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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1928-11-01 · 3 (11.1928) · p. Seite 63

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
7 (1928-1929)
Issue
3 (11.1928)
Date
1928-11-01
Page
Seite 63 (sequence 15)
Language
German
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Die Feier war harmonisch verlausen. Die Kriegerkameradschaft hält auf unbedingte Politische und religiöse Neutralität und hatte demzufolge sich an Herrn Dr. Salzberger gewandt. Diese Tatsache veranlagte den „Frankfurter Beobachter" zu einem geradezu unerhörten Angriff aus die Persönlichkeit des Herrn Dr. Salzberger und zu einer Beschimpfung der Farben der Republik. Die Staatsanwaltschaft erhob Ofsizialklage. Herr Dr. Salzberger hat den Angriff nicht auf sich sitzen lassen, um, wie er als Zeuge bei der Gerichtsverhandlung erklärte, nicht durch sein Schweigen zu verschulden, daß die jüdische Gemeinschaft, als deren Repräsentant er angegriffen war. ungestraft beleidigt werde. Die Verhandlung erster Initanz endigte mit der Verurteilung des Schriftleiters Gutterer zu zwei Monaten Gefängnis. Der Staatsanwalt hob hervor, daß diese Art des Kampfes eines Deutschen unwürdig sei, zumal von feiten eines jungen Menschen wie des Schriftleiters, der noch die Schulbank drückte, als Herr Dr. Salzberger als Seelsorger seine Pflicht gegen das Baterland im Felde erfüllte. Gegen das Urteil hatte Gutterer Berufung eingelegt. Die Berusungsverhandlung vor der Strafkammer des hiesigen Ländgerichts endigte mit einer Verwerfung der Berufung. Es wurde betont, daß der Angriff gegen einen Geistlichen, der in Erinnerung an alle Toten aus dem jedem anständigen Menschen heiligen Friedhofe spricht, eine besonders verwerfliche Handlung fei. Der Vorsitzende, der mit vorbildlicher Ruhe und Sachlichkeit die Verhandlung leitete, nannte in seiner Begründung des Urteils das Verhalten des Angeklagten hinterlistig und durchaus undeutsch. Hervorgehoben zu werden verdient die außerordentlich antisemitisch eingestellte Rede des Verteidigers des Angeklagten, des bekannten völkischen Agitators Rechtsanwalt Freysler aus Kassel. Die in seinem Plädoyer erhobenen versteckten Vorwürfe gegen das Judentum werden in ihrer Gehässigkeit nur noch durch die Unsinnigkeit der behaupteten Tatsachen übertroffen. Auch der Staatsanwalt wandte sich gegen diese für die deutschen Juden beleidigenden Ausführungen. Der Anwalt des Nebenklägers Dr. Salzberger, Rechtsanwalt Dr. Steffen Kann, gab dem Verteidiger des Angeklagten die gebührende Antwort und stellte fest, daß die Juden in der schwersten Zeit des Baterlandes genau so ihre Pflicht und Schuldigkeit getan haben wie alle anderen Staatsbürger, und daß die Zahl von 12 000 Toten besser wie alles andere die Opserwilligkeit und Väterlandsliebe der deutschen Juden beweise. Der „Frankfurter Beobachter" hat aus den Bestrafungen nichts gelernt. Trotzdem die Verteidigung klüglich zusammengebrochen War» setzt das antisemitische Blatt in gehässiger Form seine Kampfesweise gegen die jüdische Gesamtbevölkerung und einige jüdische Persönlichkeiten fort. Bezeichnend ist die Stellungnahme dieser Zeitung zu den tief bedauerlichen Vorgängen in Oppenheim am Vorabend des Versöhnungstages. Das Blatt verherrlicht die Angriffe von vielen Dutzenden antisemitischer Rohlinge gegen zwei wehrlose, friedlich vom Gottesdienst heimkehrende jüdische Mitbürger, obwohl es genau weiß, daß der eine mit dem Messer Gestochene ein Schwerkriegsbeschädigter war, der allerdings sich mit dem von seinem rechten Arm zurückgebliebenen Stumpf nur unvollkommen gegen die Masse der schwer bewaffneten völkischen Angreifer wehren konnte. Soll etwa an diesem „deutschen" Wesen dereinst die Welt genesen? I I Anstalten und Vereine " Israelitische Religionsschule. Anmeldungen für die beiden Unterrichtsanstalten, Hermesweg 5/7, und Unterlinbau 23, sowie für die Fortbildungskurse werden noch in der Anstalt im Hermesweg Sonntag, den 4. November, zwischen 10 und 11 Uhr, in der Anstalt Unterlindau Dienstag, den 6. November, zwischen 15 und 16 Uhr entgegen genommen. Zu jeder weiteren Auskunft ist der Leiter, Herr Rabbiner Dr. Jakob Horovitz, Staufenstraße 30 (Maingau 77963), gern bereit. Ez Chaim. Anmeldungen für die Fortbildungskurse in Pentateuch und Raschl, Michna, Gemarah, Schulchan Aruch werden noch vom 5. bis 9. November täglich in der Anstalt, Hermesweg 5/7, von 15 bis 16 Uhr von Herrn Dr. Köhler entgegengenommen. Nähere Auskünfte erteilt Herr Rabbiner Dr. Horovitz, Staufenstraße 30 (Maingau 77 963). Berein Hauptsynagoge. Am 7. Oktober fand ein Simchas Thora-Fest statt. Dank den Bemühungen des Vergnügunasansschusses gelang es sehr schön. Besonderer Tank gebührt Herrn Oberkantor Saretzki, der neben anderen Kräften zur Unterhaltung beitrug. Am 20. Oktober begann ein Kurs für Erwachsene über „Religiöse Fragender Gegenwart", anschließend an den Thora-Abschnitt, Leiter Rabb. Dr. Gottschalk, regelmäßig am Samstag nach dem Gottesdienst. . Am 24. Ortober wurde ein Kinderfest veranstaltet, dessenguter Erfolg Frau Dr. Hoffmann zu danken ist. Freisinniger Verein für jüdisches Gemeindcleben. Der Verein (Ortsgruppe der Vereinigung für das liberale' Judentum) veranstaltet am 10. November d. I. in sämtlichen Räumen des Frankfurter Hofs einen Gesellschaftsabend. Auch , diese - Veranstaltung, zu welcher die Vorbereitungen schon in vollem Gange sind, dürfte wieder einen glänzenden Verlauf nehmen, sq-! daß ein Besuch allen Freunden des Vereins sehr zu empfehlen istV Weitere Mitteilungen und Einladungen erfolgen noch durch die Tagespresse.

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