidendsten aber tritt bei Nobel der Sabbath als der große Schöpser des freien Menschen, als Uebevwiuder der Sklarerei ans den Plan. Er ist somit der Begründer der Persönlichkeit. Prophet: e ist das Ideal nnd das Ziel, das sein Sehnen ständig umkreist. Prophetie als Ucberwindung des Gleichmaßes und Stillstandes, des Verfalls nnd der Entartung im historischen Geschehen der Menschheit, Prophetie als der große Elan, der ein entscheidendes Stück vorwärts führt und immer erneut die Verbindung zwischen Menschheit und Geschichte herstellt, ist das Thema so mancher Rede. In seinem Munde war der Ausruf: „Gib uns Propheten", keine Phrase eines schwärmerischen Predigers, sondern ein Ruf 5us den Tiefen seiner Seele, wie es überhaupt keine formelhaften Erstarrungen bei ihm in Wort und Schrift gibt, sondern ein immer erneutes Erleben mit allen Kennzeichen der Ursprünglichkeit. Er wollte nicht nnd konnte es nicht ertragen, daß eine Erscheinung, die so charakteristisch für das antike Judentum war. wie die Prophetie, sür immer der Vergangenheit angehören sollte. Freilich — nnd das ist charakteristisch sür die sichere jndlsche Verankerung Nobels — kam ihm niemals der Gedanke, daß etwa die Prophetie' die Halacha verdrängen sollte. Seinem harmonischen Denken war überhaupt schroffe Ablehnung und entschiedene Ausscheidung von speziellen Kultuvwerten etwas Fremdes. Zusammenhänge zn schauen nnd Verbindungen herzustellen^, war seinem Geiste viel angemessener. Da die Harnlonisiernngsversnche sast nie gewaltsam waren nnd kanm je im Dienste slacher Apologetik standen, so stellen sie eine wahre Bereicherung' dar. In ihnen haben wir übrigens wiederum Zeugen seines künstlerischen Gestallens zu erblicken. Tie Herknnsr ans dieser Sphäre, die der religiösen ja verwandt ist, macht die Schönheit nnd den Charakter intuitiver Schall erklärlich. Es ist nicht nötig, noch einmal zu unterstreichen, wie sehr Nobel die Halacha liebte und kannte, und wie sehr er von ihrer Bedeutung sür den jüdischen Geist nnd das jüdische Leben durchdrungen war. Vielleichi mnß nur erwähnt werden, daß er insofern eine etwas andere Einstellung 'zur Halacha hatte als viele seiner konservativen Berufsgenossen, als er anch ihr Werden überschaute und Beziehungen zu anderen 'Rechtssystemen zu erkennen sich bemühte. Tas gibt selbstverständlich dem Blick eine etwas andere Richtung, dient aber, wie wir fest überzeugt sind, in Wahrheit nur der Ewigkeilssicherung des jüdischen Gesetzes selbst. Nnd ebeusv ist sein Bemühen, die Verbindungslinien zwischen der Halach.r und den anderen Aenßernngen des jüdischen Volksgeistes deutlich zu »lachen und erueut zu knüpfen, dem jüdischen Geistesleben nnr förderlich. Gerade diese Fähigkeit, die einzelnen charakteristischen Teile, die den Gesamtbegrisf des jüdischen Geisteslebens konstituieren, richtig in das System einzugliedern, hat Nobel so hoch über den Durchschuitt emporgehoben und ihm die stark aufrüttelnde, Menschen im Tiefsten erschütternde Gabe verliehen. Er allein konnte deshalb in unserer Zeit Menschen gewinnen und dem Jndentnm nicht nur oberflächlich zuführen, sondern sie zur Umkehr und Heimkehr bestimmen, nicht weil sie Schwärmer waren, sondern weil in ihrer Seele der große aus Liebe geborene und durch Wissen gestaltete Prozeß der Sehnsucht nach der Heimat mächtig geworden war. Nobels Verhältnis zn seinen Schülern, seine Befähigung, Menschen zu gewinnen, insbesondere die Jugend zu bezaubern, selbst die Entferntesten der jüdischen Lehre und dem jüdischen Leben zuzuführen, nicht oberflächlich nnd vorübergehend, sondern im Sinne einer entscheidenden Wendling lind Umkehr, ist das Ergreifendste in seinem Wirken. Nnr die große Ehrlichkeit feines eigenen religiösen Seins, das hehre Vorbild, die ungewöhnliche Geistigkeit und Reife, der kulturelle Hochstand und die künstlerische krsnkikurter keiir-Kursn5tslt?risctbs?g«r Anlage 14 »?eri»preens?: Csroluz 47421 liefert?rims, nocnnertj^e Kefir-/VUIck, 8tren^ rituell, von namnatten Xr^ten besten8 begutachtet. Lesonders empknolen bei Darm- und lungenkrankneiten, so>vie als tieil- und Verhütungsmittel. Keiir eignet sicn aucn vor-üAlicn kür LrnänrunAskuren, so^vie sür Lenebung von ZcnnZcne?ust3nden jeder H.rt. Lestellunxen scnriltlicn erdeten Oer lttensck im Kampk mit dem Virt8ct,attsleben! 5I47»4N 45c« ^Iz «lie?lrms vsrkrsckt« (5s»i. kk^I. 3.50, in I_sinsn kk^l. 5.50 Das l'nema des Lücken. Line?jrma macnt bankrott, kur alle, die ikr snZenörten, vom Lnet vis 2um letzten ^nZe8te!lten, ist eine neue Zituztion Ze8cnsffen. Wie werden sie mit inr kertiZ? Oer Verkg88er entniMt die verschiedensten Lngraktere vis in inre intimsten ^üZe; im Moment des einscnneidenden (Zescnennisses, >vo jeder seine >vsnre lXstur ^eißt. beÄenen durck jede Zute LucnnsndlunZ Kütten 6.!.ovnmg Verlag, Frankfurt a. IV!. koikLckilc« bleib! Kokk5ckil«l l Lin neuer vsvei,!?SPIS!<lHS LSN« l Vsrdlnilungsstiiekk üllk. 85.— SS.— isriS ll Krövs?si-8s>- 2 m lang M. 325.— kotksckilcl, ZckiNsrstr. 16