Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 7 (1928-1929)
- Issue
- 4 (12.1928)
- Date
- 1928-12-01
- Page
- Seite 96 (sequence 4)
- Language
- German
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Tie Gehässigkeit war noch durch die Tatsache verstärkt, wenn es eine Tatsache ist, daß Nikanor anfänglich Inda gegenüber ziemlich gut gesinnt war, der letztere aber aus Furcht vor Verrat sein freundliches Entgegenkommen zurückwies. Jedenfalls wird im zweiten Makkabäerbuch die Niederwerfung Nikanors als Vergeltung sür seinen schändlichen Versuch, ein Volk zu versklaven, behandelt. Als Nikanor drei Jahre später inl Jahre 161 b. Chr. von Inda endgültig besiegt und getötet war, wurde der Nikanortag, der Jahrestag seines Falles, als öffentlicher Feiertag an jedem 13. Mar begangen . . . . . . Um zu dein Kanrpf zwischen Inda und den Generälen des Lysias, Nikanor und Gorgias, zurückzukehren, so kann ich ihn kaum anders denn als einen Auskämmungsprozeß erklären. Gorgias war ein besserer Soldat als sein Kollege Nikanor und durch dessen Niederlage kaum betroffen. Er scheint überhaupt nicht in Nikanors Lager gewesen zu 'sein, sondern sich westlich von Jerusalem bewegt zu haben, während Nikanor ostwärts von der Küste vorrückte, auf der gleichen Linie, die fast vierzehn Jahrhunderte später Richard I. auf seinem Marsch von Akko her kam. Nikanor lagerte seine Hauptkräfte aus den niedrigeren Hängen, denn die Hügel am Weg nach Jaffa beginnen gerade erst, wenn Emmaus erreicht ist. In Emmaus aber sah er Judas erwartetem Angriff entgegen, während er aus eigener Initiative die Konzentration des Gorgias in die Wege leitete. Er hatte aus Serons Schicksal gelernt und lehnte es ab, sich in den Gebirgspässen zu verfangen. In Emmaus besetzte er eine weite Fläche für seine Kavallerie uud Phalanx, während die 'flankierende Bewegung des von Jerusalem kommenden Gorgias Inda zwingen sollte, an der von den Syriern gewählten Stelle anzugreisen. Was folgte, wird am besten damit bezeichnet, daß der syrische Plan an der Schnelligkeit Judas und seiner Kunst sich zu helfen, scheiterte. Er marschierte tatsächlich bor Gorgias und auf demselben Weg, legte mit großer Geschwindigkeit die zwanzig Meilen zwischen Mizpa und Emmaus zurück, gönnte seinen Truppen über Nacht Rast und dann, das Gebirge überschaueud und einen Blick aus das nach Osten gerichtete syrische Lager erhaschend, zeigte er sich .selbst in der Ebene, sobald die Morgendämmerung kam. Dies war ein guter Einfall. Wenn der moderne Reisende sich auf Judas Weg Emmaus nähert, kommt in der Tat die Ebene von Emmaus Plötzlich iu Sicht. Emmaus war eine ganz andere Sache als Bet-Choron. Hier unten lag ein verschanztes, gut bewachtes Lager, auftauchend im Morgenlicht. Wenn Judas Angriff eine Ueberrafchung war, so war Ueberraschung allein nicht die volle Erklärung der syrischen Panik. Inda griff in leichter Formation im Süden an, während Nikanor ihn von Osten oder Norden erwartete. Nun ist im Süden das Gelände gebrochen und steil, schlecht geeignet für syrische Kampftaktik. Nikanor hatte zudem sein Lager zu nahe an den Bergen ausgeschlagen, wie sich aus der Behauptuug ergibt, daß er nach der Panik des Morgens „in die Ebene floh". Die Verfolgung wurde nicht zu Ende geführt. Doch Judas Äugst vor der Annäherung des Gorgias war vergebens. Als er sah, was Nikanor geschehen war, lehnte Gorgias die Schlacht ab, die Inda ans dem tieferen Gelände nicht erzwingen konnte. Gorgias zog entweder den gleichen Weg nach Jerusalem zurück oder wandte sich südwestlich nach Azotus. Ich möchte nur bemerken, daß bei dieser Auffassung der Schlacht von Emmaus Gorgias feinen Weg nicht in einem Nachtmarsch verlor, sondern nicht dazu kam, mit Inda Fühlung zu uehmeu, bevor es zu spät war, um Nikanor zu helfen. To deutlich der Sieg Judas bei Emmaus auch war, Jerusalem war ihm noch versperrt. Er konnte sich nicht darauf eiulasscu, in die Stadt einzurücken, solange die Syrier die Zitadelle hielten und durch einen anderen syrischen Vormarsch von der Ebene her Hilfe erhalten konnten. Ein dritter Sieg war notwendig, um ihn nach dieser letzten Richtung sicher zu stellen, so daß er das Wagnis des Einmarsches in die Heilige Stadt unternehmen konnte. Im Jahre 165 b. Chr., einem ruhmvollen Jahr in den Annalen Judäas, ja der Welt, kam dieser dritte Sieg bei Bethzur. Lysias selbst führte eine starke Armee nach Judäa hinein — viel zu stark. Tie Syrier hätten durchweg mit -kleineren Streitkräften bessere Aussichten gehabt. Massen- oder Stoßangriffe, in denen die furchtbare Phalanx operieren konnte, waren in Judäa unmöglich. Auch beim Nahkampf der alten Zeiten half die Anzahl nichts, wenn es zur Schlacht kam, dagegen war die Zahl schädlich auf dem Marsch und noch mehr auf dem Rückzug. Meist ergriff Panik diejenigen, die im Rücken keinerlei Anteil am wirklichen Kampf nahmen, uud ihre Panik wirkte sich in der Kampflinie aus . . . . . . Lysias mit seinen Leuten und Elefanten umging Judas Flanke und Rücken, in der Hoffnung, ihn zwischen seinen eigenen Truppen und den feindlichen Jdumäern zu fasse». Aber Juda war Lysias nicht auf Gnade und Ungnade ausgeliefert. Seine vorangegangenen Erfolge hatten ihm mehr als Ruhin verschafft. Er besaß jetzt eiue Armee, mit Waffen, die er bei Nikanor erbeutet hatte. Lyfias war gezwungen, sich zurückzuziehen, fühlte die Unmöglichkeit, den Kampf gegen Inda fortzusetzen uud gab den Weg nach Jerusalem frei. Juda benutzte die Gelegenheit, weihte in einer Szene fröhlichen Triumphes den Tempel wieder ein, richtete Befestigungen gegen die immer noch von einer wohlausgestatteten syrischen Garnison besetzte Zitadelle auf, befestigte Beth-Zur und begann die gläuzeudste seiner Leistungen, den Feldzug in Galiläa. Wir köunen aber hier diese Ereignisse nicht im einzelnen verfolgen. Juda sollte weitere Siege erringen, aber es konnte scheinen, daß seine Popularität im Schwinden war. Das Volk war im allgemeinen zufrieden mit dem Erreichten, und als Bacchides vier Jahre nach der Wiederweihe des Tempels Juda bei Elasa traf, da war der Makkabäer nur noch von einer Handyoll zum letzten entschlossener Leute geschützt. Ob dies auf die Unbeliebtheit der politischen Pläne Judas zurückzuführen ist, oder weil Vacchides ihn diesmal unversehens faßte, Juda fiel; aber er hatte nicht vergebens gekämpft. Tie Syrier suchten fortan Judäa zu versöhnen, nicht zu erobern. Das Heträertum war gerettet und das Ereignis durch königliche Proklamation bestätigt. Der bedeutungsvollste unter den palästinensischen Feldzügen war der erfolgreichste in seinem Ergebnis für die Menschheit ... (Aus dem Buch: OamMiAns in k'Aleiztiire kiom ^loxsnclei t>Ii6 6r6At.. London 1927.) In der Frankfurter Zudengasse vor 300 Jahren. Von Or. Fritz Goitein. Um das Andenken ihres vor eineinhalb Jahren verstorbenen Baters, des um die Gemeinde hochverdienten Herrn Eli Michael s. A. zn ehren, ließen seine beiden Söhne das Standardwerk über die Frankfurter jüdischen Bräuche, das im Jahre 1630 geschriebene nnd im Jahre 1723 gedruckte, aber völlig bom Büchermarkt verschwundene Minhagbüch „Josif Omez" mit Einleitung, Register und Faksimile der Originalausgabe bereichert, neu herausgeben. Zweck eines Minhagbuches ist es, den von altersher üblichen Brauch entweder als Gesetz festzulegen, oder als Mißbrauch abzustellen; daneben enthält es ein ganzes Vademecnm für das persönliche Verhalten in allen möglichen Situationen. So ist ein Werk wie der „Josif Omez" nicht nur ein unentbehrliches Handbuch zur Kenntnis des Frankfurter Ritus, sondern auch eine reiche Fundgrube für den Kulturhistoriker, der das innere Leben, die Sitte und die soliden Verhältnisse der alten Frankfurter Juden studieren will. Zumal der „Josts Omez" in einer historischen Situation geschrieben ist, die von: lokalen, allgemeingeschichtlichen und religiösen Standpunkt aus ganz besonders interessant ist. Es war die Zeit nach dem berühmten Fettmilch schen Aufstand. Dieser war seinem eigentlichen Wesen nach eine soziale nnd religiöse Erhebung der Zünfte, der ärmeren Bevölkerung und der'Nichtlutheraner gegen die Ratsherrschaft, richtete sich aber vornehmlich gegen die Inden. Zwar gelang es, nach einer spontanen Plünderung' der Judengasse, deren Einwohner aus Frankfurt zu vertreiben, aber die glänzende Restitution und hochfeierliche Zurückführung der gesamten Judenschaft durch die kaiserlichen Kommissarien im Jahre 1616, sowie die außerordentliche harte Bestrafung der Rädelsführer, zeigte, wie gefestigt die Lage der Juden trotz allgemeiner Rechts Unsicherheit und vielfacher Schikanen war. Der bald darauf einsetzende Dreißigjährige Krieg änderte nichts an dieser Lage. Im Gegenteil; gerade aus unserem „Josif Omez" stammt die oft zitierte Bemerkung, daß es in diesem Krieg den Juden (als quasi Neutralen) weit besser ging, als ihrer Umgebung, so daß an verschiedenen Orten sogar Nichtjuden ihre Habe, um sie zu schützen, in jüdische Häuser flüchteten. Weniger erfreulich war die Lage im Inneren. Dieselben Parteigegensätze, die seinerzeit innerhalb der Frankfurter Bürgerschaft zum Fettmilchschen Ausstand geführt hatten, zerrissen jetzt die jüdische Gemeinde. Allgemein erhob sich ein mit großer Zähigkeit und Härte geführter Kamps gegen die unbeschränkte, rücksichtslose (aber oft doch recht erfolgreiche!) Willkürherrschaft einer zahlenmäßig geringen, aber wirtschaftlich um so stärkeren Oligarchie — eine Auseinandersetzung, welche durch die nochmaligen ökonomischen Kriegs-